Yoga und Surfen – Om meets Aloha

Am Meer sein. Wärme spüren. Salzige Meeres-Luft riechen. Abenteuer, Höhen und Tiefen erleben. Mit Freunden oder alleine. Profi-Surfer Gerry Lopez meint:

„You don´t have to come to Yoga, Yoga comes to you.“ 

Fast überall auf der Welt entstehen heute immer mehr Licht-Punkte, Surfspots, wo Menschen zusammen Yoga praktizieren und surfen lernen können. Die Kombination aus Surf- und Yogaurlaub wird immer gefragter. 

Warum ist das eigentlich so? 

Auf und ab – Balance im Sein 

Obwohl sich Yoga und Surfen in unterschiedlichen Kulturen entwickelt haben und auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, ergänzen sich beide nach genauerem Hinsehen perfekt und auf wundervolle Weise.

Beide Sportarten sind spirituell und sehr alt. So heißt es, dass sich bereits die Polynesier schon vor etwa 3.000 vor Christus mit Hilfe von Holzbrettern über Pazifik-Wellen bewegten. Den meisten Hawaiianer war es sehr wichtig, den richtigen Baum für ein neues Brett auszuwählen. Während dem Bauen führten sie religiöse Rituale durch. Sie lebten in Harmonie mit dem Meer und der Natur.

Sowohl Yoga als auch Surfen ist nicht selten eine Lebenseinstellung und Lebensphilosophie. Surfen und Yoga und vor allem die Kombination aus beiden können dein Leben positiv beeinflussen und verändern. Wenn du einmal mit Yoga und Wellenreiten angefangen hast, wirst du es vermutlich immer wieder in deinem Leben machen. Beides kann dir sehr viel Energie geben.

Und auch den spirituellen Weg im Yoga kannst du bei genauerem Hinsehen auf irgendeine Art und Weise auch beim Surfen wiederfinden.

Unerwartete Wellen oder noch fehlendes Balance-Gefühl lassen dich von deinem Surfbrett ins Wasser herunterfallen, du wirst wild hin- und her gewirbelt, weißt nicht mehr wo oben und unten ist, bekommst vielleicht sogar Atemnot und erlebst Höhen und Tiefen schnell hintereinander. Bis du irgendwann wieder nach oben gelangst, wieder atmen kannst und du aus diesen Tiefen vielleicht daraus lernen kannst.

Situationen von innen oder außen lassen dich von deiner Bequemlichkeitszone herunterfallen, du wirst wild hin- und her gewirbelt, siehst Probleme im Umgang mit Menschen oder mit dir selbst, erlebst Höhen und Tiefen schnell hintereinander. Bis irgendwann eine ruhigere und glücklichere Phase in deinem Leben kommt und du aus diesen Tiefen vielleicht daraus lernen kannst. 

Sich selbst kennenlernen.

Wenn du Surfer beobachtest, wie sie elegant und mühelos auf den Wellen zu tanzen scheinen, denkst du dir bestimmt: „Ach, das würde ich auch so gerne können, das sieht so einfach aus!“

Spätestens, wenn du aber selbst Wellenreiten ausprobierst, wirst du vermutlich schnell feststellen, dass es eine sehr anspruchsvolle Sportart ist und vor allem anfangs nicht einfach ist. Oft kommt es vor, dass Wellen direkt über dir zusammenbrechen und zudem musst du viel paddeln, um die nächste gute Welle zu bekommen. Das ist oft ziemlich anstrengend, kräftezehrend und besonders frustrierend. Vor allem die Kraft im Oberkörper und in deinen Armen müssen erst aufgebaut werden. Um überhaupt erst den TakeOff zu schaffen, also stabil auf deinem Surfbrett zu stehen, benötigst du einiges an Balance, Flexibilität und auch Durchhaltevermögen. Und hier kommt Yoga ins Spiel. Denn mit Asanas kannst du diese benötigte Kraft und Fähigkeiten super aufbauen. Allgemein kannst du im Yoga deine Aufmerksamkeit auf deinen gesamten Körper, Geist und Bewusstsein schärfen und trainieren, was dir im Meer enorm hilft.

Du wirst erkennen, dass sich ziemlich viele Asanas den Körperhaltungen und Bewegungen beim Surfen ähneln. Die Kobra sieht aus wie beim TakeOff. TakeOff ist der Moment beim Surfen, wo du auf dem Surfbrett aufstehst, um die Wellen im Stehen zu surfen. Wenn du es nach langer Übung schaffst, einmal, wenn auch nur für ein paar Sekunden, auf deinem Brett stehst, wirst du dich möglicherweise wie ein glücklicher „Krieger“ (– für den Frieden) aussehen und dich auch so fühlen.

vorbereiten.

