02 Stoische Gelassenheit – Der Königsweg zur Gelassenheit, Teil 2

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Gelassenheit entwickeln, wie geht das? Die alten Griechen und Römer haben sich auch damit beschäftigt. Insbesondere für die Stoiker war Gelassenheit von großer Bedeutung. Stoische Ruhe, stoische Gelassenheit sind bis heute sprichwörtlich. Begründet wurde die Stoa als Lebensphilosophie von Zenon von Kition um 300 v. Chr. Bekannteste Vertreter waren Cicero, Seneca und Mark Aurel (Marcus Aurelius). Für die Stoa galten zwei Grundsätze: (1) Mach dein Glück nicht abhängig von dem, was du nicht beeinflussen kannst (2) Tue deine Pflicht unabhängig von deinem Mögen/Nichtmögen, deinen Wünschen und Abneigungen. Ein wichtiger Satz dafür, den Stoiker sich immer wieder sagen: „Es ist unerheblich, es spielt keine Rolle“. 

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Solange es Menschen gibt, haben Menschen Emotionen. Solange es Menschen gibt, bemühen sie sich auch darum die Emotionen zu steuern. Gelassenheit ist in allen Religionen, in allen Kulturen auch ein wichtiger Wert. Etwas das man entwickeln kann, etwas was wertvoll ist. Von der Altersweisheit zum Beispiel sagt man, dazu gehört Gelassenheit. Reife des Menschen heißt auch gelassener zu werden. Es gibt in der Philosophie und den Religionen verschiedene besondere Ansätze über die ich sprechen möchte, besonders über die Stoiker, über das Christentum und über Buddhismus. Danach komme ich zu dem Ansatz, den ich etwas mehr verfolgen will, nämlich Yoga und Vedanta.

 

Zunächst die Stoiker. Vielleicht  hast Du schon gehört von den Stoikern, stoische Ruhe ist ein Begriff, von dem Du sicherlich schon gehört hast. Die Stoa wurde begründet von Zenon von Kition um 300 vor Christus. Bekannteste Vertreter sind Cicero, Seneca und Mark Aurel. Vielleicht hast Du von Ihnen schon gehört. Die Grundlage der Stoiker ist: Mein Glück sollte nicht abhängig sein von etwas was nicht in meiner Macht liegt. Zweite Grundlage ist: Es ist wichtig seine Pflicht zu tun. Es geht nicht darum seinen Wünschen zu folgen, es geht nicht darum, dass zu tun was man mag, sondern es geht darum seine Pflicht zu tun, seine Aufgabe zu erfüllen. Aus diesen beiden Grundregeln ergibt sich die stoische Gelassenheit oder die stoische Lebenseinstellung. Der erste Schritt der stoischen Lebenseinstellung heißt: Mein Glück sollte nicht abhängig sein von dem, was nicht in meiner Macht ist.

 

Was ist in meiner Macht, was ist nicht in meiner Macht? In meiner Macht ist letztendlich der eigene Gemütszustand, bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Du hast Einfluss auf Deinen Gemütszustand, Du kannst Dich mehr in Ruhe versetzen, Du kannst Dich mehr in Unruhe versetzen. Du kannst Dich aufregen oder Du kannst Dich nicht aufregen. Der innere Gemütszustand ist, zumindest bis zu einem gewissen Grad, in Deiner Hand. Die äußeren Dinge sind nicht in Deiner Hand. Ob jemand dich mag oder nicht mag, ist nicht in Deiner Hand. Deshalb solltest Du Dein Glück nicht davon abhängig machen, ob jemand dich mag oder nicht mag. Ob eine Sache gut ausgeht oder nicht ausgeht, ist auch nicht ganz in Deiner Hand. Also solltest Du Dein Wohlbefinden, Dein Wohlergehen nicht davon abhängig machen. Ob Du gesund oder krank bist, ist nicht in Deiner Hand, auch davon solltest Du Dein Wohlergehen nicht abhängig machen. Jetzt kannst Du das noch soweit ausdehnen, Erfolg und Misserfolg, ist nicht in Deiner Hand, Lob und Tadel ist nicht in Deiner Hand. Die Stoiker sagen also, ich will würdevoll leben, ich will frei sein, ich möchte glücklich sein. Und ich will insbesondere mein Glück nicht abhängig machen, von etwas, dass ich nicht in meiner Hand habe.

