Es gibt viele Definitionen, was Yoga ist

Auszug aus einem Satsang-Vortrag von Sukadev:

Es gibt viele Definitionen, was Yoga ist. Es gibt eine berühmte Schrift Namens Bhagavad Gita, wo der Lehrer Krishna (Manifestation des Göttlichen auf dieser Welt) zu Arjuna spricht. Die Bhagavad Gita ist voll von Definitionen über Yoga. Eine, relativ am Anfang, heißt: samatvam yoga ucyate – also: Yoga heißt Gelassenheit. Yoga ist die Fähigkeit, seinen Geist ruhig zu bekommen. Oder: Innerlich ruhig zu sein, auch wenn der Geist durch Höhen und Tiefen geht. 

Und so machen wir eine Menge im Yoga, um zum einen den Geist ruhiger zu bekommen, indem wir auch den Körper entspannen, indem wir das Prana (die Lebensenergie) ruhiger machen und indem wir lernen, unsere Gedanken zu beobachten. Aber mehr als das, lernen wir auch, dass wir nicht unsere Emotionen sind.

Je nach Temperament und Charakter, gibt es manche Menschen, denen gelingt es, den Geist insgesamt ruhig zu halten – und es gibt andere, die haben weiter ihr wunderbares Emotions-Spiel und können sich ganz besonders toll freuen und ganz besonders toll aufregen und ganz besonders niedergeschlagen sein. Sie haben ein sehr reichhaltiges emotionales Leben. Wenn du zu solchen Menschen gehörst,  dann solltest du das auch wertschätzen. Denn deine karmische Prädisposition ermöglicht dir somit, eine Menge zu erleben.

Yoga hilft, zu erkennen: „Emotionen haben Hochs und Tiefs – doch auch wenn ich momentan mit ihnen identifiziert bin, so weiß ich und ich werde wissen: Ich bin nicht wirklich diese Emotionen, also ist es okay, dass ich sie empfinde. Langfristig, mittelfristig oder kurzfristig komme ich aus dieser Identifikation wieder heraus.“  Auch das ist samatvam yoga ucyate. Zu wissen: Es gibt noch etwas anderes.

Eine zweite Definition, die Krishna vom Yoga gibt: „yogaḥ karmasu kauśalam“. Also: Yoga ist Geschick im Handeln, Yoga ist Energie im Handeln, und Yoga ist Begeisterung im Handeln.

Krishna führt diese Definition kurz nach seiner Aussage „Yoga ist Gelassenheit“ an, damit es nicht etwa bedeutet, dass jemand denkt: Yoga heißt Gelassenheit, also sollen sich doch die anderen um dieses oder jenes kümmern. Ich bleib gelassen.“ Solche Art der Trägheit und des Desinteresses sind hier ganz sicher nicht mit Gelassenheit gemeint.

Deswegen vielmehr: Gelassenheit und zugleich Geschick im Handeln, Enthusiasmus, Begeisterung. Aber nicht Halbherzigkeit. kauśala, das ist zum einen Geschick im Handeln oder Dinge geschickt zu tun – aber es hat auch die weitere Bedeutung: Enthusiasmus, Begeisterung. In kauśalam steckt beides drin: Begeisterung/Energie und Geschick. Auch dazu verhilft Yoga.

Yoga verhilft zur Klarheit des Geistes, deshalb kann man geschickt handeln. Yoga verhilft zu mehr Energie, deshalb kann man mit mehr Energie handeln. Und Yoga hilft auch dabei, dass man sich vermehrt für sinnvolle Dinge entscheidet, und deswegen begeistert sein kann.

Die letzte der vielen Definitionen der Bhagavad Gita, die ich erwähnen will, ist: Yoga heißt, das Lösen von der Verbindung mit dem Schmerz. Das ist ein Wortspiel, das Krishna dort nennt, denn Verbindung mit dem Schmerz bedeutet auch Samyoga. Und Yoga ist das Auflösen des Samyoga mit dem Schmerz.

Der Körper geht durch Phasen – und du wirst dich mal besser fühlen und ein andermal weniger gut. Dinge im Leben sind manchmal schöner, und manchmal weniger schön. Menschen sind freundlicher, manchmal besonders freundlich – und manchmal auch nicht. Doch damit identifizieren sich viele Menschen und so entsteht Schmerz. Yoga heißt, sich davon lösen zu können.

Wie wir das erreichen, ist ein langes Thema. Diejenigen, die die Yogalehrerausbildung begonnen haben, lernen in den nächsten Wochen mehr darüber. Diejenigen, die die Yoga-Ferienwochen begonnen haben, lernen auch etwas darüber – aber vor allem lernt ihr, wie ihr entspannen und neue Kraft bekommen könnt, zu mehr Samadhva (Gelassenheit) kommen könnt, mehr Energie und Kraft bekommen könnt. Damit ist schon viel gewonnen.

Hari Om Tat Sat.

 

 

 

 

 

 

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