Friedenstänze – Eins sein mit allem, was ist

von Ingrid Seemann

Die Tänze des Universellen Friedens sind Teil der zeitlosen Tradition des spirituellen Tanzes. Sie sind ein Weg der Freude, um in uns und anderen das Herz zu berühren.

Wie ich zu den Friedenstänzen kam

Buddhistisches Kloster bei Köln: Ich stehe in der Eingangshalle des Klosters und habe mich für ein Retreat mit Thích Nhất Hạnh entschieden. Vor mir eine Gruppe von Menschen, die im Kreis tanzt und dabei singt. Tief berührt vom Gesang und den Tanzbewegungen mache ich sofort mit und fühle mich wie verzaubert. Ja, das ist es, was ich schon lange gesucht habe. So sind mir die Tänze des Universellen Friedens zum ersten Mal in diesem Leben begegnet und sie haben mich sofort in ihren Bann gezogen.

Wali und Arienne van der Zwan leiten diese Tänze, er spielt Gitarre, sie macht die Tanzanleitung. Beide sind professionelle Tanzleiter. Da war es dann eine spontane Entscheidung, bei ihnen eine zweijährige Ausbildung für die Tänze des Universellen Friedens zu absolvieren. Die Tänze des Universellen Friedens sind Teil der zeitlosen Tradition des spirituellen Tanzes. Sie sind ein Weg der Freude, um in uns und anderen das Herz zu berühren. Bei den Tänzen verwenden wir heilige Worte (Mantras), Gesänge, Musik und Bewegungen aus den zahlreichen spirituellen Traditionen dieser Erde. In der Verschiedenheit erleben wir das Verbindende aller Religionen und nähren so den Frieden in uns und in der Welt.

Samuel Lewis sagte:

Der spirituelle Tanz hat keine andere Absicht, keinen anderen ihm innewohnenden Sinn, als die Menschheit zu erbauen – sie zu Freude, Segen, Verwirklichung und Frieden zu führen. Der/die aufrichtige Tänzer/in ist einer/eine der geeignetsten Arbeiter/innen für universelle Harmonie und auf diese Weise für universellen Frieden.

Auf zum Tanz!

Die Tänze des Universellen Friedens sind meistens Kreistänze. Die Gesänge, Bewegungen und Tanzschritte sind einfach zu erlernen und werden jedes Mal wieder neu eingeführt. Die Bedeutung der Tänze aus den jeweiligen Traditionen wird erläutert. Es sind also keine Vorkenntnisse erforderlich. Die Tänze sind für Kinder und Erwachsene jeden Alters geeignet. Kinder ab etwa sieben oder acht Jahren haben sehr viel Freude am Singen und Tanzen und sind immer wieder mit Begeisterung dabei.

Auch für Erwachsene sind die Tänze eine sehr gute Möglichkeit, Körper (Erde) und Stimme (Himmel) zu kombinieren und in Einklang zu bringen, sodass sich ein Eins-Sein, mit allem, was ist, zeigen kann. Für mich ist es immer wieder eine Herausforderung, alles in Einklang zu bringen: Singen, Bewegungen des Körpers und die geistige Ausrichtung auf den jeweiligen Tanz. Die Präsenz im Hier und Jetzt ist bei den Friedenstänzen für alle eine große Bereicherung. Du magst dich bewegt und erleichtert, friedlich und geerdet, mehr zentriert fühlen oder auch alles zusammen. Auf jeden Fall sind die Tänze eine Meditation in Bewegung.

Nach dem Tanzen spüren wir der Energie des Tanzes nach und nehmen wahr, was der Tanz mit uns gemacht hat. Während einer meditativen Pause ohne Bewegung kann jede/r den Tanz auf sich wirken lassen. Letztlich bringen alle Tänze deine Energie zum Fließen und dienen dazu, dich in Kontakt mit Anteilen in dir zu bringen. Partnertänze sind eine gute Gelegenheit, einander wirklich in die Augen zu schauen und das Gesicht hinter dem Gesicht des anderen zu sehen. Augen sind die Fenster zur Seele. Echter Augenkontakt ist etwas Kostbares und kann übergehen in Segnen über die Augen. Du siehst die/den Andere/n dann vorrangig als göttliches Wesen.

