Die spirituelle Bedeutung der Adventszeit

Am Sonntag ist es wieder so weit: Die Adventszeit beginnt. Doch was heißt Advent eigentlich und warum feiern wir es überhaupt?

Das Wort Advent entstammt dem lateinischen advenire und bedeutet soviel wie Ankommen. Im römischen Reich wurde die lateinische Bezeichnung dafür verwendet, um die Ankunft und die Anwesenheit von Königen, Kaisern oder Gottheiten auszudrücken. Später übernahmen die Christen das Wort, um die Geburt, also die Ankunft, von Jesus Christus zu beschreiben.

Wie die Adventszeit früher begangen wurde

Ursprünglich war die Adventszeit eine Zeit der Besinnung und Einkehr. Mit dem Ende des Sommers war die Ernte eingebracht und vieles war erledigt. Die Menschen hatten wieder mehr Ruhe und verbrachten die meiste Zeit bei sich Zuhause mit ihrer Familie.

Je weiter wir in die Adventszeit fortschreiten, bis zur Sonnenwende am 21.12., werden die Tage kürzer und die Nächte länger, wodurch sich der Geist auf ganz natürliche Weise mehr nach innen richtet. So war die Vorweihnachtszeit früher insbesondere auch eine Zeit für spirituelle Praktiken – für Gebete, Rituale und das Fasten.

So wie das Weihnachtsfest näher rückte, so stieg auch die Vorfreude darauf. Die Adventszeit prägte sich durch Verzicht und Ruhe, doch das darauffolgende Weihnachtsfest wurde intensiv erlebt und daher auch freudig erwartet.

Advent wie wir es heute feiern

Im 7. Jahrhundert wurde die Adventszeit auf die heute geläufige festgelegt. Seitdem dauert die christliche Adventszeit 22 bis 28 Tage und startet je nach Jahr zwischen dem 27. November und dem 03. Dezember (dieses Jahr am 29.11.2020).

Erst im 19. Jahrhundert entstanden die uns heute geläufigen Symbole wie der Adventskranz, der Adventskalender oder die Lichterbögen. Nicht viel später begann dann die beinahe restlose Kommerzialisierung der Wochen vor Weihnachten, mit den verkaufsoffenen Sonntagen als deutlichstes Zeichen für diese Entwicklung. Hingegen weitestgehend verloren ging der spirituelle Aspekt der Advents- und Weihnachtszeit.

Der spirituelle Aspekt der Adventszeit

In der dunklen Jahreshälfte fährt unser Organismus die Aktivität zurück, die Tage werden kürzer, der Wunsch nach Ruhe, Wärme und Behaglichkeit steigt. In einem völlig natürlichen Prozess blickt der Geist immer mehr ins Innen statt ins Außen. Vor allem die Weihnachtszeit wurde so auch zu einer Zeit der spirituellen Praxis – und des Verzichtes.

Wie bereits erwähnt, wurde die Adventszeit einst als Fastenzeit begangen – man verzichtete auf bestimmte Nahrungsmittel, verbot sich Tanz, Musik und Gesellschaft und richtete so den Fokus auf das bevorstehende Fest, an dem die Fülle zelebriert wird.

Der Tag folgt der Nacht, das Licht der Dunkelheit – so ist die Fülle der Kontrast zum Verzicht und alles Symbol des Lebens und der Hoffnung auf das herannahende Gute.

Advent aus yogischer Sicht

Symbolisch hat die Adventszeit auch aus yogischer Sicht eine interessante Bedeutung. So kann man in den vier Adventssonntagen die vier unteren Chakren symbolisiert sehen, wobei das letzte das Herzchakra ist, welches eröffnet wird (die vierte Kerze wird entfacht), wenn die Niederkunft des Christus‘ gefeiert wird – was man wiederum als Analogie zur Erkennung des innewohnenden Christus-Bewusstseins und dessen Erwachen sehen kann.

Der Weihnachtsbaum kann als ein Symbol für die Erweckung der Kundalini gesehen werden, der göttlichen Kraft in jedem Menschen. Der Energiekanal in unserer Wirbelsäule, die Sushumna, wird vom Stamm symbolisiert, die Zweige und Nadeln sind die davon abzweigenden Energiekanäle.

Kerzen und Christbaum-Schmuck versinnbildlichen spirituelle Erfahrungen, Kreativität, Liebe und andere geistige Fähigkeiten, die man erfahren kann, wenn die Kundalini, das göttliche Bewusstsein, erweckt ist.