 

Das ist ein interessanter Ansatz und durchaus auch umsetzbar. Vielleicht nicht für alle Menschen umsetzbar und vielleicht nicht in jeder Situation umsetzbar, aber die Grundlage zunächst einmal ist, ich will frei sein, ich will würdevoll sein und Freiheit und Würde beinhaltet, ich bin nicht abhängig von anderen. Die Stoa ist auch eine praktische Lebensphilosophie, mit praktischen Übungen. Und gerade Mark Aurel hat das beschrieben, Zenon hat´s beschrieben und auch Cicero und Seneca haben es in ihren Schriften beschrieben.

Ich will das jetzt vereinfacht darstellen. Ein praktischer Satz ist: es spielt keine Rolle, es ist unerheblich. Angenommen Du bist das nächste Mal in einer Sitzung, z. B. in einer Sevakabesprechung und dort kritisiert jemand Dein Vorgehen. Du spürst in Dir plötzlich Zorn hochkommen. Dann kannst Du sagen, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich. Du magst da sagen, ja da kommt der Zorn trotzdem hoch, vielleicht kommt er bis zu einem gewissen Grad hoch, aber Du kannst eben sagen, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich und mein Glück ist nicht abhängig von der Meinung meiner Kollegen. Es spielt keine Rolle, es ist unerheblich, mein Glück ist nicht abhängig von dem, was meine Kollegen von mir denken. Du kannst das ein paar Mal sagen und vielleicht merkst Du tatsächlich, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich. Du kannst dann Deinen Geist dorthin zu dem Teil in Dir hinbewegen, der glücklich ist, denn Glück ist weiter da. Und immer dann, wenn Du merkst, dein Geist fängt an loszuspringen, kannst Du sagen, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich.

Sogar wenn Du dann abends nach Hause kommst und Du stellst fest, Dein Sohn oder Deine Tochter hat die Hausaufgaben nicht erledigt. Bevor Du zur Decke springst, sagst Du für mein Wohlbefinden spielt es keine Rolle, für mein Wohlbefinden ist es unerheblich. Indem Du das ein paar Mal sagst, wirst du unabhängig davon. Nachher musst Du trotzdem Deine Pflichten, Deine Aufgaben erledigen und Deinen Sohn oder Tochter darauf hinweisen, was sie zu tun haben. Dennoch, für Dein Wohlbefinden spielt es keine Rolle, ist es unerheblich.

Oder auch wenn Du merkst, es tropft von der Decke, Wasser ist irgendwo durch ein Rohr durchgekommen. Bevor Du dich furchtbar drüber ärgerst und überlegst, was das für Dein Leben bedeutet und wie schlimm das jetzt ist, sagst Du, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich. Es spielt keine Rolle, es ist unerheblich.  Wie gesagt für Dein Wohlbefinden. Es ist vielleicht von Bedeutung, Du musst natürlich etwas deswegen tun, das ist nachher die zweite Sache. Was Du tust, tust Du nicht deshalb um glücklich zu sein. Du brauchst nichts Äußeres, um glücklich zu sein. Du brauchst nur innere Losgelassenheit vom Alltag, innere Gelassenheit, von dem, was kommt, dann bist Du glücklich, relativ glücklich.

Ein Stoiker, wie der Name schon sagt, ist nicht einer der himmelhochjauchzend die ganze Zeit durch die Gegend rennt, sondern er hat eine gewisse, gleichmütige Glückseinstellung. Er entwickelt die Fähigkeit glücklich zu sein, ein gewisses Glück zu haben, und sein Glück nicht abhängig zu machen von äußeren Umständen. Sogar in die andere Richtung übt das der Stoiker. Angenommen, er wird gelobt und fühlt sich erhaben, sagt der Stoiker zu sich selbst auch: Es spielt keine Rolle, es ist unerheblich, was andere Menschen von mir denken. Der Stoiker wird auch dieses höchste Glücksgefühl von Erfolg nicht ganz zulassen. Er wird sagen, es ist unerheblich, es spielt keine Rolle. Du kannst schauen, vielleicht gehörst Du zu den Menschen, die diese stoische Gelassenheit entwickeln können, dann sagst Du Dir eben immer wieder, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich.

Gut, der zweite Aspekt der Stoiker ist Pflichterfüllung und Engagement. Die bekanntesten Vertreter der Stoa, Cicero, Seneka und Mark Aurel, waren ja keine weltfremden Philosophen, die irgendwo in ihrem Elfenbeinturm saßen. Sie waren auch nicht solche, die irgendeine Erbschaft gemacht haben und gut reden hatten. Cicero hat sich sehr engagiert. Cicero war politisch tätig. Cicero hat eine Verschwörung des Kataliner aufgedeckt und hat den damaligen Konsul Catalina, der anscheinend versucht hat, alle Macht an sich zu reißen, letztlich bekämpft. Er hat sich bemüht, den Untergang der Republik zu verzögern. Er hat sich gegen Cäsar aufgelehnt. Er hat versucht, die neue anbahnende Diktatur von Marcus Antonius und Oktavian (Augustus) zu verhindern. Letztlich ist er umgebracht worden von Oktavian und Marc Anton. Auf diese Weise ist Cicero ein Beispiel für jemanden, der engagiert war und doch gelassen.

