Interview: Adinath

Adinath ist Yogalehrer bei Yoga Vidya Bad Meinberg und seit ca. 10 Jahren auf dem Yogaweg. Zuvor hat er Kampfkunst und Zen Meditation praktiziert und fühlt sich im Buddha Dharma noch heute fest verwurzelt. Seit 2 Jahren ist er hauptunterrichtender Yogalehrer bei Yoga Vidya Bad Meinberg.

Adinath unterrichtet häufig und gerne in den Yogalehrer Intensiv Ausbildungen und gibt gerne fordernde Yogastunden, in denen er die Teilnehmer auf achtsame Weise an ihre Grenzen bringt. Besonders am Herzen liegt ihm die Achtsamkeitspraxis. Yoga, besonders der Integrale Yoga nach Swami Sivananda ist für ihn wie eine Werkzeugkiste, die sein Leben mit Lösungsansätzen bereichert, durch die sich Herausforderungen besser meistern lassen. Seit 2004 lebt Adinath vegan und ist von den positiven Wirkungen dieser Ernährungsweise auf die Gesundheit und das Bewusstsein überzeugt.

Lieber Adinath, was bedeutet Yoga für dich?

Da ist man als Ausbilder natürlich versucht und denkt an die Standardantworten aus den Yogalehrer Prüfungen, z.B. Patanjalis: „Yogas Chitta Vritti Nirodha“, das zur Ruhe bringen der Gedankenwellen im Geist zum Beispiel.

Für mich ist Yoga, vor allem der Integrale Yoga, eine große Toolbox, auf die ich zurück greifen kann und die mich im Alltag und auf dem spirituellen Weg unterstützt.

Angefangen hat mein Yogaweg, als ich neben der Kampfkunst Yoga auf der körperlichen Ebene praktiziert habe. Als ich Kampfkunst nicht mehr praktizieren konnte, öffnete sich der Raum und ich bin tiefer ins Yoga eingetaucht. Und da habe ich gemerkt, dass sehr viele Aspekte des Yoga meine spirituelle Praxis im Buddha Dharma unterstützen und als „brauchbare Mitttel“ bereichern. Im Yoga finde ich immer wieder Sachen, die mich interessieren und neue Erkenntnisse, die sich mir eröffnen. Yoga ist für mich so Unterstützung und Bereicherung.

Was ist das größte Geschenk des Yoga für dich?

Das größte Geschenk des Integralen Yogas ist für mich die Ganzheitlichkeit und die Vielseitigkeit. Wenn ich einmal in einem Teilbereich des Lebens nicht weiter komme, vielleicht auf ein Problem fixiert bin, bietet der Integrale Yoga in seiner Vielfalt verschiedene Ansatzpunkte, um Herausforderungen anzugehen. Yoga erweitert mein Spektrum an Möglichkeiten und ist eine super Bereicherung, neben den anderen Lösungswegen, die ich kennen gelernt habe wie Buddhismus, psychotherapeutische Ansätze und Kampfkunst.

Wie bist du zum Yoga und zur Spiritualität gekommen?

Ich denke, dass man auf dem spirituellen Weg ist, lange bevor man sich dessen bewusst ist. Bewusst auf dem spirituellen Weg bin ich seit 1996. Nach einer Lebenskrise bin ich zu der Zeit mit dem Buddhismus in Berührung gekommen, bin dann relativ schnell beim Zen angekommen und dort auch lange geblieben. In den letzten Jahren kommt noch verstärkt Vipassana Meditation dazu. Das war mein Einstieg auf dem spirituellen Weg. Parallel dazu habe ich Kampfkunst, Karate Do trainiert. Das Karate Training habe ich aus verschiedenen Gründen aufgegeben, unter anderem, weil mein damaliger Lehrer aus dem Soto Zen, Claude AnShin Thomas, der großen Wert auf Gewaltfreiheit legt, mir sagte, dass Kampfkunst nicht zu seinem Weg passt und zudem mein Orthopäde mir von weiterem Training abgeraten hat.

