Yoga Kongress 2018 – Teil 3 von 3, Sonntag + Zusammenfassung

Endspurt. Der 3. Kongresstag am 18.11.2018 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg startet energievoll um 5 Uhr mit Pranayama oder Homa, 6 Uhr Satsang mit Meditation und Kirtan singen. Zu den beiden ersten Tagen findest du die Zusammenfassung hier im Blog. Ab 7:30 Uhr standen 3 verschiedene, parallele Vorträge zur Auswahl: Informationen zum Hochschul-Zertifikatslehrgang „Wissenschaft des Yoga Vidya“, „Das Yoga der Handlung und Hingabe“ mit Shekar Pandey und:

„Vedische Bildung und Erziehung“ mit Harilal

Einfachheit des Lebens, ein strenger Zeitplan und Respekt für den Lehrer sind die Prinzipien einer klassischen vedischen Erziehung. Es geht um eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung die einen starken Charakter hervorbringt. Diese innere Kraft braucht systematisch integrierte und disziplinierte Erziehung und Entwicklung. Dafür steht das Modell der vier Purusharthas – die vier Bestrebungen des Menschen:

  1. Kama = Sinnesbefriedigung,
  2. Artha = Wohlstand,
  3. Dharma = Pflichterfüllung

Dharma ist nicht gleichbedeutend mit Fähigkeiten. Aber deine Arbeit muss deiner inneren Natur und deinen Fähigkeiten entsprechen. Dharma hängt von der aktuellen Ausrichtung der 3 Gunas ab. Gunas sagen uns wie wir unsere Fähigkeiten nutzen können: Wenn Tamas überwiegt, wird der Mensch ein Standard-Familien- und Arbeitsleben führen. Rajas-Typen werden Unternehmer. Mischtypen aus Rajas und Sattva, werden Unternehmer mit Gesellschaftsverantwortungsbewusstsein und Ausrichtung. Sattvige Menschen fragen sich in ihrem Tun: „Wie kann ich etwas Neues schaffen und kommunizieren, das der Gesellschaft nützt?“

Es ist nicht effizient seine Fähigkeiten mit viel Energieeinsatz zu ändern. Aber du kannst an deiner Persönlichkeit arbeiten, um von einem tamasigen, mehr und mehr zu einem sattwigen Arbeits- und Lebensstil zu kommen. Dazu brauchst du nur ein dharmisches Leben zu führen: deine Fähigkeiten so gut du kannst einsetzen und jeden Tag dein persönlich Bestes geben. So dienst du dir selbst und der Gesellschaft und allen ist gedient. Dann gleichen deine Bürostunden einer langen Meditation, die dich nicht auslaugt sondern mit Energie versorgt und für die du auch noch bezahlt wirst. Es entsteht nachhaltiges Glück, indem du tust was du liebst.

Erst nachdem die ersten drei Purushartas gelebt wurden, kann auf dieser Basis Moksha, die Befreiung erreicht werden.

Um immer wieder die Kraft zu haben, sein Bestes zu geben, braucht es Prana, die Lebenskraft. Wie man dieses Prana optimal nutzen kann, zeigt Harilal mit seinem Workshop

„Techniken des ‚Prana Channelizing’ (Pranakanalisierung)“

Jeder Mensch hat die gleiche Menge an Prana, nur nicht jeder kann es voll ausschöpfen. So geht es nicht darum, das Pranalevel zu erhöhen, sondern vielmehr die verschiedenen Pranas zu harmonisieren, wieder in Einklang zu bringen.

Harilal über Theorie und Praxis der Pranaharmonisierung. Sonntag 18.11.2018 bei Yoga Vidya.

Die Praxis ist ähnlich wie bei Yoga Nidra in Rückenlage ohne jegliche Bewegung. Im ersten Schritt, führt Harilal uns in Savasana, die Tiefenentspannung. Erst nach der Entspannung, kann man subtil spüren. Wir gehen weiter zur Atembeobachtung. Dann prüfen wir mit der Bodyscan-Technik unser gesamtes System auf Disbalancen: wo fühlst du Hitze, wo eher Kälte oder Taubheit. Letzteres deutet auf wenig Prana in diesem Bereich hin. Wo im Körper hast du ein angenehmes Gefühl, also harmonisches Prana. Wo ist es schmerzhaft, kribbelnd oder juckend, ein Zeichen dafür, dass hier Prana fließt.

Im letzten Schritt, werden mit geistiger Wechselatmung die erkannten Disbalancen ausgeglichen. Unterstützt durch ein positives Sankalpa (kurzen, positiven Wunsch oder Gebet) im Geist. Für eine nachhaltig positive Wirkung auf das Gesamtsystem Körper, Geist und Seele, empfiehlt Harilal diese Praxis täglich 45 Minuten zu üben.

