Liebende Güte in der Weihnachtszeit (Teil 1): Liebende Güte mir selbst gegenüber

Öffne dein Herz zu Weihnachten

Dass Weihnachten das Fest der Liebe ist, haben wir alle schon tausend mal gehört. Und wahrscheinlich ist uns auch allen klar, dass zu dieser Liebe mehr gehört, als sich teure Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen. Im Yoga kennt man das Konzept der Liebe als Maitri, der Güte. Dabei wird schnell klar: Güte fängt bei uns selbst an.

Güte – Eine yogische Tugend

Mit Liebe ist in diesem Fall das gemeint, was wir im Yoga unter liebender Güte oder allumfassender Liebe verstehen. Das Sanskrit Wort hierfür ist “Maitri”. Die Buddhisten bezeichnen es auf Pali als “Metta”. Diese Liebe hat nichts mit der personen- oder objektgebundenen Liebe zu tun, sondern ist eine Grundeinstellung, die wir allen lebendigen Wesen gegenüber entwickeln möchten.

Liebende Güte, Wohlwollen allen Wesen gegenüber ist unser aller Wesenskern. Wenn wir Maitri nicht spüren, dann versperren uns Ängste, Prägungen und nicht heilsame Gedankenmuster den Zugang dazu.

Jesus war eine Verkörperung dieser Liebe und kam auf die Erde, um die Menschen daran zu erinnern. Darum können wir die Weihnachts- und Adventszeit (nochmal zur Erinnerung: Weihnachten ist der Geburtstag von Jesus) dazu nutzen, um intensiv Maitri, Metta, liebende Güte zu praktizieren.

Maitri – Güte dir selbst gegenüber

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt es in der Bibel. Das bedeutet, dass wir zunächst uns selbst liebende Güte entgegen bringen, um diese dann nach außen tragen zu können. Ein Schlüssel dazu ist, dass wir uns klar machen, dass wir, wie alle anderen lebenden Wesen auch, nur zwei Dinge wollen: glücklich und frei von Leid sein.

Um das zu erreichen, haben wir unterschiedliche Strategien entwickelt, mit denen wir uns allerdings meistens auf dem Holzweg befinden. Manche suchen ihr Glück in einem besonderen Job, andere in Beziehungen, die einen wollen Macht und Kontrolle haben, wieder andere versuchen, besonders viel Geld auf dem Konto zu haben.

Es gibt Menschen, die ihr Glück in Partys, Drogen, Sex oder extremen Sportarten suchen. Andere meinen, dass sie glücklich sind, wenn sie nur endlich ihr Wunschgewicht erreichen, den neuen Audi fahren oder im Besitz des neuesten iPhones sind.

Der Weg des Yogis zum Glück

Yogis wissen: Alles Quatsch. Das Glück, das wir aus äußeren Dingen erfahren, ist – wenn überhaupt – vergänglicher Natur. Deshalb ist eine regelmäßige Yogapraxis unerlässlich, um Maitri zu entwickeln. Schließlich haben alle Yoga-Techniken das Ziel, dass wir unseren innersten Kern erkennen, welcher die Quelle ewigen Glücks ist und uns somit zu uneingeschränkter Liebe befähigt. Zusammengefasst: Hafte nicht an materiellen oder äußeren Gütern fest.

Bleib bescheiden

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, nicht hochmütig zu sein. Dies ist hier in beide Richtungen zu verstehen. Wer sich gegenüber anderen als besser ansieht, erschafft für sich selbst genauso viel Leid, wie derjenige, der sich als schlechter ansieht. Selbst, wenn wir uns als gleich betrachten, machen wir einen verhängnisvollen Fehler.

Du bist weder besser noch schlechter als andere, noch bist du gleich. Alle drei Ansichten führen zu Leid. Du bist, was du bist. Jeder hat seine Wesenszüge und Fähigkeiten. Wir alle sind, so wie wir sind, Teil des Universums. Ohne dich, so wie du bist, wäre das Universum unvollständig.

Dankbarkeit lässt Zufriedenheit erblühen

Das finden wir auch in den Yamas, den ethischen Regeln von Patanjali. Besonders in der Weihnachtszeit, wenn wir von Werbung bombardiert werden, kann sich schnell ein Gefühl von Unzufriedenheit einstellen.

Da hilft Dankbarkeit. Es hilft ungemein, sich vor Augen zu führen, was man alles hat. Von einer beheizten Wohnung und fließendem, sauberen Wasser angefangen, über einen Job, der deinen Lebensunterhalt sichert, bis hin zu den lieben Menschen und vielen anderen Dingen, die in deinem Leben sind. Wenn du dankbar und zufrieden bist, ist es leicht, bescheiden zu sein und Anderen den Vortritt zu lassen.

Güte ist Selbstfürsorge

Achtsamkeit in der täglichen Meditation entwickeln
Meditation ist ein wundervolle Methode für dich selbst zu sorgen

Maitri dir selbst gegenüber heißt auch, gut für dich zu sorgen. Gerade in stressigen Zeiten, wie es die Weihnachtszeit für die meisten Menschen ist. Viele von uns setzen alles andere vor ihre eigenen Bedürfnisse: Job, Familie, Verein, Freunde usw.

Sie selbst bleiben dabei auf der Strecke und wundern sich, warum sie irgendwann total gestresst und von allem genervt sind. Das sind keine guten Voraussetzungen, um Anderen liebende Güte entgegen zu bringen.

Es ist also im Blick auf Andere sogar sehr wichtig, dass du dich zuerst um dich selber kümmerst. Sei es ein Spaziergang, ein Besuch in der Sauna, Zeit für Yoga, Entspannung oder ein Buch – kümmere dich um deine Bedürfnisse.

Wer sich grundsätzlich mehr um Andere kümmert, als um sich selbst, dem kann es schwer fallen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Nimm dir in diesem Fall ein paar Minuten Zeit, um in die Stille zu gehen und stelle dir die Frage: “Was brauche ich?” Die Antwort wird kommen. Nun ist es dein Job, dafür zu sorgen, dass du dir dieses Bedürfnis tatsächlich erfüllst.

Wie wir gütiger werden