Tvameva Mata – Verbinde dich mit Gott

Tvameva Mata - Hingabe an Gott, Gebet

Das Tvameva Mata: ein Mantra der Hingabe und des Vertrauens. Es bedeutet, sich selbst und das eigene Leben ganz darzubringen an Gott – sich zu verbinden mit Gott. Es geht auch um das Geben und das Annehmen, um Führung und Befreiung. Was bedeutet dieses Mantra genau übersetzt und wann wird es gesungen?

Tvameva Mata – Das Leben ganz darbringen

Das Tvameva Mata ist die Widmung am Ende der Lichtzeremonie (Arati) und somit Bestandteil jedes Satsangs und jeder Puja in der Sivananda-Tradition. So wird es bei Yoga Viya mehrmals täglich gesungen. Du kannst diese Strophen aber auch singen, wann immer du Gott alles darbringen willst.

Tvameva Mata – Wörtliche Übersetzung

Grundsätzlich ist die Bedeutung eines Mantras oder Kirtans mehr als nur die Bedeutung der einzelnen Worte. Für einen Bhakta, einen Gottesverehrer, einen Kirtanisten, sind Mantras und Kirtan eine Lobpreisung Gottes.

Oft sind sich auch in Indien die Sänger nicht bewusst, welche Bedeutung die Worte haben – sie spüren vielmehr einfach Bhakti: die Hingabe, die Liebe, die Gottesnähe. 

Viele Menschen können sich dennoch mit einem Mantra besser verbinden, bekommen einen tieferen Bezug dazu, wenn sie es auf allen Ebenen verstehen – also die Übersetzung und Bedeutung kennen:


त्वम् एव माता च पिता त्वम् एव त्वम् एव बन्धुश् च सखा त्वम् एव
त्वम् एव विद्या द्रविणं त्वम् एव त्वम् एव सर्वं मम देवदेव // १ // 

कायेन वाचा मनसेन्द्रियैर् वा बुद्ध्यात्मना वा प्रकृतेः स्वभावात् 
करोमि यद् यत् सकलं परस्मै नारायणायेति समर्पयामि // २ // 

सर्वधर्मान् परित्यज्य माम् एकं शरणं व्रज / 
अहं त्वा सर्वपापेभ्यो मोक्षयिष्यामि मा शुचः // ३ //

tvam eva mātā ca pitā tvam eva ‘ tvam eva bandhuś ca sakhā tvam eva
tvam eva vidyā draviṇaṃ tvam eva ‘ tvam eva sarvaṃ mama deva-deva // 1 //

kāyena vācā manasendriyair vā ‘ buddhyātmanā vā prakṛteḥ svabhāvāt
karomi yad yat sakalaṃ parasmai ‘ nārāyaṇāyeti samarpayāmi // 2 //

sarva-dharmān pari-tyajya ‘ mām ekaṃ śaraṇaṃ vraja /
ahaṃ tvā sarva-pāpebhyo ‘ mokṣayiṣyāmi mā śucaḥ // 3 //


Wort-für-Wort-Übersetzung

tvam eva mātā ca pitā tvam eva ‘ tvam eva bandhuś ca sakhā tvam eva
tvam eva vidyā draviṇaṃ tvam eva ‘ tvam eva sarvaṃ mama deva-deva // 1 //

tvam: du
eva: eben, allein (das vorhergehende Wort betonend)
mātṛ: Mutter
ca: und
pitṛ: Vater
bandhu: Verwandter, Bruder, Freund
sakhi: Freund, Gefährte
vidyā: Wissen
draviṇa: Reichtum
sarva: all-
mama: mein
deva: Gott

Du allein [bist] Mutter und Vater, du allein. Du allein Verwandter und Freund, du allein.
Du allein Wissen und Reichtum, du allein. Du allein alles, mein Gott der Götter.


kāyena vācā manasendriyair vā ‘ buddhyātmanā vā prakṛteḥ svabhāvāt
karomi yad yat sakalaṃ parasmai ‘ nārāyaṇāyeti samarpayāmi // 2 //

kāya: Körper
vāk: Sprache, Rede
manas: Denken, Wille
indriya: Sinnesorgan
: oder
buddhi: Wahrnehmung, Intellekt, Unterscheidungskraft
ātman: Selbst
prakṛti: Natur
sva: eigen
bhāva: u.a. Sein, Existenz, Zustand, Natur
(sva-bhāva: m. eigener Zustand, Eigenart)
karomi (kṛ): ich mache
yad: was, welches
(yad yat: was auch immer)
sa-kala: mit den Teilen, ganz, all-
para: fern, ander-, höchst
nārāyaṇa: Bezeichnung Viṣṇus
sam-arpayāmi: ich gebe ganz hin

