Yin Yoga – neuer Yogatrend oder Sehnsucht nach Entschleunigung?

Yin Yoga ist gerade in aller Munde. Auch bei Yoga Vidya gibt es mittlerweile regelmäßig Yin Yogastunden, viele Yin Yoga Wochenendseminare, sowie Aus- und Weiterbildungen für Yogalehrende, die alle immer gut besucht sind. Was ist es, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Yogastil so fasziniert?

Resonanz dazu bekomme ich immer mal wieder nach offenen Yin Yogastunden, die ich regelmäßig für Gäste von Yoga Vidya Bad Meinberg gebe sowie auch während einem Yin Yoga Seminarwochenende, was ich kürzlich gegeben habe. Sie reicht von Aha-Erlebnissen, z.B. dass man in einer Yin Yogaposition durchaus länger und entspannt verweilen kann, wenn man erst einmal losgelassen hat, bis hin zu spontanen Verbesserungen gerade bei unspezifischen Beschwerden. 

Ich selbst habe schon immer den Yin Aspekt unbewusst in meine Asana Praxis integriert, ohne dass ich wusste, dass es dafür auch einen Namen gibt – Yin Yoga. Durch meine Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya vor 10 Jahren habe ich bereits einen sanften Yogastil nach Sivananda in Form der sogenannten Rishikeshreihe bzw. Yoga Vidya Reihe lernen und erfahren dürfen, die auch sehr viel Spielraum gelassen hat, um die Asanas an bestimmte Zielgruppen anzupassen.

Experimentierfreudigkeit und die Bereitschaft loszulassen

Als ich vor ca. 2 Jahren das erste Mal mit Yin Yoga in Berührung gekommen bin, habe ich mich gleich zu Hause gefühlt und gemerkt, dass dies für mich eine Art des Praktizierens darstellt, wo meine individuelle Konstitution noch mehr berücksichtigt wird und es nicht „die perfekte Asana für alle“ geben kann. Aus eigener Erfahrung spielen für mich der Einsatz von Hilfsmitteln wie Klötze, Gurte und Kissen eine große Rolle, um sich in der Yin Yoga Position einrichten zu können und dann entspannt, aber mit gut spürbarer Dehnung, in den Zielbereichen für länger verweilen zu können. Dafür braucht es Geduld und Experimentierfreudigkeit und die Bereitschaft loszulassen, was mit das Schwierigste ist.

Yin Yoga Shanti Wade

Yin und Yang im Gleichgewicht

So praktiziere ich mittlerweile auch die Yoga Vidya Reihe öfter nach dem Yin-Aspekt, obwohl einige der Asanas wie Kopfstand, Schulterstand, Kobra, Heuschrecke, Bogen oder auch das Dreieck eher Yang-geprägt sind, also nur mit Muskelaktivität gehalten werden, was ja auch Sinn macht. Im Yin Yoga steht eher die passive Dehnung von Bindegewebe bzw. der Faszien im Vordergrund, d.h. typische Yin Yogapositionen werden mit wenig oder keiner Muskelaktivität länger (3 – 5 Minuten) und entspannt gehalten. So kann Dehnung auch in den tiefen Schichten des Bindegewebes stattfinden. Meist sind verklebte oder verhärtete Faszien die Ursache, wenn wir ein Dehnungsgefühl oder Gewebespannung spüren. Die entstehen, wenn wir uns zu viel oder einseitig bzw. zu wenig bewegen. Sie können sich aber auch unabhängig vom Muskel zusammenziehen und Verspannungen verursachen wenn wir Stress haben, was die neuste Faszienforschung auch wissenschaftlich belegt hat. Hier können wir gut mit Yin Yoga arbeiten und das Fasziengewebe wieder geschmeidig machen, was letztlich unseren Bewegungsspielraum erweitert und uns ein Gefühl von Leichtigkeit gibt.

Zeit und Geduld

Auch unsere Gelenke profitieren davon, da sie durch Kompression einen gesunden Trainingsreiz bekommen und so die Bildung von Gelenksflüssigkeit und Gewebesubstanz anregen. Allerdings braucht es eine gute Körperwahrnehmung um zu erkennen, wieviel Dehnung und Kompression gut ist. Und das wiederum braucht Zeit und Geduld. Beide Qualitäten sind also wichtig – die Kräftigung unserer Muskeln mit Yang (Asanas) und die Erhaltung der Geschmeidigkeit unseres Bindegewebes mit Yin Yoga – im Sinne einer harmonischen ausgleichenden Beziehung. Dabei sollten wir nicht nur unseren Körper betrachten, sondern auch unsere Psyche bzw. unseren Geist, der gerade in unserer heutigen modernen Zeit sehr vom Yang Prinzip geprägt ist durch Reizüberflutung oder verschiedene Rollen und Aufgaben, die wir im Leben gleichzeitig erfüllen müssen.

„Eine gewisse Leichtigkeit“

Da auch mein Alltag als Mutter von zwei kleinen Kindern sowie als selbstständige Yogalehrerin und Seminarleiterin sehr vom Yang-Aspekt geprägt ist, zieht es mich momentan sehr oft zum Yin Yoga als Ausgleich. Ich genieße regelrecht diese „Auszeit“ – fast täglich, nicht weil ich trendy sein möchte, sondern weil es mich einfach entspannt, gleichzeitig meinen Körper flexibel hält und mir Energie gibt, wenn durch das sanfte Dehnen Gewebespannungen gelöst und die Lebensenergie, das Prana, wieder fließen kann. Die alltäglichen Herausforderungen bekommen dann wieder eine gewisse Leichtigkeit, die auch mein Umfeld zu spüren bekommt. Also alles kein Zufall, dass der Yin Aspekt gerade jetzt in mein Leben so präsent ist und ich diese Erfahrungen mit Begeisterung an meine Yogaschüler weitergebe.

· Ein Artikel von Shanti Wade ·

Beim diesjährigen Ayurveda Kongress vom 10. – 12. Juni 2016 werde ich einen Workshop anbieten zum Thema „Yin Yoga und Vatastörungen“. Außerdem biete ich seit dem letzten Jahr die Yin Yoga für YogalehrerInnen als 5-tägige Weiterbildung an. Die Nachfrage bei der letzten Weiterbildung im Februar war so groß, dass ich in diesem Jahr noch drei weitere Yin Yoga Weiterbildungen geben werde und zwar vom 26.Juni – 1.Juli 2016 und 18. – 23. Dezember 2016 bei Yoga Vidya Bad Meinberg und vom 9. – 14. Oktober 2016 bei Yoga Vidya Westerwald.

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Infos und Anmeldung unter 

Weitere Seminare, Workshops und Retreats zu Yin Yoga mit Shanti Wade findest du unter www.yoga-bewusst-leben.de

ShantiGritWadeSeminarleiterin Shanti Wade:

Als langjährig erfahrene Yogalehrerin (BYV) und -Ausbilderin bei Yoga Vidya, Yogatherapeutin (BYVG) sowie Yin Yogalehrerin (nach Paul Grilley), legt sie ihren Fokus auf das genaue Erspüren des Körpers in den Asanas und seinen Grenzen, die es zu erkennen gilt, um gesundes Yoga zu praktizieren.

1 Kommentar zu “Yin Yoga – neuer Yogatrend oder Sehnsucht nach Entschleunigung?

  1. Gabriela Wolf

    Wie schön!!! Bietest du auch bald Yin Yoga im Allgäu an?

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