Yogische Vorsätze für das neue Jahr – Bist Du es Dir wert?

Es ist eine weit verbreitete Tradition, dass Menschen gute Vorsätze für das neue Jahr fassen, wenn das alte Jahr zu Ende geht. Fast genauso weit verbreitet ist die Tradition, diese Vorsätze am 1. Januar des neue Jahres wieder zu vergessen…

Spätestens nach einer Woche ist es bei Vielen mit den guten Vorsätzen vorbei und es geht in genau dem gleichen Trott weiter, wie schon letztes, vorletztes und vorvorletztes Jahr. Warum ist das so?

Weil wir es uns nicht wert sind. Wenn wir Vorsätze fassen, weil Silvester ist und das halt zum guten Ton gehört, kommt die Motivation nicht wirklich aus uns selbst heraus. Selbst wenn wir sagen: „Es wäre besser für mich, wenn ich mich gesünder ernähre oder mehr Sport mache…“ usw. bleibt die Frage, was wir damit meinen: Es wäre besser.

Wäre es besser, weil es gesellschaftlich höher angesehen ist oder weil die deutsche Gesellschaft für Ernährung das empfiehlt? Wäre es besser, weil der Arzt oder dein/e PartnerIn das gesagt hat? Oder erkennst Du darin tatsächlich einen Vorteil für Dich?

Weil du es dir wert bist

Viele Yogis und Yoginis fassen das ganze Jahr über immer wieder gute Vorsätze. Nicht weil ein neues Jahr, ein neuer Monat oder eine neue Woche beginnt, sondern weil sie erkannt haben, dass dieses oder jenes gut für sie ist und sie es sich wert sind.

Und weil sie den Sinn dahinter sehen, warten sie auch nicht bis zum Jahreswechsel, um es umzusetzen, sondern beginnen JETZT. Und wenn JETZT ein Mittwoch Nachmittag im September ist, ist das genauso gut, wie der Silvester Abend.

Es geht darum, zu erkennen, was für Dich gut ist und dass Du es wirklich tun willst. Wenn Du einen Vorsatz fasst, dann fasse ihn nicht, weil Silvester ist oder weil es besser wäre, sondern fasse Deinen Vorsatz, weil Du es Dir wert bist genau das FÜR DICH (und für niemand anderen) zu tun.

Bist Du es Dir wert, Dich gesund zu ernähren? Ist es Dir Dein Körper wert, ihn mit Hatha Yoga gesund zu erhalten? Ist Dir Dein Glück es wert, regelmäßig zu meditieren? Was auch immer Dein Vorsatz ist: Bist Du es Dir wert, ihn umzusetzen?

In einer Meditation kannst Du Deine guten Vorsätze genau unter die Lupe nehmen: Warum nehme ich mir etwas vor? Kommt die Motivation dafür von außen oder aus mir selbst heraus? Und bin ich es mir wert, diesen Vorsatz umzusetzen?

Wenn die Antwort Nein ist, kannst Du tiefer schauen: Warum bin ich es mir nicht wert? Was bin ich mir dann wert? Passt der Vorsatz zu mir? Oder wäre es gut, meinen Selbstwert genauer zu betrachten?

Welche Vorsätze passen in ein Yogi-Leben?

Grundsätzlich sind alle Vorsätze gut, die einen sattwigen Lebenstil unterstützen. Also alles, was Gesundheit, Heilung, Harmonie, einen klaren Geist und Frieden auf allen Ebenen unterstützt und gewaltlos ist.

Wenn Dir nichts einfällt, kann Patanjali Dir ein paar Inspirationen geben:

  1. Gewaltlosigkeit

Ich nehme mir vor, in meinen Gedanken, Worten und Taten gewaltlos zu sein. Positiv ausgedrückt bedeutet dass, dass ich Maitri – liebende Güte, Mitgefühl, Liebe und Wohlwollen in meinen Gedanken, Worten und Taten ausdrücke. Das gilt für den Umgang mit mir selbst und mit Anderen.

Ich gehe in Gedanken, Worten und Taten sanft mit mir und Anderen um. Ich urteile nicht, klatsche und tratsche nicht, mache mich und niemand anderen runter, schaue nach positiven Dingen bei mir und Anderen und gebe mir und Anderen das Gefühl verstanden und in Sicherheit zu sein.

  1. Wahrhaftigkeit

Ich bin ehrlich. Ich denke und spreche die Wahrheit und handle dementsprechend. Ich verschweige auch nichts, um Dinge anders erscheinen zu lassen, als sie sind.

Wahrhaftig zu sein erfordert manchmal Mut. Vielleicht habe ich Angst, dass jemand mich nicht mehr mag, wenn ich z.B. einen Fehler zugebe. Aber ich bin fest entschlossen, mich den Menschen so zu zeigen, wie ich bin.

Ich stehe zu mir, sage was ich fühle, was ich möchte, was ich nicht möchte, was meine Bedürfnisse sind und gebe meine Fehler offen und direkt zu. Dabei halte mich dabei an den ersten Vorsatz: Mitgefühl in Gedanken, Worten und Taten.

Das bedeutet, dass ich mich sanft und liebevoll ausdrücke und mich und andere nicht für Fehler verurteile. Auf diese Weise brauche ich keine Scham empfinden oder mich oder andere ablehnen. Liebevoll und sanft spreche ich die Wahrheit.

