14 – Identifiziere dich nicht mit Eltern-Kind-Rollen – Gelassenheits-Podcast Teil 14

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Ein Grund für viele Auseinandersetzungen und Ärger sind Eltern-Kind-Beziehungen. Wie kannst du mehr Gelassenheit in den Umgang mit deinen Kindern/Eltern gelangen? Dazu gibt Sukadev dir hier einige Tipps aus dem Jnana Yoga. Durch Nicht-Identifikation mit deiner Rolle und insbesondere durch Nicht-Identifikation mit deinen Kindern und Eltern kannst du mehr Gelassenheit entwickeln. Und du kannst erfahren, was uneigennützige Liebe bedeutet.

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In diesem Abschnitt geht es um das Thema Gelassenheit durch innere Unabhängigkeit von anderen Menschen. Identifiziere Dich nicht mit anderen Menschen, insbesondere nicht mit einzelnen Menschen, insbesondere nicht so weit, dass Du Dein ganzes Selbstwertgefühl durch andere Menschen bekommst. Dieser Teil ist weiterhin ein Teil des Jnana Yoga Teils.

Es gibt viele Weisen, wie Du zu Gelassenheit kommen kannst und Jnana Yoga, der Yoga der Erkenntnis, ist einer der schönsten, insbesondere für Menschen, die eine eher philosophische Ausrichtung haben, die ihr Leben nach philosophischen Prinzipien gestalten wollen. Die Grundlage des Jnana Yoga ist die Frage „wer bin ich“ und die Aufforderung „erkenne Dein Selbst und sei frei“. So beschreibt es der große indische Yogameister Swami Sivananda. Frag, wer bin ich, erkenne Dein Selbst und sei frei. Im Grunde geht es im Jnana Yoga immer darum, sich von Verhaftungen zu lösen. Indem Du dich von Verhaftungen löst, kannst Du mehr Fragen, wer bin ich. Indem Du fragst, wer bin ich, kannst Du Dich leichter lösen von Verhaftungen. Das Ganze ist auch ein Teil der Subjekt Objekt Frage. Also das Subjekt, das ich, das Bewusstsein, nimmt wahr. Das Subjekt nimmt bestimmte Rollen an. Das Subjekt macht Erfahrungen in dieser Welt und handelt in dieser Welt. Und zu den Rollen gehören nicht nur Beruf und berufliche Stellung, Vereinszugehörigkeit, politische Zugehörigkeit oder auch Ernährungsphilosophie usw. Zu den Rollen, die Du spielst, gehört auch Mutter, Vater, Kind, Freund, Freundin, Partner, Partnerin, usw. Und viele Menschen identifizieren sich über ihre Rolle. Sie identifizieren sich aber nicht nur über die Rolle, sondern auch mit demjenigen, mit dem sie in dieser Rolle in Kontakt stehen. Darüber möchte ich jetzt besonders sprechen.

Eine besonders starke Identifikation findet natürlich mit den Kindern statt. Vermutlich ist eine verhaftungslose Beziehung gegenüber den eigenen Kindern nicht möglich, insbesondere nicht gesund möglich und vermutlich auch gar nicht wünschenswert. Eltern haben eine enge Beziehung zu ihrem Kind. Eltern haben eine enge Beziehung zu den Kindern, die sie aufgezogen haben und die sie selbst gezeugt haben. Nur diese Art von besonderer Beziehung sollte nicht zu zu starker Identifikation führen. Ich zeige mit ein paar Beispielen, wie eine stark identifizierte Eltern-Kind-Beziehung sein kann. Manche Menschen identifizieren sich mit ihrem Kind soweit, dass sie das Leben des Kindes stark bestimmen wollen. Sie haben vielleicht das Gefühl, in ihrem Leben ist vieles falsch gelaufen und jetzt wollen sie, dass bei ihrem Kind alles richtig läuft. Sie haben das Gefühl, ihre eigenen Eltern haben sie falsch behandelt, jetzt wollen sie alles richtig machen. Sie haben vielleicht sogar das Gefühl, dass sie ihr eigenes Leben nie richtig gelebt haben und wenigstens ihr Kind soll das eigene Leben leben.