Um dich perfekt auf deinen Surftag vorzubereiten, ist es eine gute Idee morgens Yoga zu praktizieren. Aber gibt es etwas schöneres, als morgens nicht in einem stickigem Yoga-Raum, sondern am glitzernden Strand barfuß in Ruhe einige Runden Sonnengrüße zu praktizieren und die Sonne zu grüßen? Deine Muskeln werden aufgewärmt und gedehnt, dein Kreislauf angeregt. Wenn du dann noch anschließend einige Minuten meditierst und Pranayama praktizierst, bist du perfekt vorbereitet, um entspannt und mit einem klareren Bewusstsein ins Meer zu springen.

entspannen.

Und auch wenn du dir nach einer langen, anstrengenden Surfsession denkst: „Nein, jetzt nicht auch noch Yoga, das ist ja so anstrengend. Ich will lieber gemütlich in der Hängematte liegen und einen Cocktail – vielleicht alkoholfrei – trinken.“ wird dir gerade jetzt eine entspannte Abend-Runde gut tun, indem du auch super geistlich entspannen kannst. Am nächsten Morgen wirst du zudem höchstwahrscheinlich froh sein keinen oder weniger Muskelkater und Schmerzen zu haben. Und umso mehr wirst du deinen restlichen Abend genießen können.

bewusst atmen.

Vor allem am Anfang passiert es oft, dass du von deinem Surfbrett fällst, weil du eine Welle unterschätzt hast oder es dir noch etwas an Balance und Übung fehlt. Wenn du dann einige Sekunden – gefühlte Minuten oder sogar Stunden – unter Wasser bist, keine Luft, sondern stattdessen Angst bekommst, kannst du dennoch beruhigt sein. Denn mit Pranayama, also Atemübungen, kannst du deine Lungenkapazität verbessern.

Kapalabhati und Anuloma Viloma, der Wechselatmung, wird dir vor allem in brenzligen Situationen mit vielseitigen und unvorhersehbaren Anforderungen, sowohl im Meer als auch zu Hause im Büro oder in der Familie helfen. So kann dir ein plötzlich stark zunehmenden Wind oder andere Surfer, die auf einmal deinen Weg kreuzen Probleme bereiten oder hast Probleme in deiner Familie oder in deinem Beruf, die in den ersten Momenten unlösbar scheinen. Regelmäßiges Üben von Yoga soll zudem auch gegen Ängste helfen, was dir bei gefährlichen Situationen im Meer hilft ruhig und gelassen zu bleiben.

Falls, die Wellen nicht einmal so sind wie sie du dir wünscht – ob zu groß oder zu klein – du lange auf die perfekte Welle wartest oder du dir als Anfänger wünschst gleich eine 3-m-hohe Welle zu surfen, lernt dich Yoga sowohl gelassener als auch geduldiger zu werden und die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst.

Was könnte Patanjali vom Surfen denken?

Die Prinzipien im achtgliedrigen Yogapfad vom Yogasutra des Patanjali, ein indischer Weiser, lassen sich auch auf das Wellenreiten im Meer übertragen und anwenden. Vermutlich bist du im Endeffekt nach deinem nächsten Waschgang entspannter und kommst grinsend wie ein Honigkuchenseepferdchen von deiner Surfstunde zurück.

Ahimsa (Gewaltlosigkeit):

verhalte ich mich freundlich und respektvoll zu anderen Surfern, auch wenn ich gerade genervt bin, dass gerade in diesem Moment jemand meine schöne Welle, die ich nehmen wollte, surft?

und bin ich auch mit mir selbst zufrieden eine gefühlte Ewigkeit im Weißwasser zu üben, obwohl ich doch viel lieber mit meinen Freunden grüne Wellen surfen will? bin ich zu faul dazu, meinen Müll mitzunehmen und zu entsorgen oder lasse ich diesen am Strand liegen? sehe ich das vielleicht sogar als Chance mich jetzt wirklich aktiv im Umweltschutz zu engagieren?

Satya (Wahrheit):

bin ich wirklich so weit, für die nächste Welle oder überfordere ich mich damit? oder blockiere ich sogar andere Wellenreiter, weil ich mich nicht so richtig traue?

Asteya (nicht stehlen):

macht mir das Surfen auf einmal so viel Spaß, dass ich kaum noch mitbekomme, dass ich gerade jemanden die Vorfahrt genommen, also eine Welle gestohlen, habe?

Brahmacharya (Verhalten, durch das man “Brahman”, das Absolute erreicht):

bin ich soweit, dass ich Surfen sogar als eine Art von Meditation sehe? gehe ich mit anderen Surfern freundlich und wertschätzend um?

