Interview mit Sukadev: Gesund & erfolgreich im Leben

Für das aktuelle Yoga Vidya Journal hat sich Sukadev, Gründer und spiritueller Leiter von Yoga Vidya, für ein Interview zur Verfügung gestellt.

Lieber Sukadev, was gehört für dich zu einem gesunden Lebensstil?

Sukadev: Zu einem gesunden Lebensstil gehören für mich natürlich Yoga, Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemübungen), Meditation, Mantrasingen, Studium der Schriften dazu, ausreichend Schlaf, frische Luft, vegane Ernährung und auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sadhana (spiritueller Praxis) und Seva (selbstlosem Dienst).

Jetzt heißt es ja, dass du unermüdlich Seva machst, viele Projekte leitest, Video-Filme drehst, viele Podcasts aufnimmst und so dein Wissen mit allen teilst. Ist das nicht manchmal auch sehr herausfordernd? Oder fragst du dich nicht manchmal, ob du es wirklich durchhalten kannst oder willst?

Sukadev: Sicherlich, doch es macht mir sehr viel Freude. Und manchmal gilt es auch auf dem spirituellen Weg durchzuhalten. Ich mache zurzeit beispielsweise ein Yogalexikon. Dafür braucht es viel Ausdauer.

Ein Yogalexikon? Wie können wir uns das vorstellen?

Sukadev: Dieses Yogalexikon kam zu mir aufgrund einer Inspiration. Mein Meister Swami Vishnu-devananda hatte sich das Projekt, ein großes Lexikon entstehen zu lassen, vorgenommen. Es sollte zehn bis zwölf Bände umfassen mit jeweils mehreren hundert Seiten. Er wollte daran ca. 10-15 Jahre seines Lebens arbeiten und eine große Yoga- und Yogatherapie Enzyklopädie entwickeln. Er sprach von der „Encyclopedia of Yoga and Yoga Therapy“. Er erkrankte jedoch und konnte es nicht zu Ende führen.

Ich hatte das Gefühl, diese Aufgabe ist an mich weitergegangen und fühlte mich inspiriert, so etwas zu machen.

Veröffentlicht wird dieses Lexikon online schrittweise auf wiki.yoga-vidya.de.

Das wäre ja klasse, wenn es so etwas geben würde. Ein Lexikon mit allen Begriffen rund um Yoga und Meditation.

Sukadev: Nicht nur mit Begriffen rund um Yoga und Meditation, sondern mit allen Begriffen des täglichen Lebens. Ich habe einen Teil des entstehenden Lexikons das „Bewusst-Leben-Lexikon“ getauft. Alle Begriffe des täglichen Lebens versuche ich, aus spiritueller Sicht zu erklären. Es enthält viele Tipps für den Alltag, für den Umgang mit anderen Menschen, für die Änderung eines Blickwinkels, für Wissen etc. In dieses große Lexikon fließen aber auch viele andere Themen mit ein, z.B. Okkultismus, Esoterik – ewige Weisheit, Vedanta, Geschichten und Analogien, spirituelle Namen, Engel u. v. m.

Das klingt sehr spannend, vermutlich brauchst du da auch viel Durchhaltevermögen?

Sukadev: Ja, und ich weiß noch nicht, ob ich durchhalten werde. Man kann sagen, dass ich von den insgesamt 23.000 Begriffen im Lexikon bereits die ersten 14.500 gemacht habe. Es sind also noch ca. 8.500 umzusetzen. Das ist auch nicht immer einfach. Da gilt es auch, dass ich durchhalte und weitermache.

Wenn dich jetzt jemand fragen würde, wie ich es gerade mache: Wie würdest du zum Beispiel „Durchhalten“ in dem Lexikon definieren?

Sukadev: Durchhalten bedeutet, dass man bis zum Ende weiter macht; dass man auch weitermacht, selbst wenn es schwierig wird. Durchhalten bedeutet, trotz aller Anstrengungen und Versuchungen tapfer weiterzumachen, eisern durchzuhalten und Dinge weiter zu verfolgen.

Durchzuhalten ist wichtig für jeden Menschen. Wenn du wirklich etwas bewirken willst, musst du durchhalten.

Egal, was ich mache – oder auch was jede/jeder von uns macht, egal, wie toll etwas ist, nach der Phase der Inspiration, der großen Begeisterung und des Enthusiasmus gibt es die Durststrecken.

