12 – Identifiziere dich nicht mit deinem Besitz – Gelassenheit Podcast Teil 12

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Nicht-Identifikation als Mittel für Gelassenheit: Identifiziere dich nicht mit deinem Besitz. Dir gehört nichts. Alles ist nur Leihgabe von unbestimmter Nutzungsdauer. Sukadev erzählt das Beispiel von Janaka und Ashtavakra. Und er gibt dir einige Beispiele, die dir helfen werden, im Alltag Gelassenheit zu entwickeln – indem du aufhörst dich damit zu identifizieren.

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Jnana Yoga, der Yoga des Wissens, als Hilfe zur Gelassenheit stellt auch die Frage „wer bin ich“? Im letzten Abschnitt bin ich eingegangen auf die Subjekt-Objekt-Beziehung. Und wie Du durch das Verstehen von Subjekt und Objekt dich lösen kannst von Identifikationen und Verhaftungen. Indem Du dich löst, von Identifikationen und Verhaftungen, kannst du ein gelasseneres Leben führen.

Ein Beispiel war ja die Uhr, wenn Du sagst, dies ist meine Uhr, wenn Du dich sehr identifizierst mit der Uhr, dann wirst du immer wieder Sorgen haben. Du hast Angst, die Uhr geht nicht mehr, sie wird dir geklaut, sie geht kaputt. Du hoffst, dass andere die Uhr loben, du ärgerst Dich, wenn jemand die Uhr für nicht schön findet. Indem Du lernst, die Uhr ist ein Leihgegenstand von nicht beschränkter oder von unklarer Nutzungsdauer, das heißt, jederzeit kann sie von Dir genommen werden, kannst Du sehr offen sein, kannst Du sehr gelassen sein.

Oder angenommen, Du identifizierst Dich mit Deinem Auto. Viele Menschen kaufen ja ein Auto, dass es ihnen genau entspricht und Menschen verbringen zum Teil mehr Zeit damit als mit ihrem Partner, für viele Menschen ist ihr Auto ja sogar wie ihr zweites zuhause. Wenn Du dich mit dem Auto identifizierst, kommst du in alle möglichen Probleme. Das Auto wird irgendwann nicht mehr funktionieren, es muss in die Werkstatt, Menschen können es klauen, Du kannst es Dir nicht mehr leisten, usw, usw. Wenn Du erkennst, ich hab das Auto für eine beschränkte Zeit und ich werde mich drum kümmern, dann kannst du verhaftungslos mit dem Auto umgehen.

 

Eine kleine Geschichte, die dir vielleicht helfen kann, auf dem Weg der Gelassenheit mit Besitz umzugehen. Es ist eine Geschichte aus dem alten Indien, aus alten indischen Schriften, mehrere tausend Jahre alt. Es war einmal ein König namens Jnanaka. Dieser König war noch recht jung und er dachte, er will einige Zeit in die Lehre gehen zu einem großen Meister. Der größte Meister, den Janaka kannte, hieß Ashtavakra. Ashtavakra galt als ein ganz großartiger Meister. Und Ashtavakra stimmte zu, Jnanaka als Schüler aufzunehmen und Jnanaka organisierte seine Vertretung in seinem Königreich für einige Zeit. Janaka lernte bei Ashtavakra, er lernte über Yoga, er lernte über Meditation, er lernte wie er seinen Geist unter Kontrolle bringen konnte, er lernte alle spirituellen Prinzipien und er lernte viel über Gelassenheit.

In Indien ist es üblich, dass am Ende einer Lehrperiode der Schüler dem Meister eine Gabe gibt, ein sogenanntes Dakshina und es gibt keine festen Sätze, sondern man gibt, was man kann. Natürlich, Janaka war ein König, er konnte recht viel geben. Aber er wusste auch, Ashtavakra hatte auch alles, was er brauchte. Und Ashtavakra als grosser Meister war sogar recht zufrieden, er schien nichts zu brauchen und so fragte Janaka den Ashtavakra „Meister, ich würde Dir gerne einen Dakshina, eine Gabe geben, ein Lehrgeld geben. Was kann ich Dir geben? Du weißt, ich habe große Mittel, ich kann Dir alles geben, was Du willst.“ Und Ashtavakra sagte, „Du weißt nicht, worauf Du dich einlässt. Du sagst, Du willst geben, was auch immer ich will, Geld, ist das wirklich so?“ Janaka sagte, „ja, mein Wort als König gilt. Was auch immer Du willst und wenn es mir möglich ist, ich werde es Dir geben. Du hast mir so viel großartiges gegeben, so großartiges Wissen, so großartige Techniken. Was auch immer Du willst, ich werde es Dir geben.“ Ashtavakra lächelte und sagte „ok, dann überschreibe mir Dein Königreich. Ich will Dein Königreich haben.“ Janaka schluckte einen Moment, damit hatte er nicht gerechnet, aber er wusste, er hatte sein Wort gegeben und jetzt sagt er, „ok, mein Wort gilt, ich überschreibe Dir das Königreich.“ Sie setzten das gleich um und Ashtavakra nahm ein Pergament und Janaka unterzeichnete, er schrieb, hiermit überschreibe ich mein Königreich an Ashtavakra, ich ernenne Ashtavakra zu meinem Nachfolger. Ashtavakra ist jetzt der König. Ashtavakra hatte einige Schüler, sie unterschrieben als Zeugen, Jnanaka machte sein Siegel darauf und übergab dem Ashtavakra auch seinen Siegelring und noch ein paar Insignien der Macht.

