39 Zusammenfassung: Vedanta Jnana Yoga: Der philosophische Weg zur Gelassenheit

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Hier die Zusammenfassung der bisherigen Ausgaben dieses Yoga Vidya Gelassenheits-Podcasts. Sukadev zeigt dir nochmals auf, wie Jnana Yoga und Vedanta dir helfen können, Gelassenheit zu leben. Gelassenheit ist ein Mittel für höchste Erkenntnis. Höchste Erkenntnis ist ein Mittel für Gelassenheit. So ist das wie ein Engelskreislauf: Du löst dich von Identifikationen – und wirst gelassener. Wenn du gelassener bist, kannst du dich leichter von weiteren Identifikationen lösen. So verstärkst sich das immer mehr. Und kannst du dich mehr lösen von Identifikationen und bist du besser verankert in Gelassenheit – dann fällt es dir leichter deine wahre Natur und das Göttliche zu erfahren. Und je mehr du deine Wahre Natur und das Göttliche erfährst, um so leichter fällt es dir dich von Identifikationen zu lösen und gelassener zu sein. So bist du gut unterwegs auf dem Weg des Jnana Yoga, des Vedanta Wegs der Erkenntnis und Verwirklichung.

Dies ist die 39. Folge des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcasts und die Zusammenfassung des ersten großen Abschnitts dieser Podcast Reihe: Vedanta Jnana Yoga – der philosophische Weg zur Gelassenheit. Konzipiert, gesprochen und produziert von Sukadev Volker Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya.

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Dies ist der Abschluss des Themas Jnana Yoga als Weg zur Gelassenheit. Du hast schon viel darüber gelesen, viele Anregungen bekommen. Ich will es nochmals zusammenfassen. Die Grundfrage des Jnana Yoga ist: „Wer bin ich?“ Indem du dich fragst, „wer bin ich“, kannst du dich lösen von Verhaftungen. Die Grundlage des Jnana Yoga ist: Satchidananda Swarupoham. Deine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit. Du bist unendliches Sein, unbegrenzt in Zeit, unbegrenzt in Raum. Du bist Chid, unendliches Wissen, unendliche Bewusstheit, intensive Erfahrung. Du bist Ananda, Freude, Wonne, Liebe. Das ist deine wahre Natur. Du bist auf diese Welt gekommen, um über einen Körper Erfahrungen zu machen, um über einen Körper Kräfte zu entwickeln, um über einen Körper Dinge zu bewirken in einer relativen Welt. Du hast dich dann identifiziert mit dem Körper und dem damit zusammenhängenden Geist und mit Emotionen und Gefühlen. Daraus erwachsen alle möglichen Probleme.

Ich habe über die Kleshas gesprochen. Wenn du vergisst, wer du wirklich bist, Avidya, dann identifizierst du dich, Asmita, mit etwas. In dem Moment, wo du dich mit etwas identifizierst, was du nicht bist, kommt Raga, Mögen, und Dvesha, Nichtmögen. Daraus kommen verschiedene Ängste. Und weil du intuitiv weißt, du bist unendlich, gibst du dich niemals zufrieden mit Begrenztem. Deshalb kann dich weder der Zustand deines Körpers oder deiner Psyche befriedigen, noch irgendetwas, was du hast. Weil du unendlich bist, willst du nur das Unendliche. Du bist Bewusstsein, unendliches Bewusstsein, intensives Bewusstsein. Unendlich heißt auch intensiv. Daher gibst du dich niemals zufrieden mit was auch immer. Egal was für eine Erfahrung du machst, sie reicht dir nie aus. Und egal, wie viel Wissen du hast, es reicht dir nie aus. Du bist Ananda, du bist Freude, du bist Wonne. Das ist deine wahre Natur. Und zwar ewige Wonne, unendliche Wonne, unbegrenzte Wonne, unbedingte Wonne. Daher wirst du dich niemals zufriedengeben mit kleinen Freuden. Kleine Freuden können dich vorübergehend zufriedenstellen, aber niemals dauerhaft. Das allein schon zu erkennen, gibt dir viel Gelassenheit. Wenn du dann noch erkennst, wie du aus den Kleshas heraus in Probleme gerätst, bist du bei Swadhyaya, nämlich bei Selbststudium, was dich wiederum zur Gelassenheit bringen kann. Du kannst dir immer wieder überlegen: „Wo habe ich vergessen, wo meine Natur ist? Avidya. Mit was habe ich mich identifiziert? Asmita. Welches Mögen und Nichtmögen, welche Wünsche sind daraus entstanden, welche Abneigungen? Raga, Dvesha. Welche Ängste sind entstanden? Abhinivesha. Und welche Emotionen, Gefühle, wie Ärger, Eifersucht, Neid, Gier?“ All das kommt, wenn du in deinen Identifikationen bist.