Was immer ich durch Körper, Sprache, Denken, oder Sinnesorgane, Intellekt, Selbst oder Eigenart [meiner] Natur tue – ich gebe alles dem Höchsten, Nārāyaṇa, hin.


sarva-dharmān pari-tyajya ‘ mām ekaṃ śaraṇaṃ vraja /
ahaṃ tvā sarva-pāpebhyo ‘ mokṣayiṣyāmi mā śucaḥ // 3 //

sarva: all-
dharma: Gesetz, Religion, Pflicht, Recht, Gerechtigkeit, frommer Brauch
pari-tyaj: ganz aufgeben
mām: mich, zu mir
eka: eins, allein
śaraṇa: Schutz
vraja (vraj): gehe
aham: ich
tvā: dich
pāpa: Übel, Sünde
mokṣayiṣyāmi (muc): ich werde befreien
: nicht
śucaḥ (śuc): bedaure, trauere

Gib alle frommen Bräuche auf und begib dich in meinen (Kṛṣṇas) alleinigen Schutz. Ich werde dich von allem Übel befreien, trauere nicht.


Es ist also ein Mantra, mit dem du dich dem Göttlichen vollkommen anvertraust und hingibst. Du erkennst, dass hinter und in allem Gott steckt. Alles, was du tust, tust du für Gott. Du gibst alle Pflichten oder frommen Bräuche auf und begibst dich in den göttlichen Schutz und die göttliche Führung. Dabei kannst du darauf vertrauen, dass du von allem Unheil und aller Schuld befreit wirst.

Wann und wozu rezitieren wir das Tvameva Mata?

Twameva Mata, die Widmung nach dem Arati, rezitieren wir, um uns selbst ganz Gott darzubringen. Am Ende verbinden wir uns nochmals mit Gott. Wir haben vorher Arati, eine Lichtzeremonie, durchgeführt. Wir haben so unser Herz geöffnet, Gott in all seinen Erscheinungen und Aspekten verehrt und gute Wünsche in alle Richtungen geschickt. Und jetzt bringen wir unser Leben ganz Gott dar.

Sukadev spricht über das Tvameva Mata

Unser Versprechen an Gott

Es sind daher auch Strophen, die auch als Naivedyam Shlokas bezeichnet werden, Samarpanam Shlokas, also Shlokas (Strophen), mit denen man sich selbst darbringt. Sie sind zudem Kshama Shlokas, also Shlokas, mit denen man um Vergebung bittet.

Insbesondere der letzte Vers ist eine Bitte um Vergebung, denn wir sagen dort mit anderen Worten: „Ich kann sowieso nicht alles Hundertprozent richtig machen, aber Gott, du kannst alles wieder gerade richten. Ich bringe dir alles dar und indem ich dir alles darbringe, vertraue ich darauf, dass du schon alles wieder richten wirst.“

Tvameva Mata - Hingabe an Gott, Gebet

Das Tvameva Mata ist zudem ein Mantra des Vertrauens und des Loslassens – ein Mantra, mit deren Hilfe wir unsere eigenen Lasten auf die Schultern Gottes bringen können. Wir sagen, „Samarpayami“, deshalb auch Samarpana Shloka:

„Ich bringe alles dar, ich gebe alles ganz hin, und zwar Kaya – meinen Körper. Ich gebe Vak – meine Sprache hin, Manas – mein Denken und mein Wünschen, mein Herz, Indriya – meine Sinne, Buddhi – meinen Intellekt, Atma – mein Selbst, Prakriti – meine ganze Natur, Svabhava – all meine Gefühle, mein ganzes Sein.

