Weihnachtszeit ist Bhaktizeit

Weihnachten Tannenbaum

Für viele Menschen ist Weihnachten mit starken Emotionen verbunden und bedeutet für fast jeden etwas anderes – und darum soll dies auch ein persönlicher Beitrag werden.

Vor einigen Jahren lebte ich im Ashram in Bad Meinberg und sah mich vor der Aufgabe mein persönliches Weihnachten nochmal neu zu definieren. Ich fragte mich, was macht Weihnachten eigentlich aus? Warum so viele Geschenke?

Und ist es nicht auch möglich, das Herz zu öffnen ohne bekennender, gläubiger Christ zu sein? Lasst uns also gemeinsam versuchen, die Seele von Weihnachten zu verstehen. Ein Rückblick.

Ein Beitrag von Anna Poehlker.

Weihnachten: Ein Fest der Liebe & des Lichtes

Aus dem christlich-religiösen Kontext ist klar, in der Adventszeit bereiten wir uns auf die Ankunft von Jesus Christus vor, der als Gottes Sohn auf die Erde gekommen ist, um die Menschen zu erretten. Überall entzünden wir traditionell Kerzen und erleuchten so die dunkelste Jahreszeit. Dies ist eines der großen Feste der westlichen, christlich geprägten Welt – das Fest der Liebe und des Lichtes.

Auffällig ist aber auch der astronomische Hintergrund, die Wintersonnenwende, mit der die Tage wieder länger und die Nächte wieder kürzer werden. In anderen Traditionen und Religionen finden sich zahlreiche Pendants und die Wintersonnenwende ist in vielen Kulturen ein wichtiges Fest: nach der vorherrschenden Dunkelheit sind nun wieder hellere Tage und der Frühling abzusehen.

Welchen Zauber bringt die Weihnachtszeit mit sich?

In diesem Jahr, hier in Bad Meinberg, bei Yoga, Meditation und Pranayama, fern ab von dem ganzen Trubel um Geschenke, Weihnachtsschmaus und Glühwein, meine ich eine Ahnung davon zu bekommen. Ehrlich gesagt, ein Bedürfnis mich zurückzuziehen gepaart mit einer leichten Melancholie hat mich im November ein wenig erwischt… Bis mich, ein paar Tage vor dem 1. Advent, der erste Schneefall verzückt hat und mich raus in die Natur zog.

Alles wurde nach und nach von dicken Schneeflocken eingehüllt und erstrahlte in reinem, strahlendem Weiß. Toll, hat sich mein inneres Kind gedacht. Der erste Schnee tanzt mir um die Nasenspitze und den Weihnachtsmann gibt es auch! Und siehe da, zum 1. Advent noch eine Ladung Schnee und ich hieß das Licht tief in meinem Herzen willkommen! Sogar ein inneres Freudenfest für die mich umgebende Schönheit habe ich zelebriert.

Schneelandschaft zur Weihnachtszeit

Die Qualitäten des Weihnachten

Diesen erlebten Zauber in angemessene Worte zu fassen fällt mir schwer, so wie bei allen spirituellen Erfahrungen; aber viel wichtiger ist, er hat einen Prozess ins Rollen gebracht, so wie ein Schneeball den Berg hinunter rollt.

Die Adventszeit ist zwar die dunkelste Zeit im Jahr, aber nach jeder Nacht weckt die Sonne einen neuen Tag. Die Sonne wird eingeholt von Regen und so können wir uns selbst, mit allem was wir sind, als Teil dieses Kreislaufes erkennen und den Rhythmus, den Puls des Lebens spüren. So wie der Wechsel aus Anspannung und Entspannung Yoga ausmacht.

Endlich können wir zur Ruhe kommen, tief meditieren und besonders hingebungsvoll Yoga üben. Wir können es uns gemütlich machen, Quality-Time mit unseren Liebsten verbringen und uns uneigennützige Gedanken machen. Und vielleicht kommen wir so ja aus der größten Dunkelheit wieder zurück zum Licht, zu unseren Wurzeln, zu unserem inneren Quell. Hinein in die tiefe Verbundenheit mit unseren Mitmenschen, hin zur Freude, in die Liebe.

Wem kommt das jetzt bekannt vor? Diese Aspekte sind identisch mit den unteren vier Chakren unseres Energiekörpers, nämlich dem:

  • Muladhara Chakra, das Erdzentrum & die Verankerung in der Natur,
  • dem Swadhisthana Chakra, das Wasserzentrum, der Zugang zur Quelle der Kreativität & die Verbindung mit anderen Menschen,
  • dem Manipura Chakra, das Feuerzentrum, der Enthusiasmus & das Gestalten der Lebenswelt,
  • sowie dem Anahata Herz Chakra, das Luftzentrum, der Sitz der Liebe sowie der Schau Gottes und der Freude.

Weihnachtszeit ist Bhakti-Zeit

Aus yogischer Sicht finde ich hier tatsächlich große Inspiration, meine Energien zum Fließen zu bringen und aus der Weihnachtszeit eine spirituelle Zeit der Liebe, des Lichts und der Zuversicht zu machen. Auch kann man mit besonderer Hingabe Yoga üben und dabei noch tiefere Erfahrung machen.

So kann z.B. eine jede Adventswoche der spirituellen Yoga-Praxis und einem Chakra gewidmet sein. Persönlich versuche ich mich in der ersten Woche gerne zu erden, meine Verhaftungen und Erwartungen aufzulösen und dazu viel Zeit draußen zu verbringen. In der zweiten Woche bringe ich meine Kreativität zum Fließen. Die entstehende Kraft lenke ich vorfreudig auf das Weihnachtsfest mit meinen Liebsten.

Weihnachtsstimmung: Mit den Liebsten “Bhaktizieren”

In der dritten Woche gebe ich mich schließlich der Bhakti-Weihnachtsstimmung restlos hin und mache mich voller Enthusiasmus an die Vorbereitung des Festes. Möglicherweise betrachte ich sogar dieses Jahr die, sich im Weihnachtsstress abrackernden Menschen, aus einer neuen, liebevollen Perspektive. Sie geben sich so große Mühe für ihre Liebsten!

Am 24. darf man dann das Herz weit werden lassen, sich gegenseitig beschenken und Liebe in alle Richtungen aussenden. Wenn unsere Augen dann mit den Kerzen um die Wette strahlen, wissen wir, dass das Licht immer da ist und durch uns hindurch wirkt.

Ich glaube, Weihnachten spielt sich in unserem Inneren ab. Wenn wir im christlichen Kontext unser Herz für die Geburt Jesu vorbereiten, so wird er auch in uns geboren. Im yogischen Kontext können