Der Umgang mit Last, Schmerz und Schwierigkeiten im Yoga

In schwierigen Situationen hilft uns Yoga unserem Schmerz zu begegnen

Die Welt kann wunderschön und liebevolle sein. Manchmal ist sie allerdings nicht ganz so reibungslos, wie wir das gerne hätten. Wir sehen Probleme, die es für andere eventuell gar nicht gibt, fühlen uns unverstanden und klein. Das muss aber zum Glück gar nicht sein! Die Yoga-Philosophie bietet uns einige nützliche Werkzeuge zum Umgang mit Angst, Schmerz oder schwierigen Situationen, um die Last von unseren Schultern zu nehmen in allen Lebenslagen. Wir dürfen diese Situationen annehmen und selbst entscheiden, wie wir damit umgehen wollen. Dazu haben wir mehrere Möglichkeiten.

Wenn es uns nicht gut geht, wissen wir meistens warum. Es kann aber auch sein, dass es eher so eine durchdringe allgemeine Stimmung ist. Wir fühlen uns dann einfach unwohl und können uns selbst nicht richtig ausstehen. Mit beiden Situationen können wir umgehen lernen dank verschiedener Möglichkeiten. Wir können eine Ursache direkt an der Wurzel packen und lösen oder präventiv solche Situationen vermeiden. Wie genau das geht, verrät uns der Raja Yoga. In  „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ erläutert Sukadev drei Möglichkeiten mit negativen Gedankenwellen umzugehen.

Ursachenforschung

Wer in eine Situation geraten ist, die ihm oder ihr nicht passt, fragt sich oft „Warum ich?“. Das ist schon mal fast die richtige Frage! Allerdings fehlen zwei kleine Worte „Warum empfinde ich so?“. Statt verzweifelt in Selbstmitleid zu fallen, steht es uns jederzeit frei, herauszufinden, woher der Schmerz kommt, wir Angst haben oder traurig sind. Häufig sind es unerfüllte Wünsche oder der Wunsch eine Situation zu vermeiden. Beispielsweise fühlen wir uns schlecht, weil wir glauben einen „Fehler“ gemacht haben oder wir haben Angst, dass ein Ereignis eintritt und fürchten uns jetzt schon mal. Vor allem letzter sind häufig Schutzreaktionen, die uns dazu bringen, vorsichtig zu handeln.

Wir gehen nicht einfach ohne zu lernen in eine Prüfung, sondern wir wollen nicht durchfallen, fühlen uns bei dem Gedanken daran unwohl und lernen. Allerdings lassen wir dann diese Gefühle unser ganzes Handeln bestimmen. Das macht uns unachtsam und dadurch kommt es häufig genau zu der entsprechenden Situation. Wenn wir allerdings wissen, warum wir uns in einer bestimmten Situation auf eine bestimmte Art fühlen, können wir uns selbst ermächtigen. Wir sind keine Opfer unserer Gefühle, sondern erkennen, dass wir uns identifizieren.

Im Raja Yoga lehrt uns Patanjali, dass alles Leiden und Schmerz von Identifikation herrührt. Wir identifizieren uns mit Wünschen oder dem Wunsch etwas zu vermeiden und geben damit die Kontrolle über uns an den Wunsch ab. Die Ursache für unseren Schmerz ist somit eine Unwissenheit, dass wir nicht der Wunsch sind. Der Wunsch ist zwar ein Teil von uns und wir können ihn liebevoll akzeptieren, aber wir sind so viel mehr! Sobald wir das erkannt haben, ist die Situation kein Problem mehr. Wir wissen dann, es liegt  in unserer eigenen Hand trotzdem glücklich zu sein oder trotzdem selbstbewusst aufzutreten oder trotzdem weiter zu machen.

Ishvara Pranidhana

Wenn wir mal nicht die Ursache unseres Leidens erkennen können, hilft immer noch Ishvara Pranidhana. Dieser Sanskritausdruck heißt „Hingabe an Gott“. Er kommt an verschiedenen Stellen im Yoga-System vor. Als Essenz des Bhaktiyoga und eines der fünf Niyamas im Raja Yoga stolpern viele Yogis im Laufe ihres Yogawegs über diesen Begriff. Für den Umgang mit Schwierigkeiten ist allerdings nur die Bedeutung im Umgang mit Handlungen wichtig. Wir können es auch aktiv übersetzten als „Ich mache es als Verehrung Gottes“. Wer an Bestimmung, Schicksal oder Gott glaubt, sieht manche Situationen als eine Prüfung, notwendig oder Chance zu wachsen. Nichts passiert, weil wir etwas falsch gemacht haben, sondern weil es uns weiter bringen soll.

Schmerz ist eine Illusion, ausgelöst durch die Verhaftung der Identifikation.

Wenn es der Fall ist, dass es passieren sollte, dass man selbst in diese unschöne Situation gerät, dann braucht man keine Angst haben oder sich schlecht fühlen, falls es nicht so gut gelingt wie erhofft. Hätte Gott jemand kompetenteren oder geschickteren gewollt, dann stände hier jetzt jemand mit diesen Fähigkeiten. Aber Gott hat genau dich in die Situation geschickt, weil es für die Menschen und dich selbst ab besten ist, jemanden mit deinem Wissen/Unwissen etc. zu haben. Es geschieht nichts, was nicht geschehen darf. Du kannst dir bewusst werden: „Ich bin ein Instrument Gottes.“

Meditation

Während Ursachenforschung und Hingabe eher kurzfristige Maßnahmen sind, um ungünstige Situationen optimistisch zu begegnen, kann man auch präventive Maßnahmen einleiten. Es gibt unzählige Studien, die immer wieder die positive Wirkung von Meditation bestätigen. Unteranderem in der Studie von Michel, Bosch und Rexroth (2014) wird fundiert bestätigt, dass Meditation dabei hilft unerwünschte Gedankenschleifen abzustellen. Wir lernen ins hier und jetzt zu kommen und unsere Sorgen abzustellen. Natürlich gelingt das den meisten Menschen nicht direkt beim ersten Mal. Deshalb ist die Meditation auch weniger eine kurzfristige Maßnahme. Wir bauen dabei Fähigkeiten auf, die uns in solchen Situationen helfen werden.

Die Meditation ist auch wirkungsvoller als die anderen beiden Methoden, weil sie eine grundlegende Einstellung mit sich bringt. Sowohl die Hingabe als auch die Ursachenforschung müssen gewissermaßen für jede Handlung neu bewusstgemacht werden. Jede Situation hat in diesem Sinne eine andere Ursache des Leidens, die wir erst erkennen müssen. Das ist sehr aufwendig. In der Meditation festigen wir die Einstellung, uns nicht mit der Welt zu identifizieren. Wir sorgen also schon einem zukünftigen Schmerz vor. Es hiflt uns, weniger tief ins Leiden zu sinken.

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