Nachdem das alles gemacht wurde, lächelte Ashtavakra und sagte, „ok Janaka, Du kannst jetzt gehen.“ Janaka wusste jetzt nicht, was er weiter machen sollte, er hatte nur gelernt, König zu sein, aber dachte, irgendwas wird sich schon finden und ging weiter. Als er fast außer Hörweite war, rief Ashtavakra laut: „Janaka, bitte komm doch nochmal her.“ Janaka kam nochmal zurück und Ashtavakra sagte, „Du weisst, Du, ich fühl mich ja hier im Wald momentan ganz wohl, ich weiß ja gar nicht, wie man ein Königreich regiert. Könntest Du nicht das Königreich für mich regieren? Du regierst das Königreich für mich unter zwei Bedingungen. 1. Du wirst so tun, als ob Du der König wärst, du wirst weiterhin der König genannt und 2. Du weißt, in jedem Moment kann es geschehen, dass ich wieder zurückkomme und das Königreich regiere.“ Jnanaka lächelte und stimmte zu.

So ging Jnanaka zurück zu seinem Königreich, eigentlich nicht mehr zu seinem Königreich, zu Ashtavakras Königreich. Er tat gegenüber allen anderen so, als ob er der König wäre, wurde auch als König angesehen, lebte im Palast, saß auf dem Thron des Königs, machte alle Handlungen, die ein König auch machte, wusste aber tief im Inneren, es ist nicht sein Königreich, sondern es ist Ashtavakras Königreich. Und alle paar Monate kam Ashtavakra mal vorbei und lächelte und sagte: „Janaka, na, wie geht es Dir? Und er sagte, ich überlege gerade, ob ich das Königreich übernehmen soll, aber ich glaube, Du kannst noch eine Weile weiter regieren.“

So regierte Jnanaka das Königreich mit großem Engagement, denn für seinen Guru, für seinen Meister wollte er alles tun, so regierte er das Königreich so gut wie er konnte, und er regierte auch das Königreich mit den ethischen Prinzipien seines Gurus, also Gerechtigkeit, Geschicktheit, Frieden, Ausgleich, usw. Er regierte es so, aber er wusste, jederzeit kann das Königreich von ihm genommen werden und er wusste auch, letztlich ist es ja Ashtavakras Königreich. Wenn Ashtavakra mit seiner Regierung nicht zufrieden ist, könnte er ja jemand anderen einsetzen. So konnte er verhaftungslos regieren. Er konnte gut regieren, er konnte engagiert regieren, er brauchte keine Angst haben, Dinge falsch zu machen, denn er wusste, es ist ja eigentlich Ashtavakras Königreich und er identifizierte sich nicht. So konnte Janaka zeigen, wie man mit einer spirituellen Lebenseinstellung sehr gut und engagiert lebt.

Janaka als König lebte auch wie ein König. Er genoss auch den Luxus eines Königs, denn letztlich, Menschen brauchen auch, damit sie den König bewundern können. Aber Janaka wusste auch, in jedem Moment kann es sein, dass er nichts mehr besitzen würde. So heißt es, dass Janaka als König inmitten des Luxuslebens und inmitten aller Verantwortung, allen Stresses der Regierung eines Königreiches, die höchste Verwirklichung erreicht hatte. Und Janaka gilt in der Mythologie und in vielen Geschichten eben als ein Beispiel für jemanden, der in der Welt ist, aber nicht von der Welt. Der engagiert ist, aber nicht verhaftet. Der genießen kann, aber nicht an etwas hängt.