Friedenstänze und Yoga

Es gibt viele Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen den Friedenstänzen und Yoga. Beides sind spirituelle Praktiken und die Friedenstänze sind Teil des Bhakti Yoga (Yoga der Hingabe), des Kundalini Yoga (Yoga der Energie) und des Raja Yoga (Yoga des Geistes). Die Tänze wirken auf die Chakras (Energiezentren) und sind mit den kosmischen Energien und den Elementen verbunden. Außerdem sind die Tänze eine gute Übung für mehr Konzentration und Achtsamkeit.

Es geht auch darum, dem Tanz zu dienen, sich ganz dem Tanz hinzugeben und sich immer wieder zu fragen: Wie will der Tanz durch mich getanzt werden? Je mehr du dem Tanz dienst, umso mehr wächst die Intuition. Wir tanzen vom Herzen aus und versuchen so gut es geht, den Verstand auszuschalten. Die Tänze helfen uns, uns vom Herzen aus zu begegnen, und dies hilft uns, Verbundenheit und Einheit zu erfahren.

Im Yoga beginnen wir alles mit dem Urklang OM. Die Friedenstänze beginnen mit einer Invokation von Inayat Khan, die in der jeweiligen Muttersprache der Teilnehmer/innen gesprochen wird. Diese lautet auf Deutsch und auf Englisch:

Dem Einen entgegen, der Vollkommenheit der Liebe, der Harmonie und der Schönheit, dem einzig Seienden, vereint mit all den erleuchteten Seelen, die den Meister, den Geist der Führung, verkörpern.

Toward the One, the Perfection of Love, Harmony and Beauty, the only Being, united with all the illuminated souls who form the embodiment of the Master, the Spirit of Guidance.

Yoga und Tanzen – Wege zum Frieden

Die Tänze des universellen Friedens sind ganz im Sinne Swami Sivanandas. Er hat sich für die Einheit aller Weltreligionen ein – gesetzt, als er deren Vertreter nach Rishikesh eingeladen hatte, um über Gemeinsamkeiten zu sprechen. Auch sein Schüler, Swami Vishnu-devananda, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Seine zahlreichen, oft waghalsigen Aktionen für den Weltfrieden zeigen deutlich, worum es allen Yogabegeisterten und Yogapraktizieren – den gehen muss. Yoga und insbesondere Yoga Vidya als großes Friedensprojekt, was auch an jedem Tag akustisch wahrnehmbar ist, wenn wir im Sivananda-Saal eine Stunde lang das von Swami Vishnu eingeführte Friedensmantra Om Namo Narayanaya chanten. Wir rufen damit die Energie Vishnus an, um Gott in allen Wesen und im ganzen manifesten Universum zu sehen.

Zur Zeit biete ich die Tänze des Universellen Friedens einmal pro Woche für alle Gäste, Mithelfer/innen, Sevakas und Shanti Vasis an und zwar jeden Dienstag von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr, am Tag der Offenen Tür und zu besonderen Anlässen.


Über die Autorin Ingrid SeemannIngrid Seemann Yoga- und Rückenyogalehrerin, Yogatherapeutin, Entspannungskursleiterin, Gymnasiallehrerin i.R. Ausbildung zur Tanzleiterin bei Wali und Arienne van der Zwan und Phyllis Krystal Trainerin. Seit über 15 Jahren arbeitet sie mit dieser Methode in der Schule, beim Yogaunterricht und im privaten Bereich. Gelernt hat sie diese Methode bei Carmen Berhörster und Phyllis Krystal persönlich. Ingrid arbeitet seit mehr als 15 Jahren in der Arbeitsgruppe bei Carmen mit. In dieser Arbeitsgruppe werden die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten besprochen und eingeübt. Aus persönlicher Erfahrung kann Ingrid berichten, dass durch diese Methode und durch Yoga ihr Leben viel angstfreier und entspannter geworden ist.


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Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 39, S. 10-11
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