Wie wir mit dem Atem zur Ruhe finden können

Unser Atem ist eine machtvolle Kraft. Vom ersten Schrei zu unserer Geburt bis hin zum letzten Atemzug zu unserem Tod versorgt er unseren Körper und Geist mit Leben. Ohne ihn könnten wir keine menschliche Erfahrung machen.

Im Sanskrit sprechen wir von Prana. Prana ist sowohl der physische Atem, als auch die lebensspendende Energie, die diesen und alles andere belebt. Mit jedem Einatmen nehmen wir Prana in uns auf und mit jedem Ausatmen geben wir Prana an unsere Umwelt ab.

Durch den Atemprozess können wir bewussten Zugang zu Prana finden, der Grundenergie des Lebens. Denn unser Atem ist nicht einfach nur ein körperlicher Prozess, sondern wirkt auf allen Ebenen unseres Seins.

Bewusstes Atmen löst Stress auf

Im Alltag nehmen wir unseren Atem meistens gar nicht bewusst wahr. Er ist immer da und erledigt immer seinen Job, aber bekommt von uns nur selten die Aufmerksamkeit, die er verdient. Er arbeitet in der Stille.

In diesen automatischen Atemvorgang Bewusstsein hereinzubringen kann vieles verändern. Wenn wir uns unseres sonst unbewussten Atems wieder gewahr werden, können sich all die Ängste und Sorgen auflösen, die durch eine unachtsame Lebensweise entstanden sind.

Zum Beispiel haben viele Menschen die Gewohnheit, in stressigen Situation sehr flach zu atmen oder ihren Atem sogar phasenweise komplett anzuhalten. Vielleicht hast du das bei dir auch schon mal beachtet. Alles was es dann braucht, um wieder normal zu atmen und entspannen zu können, ist das bewusste Bemerken „Ich atme gerade nicht.“

Uns immer wieder auf unseren Atem zu besinnen und es uns zur Gewohnheit zu machen, in den unterschiedlichsten Alltagssituationen nach ihm zu schauen, ist daher sehr hilfreich im Auflösen von einengenden Gedanken und Emotionen.

Das Prana fühlen

Wenn wir den Atem beobachten und mehr und mehr vertraut mit ihm werden, stellen wir irgendwann fest, dass es nicht nur Luft ist, die wir ein- und ausatmen. Atmen ist ein spiritueller und energetischer Prozess, ein Austausch, der uns mit unserer Umwelt verbindet.

Wir können den Atem dafür nutzen, uns des Pranas, das alles durchdringt, gewahr zu werden. Durch den Atem können wir einen Zugang zu der grundlegenden Lebensenergie aufbauen – einfach, indem wir ihn fühlen.

Die grundlegende Atemtechnik im Yoga

Nicht nur das bewusste Atmen, sondern auch bestimmte Atemtechniken können dabei helfen, die Verbindung zu unserem Atem zu stärken und innere Ruhe zu finden.

Die grundlegende Atemtechnik im Yoga ist die tiefe Bauch- bzw. Zwerchfellatmung. Durch sie können sich unsere Lungen voll mit Luft füllen und das Prana im ganzen Körper verteilen.

Das bereits erwähnte flache Atmen, das in Stresssituationen auftritt und diese begünstigt, ist leider für viele Menschen zum Standard geworden. Durch einen stressigen und hektischen Alltag ist ihr Solarplexus unter ständiger, unbewusster Anspannung, sodass eine natürliche und tiefe Bauchatmung für sie nicht möglich ist.

Vom flachen Atmen in die Brust zum tiefen Atmen in den Bauch zurückzukehren kann anfangs anstrengend sein und etwas Übung erfordern, doch es lohnt sich.

Die tiefe Bauchatmung lässt sich am einfachsten im Liegen praktizieren, da unser Körper im Schlaf ohnehin in den Bauch atmet. Nachdem wir uns im Liegen mit der Bauchatmung vertraut gemacht und unser Zwerchfell etwas trainiert haben, werden wir auch immer besser im Sitzen, Stehen und Gehen die Bauchatmung praktizieren können.

Nach und nach wird das flache Brustatmen dann automatisch vom tiefen Bauchatmen ersetzt und unser Körper kehrt von selbst zu einem natürlichen Atemrhythmus zurück.

Die Vollständige Yoga-Atmung

Eine Erweiterung der tiefen Bauchatmung ist die vollständige Yoga-Atmung. Die vollständige Yoga-Atmung ist sehr gut um Stress und Anspannungen im Körper zu lösen und auf allen Ebenen zur Ruhe finden.

Bei der vollständigen Yoga-Atmung beginnen wir wie gewohnt mit der tiefen Bauchatmung, erweitern diese jedoch noch um die Brust- und Schlüsselbeinatmung.

In der Praxis sieht der Vorgang wie folgt aus:

  1. Einatmen: Der Bauch füllt sich mit Luft, dann die Brust und schließlich der Bereich unter den Schlüsselbeinen
  2. Ausatmen: Der Bereich unter den Schlüsselbeinen leert sich, dann die Brust und schließlich der Bauch

Die vollständige Yoga-Atmung lässt sich wie die tiefe Bauchatmung anfangs am besten im Liegen üben.

Weiterführende Atemübungen

Weiterführende Atemübungen im Yoga sind z.B. Kapalabhati (die Schnellatmung) und Anuloma Viloma (die Wechselatmung). Auch diese können uns dabei helfen, eine intimere Beziehung zu unserem Atem aufzubauen und zur Ruhe zu finden.

Der Atem ist unser Freund

Solange wir diese menschliche Erfahrung machen, ist der Atem stets an unserer Seite. Er begleitet uns vom Anfang bis zum Ende und bietet uns einen Zufluchtsort, der für uns immer zugänglich ist. Egal in welcher Situation wir uns befinden; der Atem ist da.

Uns dieser grundlegenden Erfahrung von und Beziehung mit unserem Atem wieder bewusst zu werden kann viele scheinbare Probleme lösen. Durch ihn können wir körperliche und geistige Anspannungen lösen und wieder zu innerem Frieden finden.


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