Für den Alltag ist es nicht erheblich, was ich mache, es ist unerheblich, was ich mag und was ich nicht mag, ist die Ansicht der Stoiker. Angenommen Du merkst, da gibt es etwas zu tun und Dich nervt es und Du magst es nicht, Du hast keine Lust. Hier sagt wiederum der Stoiker, es ist unerheblich, es spielt keine Rolle, was ich mag oder nicht mag. Meine Pflicht werde ich erfüllen, unabhängig davon, ob ich es mag oder ob ich es nicht mag. Also mein Glück ist erstens nicht abhängig von äußeren Umständen und zweitens, was ich tue, ist nicht abhängig von meinen Empfindungen und von meinem Mögen und von meinem nicht Mögen. Auch hier, wenn Du dir vornimmst etwas zu machen, z. B. ich hab mir jetzt grade vorgenommen, ich werde jetzt diesen Text veröffentlichen und ich merke, ich hab eigentlich keine Lust und es gäb anderes, was ich lieber machen würde, dann sage ich, wenn ich der stoischen Gelassenheit folge: Es ist unerheblich, ob ich´s mag oder ob ich´s nicht mag, es spielt keine Rolle, ob ich´s mag oder ob ich´s nicht mag. Das ist meine Aufgabe, ich hab´s mir vorgenommen, es ist zu tun. Ich tue es.

Oder angenommen, Du kommst nach Hause und Du siehst, Dein Teenie hat sich irgendwo nicht an das gehalten, was ihr vereinbart hattet, innerlich denkst du dir, ich mag mich nicht damit beschäftigen, soll er doch tun, was er will. Aber Du weißt innerlich, nein, das geht nicht, wir haben das vereinbart. Auch wenn ich einen schwierigen Tag hatte, es spielt keine Rolle, es ist unerheblich. Auch wenn ich jetzt viel mehr Lust hätte, meine Yogamatte auszurollen oder wenn ich mehr Lust hätte,  jetzt meine Emails zu checken oder etwas auf Facebook zu machen. Oder wenn ich jetzt mehr Lust dazu hätte, mich hinzulegen oder was auch immer. Du weißt, es ist Deine Aufgabe, jetzt mit dem Teenie zu sprechen. Ruhig zu sprechen, nicht, Dich zu ärgern, denn wie gesagt, es spielt auch keine Rolle für Dein inneres Glück, ob jetzt Dein Teenie seine Aufgaben gemacht hat oder nicht, das ist unerheblich, das spielt keine Rolle. Aber es spielt eine Rolle, dass Du deine Aufgabe als Eltern dort erledigen musst. Also wirst Du Deine Aufgabe tun und Deinen Teenie ermahnen: So geht’s nicht!

Ob Du jetzt diese stoische Gelassenheit erzeugen willst oder nicht, das ist durchaus eine Geschmackssache. Ich selbst habe eine Weile probiert, die stoische Gelassenheit zu entwickeln, bis zu einem gewissen Grad auch erfolgreich, ich könnte sogar sagen, tatsächlich erfolgreich und es war eine interessante Erfahrung, wirklich zu tun, was zu tun ist, unabhängig davon, ob ich es mag oder ob ich es nicht mag. Und das Glück nicht abhängig zu machen von äußeren Umständen. Ja, ich muss zugeben, ich bin in dieser Extremität irgendwann davon abgekommen. Davon werde ich ein andermal reden, wenn ich auf meinen eigenen Weg zur Gelassenheit zu sprechen komme. Du kannst es aber üben und vielleicht willst Du das ein paar Tage üben, bevor Du hier weiterliest oder Du kannst sagen, nee, da habe ich ja nichts davon, ich hab ja gerade diesen Text gelesen, um nicht zu einer stoischen Gelassenheit zu kommen, sondern zu einer engagierten Gelassenheit zu kommen und Gelassenheit auch und gerade, wenn ich emotional sein will.

 

1 Kommentar zu “02 Stoische Gelassenheit – Der Königsweg zur Gelassenheit, Teil 2

  1. Warum die Masse an Redundanzen?

    Ansonsten guter Text.

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