Bis dato habe ich Yoga auf rein körperlicher Ebene geübt, als Ergänzung wie Kraftaufbau und Flexibilitätstraining. Von den anderen Aspekten des Yoga hatte ich nicht so viel Ahnung. An einem Tag der offenen Tür bin ich einmal bei Yoga Vidya Köln gelandet, dort gab es Informationen über die Yogalehrer Ausbildung und ich habe dann schon am Ende des Tages unterschrieben, dass ich die Yogalehrer Ausbildung mitmachen möchte. Und so bin ich dann eben Yogalehrer geworden.

Das ist alles noch nicht so lange her. Seit 2009 unterrichte ich, die Yogalehrer Prüfung habe ich 2010 bestanden.

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Was liegt dir beim Unterrichten besonders am Herzen?

Das kommt ganz auf die Zielgruppe an, die ich vor mir habe. In Ausbildungen habe ich den Anspruch, sehr exakt zu sein, die Wirkungen der Asanas erfahren zu lassen auf allen 3 Ebenen, damit die Bandbreite des Yoga, vor allem des Hatha Yoga, da ich ja primär Hatha Yogalehrer bin, vermittelt wird.

Gerade habe ich ein Achtsamkeitsseminar gegeben. Achtsamkeit ist ein Thema, was mich sehr interessiert. Da möchte ich Yoga als Instrument vermitteln, welches einem hilft, stärker ins Wahrnehmen zu kommen: Die Selbstwahrnehmung, das Spüren der Wirkungen der einzelnen Asanas wie sie in diesem Moment erlebt werden.

Was ich auch gerne mache, ist dass ich mich und andere Leute auf angemessene Art und Weise an ihre Grenzen führe um zu sehen, was da so passiert. Ich unterrichte auch gern Fortgeschrittene.

Yogalehrer Ausbildungen sind ein anderer Schwerpunkt, ich bin fast in jeder zweiten Ausbildung hier im Haus involviert und ich gebe auch Atemkursleiter Ausbildungen und Entspannungskursleiter Ausbildungen.

Ich unterrichte auch gerne fortgeschrittene Kundalini Yogastunden, und wie man hier die körperlichen und geistigen Aspekte nutzt. Auch Variationen der Yoga Vidya Grundreihe, und so weit es im Rahmen ist, auch Vinyasa Yoga. Und die Achtsamkeitspraxis. Ich gebe auch gerade ein Seminar zu den Brahmaviharas, ich gebe Achtsamkeitswochenenden und Achtsamkeitswochen, angelehnt an Zen und Vipassana. Kombiniert auch mit Hatha Yoga Praxis.

Was ist Achtsamkeit genau?

Achtsamkeit ist, im gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, was wirklich ist. Ohne etwas hinzuzufügen und ohne etwas wegzulassen. Ohne sich von etwas wegreißen zu lassen. Ohne zu bewerten oder zu kommentieren. Einen Raum zu schaffen, bei dem du übst, reine Wahrnehmung zu praktizieren. Auf einer subjektiven Ebene versuchen, so objektiv wie möglich die Realität wahrzunehmen, so wie sie sich einem selbst gerade zeigt.

Achtsamkeit als Übungsweg ist ein Weg, auf dem Transformation und spirituelles Wachstum quasi von alleine geschieht, indem man übt, in die Verbindung mit der Wirklichkeit zu gehen. Über die relative Wirklichkeit zur absoluten Wirklichkeit. Aber absichtslos, sonst klappt das ja nicht. Bei der bewussten Achtsamkeitspraxis fügst du nichts hinzu. Außer Hilfsmittel, die dich zur Konzentration führen, wie die Atemkonzentration, das mentale Scannen des Körpers, das Benennen der Körperempfindungen, Gedanken, Gefühlen oder Stimmungen. Energetische Empfindungen können auch benannt werden, sie stehen aber nicht so im Fokus, da es nicht primär um Energieerweckung geht. Wir arbeiten auch nicht mit Mantras oder Chakras.

