Das Lakshmi-Prinzip zu Diwali

Am 14.11.2020 feiern wir bei Yoga Vidya und in ganz Indien das wundervolle Diwali. Es ist vergleichbar mit der Stellung von Weihnachten, wird gefeiert wie Sylvester und zählt als das wichtigste Fest des Jahre in großen Teilen Indiens. Klingt spannend, ist es auch! Dieses Fest hat wirklich alles von Kerzen über Süßigkeiten bis hin zu Feuerwerken. Aber die Feierlichkeiten sind nur die eine Seite, natürlich hat das Fest eine tiefgehende spirituelle Bedeutung.

Diwali ist ein Fest des Lichts und wird an Neumond gefeiert, weshalb sich das genaue Datum immer wieder verschiebt. Diwali kommt von den beiden Wörter Dipa und Vali. Dipa heißt Licht, Vali heißt Kette, zusammen ergibt es die Lichterkette. Traditionell werden Kerzen angezündet, Grußkarten verschickt und auch das Haus ausgiebig geputzt. Diwali steht immerhin für den Neuanfang und den Fluss des Lebens, doch dazu später mehr. Gläubige feiern die Rückkehr des Bewusstseins der Liebe Gottes in die Herzen der Menschen. Dies ist von ähnlicher Bedeutung wie die Geburt Jesus an Weihnachten im Christentum.

Es gibt mehrere Gründe, warum Diwali gefeiert wird. Asuras werden besiegt, Gottheiten vermählt und der Zustand des Ajnana wird eingetauscht gegen die Erleuchtung. Wem jetzt schon der Kopf von den ganzen Fremdwörtern schwirrt, kann gerne in den nächsten Absatz springen, es kommen jetzt nämlich noch ein paar mehr Sanskrit-Namen. Manche Regionen in Indien feiern die Rückkehr Ramas nach dem Sieg über den Dämonen Ravana. Dies erklärt auch, warum wir Diwali genau 20 Tage nach Navaratri feiern. Wer hingegen in Bengal wohnt, wird an diesem Tag der Götting Kali gedenken. Der Sieg von Krishna über Narakasura wird in Südindien gefeiert und hier bei Yoga Vidya zelebrieren wir die Hochzeit von Lakshmi und Vishnu.

Das Lakshmi-Prinzip

Lakshmi ist die Göttin der Schönheit, der Fülle und des Reichtums. Ihr Prinzip, an das wir zu Diwali besonders denken, ist einfach: Je mehr wir anderen geben, um so mehr bekommen wir. Indem wir geben, machen wir mehr Platz dafür neues zu bekommen. Je mehr wir bekommen, desto mehr können wir geben. Eigentlich ganz einfach oder? Wir sehen die Symbolik auch in ihren Abbildungen. Sie hat zwei nach unten geöffnete Hände, die zeigen, dass Lakshmi gibt und gibt und gibt. Aus ihr fließt Reichtum, Gnade und alles was das Herz begehrt. Die zwei nach oben geöffneten Hände stellen dar, dass sie allerdings auch empfängt, empfängt und nochmals empfängt.

Lakshmi mit zwei geöffneten Lotus Blumen in der Hand

Je mehr wir für andere tun, umso mehr bekommen wir. Swami Vishnu betonte oft, dass die besten Investitionen gute Taten und Spenden sein. Beides kommt karmisch wieder zurück. Dieses Prinzip ist schon einige tausend Jahre alt. Patanjali, ein Weiser aus der Zeit um Christus rum, berichtet uns von 8 Schritten auf dem Weg zur Erleuchtung. Der erste davon heißt Yama und bezieht sich auf den Umgang mit anderen. Im zweiten Kapitel Vers 37 geht es genau um dieses Prinzip. Es wird passiv als nicht stehlen beschrieben, umfasst nach der Interpretation Sukadevs jedoch auch die aktive Seite des Gebens.

Ist Nichtstehlen fest begründet, kommen alle Kostbarkeiten wie von selbst.