Lachen ohne Grund bis das Glück auch im letzten Winkel zu spüren ist – das ist Lachyoga 🙂

Alternativ dazu, konnte man parallel mit „Lachyoga, spielerisch das Lachen neu erfahren“. Es ist kein äußeres Ereignis oder Objekt notwendig, ich soll einfach so, ohne bestimmten Grund lachen. Und es klappt. Siehe da, die Freude, das Glück ist in mir. Und in der Gruppe macht es gleich noch mehr Spaß. So entdecken wir gemeinsam und motivieren uns weiterzumachen, auch wenn es mit dem Erkennen des inneren Glücks manchmal etwas länger dauert.

Um 10:15 Uhr stehen dann weitere 7 Angebote parallel zur Wahl. Unter anderem „Yogische Praktiken aus der Gheranda Samhita“ mit Veda Chaitanya. Eine sehr interessante Übung zur Einstimmung war das dynamische Hinsetzen und wieder Aufstehen mit ruhigem Atemfluss,  der unabhängig von der Bewegung/Anstrengung weiterfließt. Eine Stufe weiter, ging es dann zum detaillierten Bewegungsablauf in Kapalabhati. Fazit: durch regelmäßige Praxis und Unterstützung einer Lehrerin/eines Lehrers, lernt man „automatisch“ die richtige Art der Ausführung und die Wirkungen von Asanas und Pranayama.

Wer mehr ins Spüren gehen wollte, war beim Klangyoga mit Frauke und Kai genau richtig. Absolute Wohlfühlatmosphäre lud ein, einfach zuzulassen was ist und zu sein. Zwischen den klassischen Passagen wie Pranayama zu Beginn, gab es auch immer wieder Freiräume in denen die Teilnehmer sich genüsslich schütteln, dehnen, räkeln, seufzen oder stöhnen können. Kai führt und begleitet die Gruppe einfühlsam durch die Yogastunde. Gitarrenklänge und Fraukes elfenhafte Stimme und Klangspiele plätschern dabei in die Teilnehmer hinein und lassen diese immer tiefer in ihr eigenes Inneres tauchen. Nach Sonnengrüßen, Schulterstand und weiteren Grundreihen Asanas, im Drehsitz angekommen. Für Savasana, die Tiefenentspannung, scheint die Sonne dann nochmal wärmend auf die ruhenden Teilnehmer unter ihren weißen Decken. Und wie im Märchenschlaf kommt alles zur Ruhe.

Frauke und Kai schaffen Wohlfühlatmosphäre zum Loslassen und Auftanken im Sivananda-Saal.

Abschlussvortrag von Sukadev zum Kongressthema „Yoga – Forschung und Selbsterforschung.“ Zur Selbsterforschung können die 6 Yoga Wege sehr hilfreich sein: Jnana, Raja, Bhakti, Karma, Kundalini und Hatha Yoga.

Jnana Yoga stellt die Fragen „Wer bin ich wirklich?“, „Woher kommt das Wollen in mir?“, „Was ist ewig, was vergänglich?“.

Raja Yoga ist die Herrschaft über den Geist, mit der sich Gedanken steuern lassen. So bist du deinen Emotionen und Gemütszuständen nicht mehr hilflos ausgeliefert.

Bhakti Yoga ist die Hingabe an Gott. Mit der man hinter Allem das Wirken einer göttlichen Kraft erkennt.

Karma Yoga kann bedeuten alles im Leben als Lektion anzunehmen an denen man wachsen kann und mit Engagement sein Leben zu gestalten.
Kundalini Yoga sagt, du hast unendlich viel Energie. Du kannst lernen diese Energie zum Fließen zu bringen.

Hatha Yoga hilft dir deinen Körper besser zu spüren und den Geist zu beruhigen.

Abschlussrunde zum Yoga Kongress am Sonntag 18.11.2018. Lokah Samastah, Sukinoh Bhavantu. Mögen alle Wesen, Glück und Harmonie erfahren.

Fazit des Kongresses: Mach es dir nicht zu bequem im Nest. Bleib neugierig. Forsche und erforsche dich selbst. Mit der Erkenntnis aus Vedanta und Jnana Yoga, dass alles Täuschung ist, kannst du sicher auch vieles mit Humor sehen.

Wer sich noch etwas Input zu diesen und vielen anderen Themen gönnen möchte oder einfach aufladen und regenerieren möchte in den Yoga Vidya Ashrams ist herzlich eingeladen. Unser Seminar- und Individualgast-Angebot findest du hier: www.yoga-vidya.de/seminare.

Am 7. April 2019 eröffnen wir auch unser neues Gebäude Maha Meru mit weiteren Übernachtungsmöglichkeiten, größerem Speisesaal und neuen Yogaräumen.

Wir freuen uns auf dich!

Hier findest du alle 3 Teile – Rückblick Yoga Kongress 2018:

Weitere Impressionen vom Kongress:

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