Nach der Achtsamkeitstheorie musst du keine Energie erwecken, du musst sie nur erkennen. Und das Erkennen geschieht durch die Achtsamkeit. Und so geschieht die Erweckung von ganz alleine. Dass du dieses Wunder, diese Wonne des Lebens in jedem Moment erfährst, wenn du das was du tust, voll und ganz tust.

Diese Transformation, die dabei statt findet, ist wie nach Patanjali die Befreiung von der Identifikation mit der Leidhaftigkeit, Moksha, ein Befreiungsweg vom Leiden. Und das ist für mich das Ziel meiner spirituellen Praxis. Erscheinungen wie Reinigungs- oder Energieerweckungserfahrungen sind dabei Übergangserscheinungen, z.B. wenn die Kundalini Shakti erweckt ist, das Bewusstsein soweit erweitert ist, dass du die Trennung aufgeben kannst und die Einheit erfahren kannst. Ich versuche auch, mich mit Erfolgserlebnissen wie gesteigerter körperlicher Flexibilität oder Kraft oder auch mehr Beliebtheit als Yogalehrer nicht zu sehr zu identifizieren, sondern sie wohlwollend als Übergangserscheinungen wahrzunehmen ohne dadurch das Ego zu füttern. Das ist die Gefahr bei spirituellen Erfahrungen: sie können das Ego vergrößern und die Herausforderung dabei ist, demütig zu bleiben.

Hast du eine Zukunftsvision, in der Yoga eine Rolle spielt?

Ich glaube schon, dass Yoga ein wesentlicher Faktor sein kann, um die Menschen noch mehr in Verbindung zu bringen. Zum einen in Verbindung mit sich selbst und die Verbindung untereinander. Durch Yoga kann man erfahren, dass das eigene Selbst mit den anderen „Selbsten“ nicht getrennt ist.

Ich habe das Gefühl, dass wir in einem Zeitalter leben, dass sehr ambivalent ist: mit vielen Krisensituationen, Not, Elend und Krieg. Auf der anderen Seite erlebe ich immer mehr Menschen, die sich öffnen für spirituelle Themen und ihre eigene Spiritualität entdecken. Das geschieht über verschiedene Wege: Schamanismus, Yoga, Buddhismus, über alles Mögliche. Ich sehe Yoga als wichtigen Faktor an, um den Einstieg in die Spiritualität zu finden. Durch das vielleicht schon Überangebot an Yogastilen und Yogaschulen kann das ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen sein, einen Zugang zur Spiritualität zu finden, wenn man z.B. in ein Yoga Vidya Zentrum geht um Hatha Yoga zu lernen. Ich selbst hatte ja zum Beginn meiner Ausbildung mit den übrigen 5 Yogawegen nichts zu tun und bin dann erst durch meine Ausbildung bei Yoga Vidya damit in Berührung gekommen. Für einige Menschen mag die spirituelle Seite des Yoga befremdlich sein, andere gelangen darüber in die Tiefe.Adinath1

Was schätzt du an Yoga Vidya Bad Meinberg besonders?

Ich schätze die Möglichkeiten, die mir dieser Ort bietet. Ich wüsste keinen anderen Ort, an dem ich mich so ausprobieren könnte wie hier, diese Bedingungen sind hier einmalig. Ich bin mit dem Wunsch hergekommen, möglichst viel zu unterrichten und hatte auch das Glück, gleich zu 100% ins Hauptunterrichtenden Team aufgenommen worden zu sein. Relativ schnell konnte ich dann auch in den Ausbildungen unterrichten und das ist genau das, was ich machen wollte. Mir gefallen auch die beiden Seiten, die ich hier wahrnehme: die geordnete Struktur, die Bodenständigkeit, die klaren Regeln und systematische Organisation, andererseits ein Ort, an dem tiefste Spiritualität gelebt wird. Und dazu noch der Raum für die unterschiedlichsten Persönlichkeiten, dass die unterschiedlichsten Menschen hier die Möglichkeit bekommen, sich hier einzubringen, das finde ich super.

Du bist Veganer. Seit wann bist du vegan und wie bist du zum Veganismus gekommen?