Daher gilt es immer wieder, dich zu lösen von Identifikationen. Du kannst dich lösen von Identifikationen, indem du eine Beobachterrolle einnimmst. Du kannst dich lösen von Identifikationen, indem du dir bewusst machst: „Ja, da ist der Körper, da ist die Psyche, da sind die Emotionen, da sind die Gedanken.“ Und du kannst dir bewusstmachen: „Ich bin der Beobachter.“ Du kannst dir auch bewusstmachen, das ist eine schöne Übung, dass du deine Emotionen, deinen Körper, deine Psyche und alles, was so einhergeht, von verschiedenen Richtungen aus beobachten kannst. Und du kannst dir auch bewusstmachen, dass das Beobachtbare endlich ist. Und alles, was einen Anfang und ein Ende hat, bist du nicht, denn dich gibt es schon seit einer ganzen Weile. Gut, Yogis würden sagen, seit Ewigkeiten. Aber so lange kannst du dich nicht erinnern. Aber solange du denken kannst, gibt es dich. Aber alles, was du wahrnimmst, hat sich in der Zeit geändert. Du bist das Unveränderliche und du bist der Wahrnehmende.

Und so gilt es, dass du dich nicht identifizierst mit deinem Besitz, nicht identifizierst mit deinen Rollen. Es ist gut, Liebe zu empfinden, aber identifiziere dich nicht mit deinen Eltern und Kindern, nicht mit deinem Partner. Identifiziere dich nicht mit deinem Körper, deinem Prana, deinen Emotionen, deinen Gedanken, auch nicht mit deiner scheinbar überdauernden Persönlichkeit, denn auch die bist du nicht. Identifiziere dich nicht mit deinen Fähigkeiten und auch nicht mit dem, was kommt, wenn du spirituell praktizierst. Identifiziere dich nicht mit deiner Feinfühligkeit, mit deinen subtilen Fähigkeiten, auch nicht mit deinen spirituellen Erfahrungen. Mache dir immer wieder bewusst, du bist Satchidananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit. Und dann mache dir bewusst, dass all dein Streben, all deine Sehnsucht und letztlich all deine Wünsche nur darauf hinauslaufen, Satchidananda zu erfahren.

Indem du dir bewusst machst, dass alles, was du erstrebst, letztlich ein Ausdruck ist, dass du die Reinheit deiner Seele und damit die Unendlichkeit, Ewigkeit, Freude, Wonne, Liebe erfahren willst, kannst du mit all diesen Wünschen und Sehnsüchten geschickter umgehen. Du weißt, deine wahre Zufriedenheit und Befriedigung wirst du nicht im Relativen haben. Aber du kannst das Relative nehmen als ein Aufblitzen des Ewigen und Unendlichen und kannst dich freuen über die relativen schönen Dinge, die relativen freudevollen Dinge, die relativen Ausdehnungsdinge. Also, mit anderen Worten, auch die relativen Freuden sind Ausdruck der kosmischen Freude. Und auch kleine Wunscherfüllungen zeigen dir die große Wunscherfüllung. Und so kannst du jeden deiner Wünsche, deine Sehnsüchte und dein Streben anerkennen als etwas Wertvolles und Großes, aber gleichzeitig erkennen, dass in der Erfüllung von kleinen Wünschen, Bestrebungen, Neigungen niemals dauerhafte Befriedigung liegt. So kannst du gelassener deinen Wünschen und Bestrebungen nachgehen und du kannst auch gelassener ihre Nichterfüllung beobachten. Und du kannst auch bewusst sagen: „Ich will das nicht, ich brauche das nicht.“

Satchidananda ist deine wahre Natur und du kannst diese wahre Natur auch immer wieder erfahren. Du kannst sie erfahren, indem du deine Intensität der Erfahrung hochschraubst. In jedem Moment kannst du deine Erfahrung hochschrauben. In jedem Moment kannst du deine Bewusstheit hochschrauben. In dem Moment, in dem du bewusst deine Bewusstheit hochschraubst, intensiver wahrnimmst, intensiver erlebst, strahlt Brahman, spürst du Brahman, spürst du deine wahre Natur. Du kannst Glückseligkeit erfahren. Wenn du tief in dein Herz hineingehst, spürst du Glückseligkeit. Indem du immer wieder dieses Glück hinter allem spürst, spürst du wiederum deine wahre Natur. Indem du das Glück spürst, kannst du auch wieder gelassener sein, denn auch auf einer relativen Ebene gilt, wenn dein Grundgefühl, deine Grundstimmung Freude, Liebe ist, und zwar unbedingte Freude, unbedingte Liebe, unbedingte Erfahrung, dann können kleinere Herausforderungen des Alltags dich nicht so sehr aus der Ruhe bringen. Du bist dir bewusst: „Ja, in mir ist das Ewige.“ Du kannst auch immer wieder eine Beobachterrolle einnehmen und du kannst dein Bewusstsein immer wieder ausdehnen. Du kannst dich lösen von Begrenztheiten, du kannst dich lösen von Identifikationen. Des Weiteren kannst du dich auch fragen, nicht nur „wer bin ich“, sondern „was ist die Welt“, denn letztlich ist die Welt nur ein Traum. Alles Relative ist nur ein Traum des Absoluten. Wenn du dir dessen bewusst wirst, kannst du eine heitere Lebenseinstellung haben. Du kannst dir bewusst sein: „Was auch immer geschieht, ich bin das Bewusstsein. Und was auch immer geschieht, auch die ganze Welt ist Bewusstsein. Letztlich, mein Körper-Geistkomplex und die ganze Welt sind Träume des höchsten Wesens. Mein Bewusstsein und das Bewusstsein von jedem Einzelwesen ist das gleiche. Und selbst die Welt besteht aus nichts anderem als Bewusstsein.“