Aparigraha (Nicht-Anhaftung):

vergleiche ich mich im Wasser ständig mit anderen, wenn jemand anderes besser surft oder ich der Meinung bin, besser zu surfen als jemand anderes?

verbunden mit allem sein.

Die Natur ist das Kunstwerk Gottes ― Swami Sivananda

Wundervolle Sonnenuntergänge in den schillerndsten Farben. warmer Sand. Wärme. Wasser. Wellen. Wolkenspiele. Vögel, die auf einzigartige Weise vorbeifliegen. Besondere Augenblicke. Besondere Augenblicke mit Menschen, die zu guten Freunden werden. Ein Regenbogen, während du im Regen auf dem Surfbrett liegst. 

Spätestens aber, wenn du von einer kraftvollen und unerwarteten Welle erwischt wirst und sie dich unter Wasser drückt und dich wie in einer Waschmaschine hin-, und herwirbelt, erkennst du, dass die Natur nicht immer „schön“ ist, sondern auch gewaltig sein kann und du erkennst, dass wir Menschen im Vergleich viel, viel kleiner sind.

Welcher Zeitpunkt ist für dich am Besten in die Wellen zu gehen? Und wie war das nochmal mit den Gezeiten, den Meeresströmungen, dem Wetter, der Windrichtung, der Bodenbeschaffenheit des Spots, der Wellenenergie? Um kein unnötiges Risiko im Meer einzugehen, wirst du dich deswegen früher oder später mit Themen der Natur beschäftigen müssen. Vielleicht haben dich solche Fragen vorher nicht wirklich interessiert.

Frei sein. Hier und Jetzt. Im Flow sein. Glücklich sein. 

Im Yoga besonders während der Meditation und auch während dem Mantra und Kirtan singen, lernst du immer mehr im Hier und Jetzt zu sein. Du spürst und genießt den Moment ganz bewusst und intensiv und kannst dich besser auf die kommende Welle konzentrieren. Dies machst du, indem du dich auf deine Atmung konzentrierst und deine Gedanken beobachtest und kontrollierst.

Und irgendwann kommt der magische Moment. Der Moment, wo du dich mit der Welle, dem Meer, mit der Natur verbunden fühlst. Deine Bewegungen laufen von selbst ab, du denkst nicht darüber nach, welcher Schritt als nächstes kommt, machst dir keine Sorgen, denkst nicht darüber nach was du vorhin beim Einkaufen vergessen hast und morgen deine Prüfung ist, für die du noch lernen musst. Nein. Okay, vielleicht denkst du gerade noch in diesem Augenblick „wow, wie schön“. Denn in diesem magischen Moment, bist du im Hier und Jetzt. Du bist glücklich. Du bist stoked.

Tada Drashtuh Swarupe Vasthanam. Du ruhst du in deiner wahren Natur.

OM meets Aloha

Aloha ist ein Gruß, der aus dem Hawaiianischen stammt und soviel wie Liebe und Freundlichkeit heißt. Die Silbe alo heißt übersetzt „in Anwesenheit von“ und ha (ursprünglich hā) „Atem des Lebens“. Es bedeutet also „in Anwesenheit des (göttlichen) Lebens“. Genau darum geht es auch im Yoga!

Zum Schluss noch eine kleine Auswahl von Surfer-Begriffen zum Lernen für deinen vielleicht nächsten Yoga-, und Surf-Urlaub:

  • Drop-In: jemand anderem in die Welle fahren, entgegen der Surfregeln.
  • Grüne Welle: eine ungebrochene Welle, die fortgeschrittene Wellenreiter surfen können.
  • Hang Loose: Gruß unter Surfern: „Bleib locker“.
  • Snaken: einen anderen Surfer die Vorfahrt nehmen.
  • Stokeness: Gefühl, wenn du mit einem breiten Grinsen abends aus dem Wasser kommst.
  • Surfspot: Stelle, wo du surfen gehst.
  • TakeOff: das ist die Bewegung, die du machst, um auf deinem Surfbrett zu stehen.
  • Weißwasser: gebrochene Welle, die vor allem für Anfänger zum Lernen geeignet ist.
  • Wipe Out: der Fall vom Surfbrett und das anschließende Durchgewaschen werden von einer Welle.

Falls du jetzt sofort ins Meer springen willst und erste Versuche auf deinem Surfboard machen willst, du aber dafür nicht weit weg fahren willst, können wir dir wärmstens die zwei Seminare im Sommer an der Yoga Vidya Nordsee empfehlen.

Yoga und Surfen an der Nordsee →

Surf-Impressionen aus Portugal:

1 Kommentar zu “Yoga und Surfen – Om meets Aloha

  1. Als Yogi und Surferin finde ich diesen Text wundervoll und lege allen ans Herz, beide Sportarten einmal auszuprobieren!

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