Die 5 Wege zur Befreiung von Wünschen

Wir können Befreiung von unseren Wünschen durch Raja Yoga erfahren

Das Ziel im Yoga wird oft mit „Freiheit“ betitelt. Im Alltag kennen wir viele Formen von Freiheit wie Narrenfreiheit, vogelfrei oder bewegungsfrei. Der Yogi hingegen spricht im Sinn der Befreiung von Wunschlosigkeit. Es dreht sich wie so oft um das Wort der Verhaftungslosigkeit. Heute wollen wir erkunden, was genau dahinter steckt und im Laufe der nächsten Teile dieser Reihe 5 Möglichkeiten vorstellen, dorthin zu kommen.

Im Raja Yoga nach Patanjali heißt es im ersten Kapitel, wir sollen allen Wünschen und Verlangen absagen. Außer dem einen, dem Wunsch nach Befreiung. Wir bezeichnen es auch als Verhaftungslosigkeit, wenn wir nicht mehr nach etwas Sinnlichem verlangen. Das heißt, wir wünschen uns kein Buch, haben kein Verlangen nach Zucker und wollen nichts erreichen. Hinzukommt, dass wir kein negatives Verlangen haben. Wir wollen nicht dieses oder jenes ändern, wir sind nicht von lauten Geräuschen genervt und wollen unsere Arbeit nicht hinschmeißen.

Wozu das Ganze?

Zunächst mag es erst einmal etwas merkwürdig klingen, nichts zu wollen. Spätestens wenn es zum Essen geht, sollten wir doch Nahrung wollen. Essen ist ein Bedürfnis, dass befriedigt wird. Dies ist tatsächlich eine andere Baustelle, die wir später noch ansprechen in Teil 3. Jetzt geht es um solche Wünsche, die Freud oder Leid hervorrufen bzw. verhindern. Ein neues Auto ist ein Wunsch, der Freude verursacht. Allerdings ist das so eine Sache mit den Wünschen. Etwas macht uns glücklich, wenn wir es wollen. Es macht uns unglücklich, wenn wir es nicht wollen. Fahren wir einkaufen, freuen wir uns über das Auto, haben wir keinen Stellplatz ärgern wir uns. Unser Gemütszustand ist also davon abhängig, wie wir die Außenwelt bewerten. Soweit so gut.

Auto, Haus, Familie und Geld können uns höchstens bis zum Tod in diesem Leben glücklich machen

Meistens haben wir eine Idee, warum wir bestimmte Dinge wollen, andere nicht. Eventuell sind dort Kindheitstraum versteckt, schöne Erinnerungen hinter oder Süchte im Spiel. Sprich: Wir können unsere Wünsche nicht immer beeinflussen, selbst wenn wir wissen, wo sie herkommen. Sie sind aber dafür verantwortlich wie wir uns fühlen. Das heißt, wir haben keine Kontrolle darüber, wie wir uns fühlen, selbst wenn wir verstehen, warum das so ist. Es gibt nun zwei Lösungen. Zum einen können wir immer dafür sorgen unsere Wünsche zu befriedigen und uns die Welt gut zureden oder zum anderen unseren Wünschen die Macht über uns nehmen (Sivananda, 2009). Dieses „Macht nehmen“, nennen wir Befreiung oder Verhaftungslosigkeit.

Die Alternative

Spätestens mit dem Tod, lassen wir alles Physische hinter aus. Der Yogi strebt aber nach grundlegender, überdauernder Glückseligkeit. Haben wir festgestellt, dass uns Autos, Hundewelpen und gute Freunde nicht dauerhaft glücklich machen, braucht es eine Alternative. Diese nennen wir wieder etwas schwammig: Das Höchste alias die höchste Wahrheit, Gott, Liebe, Samadhi und vieles mehr. Dahinter versteckt sich, dass das Ich-Bewusstsein aufgelöst wird. Dieser Zustand hat es in sich. Dann sind wir unser wahres selbst, Freude, Verbundenheit, Einheit, Liebe. Es gibt dann kein „ich“ kein „du“ und kein wollen oder sollen mehr, nur pures Glück (Bretz, 2014).