Karomi Yad Yat – was auch immer es sein mag, ich bringe alles dar. Sakalam Parasmai – bringe ich dar dem Höchsten und zwar dem höchsten Narayana, das heißt, dem Gott, der in allen Wesen ist.“ Wenn man das morgens sagt, dann sagt man: „Was auch immer ich heute tun werde, ich bringe es dir dar.“ Wenn man es abends sagt, sagt man: „Was auch immer ich heute getan habe, ich bringe es dir dar.“

Gottes Versprechen an uns

Die letzte Strophe, „Sarva Dharman Parityajya“, das ist ein Bhagavad Gita Vers aus dem 18. Kapitel, 66. Vers. Es ist ein Versprechen von Krishna. Krishna sagt:

„Was auch immer du tust, bringe es ganz mir dar. Gib die Vorstellung auf, dass du weißt, was richtig ist, bringe es alles Gott dar. Wenn du alles Gott darbringst, dann wird Gott dich von allem befreien. Sorge dich nicht, du wirst zur höchsten Moksha, zur höchsten Befreiung kommen.“

Das ist das Versprechen, das Krishna in der Bhagavad Gita macht. Und so können wir morgens sagen: „Ich werde mich bemühen, das Richtige zu tun. Ich weiß, hinter allem steckt die göttliche Gegenwart. Ich will alles Gott darbringen und dann weiß ich, Gott wird dafür sorgen, dass das Richtige geschieht.“

Und Gott hat das Versprechen gegeben: wenn du alles Gott darbringst, dann wirst du nichts Falsches machen, dann wird für dich nichts von Übel sein.

Vertraue dich der göttlichen Führung an

Bereits Patanjali lehrt uns im Yoga Sutra: In Gott ist der Same der höchsten Allwissenheit. Wer Gott hingegeben ist, der kommt gut voran auf dem spirituellen Weg und erlangt zügig die Gottverwirklichung. Durch Hingabe an Gott wachsen wir über Wünsche und Leid, über Karma hinaus.

Wunscherfüllung ist nicht das, was dich zur Gottverwirklichung führt. Im Gegenteil: Wünsche und Erwartungen gilt es zu überwinden. Durch Karma bekommst du schöne und auch weniger schöne Erfahrungen. Wachse mit Hilfe der Gotteshingabe über die Grenzen des Karma hinaus. Erledige deine Aufgabe so gut du kannst, mit ganzem Herzen. Übergib sie Gott und identifiziere dich nicht.

Und das kannst du dir jeden Tag aufs Neue bewusst machen, indem du morgens sagst: „Was auch immer ich heute tun werde, ich bringe es Gott dar.“ und abends: „Was auch immer ich heute getan habe, ich bringe es Gott dar.“ – oder noch besser: indem du morgens und abends das Tvameva Mata singst.

Mantras bei Yoga Vidya erleben

Mantras haben eine heilende Wirkung – sicher hast auch du schon einmal die Erfahrung der tröstlichen Wirkung von Musik gemacht. Ungleich stärker wirkt Musik jedoch in Verbindung mit Jahrtausende alten Mantras, deren geheimnisvolle Bestandteile große Kraft entfalten.

Auch bei Yoga Vidya werden täglich viele Mantras und Kirtans aus den alten yogischen Schriften gesungen und es werden regelmäßig Mantra-Konzerte und sogar Festivals veranstaltet:

Im Bhakti Yoga geht es um Liebe, Hingabe und die Erweckung deiner Beziehung zu einer höheren Kraft. Traditionelle Bhakti Yoga Praktiken umfassen dabei Mantra-Singen, Japa oder auch Rituale wie Arati, Homa oder Puja. Dabei wird deine geistig-emotionale Hülle gereinigt und das Herz geöffnet. Auf diese Weise wird die Erfahrung von Verbundenheit, Frieden und Einheit sehr einfach möglich.

3 Kommentare zu “Tvameva Mata – Verbinde dich mit Gott

  1. Vielen Dankf für diese ausführliche und großartige Erleuterung des Mantras. Ich habe mich immer sehr gut gefühlt beim Singen dieses wunderbaren Mantras.

  2. Ein toller Beitrag. Vielen Dank für die Erklärung und Erläuterung. Ich würde mich über weitere Erläuterungen zu verschiedenen Mantras freuen.
    Om shanti

  3. Ich liebe dieses Mantra seit ich es kenne – ohne anfangs die Bedeutung zu kennen, machte es mich beim Singen leicht und freudig, ich spürte tiefe Verbundenheit und inneren Frieden. So ist es bis heute und die Bedeutung dieses Mantras entspricht dem Gefühl, welches es in mir auslöst. Ich singe es gern vor meinen Yogastunden, zuerst das Gajananam und dann Tvameva Mata, für mich die beste Vorbereitung 🙏🏼

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