Das war natürlich ein guter Kunsttrick von Ashtavakra, dass er den Janaka auf eine solche Weise ausgebildet hatte. Aber das ist nicht nur Ashtavakra und Janaka, im Grunde ist es bei uns ja auch so. Uns gehört nichts. Angenommen Dir gehört ein Haus. Dir gehört nicht wirklich das Haus. Das Haus gehört Mutter Erde, gehört Gott, der göttlichen Mutter, wie auch immer Du es sehen willst. Du hast keine volle Kontrolle darüber, es kann Dir jederzeit weggenommen werden. Es kann Dir weggenommen werden durch ein Erdbeben, es kann Dir weggenommen werden durch eine finanzielle Katastrophe, es kann Dir weggenommen werden, weil irgendwo irgendwas kaputt geht. Es gehört Dir nicht, Dir ist es nur anvertraut worden für eine bestimmte Zeit. Du kümmerst dich um das Haus, Du kümmerst Dich um alles, was drin ist, Du tust nach außen so, als ob es Dir gehört, Du bist ja auch offiziell der Besitzer, aber Du weißt, jederzeit kann es Dir weggenommen werden.

 

Weiteres Beispiel: Angenommen Du hast ein Geschäft, z.B. ein Naturkostladen. Du hast einen Naturkostladen, aber Du weisst, Dir gehört der Naturkostladen nicht wirklich. Denn Du hast ihn zwar aufgebaut, aber die Vorstellung, dass einem irgendetwas gehört, ist schon etwas komisch. Selbst wenn du sogar das Haus mit Deinen eigenen Händen gebaut hättest, Du hättest es aus Materialien gebaut, die von Mutter Erde kommen. Typischerweise bist Du aber auch nur zur Miete da, das heißt, Dir gehören die Räume nicht und selbst wenn Dir die Räume gehören, vielleicht hast Du sie ja gekauft, aber selbst dann gehören sie Dir nicht, der Naturkostladen selbst gehört Dir nicht. Du bist vielleicht Eigentümer im Sinne von Einzelunternehmen oder als GmbH und Du zahlst Steuern darauf. Aber es ist nicht in Deiner Hand, ob er läuft oder nicht läuft, einen gewissen Einfluss hast Du, aber nicht den vollen Einfluss. Es braucht bloß ein paar Blocks weiter ein Naturkost-Supermarkt aufmachen, dann kann es relativ schnell sein, dass Du deinen Naturkostladen verlierst. Es kann sein, dass irgendwelche gesetzlichen Bestimmungen sich ändern, und dann wird es unmöglich, dass Du den Naturkostladen aufrecht erhältst. Es kann sein, dass Deine Hauptmarke in Skandalgeschichten verwickelt wird und schon wird nicht mehr gekauft und du kannst den Naturkostladen verlieren. So viel kann passieren. Und es ist wirklich wichtig, dass Du dir dessen bewusst bist. Der Naturkostladen gehört Dir nicht, er ist Dir anvertraut worden. Du hast eine Aufgabe damit zu erledigen. Du hast etwas zu tun. Du machst es so gut wie Du kannst und weil es Deine Aufgabe ist, machst Du es gut, vielleicht kannst Du sogar sagen, die Aufgabe ist mir anvertraut worden von Gott oder der höheren Wirklichkeit oder für einen guten Zweck, für eine gewissen Weile. Aber Du weißt, es kann jeden Moment von Dir genommen werden.

Jedenfalls kannst Du jetzt selbst noch überlegen, woran hängst du, was gehört dir, was ist vielleicht Dein Besitz? Womit identifizierst Du dich? Vielleicht Dein Auto, vielleicht Deine Kleidung, vielleicht Dein Haus, vielleicht Dein Garten, vielleicht Deine Firma, vielleicht irgendetwas anderes. Überlege und sei Dir bewusst, mir gehört nichts, auch keine Aktien, auch kein Vermögen, keine Alterssicherung, nichts. Es ist mir alles nur anvertraut worden für eine gewisse Weile. Ich will es nutzen, so gut, wie ich kann, zum Wohl von anderen und kann es auch genießen, ich darf es auch genießen, aber es kann jederzeit von mir genommen werden. Wenn Du diese Grundeinstellung hast, macht es Dir dann auch nichts aus, wenn es von Dir genommen wird. Dann sagst Du, ah, der Moment ist gekommen, die Nutzungsdauer ist vorbei. Ich werde das später noch ausdehnen auf Identifikation mit Posten, mit Aufgaben und auch mit Menschen. Sicherlich ist es hier noch etwas schwieriger sich davon zu lösen, verhaftungslos zu werden.

 

 

 

 

 

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