Die Yogaweisheiten des Patanjali für Menschen von heute, II.37

Das Lakshmi-Prinzip ist leicht in die Praxis umsetzbar, jedoch müssen wir sehr aufpassen, wie wir geben. Im Kommentar zu Patanjalis Text von Sukadev wird es noch einmal deutlich: Wenn wir mehr geben, als wir eigentlich können, berauben wir uns selbst. Wir sollten darauf aufpassen, die Menge an Geld, äußerer Absicherung oder Sicherheit zu behalten, die wir brauchen, um in unsere spirituelle Praxis einzutauchen. Haben wir nichts zu essen am Abend, werden wir am Morgen nicht konzentriert sein können. Es geht also um die goldene Mitte, nicht um die Extremen.

In der Praxis

Wenn du das Lakshmi Prinzip in dein Leben einladen möchtest, kannst du ganz klein loslegen. Zunächst kannst du dich darauf konzentrieren anderen nichts weg zu nehmen. Stehst du am Buffet mit einem leckeren Nachtisch, der fast alle ist, aber hinter dir kommen noch ganz viele andere, nimm dir weniger, damit alle etwas abbekommen. Ein anderes Beispiel ist es, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken, wie geistiges Eigentum von anderen zu nehmen und als selbstgeschrieben zu veröffentlichen. Sind wir in diesem Bewusstsein fest verankert, können wir anfangen anderen tatsächlich etwas zu geben.

Dafür musst du nicht reich sein und Materielles an deine Nachbarn verteilen. Du kannst so viel mehr geben, als du oft denkst. Beispielsweise Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind gute Geschenke, die wir aus ganzem Herzen an andere weitergeben können. Setz dich hin und sprich mit jemandem, der Redebedarf hat. Nimm dir Zeit die Tür für den nächsten Aufzuhalten oder schenke jemandem, der traurig aussieht, ein Lächeln. All das sind kleine Dinge, die das Herz öffnen und das Lakshmi-Prinzip aktiv in dein Leben einladen.

Diwali als Startschuss

Wir laden dich ganz herzlich ein, dieses Jahr an Diwali einen guten Vorsatz zu fassen. Du kannst das Geben aktiv in deinen Alltag einbauen und dir einen schönen Vorsatz nehmen, um in dieser Energie zu bleiben. Wie wäre es, wenn du dir ab jetzt vornimmst, jeden Tag mindestens 5 Lächeln zu verschenken? Oder magst du dir vornehmen jeden Tag drei Komplimente zu verschenken? Überlege dir gerne selbst etwas, dass für dich das Geben besonders symbolisiert, dann kommt das Empfangen von ganz alleine.

Manchmal haben wir das Gefühl, wir müssen uns das Empfangen von Dingen erst erarbeiten. Wir finden es beispielsweise schwer, Komplimente anzunehmen oder einen Dank ohne Widerspruch zu akzeptieren. Genau das gehört aber auch dazu. Du kannst dir an Diwali eventuell auch vornehmen, das Nehmen zu üben. Ganz klein könntest du anfangen bei jedem Kompliment einfach Danke zu sagen und zu lächeln. Alternativ kannst du auch bei kleinen Gesten, die andere für dich machen, wie Tür aufhalten oder etwas anreichen, einfach danken.

5 Kommentare zu “Das Lakshmi-Prinzip zu Diwali

  1. Ich öffne mich der Hingabe und Freundlichkeit gegenüber allen Menschen

  2. Johanna Vorhauser

    Es klingt so einfach, leicht und beflügelt, ich beginne ab heute damit. Danke für diese Herzwärmer

  3. Sabine Kricke

    Es sind besonders die „kleinen Dinge“ im Umgang miteinander, die uns das Leben so versüßen können 💖 Vielen Dank 🙏🏼

  4. Heute fange ich damit bewusst an!

  5. Astrid Militzer

    Das lesen dieses Textes hat mein Herz geöffnet.
    Danke dafür..Ich schicke eine liebevolle Umarmung

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