Die 5 Säulen des Hatha Yoga und ihre Anwendung im Alltag – Teil 1

In der Tradition von Swami Sivananda, in der Yoga Vidya steht, werden sechs Yogawege gelehrt: Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, Jnana Yoga und Karma Yoga.

Im Westen ist der Hatha Yoga am bekanntesten, obwohl er nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Spektrums des Yoga darstellt. Die Techniken der anderen Yogawege wie Energiearbeit, Reinigungstechniken, Rituale oder Studium des Vedanta sind eher unpopulär.

Viele Menschen kommen erst durch eine Yogalehrer-Ausbildung oder nach vielen Jahren Hatha Yoga Praxis damit in Kontakt. Aber auch der Hatha Yoga befasst sich nicht ausschließlich mit Körperstellungen.

Dieser Blogartikel stellt die fünf Säulen des Hatha Yoga vor und zeigt auf, welchen Nutzen Du daraus für Deinen Alltag ziehen kannst.

Der Hatha Yoga baut auf fünf Säulen auf:

  • Asana (Körperstellung)
  • Pranayama (Atemübungen)
  • Entspannung
  • Ernährung
  • Meditation / positives Denken

Asana

Asana ist wohl die bekannteste Übung aus dem Hatha Yoga. Es geht um Körperstellungen, die in der Hatha Yoga Stunde eingenommen und für einen bestimmten Zeitraum gehalten werden. Viele Menschen kommen zum Hatha Yoga, weil die Körperübungen dafür bekannt sind, dass sie alle möglichen Leiden von Muskelverspannungen über Rückenschmerzen und Verdauungsproblemen bis hin zu hohem Blutdruck und Schlaflosigkeit mildern oder sogar ganz beenden können.

Die Asanas dehnen und kräftigen den Körper, entspannen das Bindegewebe, lösen Energieblockaden und verhelfen dem/der Übenden zu einem besseren Körpergefühl. Letzteres ist ein sehr wichtiger Punkt.

In der Hatha Yoga Praxis geht es nicht darum, das Asana in seiner Perfektion, wie es in einem Yoga-Buch abgebildet ist, auszuführen. Die Körperstellung dient viel mehr als Forschungsfeld, um sich den Körper und seinen aktuellen Zustand bewusst zu machen und allmählich an der Ausdehnung der Komfortzone zu arbeiten (das Bewegungsausmaß zu erhöhen).

So gelangt der/die Übende zu mehr körperlichem Bewusstsein und mehr körperlicher Freiheit, die sich natürlich auch durch eine stabile körperliche Gesundheit ausdrückt. An dieser Stelle möchte ich  darauf hinweisen, dass Yoga-Übende trotz Allem auch mal krank werden können.

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Pranayama

Auch die Atemübungen haben eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit. Vor allem, was die Atemwege betrifft. Das Lungenvolumen wird größer und wir werden weniger anfällig für Atemwegserkrankungen.

Die intensive Auseinandersetzung mit den Atemorganen ist sehr gut für Menschen, die unter Asthma leiden. Sie bekommen durch die Übungen mehr Gefühl für den Atemapparat und somit wieder mehr Vertrauen und Kontrolle.

Durch die Abwechslung von intensivem Atmen und dem Anhalten des Atems, laufen im Blut verschiedene Prozesse ab, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Mal steigt der Sauerstoffgehalt im Blut, mal erhöht sich die Kohlendioxyd-Konzentration.

Dies wirkt sich auf den pH-Wert des Blutes aus, was unter anderem zur Folge hat, dass Giftstoffe vermehrt aus den Geweben gelöst und abtransportiert werden können.

Weiterhin wirkt Pranayama klärend und beruhigend auf den Geist. Eine der häufigsten Meditationstechniken dieser Erde ist die Konzentration auf den Atem. Warum? Es ist eine sehr einfache und schnelle Möglichkeit den Geist nach Hause zu bringen.

Die Atmung ist ein körperlicher Vorgang. Die Konzentration auf den Atem lenkt den Geist also auf den Körper und beide werden wieder eine Einheit. Dies wirkt nicht nur entspannend, sondern auch sehr heilsam.

Bereits ein paar bewusste tiefe Atemzüge in den Bauch entspannen den Geist, helfen Stress und Aufregung zu lindern und wir können wieder klare Gedanken fassen und uns besser konzentrieren. Oft können auch körperliche Schmerzen gemildert werden, wenn man einige Minuten bewusst dort hinein atmet.

Entspannung

Wenn die Teilnehmer meiner Seminare die fünf Säulen des Hatha Yoga erarbeiten, wird dieser Punkt meistens als Letztes genannt oder sie kommen gar nicht darauf – was für ein Abbild unserer Gesellschaft!

Es geht immer ums Tun, ums Machen, ums Handeln. Entspannung ist das Gegenteil davon. Es bedeutet, einfach nur zu sein. Das Tun, Machen und Handeln sein zu lassen und es einfach mal gut sein zu lassen.

Wenn wir in der Hatha Yoga Stunde sind, ist es wichtig, dem Körper nach der intensiven Praxis einige Minuten der Ruhe zu gönnen, damit er sich erholen kann und sich die Wirkungen der Asanas etablieren können.

Als Yogalehrerin erlebe ich es leider immer noch sehr oft, dass Schüler (selbst in einem Ashram!) vor der Entspannung die Stunde verlassen, weil es ja noch so viel zu tun gibt. Die Menschen sind ohne Rast und laufen endlos der Zeit und ihren nicht endenden Aufgaben hinterher.

Dann werden schnell ein paar Asanas gemacht und weiter geht’s – für Entspannung keine Zeit. Was daran Yoga sein soll, wissen sie wahrscheinlich selber nicht. Eine meiner Lehrerinnen sagte einmal: „Yoga ohne Entspannung ist wie Kochen ohne Essen – es macht einfach keinen Sinn.“

Damit ist nicht gemeint, dass man die Praxis mangels Zeit ausfallen lassen sollte. Vielmehr rät uns dieser Spruch unsere Praxis so aufzubauen, dass am Ende auf jeden Fall noch Zeit für Entspannung bleibt. Also lieber ein paar Asanas weg lassen und dafür entspannen.

Auch außerhalb der Yogastunde kann Entspannung praktiziert werden. Das Nervensystem der meisten Menschen ist ständig auf Aktivität geschaltet was auf Dauer krank macht (Dauerstress). Deswegen ist es ratsam mehrmals täglich kleine Entspannungsübungen zu machen, damit Körper und Geist regenerieren können.

Entspannungsimpulse lassen sich leicht durch verschiedene Techniken setzen. Ausführliche Techniken sind natürlich Asanas, Pranayama, Meditation und Tiefenentspannung wie z.B. Shavasana oder Yoga Nidra.

Wenn es mal schnell gehen soll, können aber auch schon einige bewusste Atemzüge, bewusstes Spüren bestimmter Körperteile, ein Spaziergang im Wald oder Mantra-Wiederholung eine Entspannung herbei führen.

Eine kleine Auswahl an Entspannungsübungen findest Du hier:

Und damit Dir jetzt auch noch genug Zeit für Entspannung bleibt, soll es bis hier hin genug sein. Über Ernährung und Meditation erfährst Du mehr im Teil 2 – dem nächsten Artikel. 🙂

Om Shanti

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

→ Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

 

1 Kommentar zu “Die 5 Säulen des Hatha Yoga und ihre Anwendung im Alltag – Teil 1

  1. Wichtige und gute Erinnerung. Vielen Dank und herzlichen Gruß

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