Frohe Pfingsten

Morgen feiern wir Pfingsten . Pfingsten ist ein christlicher Feiertag jüdischen Ursprungs. Und Pfingsten hat auch für Nichtchristen eine wichtige Bedeutung. Der Ursprung des Pfingstfestes ist ein Festtag der Juden, Schawuot . Schawuot feiert die Offenbarung der Tora, also der Heiligen Schrift der Juden, welche die Grundlage des Alten Testamentes der Christen ist. Shawuot war und ist in Israel auch ein Erntedankfest – in Israel beginnt/begann die Ernte früher als in Mitteleuropa. Auch als Nichtjude kannst du Shawuot feiern:

  • Mache dir bewusst, dass es so etwas wie göttliche Inspiration gibt. Mache dir bewusst, dass die Heiligen Schriften der verschiedenen Religionen nicht einfach nur menschgemacht sind. Vielmehr steckt in den Heiligen Schriften  göttliche Offenbarung. Dieser Ursprung durch Göttliche Offenbarung und Inspiration gilt für alle Schriften, also die Veden und die Bhagavad Gita, den Pali Kanon der Buddhisten, für die Torah, für die Bibel, den Koran und viele weitere Schriften. Wenn wir in einer Heiligen Schrift lesen, sollten wir dies mit Demut tun. Nicht umsonst sagt Patanjali, dass durch das Studium der Schriften (Svadhyaya in einer der vielen Bedeutungen) zur Verbindung mit Gott führt. Dass die Schriften göttlich inspiriert sind, heißt nicht, dass nicht auch Menschliches, allzu Menschliches in ihnen steht. Natürlich ist auch der Zeitgeist in einer Schrift enthalten – und manches, was man heutzutage neu interpretieren muss. Dennoch sollte ein Geist der Ehrerbietung vorherrschen, wenn du eine Heilige Schrift liest.

Im Christentum feiert Pfingsten die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu, auf die Apostel. In der Bibel, in der Apostelgeschichte, kannst du das nachlesen: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Wind, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt“ (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 1 bis 4). Erfahrene Yoga Übende bzw. belesene Yoga Interessenten erinnern sich vielleicht an Beschreibungen von  Kundalini  Erweckungserfahrungen. Ich möchte hier nicht zu viel über die christliche Bedeutung von Pfingsten sprechen – das können die bibelbelesenen und theologiestudierte Pfarrer und Priester sicherlich besser als ich.

Mir kommt es hier darauf an zu betonen, dass das Pfingsterlebnis der Jünger Jesu nicht nur den Aposteln vorbehalten war. Vielmehr kann jeder Aspirant tiefe spirituelle Erfahrungen machen. Und jede spirituelle Erfahrung ist ein Zusammenspiel aus zwei Faktoren, nämlich eigene Anstrengung und göttliche Gnade:

  • Eigene Anstrengung, Purushartha: Die Jünger haben Jahre lang Jesus gedient. Sie sind seinen Instruktionen gefolgt, haben seine Lehren in die Praxis umgesetzt, trotz ihrer menschlichen Schwächen. Obwohl sie immer wieder dem hohen Anspruch Jesu nicht gerecht geworden sind („Seid vollkommen wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“), haben sie sich weiter bemüht. Daher der Tipp: Sei regelmäßig in deinen spirituellen Praktiken. Lass dich durch Fehlschläge nicht entmutigen. Und es macht nichts, wenn du dir deiner menschlichen Schwächen immer mehr bewusst wirst – und vielleicht denkst, dass du selbst nicht ausreichend gut als Aspirant bist. Demut ist im Gegenteil ein gutes Zeichen.
  • Göttliche Gnade, Kripa: Das Pfingsterlebnis, die Erfüllung durch den Heiligen Geist, kam für die Jünger Jesu dann doch recht überraschend – eine Gnade aus heiterem Himmel. Öffne dich daher ganz für die Gnade Gottes. Sie wird dich führen – und dir die Erfahrungen schenken, die du brauchst.

Interessant ist, welche Wirkung das Pfingsterlebnis auf die Jünger hatte:

  • Die Jünger Jesu wurden plötzlich mutig. Sie verloren Ängste und Schüchternheit. Sie gingen auf die Menschen zu. Sie waren bereit, ihr Leben für ihren Glauben zu opfern. Sie konnten Krankheiten heilen, in verschiedenen Sprachen sprechen. Du kannst dir also bewusst sein: Auch wenn du viele Schwächen haben magst – Tiefe spirituelle Erfahrung kann dir helfen, darüber hinauszuwachsen
  • Die Jünger Jesu hatten aber auch anschließend menschliche Schwächen. Die Apostelgeschichte geht da ganz offen damit um. Die Jünger hatten Meinungsunterschiede, es gab Streitigkeiten etc. Spirituelle Erfahrung, Herabkunft des Heiligen Geistes, heißt also nicht, dass gleich alle menschlischen Schwächen verschwinden. Du musst auch anschließend weiter an dir arbeiten

Man kann sagen, es gibt zwei Arten von spirituellen Erfahrungen, die „kleinen“ und die „großen“ – und natürlich jede Menge Zwischen-Stadien:

  • Um die kleinen spirituellen Erfahrungen kannst du dich immer wieder bemühen. Du kannst z.B. jetzt kurz aus dem Fenster schauen, den Himmel anschauen. Vielleicht hörst du auch Vögel. Vielleicht siehst du ein paar Wolken. Lass das ganz auf dich wirken – spüre Liebe und Verbundenheit – spüre das Göttliche im Hier und Jetzt. Wenn du mit einem Menschen zusammen bist, spüre mit deinem Herz sein Herz – du wirst Liebe spüren, eine andere göttliche Offenbarung. Wenn du etwas hast, was du gerne hast – sei dankbar, und lass deine Freude göttliche Offenbarung werden. Und bei schwierigen Situationen nimm sie als Herausforderung Gottes. Auch für die kleinen spirituellen Erfahrungen gilt: Du kannst sie nicht erzwingen, du kannst sie erbitten
  • Die größeren spirituellen Erfahrungen sind ganz sicher Gnadenerlebnisse. Sie transformieren und bewirken oft sehr tiefe Veränderungen. Dennoch sollte man sich nicht auf sie verlassen – viele kleinere spirituelle Erlebnisse hinterlassen stärkere transformatorische Wirkung als eine größere – und vor allem sind sie leichter in den Alltag zu integrieren.

Vielleicht hast du auch noch ein paar Gedanken zum Pfingstfest – morgen ist ja Pfingstsonntag (vielleicht auch heute – je nachdem wann du diesen Blogpost liest…)

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