Ahimsa: Nicht verletzen – Yama (Teil 1)

Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit und ist positiv ausgedrückt das Entwickeln von Mitgefühl, Toleranz und Offenheit. Wenn wir Ahmisa in unserem ganzen Leben fest verwurzeln, so heißt es in Patanjalis Yoga Sutra, erlischt alle Feindseligkeit (Kapitel 2 Vers 35). In Ahimsa steckt viel mehr als nur nicht zuschlagen oder passiv-aggressive Kommentare zu hinterlassen. Es eröffnet eine Welt voller gegenseitigem Respekt und dem Ausschöpfen unserer großen Potenziale. Dabei ist es gar nicht so einfach, diese hohe Tugend im Hinterkopf zu behalten. Wer Ahimsa im yogischen Sinne richtig versteht, kann es leichter anwenden.

Hier geht es zum ersten Teil der Reihe.

In den 10 Geboten heißt es an fünfter Stelle schlicht: “Du sollst nicht töten”. Auch die Yamas können alle auch mit einem „nicht“ formuliert werden. Das erste „nicht“ ist die Gewalt, die Feindschaft, das Leiden Zufügen. Es geht also um mehr, als nur kein Leben zu nehmen. Viel mehr liegt im Yoga der Fokus auf den Flogen von Gewaltlosigkeit in allen Bereichen. Frieden beginnt mit den Gedanken, die wir aussenden und den Handlungen, die wir ausüben. Sukadev erklärt in seinem Buch “Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“, dass Ahimsa an erster Stelle steht, weil es die Basis für all unser Handeln und die kommenen Prinzipien ist. Eine kleine Geschichte zeigt, wie tiefreichend dieses Prinzip angewendet werden kann.

Wir sitzen alle in einem Boot

Betrachte einmal einen Gegenstand in deiner Nähe. Etwa einen Kugelschreiber, den Computerbildschirm oder deine Handyhülle. Wem darfst du danken, damit du es jetzt anschauen kannst? Du hast ihn eventuell gekauft oder jemand hat ihn dir geschenkt. Dazu musste eine Art Shop besucht werden. Den hat jemand eingerichtet und jemand betreibt ihn vielleicht aus der USA. Jemand musste einen Preis dafür festlegen. Davor hat jemand diesen Gegenstand hergestellt, eventuell in China. Genutzt wurden Materialien die jemand anders abgebaut hat, möglicherweise in Afrika. Das Design, hat sich eventuell jemand andere überlegt in Japan. Es braucht also enorm viele Menschen auf der ganzen Welt, um dir zu ermöglichen, diesen Gegenstand anzuschauen.

Betrachte einmal einen Gegenstand in deiner Nähe. Etwa einen Kugelschreiber, den Computerbildschirm oder deine Yogamatte. Wem darfst du danken, damit du es jetzt anschauen kannst? Du hast sie eventuell gekauft oder jemand hat sie dir geschenkt. Dazu musste eine Art Shop besucht werden. Den hat jemand eingerichtet und jemand betreibt ihn vielleicht aus der USA. Jemand musste einen Preis dafür festlegen. Davor hat jemand diesen Gegenstand hergestellt, eventuell in China. Genutzt wurden Materialien die jemand anders abgebaut hat, möglicherweise in Afrika. Das Design, hat sich eventuell jemand andere überlegt in Japan. Es braucht also enorm viele Menschen auf der ganzen Welt, um dir zu ermöglichen, diesen Gegenstand anzuschauen.

In unserer globalisierten Gesellschaft sind wir alle auf bestimmte Weise miteinander verbunden und jede unserer Entscheidungen hat, wenn auch nur ganz kleine Auswirkungen auf viele Menschen rund um den Globus. Jede gewaltfreie oder gewalttätige Handlung und Entscheidung zeigt irgendwann, irgendwo auf der Welt eine bestimmte Folge. Die meisten Menschen sind uns nicht bekannt und es ist leicht, sie zu vergessen. Es ist leicht, sich keine Gedanken über den LKW-Fahrer zu machen, wenn wir Dosenpfirsiche öffnen. Etwas schwieriger wird es schon bei dem Verkäufer, der mein Geld annimmt. Ihnen allen können wir liebevolle Gedanken entgegenbringen oder ein faires Gehalt zahlen. Wir können mental wie physisch Einfluss nehmen auf die Welt um uns herum.

Ahimsa erkennen und umsetzten

Ein großer Schritt, um Ahimsa richtig umzusetzen, ist es, Ahimsa zu erkennen. Sowohl bei sich selbst als auch bei anderen. Es bedeutet nicht nur, Gewalt zu unterlassen, sondern auch Einfühlungsvermögen, Toleranz, Mitgefühl zu stärken. Gewaltlosigkeit ist der Grundstein dafür, dass die Welt in liebevoller Harmonie in ehrliche Kommunikation treten kann und dafür können wir wie so oft am besten in uns selbst anfangen. Begegnest du dir selbst liebevoll? Nimmst du deine eigenen Stärken wie Schwächen ehrlich an? Hast du liebevolle Gedanken dir selbst und auch anderen gegenüber? Um dich selbst besser kennenzulernen, kannst du einmal einen ganzen Tag lang deine Gedanken aufschreiben, um festzustellen, ob sie eher liebevoll oder gewalttätig sind. Ein Gedankentagebuch kann dir helfen, den Grundton deiner Gedanken positiv zu beeinflussen und dauerhaft neu auszurichten.

