Ostern aus yogischer Sicht

Ostern ist eines der wichtigsten Feste des Christentums. Es wird am ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn gefeiert. Die Ostergeschichte kann auf verschiedene Weisen gedeutet werden.

Für die Christen zeigt sie die unendliche Barmherzigkeit Gottes, indem Jesus am Kreuz die Sünden der Menschen auf sich nimmt und sie dadurch von diesen befreit.

Es gibt aber auch andere Bedeutungen. In der heidnischen Tradition beispielsweise steht das Osterfest für den Tod des Winters, die Rückkehr des Lichts bzw. der Sonne und das neue Erblühen der Natur.

Oster aus Yogischer Sicht

Heute möchte ich aus der Sicht des Yoga auf Ostern schauen. Nach Pramahansa Yogananda ist Yoga die Wissenschaft der Religionen und hat das Ziel, diese zu erklären und Gott direkt erfahrbar zu machen. Dafür ist es hilfreich die biblischen Begriffe in die Sprache des Yoga zu übersetzen.

Wer war Jesus?

Jesus war ein Avatar wie Krishna oder Rama. In der Bhagavad Gita sagt Krishna, dass Gott sich in jedem Zeitalter verkörpern und auf die Erde kommen wird, um das Böse zu vernichten und die Gerechtigkeit wieder herzustellen.

Jesus war also die menschliche Verkörperung Gottes, bzw. eine Inkarnation des Erhalters Vishnu. Er war eine erleuchtete Seele, die auf die Erde kam, um eine göttliche Aufgabe zu erfüllen.

Wer ist Christus?

Christus oder das Christusbewusstsein ist das allumfassende göttliche Bewusstsein Brahman, welches die Yogis mit Sat (Sein), Chid (Wissen), Ananda (Glückseeligkeit) beschreiben.

Es besteht also ein erheblicher Unterschied zwischen den Worten Jesus und Christus. Jesus ist der Name für den Menschen, der in Bethlehem geboren wurde. Christus ist sein Ehrentitel, weil das Christusbewusstsein in seinem Körper wohnt und er sich dessen vollkommen bewusst ist.

Was ist Sünde?

Im Yoga gibt es das Gesetz von Ursache und Wirkung: Karma. In dem Moment, in dem wir unsere göttliche Natur vergessen und uns mit den Aspekten der materiellen Welt, Beziehungen, unserem Körper, unseren Eigenschaften, Handlungen und Gedanken identifizieren, bringen wir das Rad des Karma ins Rollen.

Aus yogischer Sicht leiden wir also nicht, weil ein erboster Gott uns für unsere Sünden bestraft, sondern weil unsere Identifikationen das Karma dazu veranlassen uns durch unangenehme Situationen dabei zu helfen, diese zu erkennen und aufzulösen.

Die Aussage der Ostergeschichte aus yogischer Sicht

Gott hat in einer Zeit, in der die Menschen ihre göttliche Herkunft vergessen und sich sehr stark in der materiellen Welt und negativem Karma verstrickt haben, einen Avatar auf die Erde gesandt, der sie wieder an ihre göttliche Herkunft und an die Liebe erinnern sollte.

Auf seinem Weg zum Kreuz sagte Jesus zu Gott: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. In einem Akt unendlicher Liebe und Barmherzigkeit nimmt Jesus das negative Karma der Menschen auf sich und befreit sie dadurch von großem Leid.

