Yoga – Verbindung zwischen Himmel und Erde

von Anne Serve, Leiterin Yoga Vidya Mobil Stadtkyll

…da ist/war wieder so ein Moment. Oder eher ein Gefühl. Doch, eine Gewissheit. Eine Ahnung, dass da etwas war/ist, – wahr ist!!!

Es mutet etwas unheimlich an. Habe ich das wirklich gefühlt, gesehen, gespürt, gewusst?

Ja, eindeutig Ja! Da ist etwas. Etwas Kraftvolles. Nicht von dieser Welt. Es berührt mich. Kommt zu mir. Ist da! In meinem Herzen! Ganz spontan, einfach so. Einfach so? Oder doch mit Bestimmung?

Ja! Da ist eine Verbundenheit mit dem, was nicht greifbar ist. Aber spürbar. Ganz fein, subtil, intuitiv spürbar.

Mein Atem wird ruhig. Ich bin!

Yoga heißt übersetzt: „Einheit“, „Harmonie“, „Verbundenheit“!

Besonders wenn die Sonne ihre Strahlen deutlich sichtbar durch Bäume, Wolken und Nebel blitzen lässt und die Sonnenstrahlen die Erde berühren, spüre ich da etwas. Das sind solche magischen Momente. Dann verbindet sich der Himmel mit der Erde. So auch ein Regenbogen. Er ist da und doch nicht da. So viele Farben leuchten real und irgendwie doch nicht real. Auf jeden Fall wunderschön anzusehen. Ein-Wunder-schönes Ereignis. Der Regenbogen wie die sichtbar gewordene Brücke zwischen Himmel und Erde. Innehalten, genießen!

Das, was von dort oben auf die Erde herabkommt, lässt alles auf der Erde leben. Die Sonne mit ihrem Licht und ihrer Wärme. Die Wolken, die Wasser zum Trinken und zum Wachsen der Pflanzen geben.

Unvorstellbar ohne Wasser, Licht, Wärme und Luft auf der Erde zu leben.

Alle Wesen, die auf der Erde existieren brauchen diese Dinge. Ohne die gäbe es nichts an Nahrung.

Dann wird mir bewusst, wie abhängig alles Leben von den 5 Elementen ist. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Die Elemente, die von oben, vom Himmel kommen. Die Elemente, die von der Erde kommen. Die Elemente, welche Himmel und Erde miteinander verbinden, sind fein und unsichtbar.

Dann ist da eine tiefe Dankbarkeit, die ich spüre. Ich bin dankbar für das, was ich alles kostenlos von der Natur bekomme. Einfach so. Ohne mich rechtfertigen zu müssen, ohne dass Gegenleistung erwartet wird. Gratis für alle Wesen der Erde.

Ich bin ein kleiner Teil des Universums. Ich darf sein. Ich bin!

Einheit, Harmonie, Verbundenheit = Yoga!

Dazu bekommen wir alle die Schönheiten der Natur geboten, einfach so:

Regenbögen, Polarlichter, Sonnen- Auf – und Untergänge, den Mond, die Sterne, die Sternbilder, Wolken in immer anderen Formationen, Wellen und Brandung, Steine und Felsformationen und noch so vieles mehr… Auch diese Schönheiten entstehen durch Licht, Wärme, Luft und Wasser. Der Äther, das feine Unsichtbare, lässt Schwingungen, Gerüche, Geräusche usw. überallhin gelangen. Er sorgt dafür, dass alles miteinander verbunden ist. Und nur wenn alles dies miteinander verbunden ist, können wir es mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Wenn ich in meinem Garten (Wald oder Park) bin, genieße ich. Dann kann ich riechen, hören, fühlen, sehen, und vieles an Kräutern und Beeren auch schmecken. Mit allen Sinnen bin ich dankbar und verbunden mit der Natur, die mir so viel gibt z.B. wenn ich Haselnüsse nasche, die Wildkräuter probiere, die duftenden Blumen rieche, den rauschenden Fluss höre, das weiche Gras unter den Füßen spüre, dass ich das alles auch sehen darf.

Ich nehme wahr. Ich bin im Hier und Jetzt. Ich bin!

Einheit, Harmonie, Verbundenheit = Yoga!

Die Natur hat natürlich oft auch eine zum Teil sehr zerstörende Kraft. Das bringt mitunter viel Leid mit sich, keine Frage!

Die Umstände in denen wir heutzutage leben, lassen die zerstörerische Kraft der Natur sehr negativ anmuten. Stürme, Tornados, Überschwemmungen, usw. Wir haben aber in unserer modernen, künstlichen Welt zum Beispiel verlernt, auf die Wettersignale zu achten, um rechtzeitig vor einem Unwetter Schutz zu suchen. Die Vögel und andere Tiere können das. Sie verstummen und verkriechen sich früh genug. Könnten wir es den Tieren gleich tun, gäbe es sicher weniger Verletzte…Aber wir müssen ja ständig unterwegs sein, ob mit dem Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Dadurch sind wir viel zu oft zur falschen Zeit am falschen Ort, plötzlich mittendrin im Unwetter und dem dadurch entstehenden Chaos. Zu viel zugebaute Grünfläche, seltsame moderne Schottergärten, begradigte Flüsse, und und und…tragen mit dazu bei. Wir (ich und alle Menschen) machen uns so das Leben selbst schwer. Gespritztes überzüchtetes Getreide und Gemüse, krank gefütterte Tiere in Massenunterkünften, vorgefertigte Nahrungsmittel, die wir fast nur noch so kennen, wie es der Supermarkt anbietet, vielfach in Folie und Karton verpackt, „schick“ mit Werbebildchen dekoriert.