Ich bin seit 1996 Vegetarier und seit 2004 Veganer. Das war bei mir Teil meines Entwicklungsprozesses und ich betrachte das als Erscheinungen einer konsequenten Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit. Ich hatte damals einen sehr guten Freund, der vegan lebt und mich inspiriert hat. Ich habe mich einmal nur für die Fastenzeit entschieden, vegan zu leben, ohne mir Gedanken zu machen, das für längere Zeit einzuhalten. Dadurch sind mir die positiven Auswirkungen der veganen Lebensweise bewusst geworden und mein Bewusstsein für meine Ernährung hat sich mit diesem Schritt noch einmal vertieft und ich bin dann dabei geblieben. Ich hatte das Gefühl, dass mir die vegane Ernährung nochmal einen richtigen Schub nach vorne gegeben hat.

Natürlich hatte ich am Anfang auch eine Phase, in der ich jedem von meinen Erfahrungen erzählen wollte, habe das dann aber losgelassen. Jetzt möchte ich niemanden mehr überzeugen oder mit dem moralischen Zeigefinger wedeln, sondern ich versuche einfach bei mir zu bleiben, bei dem was es für mich bedeutet. Ich bin aber überzeugt, dass diese Ernährungsform für unseren Kulturkreis optimal ist, um sehr viele Probleme aus dem Weg zu räumen. Würden möglichst viele Menschen sich auch vegan ernähren, würden viele Probleme auf vielen Ebenen produktiv angepackt.

Wie sieht deine eigene Praxis aus?

Wie für dieses Haus ganz klassisch: Asana, Pranayama, Meditation. Meine Hatha Yoga Praxis ist dabei vom Vinyasa Krama Stil beeinflusst. Und als Meditationstechnik verwende ich das einfache Sitzen aus dem ZaZen oder Einsichtsmeditation und Vipassana. Erst kürzlich war ich auf einem Vipassana Meditationsretreat in Bayern. Ich bin auch Meditationskursleiter und gebe dort verschiedene Meditationstechniken weiter. Dabei finde ich es immer super, wie die Menschen auf die unterschiedlichen Techniken ansprechen und sich die Technik auswählen können, die bei ihnen am besten funktioniert. Meine Wurzeln habe ich im Buddha Dharma und setzt auch für mich im Raja Yoga einen Schwerpunkt, die Geistesschulung, die ganzheitlichen Psychologischen Aspekte, das reizt mich besonders.

Du bist auch Atemkursleiter. Warum sollte man sich intensiver mit Pranayama befassen?

Beim Einstieg ins Pranayama ist die Atmung oft Mittel zum Zweck um mit körperlichem und geistigem Stress umzugehen. Pranayama bietet einen unmittelbaren Zugang, um in Verbindung zu gehen und schon für Anfänger relativ leicht nachzuvollziehen.

Menschen können über die bewusste Atmung wieder mit sich in Kontakt treten. Im Pranayama kannst du dir in einer Yogastunde eine gute energetische Basis für den Rest der Praxis und auch den Rest des Tages aufbauen. Über Pranayama kannst du tiefer liegende Potentiale in dir erwecken und dir versteckte Ressourcen erschließen. Intensives Pranayama ist eine der schnellsten Methoden, um an diese Ressourcen heranzukommen. Bei sattvischer Lebensweise und geschütztem Umfeld ist das auch ein sehr sicherer Weg um dir diese Potentiale zu erschließen. Der Fokus sollte aber auch darauf gerichet sein, diese Potentialerweckung als Mittel zum Zweck zu sehen, nicht als Selbstzweck.

Lieber Adinath, vielen Dank für das Gespräch!

Seminare und Ausbildungen mit Adinath

Die nächste Yogalehrer 4-Wochen Intensiv Ausbildung mit Adinath, Radharani Birkner und Rama Schwab beginnt am 29. März bei Yoga Vidya Bad Meinberg.
Am 20.-22. April wird er das Seminar „Meditation Intensiv Schweigend“ begleiten.
Vom 1.-3. Mai leitet er ein Achtsamkeits-Schweigewochenende
Asana Intensiv – Schwerpunkt Hüftflexibilität und Lotus mit Adinath 8.-10. Mai

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