Wer seinen einzigen Gedanken auf die Befreiung richtet und das Verlangen nach Sinnesfreuden auslöscht, wer auf die Früchte aller seinen Taten verzichtet, wer an die höchste Wahrheit glaubt (shraddha), mit Hingabe der Lehre zuhört (shravana), nachdenkt und meditiert, der befreit sich von der rastlosen Natur des Geistes.

Sukadev bretz Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 182

Man braucht kein Gläubiger zu sein, um danach zu streben. Mit anderen Worten wird es deutlicher. Wir werden gegenüber unseren Wünschen und dem Leben gleichmütig. Gleichmütig heißt, dass wir damit zufrieden sein können, egal wie es kommt. Nicht zu verwechseln mit Gleichgültig, wo wir uns einfach nicht um Dinge kümmern. In der Gleichmut, begegnen wir allen Lebenslagen mit dem gleichen Enthusiasmus, der Freude und Gelassenheit. Wir können in uns ruhen, weil wir wissen, wir werden glücklich bleiben. Es ist die Lösung der „glückliches Schwein, trauriger Philosoph“ Debatte (Mill, 1863). Wir wissen so viel wie die Philosophen und können trotzdem so glücklich sein wie die Schweine. Statt nach Häusern, Pools oder Geldscheinen zu streben, wollen wir also einfach zufrieden sein mit dem, was kommt, unabhängig davon was kommt aber in vollem Bewusstsein dessen.

Gleichmütigkeit lässt uns das Leben genießen egal, wie die Umstände stehen

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer

Verhaftungslosigkeit ist also der Schlüssel zur Entspannung. Quasi eine Glücklichkeitsgarantie, die uns niemand wegnehmen kann. Es ist ein Geisteszustand, der sagt, dass man sich dem Einfluss von mögen und nicht mögen entzieht. Es gibt also nichts, worum man sich sorgen kann, weil alles einfach da sein darf. Bis wir dahin kommen, kann es allerdings sehr anstrengend werden. Wir müssen uns selbst hinterfragen, ehrlich zu uns sein und in uns horchen, welche Wünsche überhaupt da sind. Wahrscheinlich musst du einige Gedankenmuster ablegen, andere neu kultivieren und am Ende steht die vollkommene Zufriedenheit mit dir und der Welt. Es lohnt sich also.

Im Raja Yoga kennen wir 5 Wege, die zur Stärkung des Wunsches nach Befreiung führen. Zugegeben, alles an Yoga soll uns dort hinführen. Aber es gibt 5 einfache Schritte, die du in dein Leben einladen kannst, um diesem Ziel etwas näherzukommen. Hier nur ein Sneak-Peak zu den fünf Themen, die wir ansprechen werden: Satsang, Unterscheidungskraft, Gebet, Karma und Bhakti. Wer es kaum erwarten kann von diesen Wegen zu hören, kann sie ganz einfach kompakt und gebündelt in „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ von Sukadev ab Seite 55 nachlesen. In der Ausführung zu Vers I.22 dreht sich alles um den Wunsch nach Befreiung.

Literaturverzeichnis

Bretz, S. (Regisseur). (2014). Sukadev über Samadhi [Kinofilm].

Mill, J. S. (1863). Utilitarianism.

Sivananda, S. (2009). Stories from Yoga Vasishta. Divine Life Society.

1 Kommentar zu “Die 5 Wege zur Befreiung von Wünschen

  1. Om Ihr Lieben , so wirklich habe ich Vedanta durch die drei Prinzipien verstanden. Und natürlich auf dem Yogaweg bleiben , ich komme immer wieder heim, obwohl ich immer wieder rausfalle, aber es ist alles nicht so wichtig, wenn man ein Bhakti ist, denn dann bleibt immer eine gewisse Trennung , bis man sich wieder findet. Om Shanti

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