Das sind alles heere und gute Ziele. Es führt dann aber dazu, dass das Elternteil sich ganz auf das Kind konzentriert und nicht mehr das eigene Leben führt, sondern nur noch das Leben des Kindes und wehe das Kind will einen anderen Weg einschlagen als das Elternteil vorgesehen hat. Vielleicht will das Kind genau das tun, was das Elternteil nicht machen will. Eine starke Identifikation mit dem Kind führt dann dazu, dass das Elternteil dem Kind die Möglichkeit zur eigenen Entfaltung nimmt. Das Elternteil mag gute Absichten haben und denkt, das Kind muss sich entfalten, hat aber genaue Vorstellungen, wie das Kind sich entfalten soll. Wenn Du solche Vorstellungen hast, dann behinderst Du vielleicht Dein eigenes Kind und setzt vielleicht diese Problematik weiter fort. Vielleicht hatten Deine Eltern bestimmte Vorstellungen, wie Du dich entwickeln solltest, vielleicht bist Du den Rollenzuweisungen gefolgt und vielleicht hast Du deshalb Probleme. Oder vielleicht hast Du dich so stark dagegen zur Wehr gesetzt, dass Du auch wiederum nicht Dein eigenes Leben gelebt hast. Oder vielleicht haben die Eltern gemerkt, Du folgst nicht deren Wünschen und haben sich dann von Dir distanziert. Ähnlich kannst du es auch mit deinem Kind machen. Du kannst dir jetzt gerade mal bewusst machen, wie stark identifizierst Du dich mit Deinem Kind? Wie stark hängt Dein Glück, nicht nur davon ab, dass es deinem Kind gut geht, sondern wie sich das Kind verhält?

Es gehört zum Elterndasein dazu, dass Dein Glück durchaus auch bestimmt wird vom Glück des Kindes, das Du am Kind Anteil nimmst. Aber wenn Dein Glück davon abhängt, wie Dein Kind sich genau verhält und welche Rolle das Kind spielt, wie das Kind sich entwickelt, dann identifizierst Du dich zu sehr mit Deinem Kind. Überlege also, was hast Du für Erwartungen für das Leben Deines Kindes? Was hast Du für Erwartungen, wie das Kind sich entwickelt? Wie stolz bist Du darauf, wenn das Kind genau Deinen Erwartungen entspricht? Wenn Du stolz bist, wenn Dein Kind sich gut entwickelt, wenn Dein Kind glücklich ist, dann ist es eine weniger verhaftende Identifikation. Das ist vermutlich die ideale Eltern-Kind-Beziehung. Aber Du kannst überlegen, wie sehr hängt Dein Glück davon ab, ob das Kind genau das tut, was Du denkst, was richtig ist. Wie sehr hast Du konkrete Erwartungen an das Kind?

