Lieblingsbäume im Silvaticum: Die Winterlinde

In der Serie „Lieblingsbäume im Silvaticum“ stellen wir euch einige der 93 Baumarten aus den 14 Waldlandschaften in unserem wundervollen Länderpark vor.

Das Silvaticum

Das von allen Yoga Vidyanern und Gästen innig geliebte „Silvaticum“ soll der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich bleiben. Dafür wurde der Länderparkwald Silvaticum im Sommer letzten Jahres von Yoga Vidya erworben und so vor Umgestaltung durch Großinvestoren gerettet.

Mit seinen 40 Hektar bietet das Silvaticum ausreichend Platz für erholsame Spaziergänge und eine in der Region einmalige Naturerfahrung. Das Silvaticum hat den Beinamen „Länderpark“, da die zu besichtigenden Bäume aus Ländern des gleichen Breitengrades rund um den Globus stammen.

Die Flora und Fauna dieses neuzeitlichen Kulturgutes bietet außerdem den idealen Ort für Yoga und Meditation. Dies macht den Park zu einem weiteren wichtigen Teil des bei Yoga Vidya gelehrten integralen Yogas.

Die Winterlinde

In dem vierten Teil unserer Serie „Lieblingsbäume im Silvaticum“ stellen wir euch heute unsere Winterlinde vor.

Die Winterlinde nimmt einen zentralen Platz im Silvaticum ein, auf freier Fläche ist ihre ausladende Krone von Weitem zu sehen. Sie ist ein Ort der Ruhe, der Meditation, für Rituale und Begegnungen und sie ist bei Yoginis und Yogis sehr beliebt.

Zum Frühlingsbeginn strahlt die Winterlinde geradezu in frischem Gün, voller neuer Energie und Pracht. Noch vor einiger Zeit gab es Besorgnis um den schönen Baum, der aufgrund einer morschen Stelle drohte, auseinanderzubrechen. Die Hilfen, die er bekam – einige Äste wurden gekürzt, ein Drahtseil zur Stütze in der Baumkrone angebracht und eine Stellt wurde kunstvoll mit Baumkitt versorgt – hat er gut angenommen und macht nun einen sehr gesunden Eindruck.

Linden im Zusammenleben mit Tier und Mensch

Linden sind erstaunliche Bäume und können bis zu 1000 Jahre alt werden. Es gibt zahlreiche Linden, die mehrere hundert Jahre alt sind. Sie sind der Lebensraum für zahlreiche Lebewesen wie Käfer, Fledermäuse, Pilze und brütende Vögel. Außerdem bieten sie Nektar für Bienen und ziehen im Spätsommer Hummeln an. Für den Menschen essbar sind ihre Blüten, die Blattknospen und die Früchte. Lindenblütentee hilft bei Erkältungskrankheiten und Grippe. Zudem haben Lindenblüten eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Lindenholzkohle kann bei  Vergiftungen, Darmerkrankungen und zur Wundbehandlung angewendet werden.

Linden als Treffpunkt

Lange Zeit waren Linden für das gesellschaftliche Leben von großer Bedeutung. Sie waren Ort für Treffen und Geschehnisse des Dorflebens. Es gab Gerichtslinden, Tanzlinden, Dorflinden und Kirchlinden.

Unter Lindenbäumen wurde gearbeitet, gespielt, getanzt, geheiratet und Gericht gehalten – „Tilialgericht“. Sie waren außerdem Talisman, Zauberbaum und Schutz gegen böse Geister und Blitze, eine Linde vor dem Haus galt als Schutzsymbol. Linden durften daher nicht gefällt werden, um die Familie vor Unglück zu bewahren.

Andreas Roloff

Viele Ortsbezeichnungen, Straßennamen, Wappen und Familiennamen haben bis heute in sich das Wort Linde, wie zum Beispiel Leipzig (aus dem Slawischen Lipko) und Carl von Linné, der schwedische Botaniker.

Linden und ihre Symbolik

Linden nahmen in Mythologie, Brauchtum und Literatur eine bedeutende Rolle ein. In slawischen und germanischen Stämmen wurde die Linde als heiliger Baum der Freya, der Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit, angesehen. Mit der Christianisierung wurden die Linden dann als Marien-Linden verehrt. In der Literatur ist die Linde Symbol für Liebe, Treue und Zuneigung.  Es gibt zahlreiche Lieder, Sagen und Gedichte, in denen die Linde auftaucht. Ein Beispiel dafür ist „Der Lindenbaum“ von Wilhelm Müller (1794-1827):

Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt‘ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud‘ und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich musst‘ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab‘ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst du deine Ruh‘!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad‘ ins Angesicht,
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör‘ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

1 Kommentar zu “Lieblingsbäume im Silvaticum: Die Winterlinde

  1. Michaela

    Sie straht wieder mit Pracht und Frühlingskraft – es war schön bei einem kurzen Besuch zu sehen, es geht ihr wieder gut. Danke!

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