  1. Niemanden ausnutzen

Es kann sehr erstaunlich (und erschreckend) sein, herauszufinden, wie oft wir andere Menschen für egoistische Zwecke ausnutzen. Meistens geschieht es unbewusst. Aber da es im Yoga darum geht bewusst zu werden, ist dies eine grandiose Übung:

Hinter jeder Interaktion mit anderen Menschen, überprüfe ich meine Motivation. Wenn ich jemandem etwas erzähle, schenke, etwas für jemanden tue, helfe usw., überprüfe ich genau, was mein Bestreben dahinter ist. Besonders in schwierigen Situationen werde ich meine Motivation genauestens überprüfen und knallhart ehrlich dabei sein.

Leider machen wir oft Dinge, weil wir anderen gefallen wollen und um Liebe zu bekommen oder weil wir hoffen, dass die andere Person dann etwas bestimmtes tut oder lässt. Das, was wir tun, tun wir also doch nicht so ganz nur, um der anderen Person etwas Gutes zu tun, sondern weil wir dafür etwas erwarten: Liebe, Dank, Anerkennung oder ein bestimmtes Verhalten.

Das hat nichts mit Yoga zu tun. Diese Prüfung der Motivation hinter meinen Worten und Handlungen, kann zunächst erschreckend sein, weil mir klar wird, wie egoistisch ich sein kann. Sie wird mich und meine Beziehungen aber gnadenlos transformieren und das bin ich mir und sind meine Beziehungen mir wert.

  1. Nicht stehlen

Hört sich erst einmal einfach an, da die meisten von uns wahrscheinlich, außer vielleicht einem kleinen Ladendiebstahl in der Jugendzeit, keine Diebe in dem Sinne sind. Aber wie oft stehlen wir etwas im Geiste? Man nennt das dann Neid und Eifersucht.

Wie oft erwischst Du Dich dabei, etwas haben zu wollen, was jemand anderes hat? Sei es eine Sache, wie ein Auto, ein Kleidungsstück, das neueste Handy oder der Job, ein Erlebnis, das Aussehen, eine Charaktereigenschaft, Bildung, Talente oder den/die PartnerIn.

Diese Person lebt ihr Leben mit ihrem Karma und Du lebst Dein Leben mit Deinem Karma. Das, was zu Dir gehört, wird zu Dir kommen (oder ist schon da), das was nicht zu Dir gehört, kommt nicht, oder geht wieder.

Und mal ganz ehrlich: Wenn wir wüssten, was die Person für Probleme hat, würden wir wahrscheinlich doch nicht mehr mit ihr tauschen wollen…

Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe und öffne meine Augen und meinen Geist für die Fülle in meinem Leben. So kann ich anderen ihre Fülle gönnen und sie bei ihnen lassen. Ich bin zufrieden und Dankbar und vertraue, dass die göttliche Mutter mich mit allem versorgt, was ich brauche.

  1. Unbestechlichkeit

Ich stehe zu meiner Ethik, zu meinen (bewussten!) Prinzipien und meiner Lebenseinstellung. Ich stehe zu mir und zu meinen Bedürfnissen und Gefühlen. Deswegen formuliere ich klar und deutlich was ich möchte und was ich nicht möchte.

Wenn ich das tue, bin ich sanft und wahrhaftig in meinen Worten und Handlungen, vertrete jedoch meinen Standpunkt ohne mich durch materielle oder immaterielle Dinge, die andere mir versprechen, oder die ich mir von ihnen erhoffe, davon abbringen zu lassen.

  1. Ich tue immer mein Bestes!

Manchmal weiß ich nicht, was richtig ist. Manchmal sind die Dinge sehr verstrickt. Es kommt vor, dass ich in alte Muster verfalle und doch eine Notlüge mache, weil ich Angst habe, jemanden zu verletzen und seine Zuneigung dadurch zu verlieren. Oder ich bin neidisch auf jemanden oder lasse mich zu einem Tratsch verleiten.

Aber auch dann bleibe ich sanft mit mir, denn ich weiß, dass es ein langer Prozess sein kann, alte Muster, die sich über viele Jahre eingefahren haben, zu lösen und durch neue zu ersetzen. Aber ich werde immer bewusster und lerne jeden Tag. Ich tue stets mein Bestes nach bestem Wissen und Gewissen.

Ich weiß, dass ich auf dem Weg bin und richte meinen Blick auf die Erfolge und lerne aus den „Misserfolgen“. So gehe ich voran und entwickle mich in der Geschwindigkeit, die für mich richtig ist. Das bin ich mir wert!

Ich wünsche Euch allen ein gesundes, liebevolles, ehrliches, friedliches und aufregendes Jahr 2019!

Om Shanti

Quellen:

Seminare mit Gauri

  • 01.02.2019 – 03.02.2019, Ayuryoga (Yoga Vidya Westerwald)
  • 15.02.2019 – 17.02.2019, Asana intensiv – Die 84 Hauptasanas
  • 29.03.2019 – 31.03.2019, Asana intensiv – Frühlingserwachen
  • 05.04.2019 – 07.04.2019, Asana intensiv für Ausgeglichenheit, innere Stabilität und Vertrauen
  • 21.04.2019 – 28.04.2019, Yoga Fitness Coach Ausbildung

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

→ Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

 

3 Kommentare zu “Yogische Vorsätze für das neue Jahr – Bist Du es Dir wert?

  1. Wunderbar!… spricht mir aus dem Herzen! So ähnlich, nur nicht ganz so ausführlich und den eigenen Wert unterstreichend hab ich es in meinem Neujahrsartikel auch formuliert. Wenn Du Lust hast, dann schau doch mal rein ;-). LIebe Grüße und vielen Dank für Deinen Input, auhc in den letzten Tagen im Ashram.
    Clara

  2. Danke, liebe Gauri! Wunderschön zusammengefasst!
    Auch Dir alles Gute und Liebe im 2019!
    Sandra

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