Eine weniger verhaftete Weise der Liebe zum Kind wäre, Du weißt, Dein Kind hat schon viele Male gelebt. Gut, jetzt kommt das Ganze Yogaprinzip der Reinkarnation mit hinein. Aber angenommen Du könntest daran glauben, an Reinkarnation, oder Du könntest sie für möglich halten, dann könntest Du dir sagen, ja mein Kind hat schon so viele Reinkarnationen gehabt. Im Yoga spricht man ja von Millionen von Reinkarnationen im Tierleib bevor man erst einmal zum Menschen wird, und dann hat man viele Inkarnationen im menschlichen Körper. Du kannst Dir auch sagen, vielleicht war ich im früheren Leben das Kind meines Kindes, vielleicht war ich im früheren Leben ein Geschwister meines Kindes, vielleicht war ich der Nachbar. Jetzt in diesem Leben kommt mein Kind auf die Welt als mein Kind. In diesem Leben kommt aber mein Kind auch mit seinem eigenen Charakter auf die Welt, mit seinem eigenen Karma, und ich will gespannt sein, wie sich Charakter und Karma entwickeln. Ich will meinem Kind den besten Start ins Lebens ermöglichen. Ich habe die Aufgabe ihm durchaus auch Werte zu vermitteln, ich habe die Aufgabe ihm alles zu ermöglichen, ich mache dies im besten Wissen und Gewissen. Aber ich weiß, mein Kind hat den eigenen Charakter, mein Kind hat eigene Aufgaben, mein Kind wird seine eigenen Lektionen machen müssen, mein Kind wird eigene Weisen finden mit dieser Welt umzugehen und mein Kind wird auch Erfahrungen machen, auf die ich keinen Einfluss habe. Unfälle, Krankheiten, Verletzungen und außergewöhnliche Chancen und Möglichkeiten, all das wird zu meinem Kind dazugehören. Ich bin neugierig, was dort geschieht. Ich will daran Anteil haben, doch ich will nicht verhaftet sein. Ich habe meine Aufgabe, aber ich weiß, ich bin nicht mein Kind und mein Kind hat ein eigenes Karma und letztlich muss ich auch lernen loszulassen und mein Kind in seine Unabhängigkeit zu entlassen. Jetzt, insbesondere wenn ein Kind noch jung ist, jetzt habe ich besondere Aufgaben und jetzt bin ich vielleicht im besonderen Maße Mutter oder Vater. Und ich werde Mutter und Vater sein bis zum Ende meines Lebens, aber ich werde es mehr als Rolle sehen und ich will lernen verhaftungslos umzugehen. Sogar soweit verhaftungslos, dass selbst wenn mein Kind seinen Körper vor mir verlässt, dass ich dann weiß, ich habe meine Aufgabe erfüllt, und mein Kind wird auch sich weiter entwickeln ohne physischen Körper.

Das ist vielleicht die allerschwerste Lektion und ich hoffe Du wirst diese Lektion nie bekommen, aber es wird den einen oder anderen Leser geben, der genau diese Lektion schon bekommen hast. Und ich wünsche Dir, dass Du dann besser damit umgehen kannst, dass Du erkennst, Leben ist nicht nur in einem Leben, Entwicklung nicht nur in diesem Leben. Menschen entwickeln sich über viele Leben und Du begleitest jemanden über einen gewissen Zeitraum. Es gibt auch Fälle, wo Kinder einem schlechten Psychotherapeuten zum Opfer fallen, der dann alles auf die Eltern schiebt, was gewesen ist. Und man kann sogar Kindern Erinnerungen einsuggerieren. Ich kenne Fälle, wo Eltern ganz verzweifelt zu mir gekommen sind und sagen, mein Kind denkt, ich hätte es vergewaltigt und sie sagen mir, dass sie das ganz sicher nicht getan haben. Und ich weiß es natürlich auch nicht sicher. Es gibt solche Fälle, wo Psychotherapeuten an Traumaerinnerungen heranführen, die keine reale Grundlage haben. Die Eltern sind dann furchtbar im Leiden. Auch hier kann man aber sagen, ja auch das gehört zu Deinem Karma dazu, auch das ist eine Lernaufgabe, ist auch Lernaufgabe Deines Kindes. Du kannst da nicht viel machen und vielleicht gehört es zu Deiner Lernaufgabe zu erkennen, dass Deine Elternrolle jetzt wegen diesem Psychotherapeuten ganz anders geworden ist. Du kannst hoffen, dass diese Rolle sich wieder ändern wird, aber momentan kannst du gar nichts machen als zu erkennen, auch darin liegt eine Lektion. Jetzt kannst Du selbst, wenn Du ein Kind hast, nochmals kurz überlegen, wie ist meine Rolle gegenüber meinem Kind? Wo bin ich besonders verhaftet? Wo habe ich Identifikationen? Wie könnte ich etwas weniger identifiziert meine Rolle annehmen? Und wie kann ich auch aus dieser Rolle wieder herauskommen?

Die Rolle des Elternteils gegenüber dem Kind ändert sich ja auch. Ist das Kind in Deinem Bauch, hast Du eine Rolle. Ist das Kind Baby und auch ganz hilfsbedürftig, ist es wieder eine andere Rolle. Ist das Kind der große Entdecker der ersten Kindheitsjahre ist es wieder eine andere Rolle. Dann, wenn das Kind vielleicht in den Kindergarten geht, hast Du wieder eine neue Rolle. Manche Eltern wollen ge