Herbst bei Yoga Vidya: Farbenfrohes Lichtermeer

Yoga Vidya im Herbst 2021

Das Sylvaticum hat sich inzwischen in ein farbenfrohes Lichtermeer verwandelt: Yoga Vidya im Herbst. Der Herbst färbt die saftig grünen Blätter in wundervolle rot, orange und gelbe Töne. Ein warmer Wind umschmeichelt den Körper. Man fühlt sich geborgen, umsorgt und behütet. Fast so als würde der Wind ins Ohr flüstern, dass langsam aber sicher die Zeit für Innenschau, Rückzug und Ruhe gekommen ist. Bald wandelt sich Mutter Erde hin zur Meditation der Winterzeit. Aber noch nicht. Noch wärmen die letzten warmen Tage Gesicht und Herz.

Noch ist es Zeit, den Herbst zu umarmen und seine Geschenke anzunehmen. Im Yoga leben wir im Einklang mit unserer Umgebung und nehmen die Geschenke an, die uns die Erde macht, genau dann, wenn sie uns diese machen möchte. Unsere innere Uhr ist mal besser und mal schlechter mit der Jahresuhr verbunden. Sie gibt uns ein Gefühl dafür, in welcher Phase wir, andere Menschen und die Erde uns befinden.

Kalis Stunde schlägt: Zeit der Transformation

Im Herbst fühlen wir uns oft zwiegespalten. Zum einen gibt es Tage, mit viel Sonnenschein, an denen wir rausgehen, aktiv sein wollen, nochmal unser ganzes Prana spüren und unsere männliche Energie ausleben wollen. An anderen Tagen fühlen wir uns mehr nach Rückzug, nach Häuslichkeit, nach der Ruhe der weiblichen Shakti. Der Herbst gibt uns die Möglichkeit zur Transformation. Kali zeigt sich in diesem Herbst ausnahmsweise öfter von ihrer sanften Seite.

Sie lädt uns ein, ganz langsam in die Stille überzugehen. Sie gibt uns Chancen, noch einmal aktiv zu sein, bevor auch wir uns innerlich wie Gaia auf die Meditation des Winters vorbereiten. Der Herbst ist eine Zeit der Transformation, weil wir von aktiv in passiv übergehen dürfen. Wir gehen von außen nach innen, kommen wieder mehr in Kontakt mit unseren Gefühlen und Gedanken. Hatha Yoga ist im Sommer stark und belebend. Im Herbst ist er manchmal etwas anstrengender, weil wir nicht mehr die ganze belebende Kraft der Sonne in uns aufnehmen.

Wir sehen die Sonne gedämpft, tiefer am Horizont über den Tag gleiten. Sie rückt immer mehr in den Hintergrund und macht Platz für Raja Yoga. Noch befinden wir uns im Ausgleich der Energien. Pranayama und die Wechselatmung sind zurzeit besonders angenehm und wohltuend, weil sie die beiden Aspekte der Jahreszeit auch in uns in Einklang bringen. Bei einem Spaziergang im Sylvatikum können wir lebensbejahend einatmen, die Fülle der Welt einatmen, die bunten Blätter bestaunen und das Außen in seiner vollen Schönheit aufnehmen. Beim Ausatmen dürfen wir die Welt um uns loslassen, die Augen schließen, die Wärme des Windes in uns spüren, seine Geborgenheit aufnehmen und Achtsamkeit üben.

Achtsamkeitsübung für den Herbst

Wenn du die nächsten Tage Zeit hast und den Übergang von Hatha zu Raja Yoga in dir erleben willst, dann kannst du dich gerne an einem sonnigen Tag rausstellen und folgende Übung machen:

  1. Stelle dich aufrecht hin und dreh dein Gesicht am besten zur Sonne. Öffne die Augen und nimm die Natur um dich herum wahr. Beim Einatmen hebe die Arme weit über deinen Kopf, schau dir die Blätter, das Gras und die Erde ganz genau an. Strecke dich dann ganz lang, während du die vollständige Yogaatmung bis in die Spitzen deiner Lungenflügel praktizierst.
  2. Wenn du vollständig eingeatmet hast, nimm noch ein letztes Mal die Welt wahr und wenn du so weit bist, schließe die Augen. Sei einfach für ein paar Sekunden da.
  3. Wenn dir danach ist, atme aus und senke dabei die Arme wie im Sonnengruß auf die Höhe deines Herzens ins Namaste. Eventuell magst du sogar den Kopf leicht Richtung Boden senken. Beobachte beim Ausatmen, was die Welt mit dir macht. Wie fühlst du dich, wenn du die Blätter siehst, die Erde spürst und ganz langsam die männliche Energie gehen lässt. Erlebe ganz bewusst kurz die Atemstille, als würde die Welt einen kurzen Moment in sich ruhen.
  4. Wiederhole nun die Schritte noch zweimal, aber schau dir diesmal nicht die Blätter an, sondern die Wolken, den Himmel, spür den Wind an deinem Körper. Beobachte anschließend wieder, wie du dich dabei fühlst.
  5. Bei der letzten Einatmung beobachte die Welt als Ganzes. Nimm alles wahr, was du gerade siehst von Menschen über Tieren, Pflanzen bis hin zum Wind und Sonnenstrahlen, das Leben in deinem Körper. Beobachte anschließend den Nachklang der lebendigen Energie. Eventuell magst du ihr danken, sie liebevoll gehen lassen und deine ruhige Energie in dir begrüßen.

Diese Übung kannst du natürlich so oft machen, wie du möchtest, am besten in der Natur. Sie hilft dir dabei, wieder mehr ins Innere zu kommen, Raja Yoga zu begrüßen, die Stille wahrzunehmen. Du darfst nun den Sommer hinter dir lassen, die Transformation des Herbstes nutzen, um Altes loszulassen, dass du nicht mit in die Stille nehmen willst. Du kannst ganz langsam, die trägere Energie, die Innenschau, den Winter begrüßen und ihn mit Gelassenheit annehmen.

Vorbereitung fürs Loslassen

Viele Menschen fasten im Herbst gerne, um diese Transformation bewusst im Körper zu spüren. Der Verzicht auf etwas, macht uns achtsamer und hilft ins Innere zu schauen. Wir öffnen uns langsam für uns selbst und die Wärme, unser eigenes Feuer in uns drin.

Im Advent ist diese Zeit vorbei. Dann beginnt das Bhakti Yoga der Verbindung und Hingabe. Dann haben wir genug in uns geschaut und sind bereit den Frieden in uns, mit der Welt zu teilen. Wir können dann nicht nur uns selbst, sondern auch anderen unser Herz öffnen. Im Herbst bereiten wir uns darauf vor. Wir kommen in den Einklang mit uns selbst, lassen Altes los, reinigen uns von Verhaftungen. Wie die Blätter von den Bäumen abfallen, lassen wir alle Bindungen im Außen los, um wieder mehr in unsere Mitte zu kommen.

Es ist fast so, als würde das Prana in uns im Frühling einatmen, im Sommer anhalten, im Herbst ausatmen und im Winter die Atemleere spüren. Wir finden uns in der Wechselatmung des Lebens und dürfen jede einzelne Phase aus ganzem Herzen genießen. Wir dürfen all das bewusst wahrnehmen und Yoga lädt uns dazu ein, achtsam mit uns selbst und anderen zu leben. Es hilft uns zu verstehen, wie wir uns fühlen, in welche Richtung wir weiter gehen und wie wir unser volles Potenzial ausschöpfen.

In diesem Sinn lädt uns Yoga ganz bewusst ein, den Herbst zu spüren. Die rauen, kalten Tage genau so zu genießen, wie die sonnigen warmen Tage. Wir dürfen die ganze Rauheit der Natur auch in uns wahrnehmen und erleben. Befreien wir uns von alten Denkmustern, Handlungsweisen, Verstrickungen im Außen und beobachten die Ruhe, die Stille, die Geborgenheit in uns. Genieß die Transformation von männlich zu weiblich und beobachte, was sie mit dir macht. Das ist Yoga in all seiner wundervollen Vielfalt mit allem, was das Leben uns schenken will, wir müssen es nur noch annehmen. Namaste.

Begrüße den Herbst

Der Herbst wartet auf dich! Als Individualgast in Bad Meinberg bist du vor Ort ohne festes Programm und ohne Verpflichtungen.

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