Das alles entfernt uns von der Natur, und von der eigentlichen reellen, lebenswerten, schönen Welt. Wir verlieren immer mehr den Bezug zu unseren sprichwörtlichen „Wurzeln“.

Da fällt mir die „Herzkartoffel“ wieder ein, die ich beim Bauern gekauft und neulich aus dem Kartoffelsack entnommen habe.

Tatsächlich verkauft dieser Bauer noch Kartoffeln, die buckelig sein dürfen, eben wie Kartoffeln oder solche Kartoffeln wie meine „Herzkartoffel“. Wieder empfinde ich da ein wunderbares Gefühl der Verbundenheit mit der Erde. Wir sollten die Erde, die uns Nahrung schenkt, viel mehr lieben, respektieren und sorgsam bearbeiten und bewirtschaften.

Ich bin verwurzelt mit der Erde. Ich bin!

Einheit, Harmonie, Verbundenheit = Yoga!

Es ist so spannend, wenn die Großeltern von früher erzählen. Einer Zeit, in der die Pferde den Pflug durchs Feld zogen. Das Getreide wurde von Hand gedroschen. Der Bäcker hatte viel Zeit, gutes Brot zu Backen. Bei der Ernte traf sich die Familie samt Bediensteten auf dem Feld zum Picknick. Gemüse wurde nach Bedarf geerntet. Kühe, Schweine und andere Nutztiere durften die meiste Zeit des Jahres auf die Weide.

Diese anmutende Landidylle bedeutete zweifelsfrei für die damaligen Bauern eine sehr anstrengende Arbeit, sozusagen richtige „Knochenarbeit“. So wie die Alten es erzählten schwingt aber auch eine Demut, Respekt und Dankbarkeit vor der Natur mit. Eine gute Ernte konnte es nur geben, wenn auf Wetter, Jahreszeit, Bodenbeschaffenheit, Fruchtfolge, usw.  geachtet wurde. Es wurde angebaut, was zur jeweiligen Region passte – nicht umgekehrt.

Einfach toll, was man in Wald und Wiese ernten kann. Mädesüß, wilder Majoran, Schafgarbe und vieles mehr. Jetzt hängen die Kräuter zum Trocknen für Tee und als Gewürz zum Kochen an meinem Fenster. Während ich sie sortiere erfüllt mich Dankbarkeit an die Elemente der Natur. Ich darf so viel ernten, es wächst einfach so, ohne dass ich etwas dafür tun musste. Kostenlos obendrein. Pure Verbundenheit zu Himmel und Erde!

Ich bin dankbar. Ich ruhe in mir selbst. Ich bin!

Einheit, Harmonie, Verbundenheit = Yoga!

Eben war ich eine Runde spazieren. Den Radweg entlang, der damals eine Bahnstrecke war. Ich lasse meine Blicke schweifen. Da, an einem alten Mast, der noch an vergangene Dampflokzeiten erinnert, hängt ein Herz. Ich schaue zweimal hin. Hatte ich mich getäuscht? Nein, da hoch oben am Mast hängt ein kleines rotes Herz! Seltsam! Ich denke an den Artikel, den ich schreiben möchte.

Das Thema ist ja: „Zwischen Himmel und Erde“, das passt doch. Ich, hier auf der Erde, schaue nach oben Richtung Himmel und sehe ein Herz. Das verbindet Himmel und Erde mit mir.

Ich mache ein Foto von diesem Herz, den Himmel im Hintergrund. Zu Hause schaue ich mir das Foto auf dem Handy an. Unten steht das Datum 05.08.19. Genau heute vor einem Jahr ist mein Vater verstorben. Ich schaue mir das Foto noch einmal an. Das Datum, das Herz, der Himmel. Da ist wieder diese Verbundenheit, die ich spüre – Zufall?

Einheit, Harmonie, Verbundenheit! = Yoga!

So findet Yoga bei mir einerseits auf der Matte statt, andererseits ist Yoga für mich ganz im Alltag integriert. In diesem Sinne – lasst uns verbunden sein mit Himmel und Erde!

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Über die Autorin

Anne Serve ist Leiterin des Yoga Vidya Mobil Stadtkyll in der Eifel. Dort wohnt sie mit ihrer Familie. Sie ist 53 Jahre alt, verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und ist schon stolze Oma. Yoga übt sie gerne im eigenen Garten. Auch einige Yoga-Kurse bietet sie in der Natur an. Sie ist Yogalehrerin, Kinder-Yoga Übungsleiterin, Erzieherin, Marte-Meo Practitioner, Aerobic Trainerin.

Website: Yoga Vidya Stadtkyll Mobil


Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 39
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1 Kommentar zu “Yoga – Verbindung zwischen Himmel und Erde

  1. Wunderschön geschrieben 😊. Danke 🙏

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