Mikrokosmos der Musik

Im Mikrokosmos der Musik ist alles Schwingung, Verbindung und Bewegung. Wie das Leben selbst macht uns Musik fröhlich, melancholisch, energiegeladen, sanft oder auch aufgeweckt. So wie sie uns aufwühlt, kann sie auch Frieden bringen.

Vor allen Dingen hat sie aber auch die Eigenschaft, in vielen einzelnen Menschen das Gefühl der Verbundenheit entstehen zu lassen. Vielmehr noch, das Gefühl einer Gemeinschaft. Dahinter steht gemeinhin das, was über den Verstand alleine hinaus geht und gemeinhin als das Göttliche verstanden wird.

Musik als Mittel: Mood Management

Der Moment in dem ich mit Yoga in Kontakt kam, hatte nichts mit Matten-Gymnastik zu tun. Eine Arbeitswoche in München lag hinter mir, die vier Zugstunden zurück nach Frankfurt waren zum Nachbereiten eingeplant. Auch meine Mitreisenden im überfüllten ICE wollten die Fahrt nutzen –allerdings zum Biertrinken, Skatspielen und lautstarkem Nachbesprechen der Baustoff-Messe, von der sie kamen. Nachdem ich eine Weile erfolglos versucht hatte mich trotzdem auf E-Mails zu konzentrieren, fiel mir zum Glück etwas ein: Hatte ich nicht neulich Entspannungsmusik auf den Laptop überspielt?

Erst Jahre danach habe ich die wunderschöne CD „Dakshina“(Dankesgeschenk) von Deva Premal bewusst gehört. Noch viel später hatte ich die Ehre, Deva und ihren Partner Miten persönlich zu treffen und als Schirmherren des Yoga Vidya Musikfestivals zu gewinnen. Damals im ICE war ihre Version uralter Mantras nur eine Kopfhörer-Klangkulisse, um trotz Lärmpegel produktiv zu werden. Als der Zug mit Anbruch der Dunkelheit in den Bahnhof rollte, war ich nicht nur mit der Arbeit fertig, sondern auch unerwartet entspannt.

Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Ohrwurm in einer noch unbekannten Sprache: Om Namo Bhagavate Vasudevaya (Ehrerbietung dem Licht aller Geschöpfe, dem was in allen Wesen wohnt). Was ich intuitiv getan hatte nennt die Fachwelt „Mood Management“: Das Regulieren von Stimmungen mit Musik. Vom Beruhigen wie damals im Zug bis zum Aufputschen mit Rock oder Elektro, vom Zugehörigkeitsgefühl in spirituellen, politischen oder Fan-Gesängen bis zur Ballade oder Bach-Kantate, die uns zu Tränen rührt: Musik wirkt!

Musik als Metapher: Modell des Menschseins

Das hat zunächst physiologische Gründe: Musik resoniert in uns. Sie bringt nicht nur unseren Gehörapparat, sondern auch Knochen, Muskeln und innere Organe zum Schwingen. Emotional verbinden wir musikalische Eigenschaften mit Stimmungen – im Westen gilt zum Beispiel Dur als fröhlich, Moll als traurig. Geistig dient uns Musik als Lern- und Merkhilfe, sozial als vorsprachliche Verständigungsmöglichkeit. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Musik lässt sich darüber hinaus als Allegorie des Lebens verstehen: Sie ist rhythmisch vielschichtig gegliedert, wie unser Dasein durch den Herzschlag und den Wechsel von Tagen, Wochen, Jahreszeiten. Sie besteht wie die physikalische Welt aus Schwingung. Und sie entspringt als flüchtige, zeitgebundene Kunst aus der Stille, verweilt, bewegt, entwickelt sich dann und vergeht schließlich wieder. Genau wie jedes einzelne Lebewesen und die Welt insgesamt, was im hinduistisch geprägten Yoga durch die Dreifaltigkeit von Brahma (Entstehen), Vishnu (Bestehen) und Shiva (Vergehen) symbolisiert wird.

Jedes Musikstück lässt sich so als Miniatur des Menschseins fühlen, mit den Binnenbewegungen von Harmonie und Disharmonie als Analogie zum Auf und Ab unseres Erlebens.

Musik als Magie: Meditatives Miteinander

Hinzu kommt die verbindende Funktion der Musik: Sie webt ein magisches Band zu anderen Menschen im gemeinsamen Singen, Tönen, Tanzen. Und erinnert uns an das große Ganze, sei es auf erhebende oder meditativ versunkene Weise. Schopenhauer sah Musik als „Bad des Geistes: es spült alles Unreine, alles Kleinliche, alles Schlechte weg, stimmt jeden hinauf auf die höchste Stufe“.

Musik war für ihn die geeignetste Kunstform, um in der Welt eine Ahnung dessen zu bekommen, was dahinter liegt – wie auch für Swami Sivananda: „Brahman (das Absolute, Allumfassende, Universelle) in seinem transzendenten Aspekt ist unfassbar. Ihm am nächsten kommt nur Klang.“ So kann Musik nicht nur unsere Stimmungen aufwühlen oder beruhigen. Sie kann uns auch zum gelassenen, vertrauensvollen Umgang mit der Vergänglichkeit aller Formen inspirieren: Indem sie jenseits aller Bewegtheit den tiefen Frieden des Unveränderlichen fühlbar macht.

von Christian Einsiedel

Das Yoga Vidya Musikfestival

„Es ist Musik in allem, wenn du Ohren hast zu hören“. Musik ist nicht bloßer Klang, dass wusste schon Swami Sivananda (Swami Sivanada über Musik). Erlebe Musik vielmehr auch als reines Sattwa, als Gemeinschaftsgefühl und als Ausdruck des Absoluten.

Als solches feiern wir Musik im jährlich stattfindenden Yoga Vidya Musikfestival, schwingen uns aufeinander ein, haben authentische Herzensbegegnungen. Mit Mantras, Klangyoga, Mantrahealing und Kirtansingen.

Christian-Einsiedel

Über Christian

Christian Einsiedel arbeitet als Creative Change Consultant vor Ort in Bad Meinberg und mit Online-KlientInnen von Landau bis London. Mit seiner Firma „Wegbereit“ unterstützt er Menschen dabei, sich persönlich zu entfalten und kreativ die Welt zu verbessern. Darüber hinaus ist er als feinfühliger Pianist und Musikproduzent aktiv. Christian bewegt Menschen und Projekte – mit großer Begeisterung und einer guten Mischung aus Einfühlsamkeit und Klartext. Er hat eine systemisch-integrative Coaching-Ausbildung (Dr. Migge) eine Yogalehrerausbildung (BYV) und ein Studium der Publizistik, Philosophie und Musikwissenschaft abgeschlossen und in verschiedenen Führungspositionen gearbeitet, z.B. als geschäftsführender Leiter eines Medienunternehmens. Seit 2014 lebt er in der Yogastadt Bad Meinberg, seit 2019 ist er verantwortlich für Programm und Organisation des Yoga Vidya Musikfestivals. Erfahre im geschützten Rahmen seiner Seminare und Workshops, wie du kreativ erfolgreich wirst und nachhaltige Veränderungen auf den Weg bringst!

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