Wenn du irgendetwas erfolgreich zu Ende führen willst, musst du auch durchhalten. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass es nicht immer richtig ist, bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Gibt es eine Chance, dass es zu Ende geführt wird und dass es gut ausgeht, führe es zu Ende. Ein Ende mit Schrecken kann aber manchmal durchaus besser sein als ein Schrecken ohne Ende. So gilt es auch, zu überlegen: „Gibt es eine Chance, dass es zu Ende geführt wird und gut ausgeht?“ Wenn ja, ist es wichtig durchzuhalten. Wenn es einfach nur unangenehm ist, wenn du keine Lust hast, etwas zu tun, dann gilt es stets durchzuhalten.

Der Mensch hat allerdings nur beschränkte Fähigkeiten etwas durchzuhalten. Insbesondere Menschen, die eher tun, worauf sie Lust haben.

Ein Tipp ist, zu überlegen: „Wie kann ich das, was zu tun ist, mit Freude tun? Wie kann ich das, was zu tun ist, mit Motivation tun?“ Nicht immer sind ein eiserner Wille und eine Art Märtyrereinstellung hilfreich. Überlege immer öfter: „Wie kann ich das, was zu tun ist, mit Freude tun?“

Es kann außerdem hilfreich sein mal ein paar Tage auszusetzen oder zwei Wochen in Urlaub zu fahren. Manchmal ist es gut, ein Projekt ruhen zu lassen oder zumindest zwischendurch Entspannung zu üben. Es gibt aber auch Zeiten, in denen es angemessen ist zehn bis vierzehn Stunden an einem Projekt zu arbeiten, um es zu Ende zu bringen. So bist du wieder bereit, etwas Neues zu beginnen.

Lieber Sukadev, magst du uns noch eine kleine Kostprobe geben? Oft fragen sich Yogis ja, ob es gesünder ist, abends oder morgens Yoga zu üben. Wie würde denn ein Eintrag im Lexikon zu „abends“ aussehen?

Sukadev: Ich würde mir wahrscheinlich die Frage stellen, wie Spiritualität am Abend aussieht. Also was sollte man abends an spirituellen Praktiken ausüben? Der Abend ist eine wertvolle Zeit des Tages, wie eigentlich jede Zeit des Tages. Manche Menschen üben Yoga und Meditation lieber morgens, manche üben lieber abends.

Angenommen, du übst die meisten Praktiken morgens – wie z.B. Asanas, Pranayama und Meditation, dann ist es gut, abends zumindest noch etwas zu praktizieren.

Setze dich mindestens zwei Minuten hin und wiederhole ein Mantra oder meditiere oder lies in einem spirituellen Buch oder sprich ein inneres Gebet. Irgendeine spirituelle Praxis abends vor dem Schlafen gehen ist wichtig.

Angenommen du übst morgens nicht so viele Praktiken, dann übe diese abends. Dabei ist es wichtig, dass du dich nicht ablenken lässt. Abends ist man in der Regel etwas flexibler als morgens für die Asanas (Yogastellungen). Allerdings hast du morgens den Vorteil, dass die Gefahr von Unterbrechungen geringer ist.

Eine andere Technik, die du abends üben kannst ist, den Tag an dir Revue passieren zu lassen und zu überlegen, was deine Lernaufgaben waren. Was hast du gelernt?

Du kannst überlegen, ob du deinen eigenen Idealen gerecht geworden bist oder in welcher Situation vielleicht nicht? Was willst du dir für den nächsten Tag vornehmen?

Und etwas sehr Wichtiges abends ist, all das, was du getan hast, an Gott, an eine höhere Kraft, zu übergeben.

Du kannst dir bewusst machen, was du alles an diesem Tag erlebt oder getan hast, wobei du konkret deinen Idealen gerecht geworden bist oder wobei nicht ganz, bei dem und dem habe ich meine Aufgaben gut erfüllt oder vielleicht nicht ganz so gut, usw.