Wenn du das erkennst, warum solltest du dich ärgern lassen? Worüber solltest du dich ärgern? Wovor könntest du Angst haben? Du kannst dort eine heitere Gelassenheit haben. Du bist irgendwo in diesem Schauspiel, Lila, dieser Welt, in diesem Traum, in diesem Traum Gottes, in dieser Schöpfung Gottes, du bist irgendwo drin, irgendwann wirst du auch herauskommen. Du bist jetzt in dem Traum, aber es ist ein Traum. Und du kannst voller Staunen und Faszination beobachten, was hier ist, aber eben beobachten als Beobachter, als Gast, als Tourist vielleicht sogar, denn du bist das Unendliche und das Ewige. Eine weitere Weise, dieses Ewige zu erfahren und so Gelassenheit zu haben, ist Samyoga, Gelassenheit durch Verbundenheit. Erfahre immer wieder Verbundenheit. Nimm dir Momente, dich verbunden zu fühlen. Nimm dir Momente, dich mit Schönheit verbunden zu fühlen. Auch wenn du deine Achtsamkeit hochdrehst fühlst du dich verbunden. Ich weiß, die Übungen der letzten Abschnitte überschneiden sich stark, sind sogar fast identisch. Ich halte sie aber für sehr wichtig. Indem du immer wieder dich verbindest, indem du immer wieder deine Achtsamkeit hochfährst, indem du immer wieder Schönheit genießt und Freude genießt, machst du dich unabhängig vom Äußeren. Deine Freude und dein Sein, dein Wissen, deine Bewusstheit hängen eben nicht ab vom Äußeren, sie hängen auch nicht ab von deinen Gemütszuständen. Du warst, bist und wirst immer sein, Satchidananda, unendliches Sein, Wissen und Glückseligkeit. Erfahre dies immer wieder. Und natürlich, ich habe jetzt das ganze Jnana Yoga ausgerichtet auf Gelassenheit im Alltag.

Natürlich, Erkenntnis ist ein Wert in sich und vom Eigentlichen her ist Gelassenheit ein Schritt auf dem Jnana-Yogaweg. Es gehört zu den Sadhana Chatushtayas, zu den vier Eigenschaften, die ein Schüler braucht, um auf dem Jnana-Yogaweg voranzuschreiten. Aber es heißt auch, wenn du in einem dieser vier Vollkommenheit erreichst, dann erreichst du alles. Daher ist es auch legitim, all diese Techniken des Jnana Yoga auf Gelassenheit auszurichten. Indem du das tust, wirst du auch tatsächlich das Göttliche erfahren. Das ist das höchste Streben und es ist auch möglich, das Göttliche zu erfahren. Ich kann es dir nur sagen, es ist möglich, das Göttliche zu erfahren, es ist möglich, dass du dich selbst als dieses Göttliche erfährst. Strebe dorthin, erfahre es. Eine höhere Form von Gelassenheit kann es nicht geben als die Gelassenheit aus der Verwirklichung des höchsten Selbst.

Das war also der Abschluss des Themas Jnana Yoga, man könnte auch sagen, Vedanta, der philosophische Weg zur Gelassenheit. Beim nächsten Mal werde ich insbesondere über meinen eigenen Weg zur Gelassenheit sprechen. Über verschiedene Schritte, die ich gegangen bin. Und ich möchte dir nicht verheimlichen, Jnana Yoga ist für mich sehr wichtig, Bhakti Yoga ist für mich sehr wichtig. Im praktischen Alltag hat sich aber der Raja-Yogaweg als am einfachsten umsetzbar erwiesen. Du kannst also gespannt sein, denn nach den Abschnitten zu meinem persönlichen Weg, werde ich insbesondere den Raja-Yogaweg beschreiben. Und das ist der eigentliche Königsweg.

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