Eine Inspiration: Das Prinzip der Ganzheit

Der Meister sprach zu seinem Schüler:

„Höre mir zu, junger Schüler: Welche Atemzüge bereiten dir mehr Freude? Sind es jene, durch die du Luft in deinen Körper hineinziehst, oder solche, mit denen der Atem dir entweicht? Oder sage mir: Erscheint es dir genüsslicher, wenn sich das Herz mit deinem Blut füllt, oder ziehst du es vor, wenn dein Herz das Blut aus sich herausstößt?“

Der Schüler blickte seinem Lehrer ratlos entgegen.

Daraufhin fuhr der Meister fort:

„Wenn wir geneigt sind, so können wir uns sogar auf solche Fragen eifrige Antworten zurechtlegen – aber warum sollten wir das tun? Erkenne: Im Zusammenspiel von Gegensätzlichkeiten mögen wir vielleicht einer bestimmten Richtung oder einer gewissen Empfindung den Vortritt lassen, indem wir – je nach Vorliebe oder Haltung – ein Urteil über eine Sache fällen. Doch was könnte unser Urteil für oder gegen etwas bewirken, wenn es offensichtlich das Zusammenspiel des Ganzen ist, durch dessen Vollständigkeit die Funktion überhaupt erst erfüllt wird? Zeige mir also denjenigen, der es vorzieht, nur noch einzuatmen, oder jemanden, der sein Blut in lediglich eine Richtung fließen lässt. Du wirst niemanden finden, der das vollbringt, eben deswegen, weil es hierbei das Prinzip der Ganzheit ist, das wirkt. Sei von nun an aufmerksam und wende dieses erhabene Verständnis vom Prinzip der Ganzheit zunehmend an, um nicht länger unnötig in irreführenden Anschauungen zu verharren. Gib das üppige Laster zwanghafter Beurteilung auf, und du wirst sehen: Das große Leben wirkt ungeachtet unserer Urteile aus sich selbst heraus vollständig und ganz. Darüber staune mit mir und nimm es als ein Geschenk für dich und für einen jeden an, mit dem du Freund sein willst. Dies wird großen Frieden bringen.“

(dg)

 

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