Und dann sei dir bewusst: „Nicht mein Wille geschehe, sondern Gottes Wille geschehe! Nicht das, was ich will, ist wichtig, sondern Gottes Wille ist wichtig. Und was auch immer ich getan habe, ich will es Gott darbringen.“

Ein Beispiel für ein spirituelles Abendgebet ist:

Kayena Vacha Manasendriyair Va Buddhyatmana Va Prakriteh Svabhavat Karomi Yad Yat Sakalam Parasmai Narayanayeti Samarpayami

Bedeutung:

„Oh Gott, der du in allen Wesen bist
Ich bringe dir alles dar,
Was auch immer ich heute getan habe
Ich bringe dir alles dar.
Was auch immer ich getan habe
Mit meinem Körper, Händen, Füßen und Mund
Was auch immer ich getan habe
Mit meinem Intellekt, Emotionen, Prana, mit meinem Besitz,
Was auch immer ich getan habe,
Ich bringe es dir dar.“

Das ist eine schöne Weise des Loslassens.

Ein weiteres Beispiel:

„Was auch immer ich Gutes oder weniger Gutes getan habe, was auch immer ich geschickt oder ungeschickt getan habe, ich bringe es dir dar. Oh Gott, Du bist allgegenwärtig, allmächtig, allwissend. Letztlich wirkst du auch durch meine Fehler. Ich bringe sie dir dar. Du wirkst auch durch meine guten Leistungen. Es sind nicht meine Leistungen, sondern du hast durch mich gewirkt. Danke, dass ich mir deiner Gegenwart bewusst sein kann. Ich lege alles weitere in deine Hände. Ich lasse vollständig los.“

Wenn du so alles an Gott übergeben hast, dann kannst du gut schlafen.

Kann man bei der Weiterentwicklung des Yoga Lexikons helfen?

Sukadev: Ja , und zwar auf mehrere Weisen: Zum einen braucht es Transkripteure, die das was ich auf Video beziehungsweise mp3 spreche, in Schriftform bringen. Zum zweiten braucht es Menschen, welche das Niedergeschriebene Korrekturlesen. Und wir brauchen für Artikel auch Übersetzer aus dem Englischen sowie Menschen, die selbst Artikel schreiben wollen. (Kontakt: informationen@yoga-vidya.de).

Lieber Sukadev, da freuen wir uns schon sehr auf das Lexikon und wünschen dir viel Inspiration und gutes Durchhaltevermögen bei diesem Projekt. Ich danke dir für das Interview.

Was es von Sukadev schon im Lexikon gibt

https://wiki.yoga-vidya.de mit Artikel und Videovortrag:

  • 2200 Sanskritbegriffe
  • Über 4000 Artikel zu Persönlichkeitseigenschaften, Schattenseiten und Laster
  • Über 500 Artikel zu Mantras und Kirtans • Über 1000 Artikel zu spirituellen Namen
  • Etwa 2400 Artikel zu Engeln und Göttern der Völker, Esoterik, Naturheilkunde, Kraftplätze und Parapsychologie
  • Etwa 400 Begriffe zu Asanas, Pranayama, Mudras, Bandhas, Meditationstechniken
  • Etwa 1000 weitere Begriffe zum Yoga
  • Etwa 3000 Alltagsbegriffe aus Yoga Sicht

Was demnächst dran kommt:

  • 3000 weitere Alltagsbegriff
  • 2000 Yoga Fachbegriffe
  • Ca. 2000 Asanas
  • Ca. 500 weitere Yoga Übungen
  • 1000 Erkrankungen und wie Yoga dabei helfen kann

Darüber hinaus gibt es natürlich viele Tausend andere Artikel im Wiki von anderen Autoren…

Alle Seminare mit Sukadev im Überblick | Infos, Preise & Anmeldung: 

Viele Videos von und mit Sukadev: 

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Sukadev vermittelt tiefe Weisheit, reichhaltige spirituelle Erfahrung und umfassendes Wissen anschaulich, aufgelockert, klar strukturiert und praxisbezogen. Seine Vorträge leben von der persönlichen Ausstrahlung, seiner Inspiration und dem tiefen Verständnis des Yoga und des spirituellen Weges.

Sukadev ist u.a. Autor der Bücher „ Die Yoga-Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“, „Das Yoga Vidya Asana Buch“, und „Yoga Geschichten“. „Karma und Reinkarnation„, „Der Königsweg zur Gelassenheit„.

» Hier erfährst du mehr über Sukadev, seine Biografie, sein Wirken und seine Lehren 

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Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 34

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