Damit zeigt er, dass durch Gottes Liebe sogar die Härte des Gesetzes von Karma abgemildert werden kann. Gleichzeitig weist er uns auf die wichtigsten Werte eines göttlichen Lebens hin:

  • Liebe und Vertrauen zu Gott
  • Liebe zu allen Wesen, unabhängig davon wer sie sind und was sie tun
  • Fähigkeit, schwierige Situationen zu ertragen (und seine Situation war um Einiges schwieriger, als solche, in denen wir normalerweise stecken!!!) und als Möglichkeit zur Seelenreinigung anzunehmen
  • Niemals jemanden zu verurteilen, denn Verurteilung eines Anderen bedeutet Verurteilung von Gott

Dies geschah am Karfreitag. Drei Tage später – am Ostersonntag – ist Jesus auferstanden und in den darauffolgenden vierzig Tagen bis Himmelfahrt immer wieder seinen Jüngern erschienen, um ihnen vom Reich Gottes – der Geistwelt oder der Welt von Brahman – zu predigen.

Es gibt Aufzeichnungen, die darauf hinweisen, dass Jesus von seinem etwa 13. bis 30. Lebensjahr in Indien war und  dort von großen Meistern gelernt hat. Wenn dies wahr ist, war Jesus womöglich ein großer Yogi und beherrschte die Techniken, mit denen Atmung und Herzschlag kontrolliert und sogar vorübergehend abgestellt werden können.

Wenn wir davon ausgehen, könnte es sein, dass er sich während der großen körperlichen Schmerzen, die er am Kreuz ertragen musste, in tiefe Meditation bis zum Atem- und Herzstillstand versenkt hat. Da alle dachten, er sei tot, wurde sein Körper ins Grab gelegt.

In der Zeit bis zum Ostersonntag, kam er aus der meditativen Versenkung zurück , erwachte und verließ sein Grab. So könnte es gewesen sein. Jesus‘ unerschütterliches Vertrauen zu Gott und seine Versenkung in das Christusbewusstsein – seine Verschmelzung mit Gott, haben ihm das Leben gerettet.

Ostern ist somit ein Fest mit tiefer yogischer Bedeutung, nicht nur im übertragenen Sinne: Es ist wichtig, dass wir uns durch Meditation und spirituelle Praxis von unseren Anhaftungen und Identifikationen mit dem manifesten Universum lösen und uns der Welt Gottes, bzw. unserer Seele zuwenden.

Dabei spielt es keine Rolle, was bisher war, denn Gott ist unendlich gnädig. Er verurteilt nicht, sondern vergibt, er erlässt sogar Karma und liebt unendlich. Und das sind genau die Tugenden, die auch wir entwickeln sollen, um jeder selbst ein Christus zu werden.

Fröhliche Ostern!

Om Shanti

Ein Artikel von Gauri Reich. 

Gauri Reich ist Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher und Diplom Betriebswirtin. Gauri praktiziert Yoga seit 2011.

Nach ihrer Yogalehrer Ausbildung lebte sie fast 2 Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Ihr Yogaunterricht basiert auf dem Yoga nach Swami Sivananda, der mal durch fließende Elemente aus dem Vinyasa, mal durch exate Ausrichtungsprinzipien aus dem Iyengar Yoga und mal durch ganz viel Bhakti und Mantras ergänzt wird.

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Quellen und Link-Verzeichnis: 

 

1 Kommentar zu “Ostern aus yogischer Sicht

  1. premajyoti

    Wenn wir davon ausgehen, könnte es sein, dass er sich während der großen körperlichen Schmerzen, die er am Kreuz ertragen musste, in tiefe Meditation bis zum Atem- und Herzstillstand versenkt hat. Da alle dachten, er sei tot, wurde sein Körper ins Grab gelegt.
    In der Zeit bis zum Ostersonntag, kam er aus der meditativen Versenkung zurück , erwachte und verließ sein Grab. So könnte es gewesen sein. Jesus‘ unerschütterliches Vertrauen zu Gott und seine Versenkung in das Christusbewusstsein – seine Verschmelzung mit Gott, haben ihm das Leben gerettet….

    na, das würde ich nicht so sehen, sie haben wahrscheinlich seinen Geist/sein Spirit gesehen , der aufgestiegen ist!Aber ansonsten gefällt mir der Bericht sehr gut! Om Shanti

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