Wie du die Adventszeit nutzen kannst:

  1. Du kannst die Adventszeit ganz bewusst als Phase der Einkehr und der Besinnung nutzen – gegensätzlich zu dem, was heute in der Gesellschaft üblich ist. Übe dich im Stillsein, mache Wanderungen in der Natur und komme ganz bei dir an. Der Advent ist auch eine gute Zeit dafür, immer öfters mal das Handy wegzulegen und den Fernseher auszulassen – ein gutes Buch oder eine schöne CD sind gute Alternativen.
  2. Du kannst die Adventszeit aber auch mit den Sinnen nach außen gerichtet genießen, indem du die sich vermehrenden Lichter und Dekorationen als eine äußere Symbolik für die schrittweise Öffnung der Chakras betrachtest. Freue dich darüber, dass tiefe spirituelle Wahrheiten auch in der materiellen Welt so zum Ausdruck kommen dürfen.

Nun wünschen wir dir eine lichtvolle Adventszeit mit vielen wertvollen Erkenntnissen und Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest, um zu dir selbst zu kommen und Zugang zu deiner inneren Quelle zu finden. Abschließen möchten wir mit folgenden Worten von Swami Sivananda:

So wie Christus geboren wurde, in der Finsternis der Dunkelheit und ohne dass die Welt davon Kenntnis hatte, findet die Ankunft des Christusbewusstseins im Innern des Menschen statt, wenn das Ego überwunden wurde. Das ist die Geburt zum göttlichen Leben. Vom Geheimnis dieser Geburt sprach Jesus vor Jahrhunderten in sanften Worten zu Nikodemus. Dieser verstand nicht ganz, was Christus meinte, als er lehrte, dass der Mensch wiedergeboren werden muss, wenn er das Reich Gottes erreichen soll. „Wie kann das sein?“, fragte Nikodemus. Dann erklärte Christus, dass dies eine Wiedergeburt aus dem göttlichen Geist ist – nicht den Körper betrifft, sondern die Seele. Eine solche innere geistige Geburt ist wesentlich, wenn das Höchste erreicht werden will, wenn wahres Glück erfahren werden will.

Om Shanti!

9 Kommentare zu “Die spirituelle Bedeutung der Adventszeit

  1. Ich danke für die täglichen, Inspirationen und Gedanken ,
    die mich an das Wesentliche er- innern .
    Die Beiträge sind ein Geschenk für die Welt.
    Om Shanti

  2. Hallo und lieben Dank,
    ich möchte noch erwähnen, dass ab dem 21. Dezember die Tag allmählich wieder länger werden und sich langsam ein Weg aus der dunklen Jahreszeit anbahnt, sozusagen das Licht über die Dunkelheit siegt.
    Für mich ist dies vor allen Dingen wichtig.
    Namaste
    Iris

  3. Danke ihr Lieben,
    Diese Erzählung hilft mir,
    Die Zeit wieder sinnlich und mit Demut zu begehen.
    OM

  4. Eine schöne und inspirierende Adventszeit an alle Yogacenter, Ashrams, Yogalehrer,
    Yogapraktikerende und die, die es gedanklich werden wollen! Om Shanti! Parvati🌟🌌

  5. Heidi Beutler

    Schöner Hinweis auf die vier Chakren, ja das Herzchakra als viertes Licht zu öffnen, sollte eine gute Voraussetzung für die Bereitschaft für Jesu Geburt und seine eigenen Lichtenergien sein. In dieser dunklen Zeit angesichts merkwürdiger gesellschaftlicher Nebenerscheinungen ist es besonders wichtig, fruchtbare Ideen und Licht zu entwickeln. DANKE SCHÖN! OM SHANTI1

  6. Satpreet Kaur

    Vielen Dank für die so liebevoll zusammengestellte Mail zum ersten Advent. Eine wunderbare, zu Herzen gehende Einstimmung auf die Adventszeit, diese immer wieder wundersame Zeit.

    Herzlichst, Satpreet

  7. Annette Gelbert

    Sehr schöne Einstimmung auf den Advent

  8. Wiedek Gerti

    Namaste ihr Lieben und danke für euren, wie immer, sehr inspirierenden Beitrag. Ich bin froh, auf diese Weise mit euch verbunden zu sein. Eine persönliche Begegnung hat natürlich eine andere Dimension, umso mehr schätze ich eure ‚online Bemühungen‘. Der straffe Lockdown, der in Österreich herrscht, birgt eine Menge Lernaufgaben…. Alles Liebe euch allen.

  9. Ein
    e wunderbare Einstimmung in den ersten Adventsonntag. Danke.
    Christine

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