Ahimsa ist der Weg zur echten Herzöffnung und verbundenheit

Im Kontakt mit anderen Menschen ergreifen uns oft starke Emotionen. Besonders wenn wir kritisiert werden oder in den höchsten Tönen gelobt werden, nehmen wir alles sehr persönlich. Dann denken wir weniger über unsere Handlungen nach, sondern agieren mehr aus Affekt heraus. In diesen Situationen können wir auch hier im Ashram manchmal beobachten, wie Menschen ungewollt und teilweise unwissentlich Himsa ausüben. Kleine passiv-aggressive Nachrichten, Augenrollen, Schadenfreude oder unkooperatives Verhalten. All das kann eine Form von Gewalt sein. Zum Glück können wir uns allerdings selbst helfen. Vielleicht kennst du schon den Trick, dir nur vorzustellen, dass Leute auf ein Verhalten reagieren, nicht auf deine Person. Je weniger wir an unseren Handlungen und Eigenschaften verhaften, desto leichter fällt es uns, liebevoll zu bleiben.

Achtsamkeit ist also auch bei der Umsetzung von Ahimsa ein wichtiges Stichwort. Wenn wir wahrlich Ahimsa umsetzten wollen, heißt es auch, dass wir klare Grenzen ziehen. Wir lassen nicht zu, dass uns jemand ausnutzt oder gar physische Gewalt antut. Wir antworten liebevoll, aber bestimmt. Uns in die Opferrolle zu stellen ist auch Gewalt uns selbst gegenüber.

Jeder Einzelne zählt

Manchmal werden Stimmen laut, die sagen, dass sie allein nichts ausrichten können. Das stimmt auch oft, keine Frage. Allerdings reicht manchmal ein Reiskorn, um die Waage zu kippen. Viele große Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts lebten uns vor, wie weitreichend diese Entsagung von Leiden sein kann. Beispielsweise Gandhi oder Martin Luther King, die bestehende Ahimsa der Ungerechtigkeit und Unterdrücken gewaltlos bereinigt haben, starteten oft allein. An diesen beiden wird ebenfalls ein weiteres Ahimsa Prinzip deutlich. Gewaltlosigkeit heißt auch Vergebung. Sicher kennst du den Spruch „Auge um Auge“ und eventuell auch die Erweiterung „… und die ganze Welt wird blind“.

Ahimsa-Vorbilder gab es im 20. Jahrhundert zu Genüge.

In einem Impulsvortrag im Satsang hat Sukadev schon öfter erklärt, wie Karma in diesem Zusammenhang funktioniert. Wir können Karma dadurch abbauen, dass wir Dinge erleben. Wenn wir allerdings zurückschlagen, bauen wir neues Karma auf. Vergeben wir, strahlen Liebe zurück und transformieren die negative Energie, dann sind wir und unser Gegenüber frei von Verhaftungen. Die Spirale der gegenseitigen Leidensgeschichte ist dann beendet. Oft kann ein erster Schritt in diese Richtung sein, den „Täter“ verstehen zu lernen. Je mehr wir die Hintergründe einer Tat verstehen, desto leichter empfinden wir Empathie und die hebelt wiederum unsere Feindseligkeit aus.

Satya und Ahimsa- der Weg der Mitte

An dem Beispiel von Ahimsa sehen wir gut, dass die 5 Yamas sehr oft zusammenspielen. Schauen wir uns etwa Satya (Wahrhaftigkeit/Aufrichtigkeit) und Ahimsa an. Manchmal ertappen wir uns dabei, wie wir etwas Schlechtes über den anderen sagen. Um unser Ego zu schützen und nicht zu denken, wie furchtbar wir doch sind, schieben wir eventuell den Satz nach „Es ist gemein, aber es ist wahr!“. Die Wahrheit ist nicht immer freundlich und es ist auch durchaus wichtig, unschöne Wahrheiten zu sprechen, allerdings ist dies keine Einladung, durch die Welt zu laufen und jedem zu sagen, was er falsch macht.

Viel mehr sind die Yamas ein Weg der Mitte. Wir müssen oft abwägen, wie wir eine Regel umsetzten können, ohne dabei ein andere zu verletzten. So geht es nicht darum, passiv alles gewaltlos zu lösen, aber auch nicht zulassen, dass Unwahrheiten verbreitet werden. Das wichtigste Werkzeug eines Yogis bleibt sein Verstand und die Yamas und Niyamas sind eine Gebrauchsanweisung. Sie helfen uns, auf Kurs zu bleiben, aber gehen müssen wir selbst.

Hari Om Tatsat

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