Yoga im Sommer: Der Schmetterling

Hier noch eine Sommer Asana, diesmal nicht zum Thema Feuer. Schließlich gehören zur warmen Jahreszeit auch noch die anderen, leiseren und leichteren Geschöpfe. Schmetterlinge zum Beispiel. Eigentlich ja viel zu zart und sanft für plötzliche Hitze-Ausbrüche. Trotzdem flattern diese bunten Geschöpfe ungerührt in der heißesten Mittagssonne. Hauptsache, es sind eine paar duftende Blumen und bunte Farben in der Nähe.

Der Schmetterling im Yoga gehört zu den 84 Hauptasanas. Hier heißt er Bhadrasana, was übersetzt soviel heißt wie „Asana zur Öffnung der Hüfte“. Darum gehören in die Reihe der Schmetterlinge auch jede Menge Variationen, angefangen beim Schustersitz (Fußsohlen gegeneinander legen) über Yoga Dandasana bis hin zu Vira Bhadrasana, dem Helden.

Und was macht so ein Schmetterling? Er öffnet seine Flügel, trinkt den Nektar des Lebens und befruchtet damit Blumen und Bäume. Mit Leichtigkeit und Anmut fliegt er durch die Gegend und erfreut die Welt mit seiner Schönheit und Lebendigkeit.

Das muss ein Leben sein. Wie macht er das bloß? – Ganz einfach, Er hat viel erlebt und viel gelernt. Wer genauer hinschaut, entdeckt nämlich, dass Schmetterlinge keinesfalls so jung und unerfahren sind, wie sie aussehen. Schmetterlinge verkörpern – so sagen es die Symbolbücher -Wachstum, Weisheit und die Transformation der Seele. Sie wurden als Raupen geboren, fraßen sich mühsam durch Blätter und Baumrinden und hatten das Glück, den hungrigen Vögeln dieser Welt zu entgehen. Sie haben lange im Rückzug gelebt und es irgendwann geschafft, die harte Schale ihres Kokons zu durchbrechen. Erst dann – vielleicht nach einer gefühlten Ewigkeit – haben sie ihre Flügel und ihre volle Schönheit entfaltet und angefangen, die Welt mit ihrem Dasein zu erfreuen.

Wenn man den Schmetterling bewusst übt, kann man dabei also seinen Willen zum Wandel und zum Wachstum zum Ausdruck bringen. Immer in dem Wissen, dass das mitunter Zeiten in dunklen Kokons mit sich bringen kann. Und dass am Ende von all dem, was einem lieb, gewohnt und teuer war, wenig übrig bleiben wird. Dazu braucht es eine ganze Menge Mut. Aber noch mehr: Entspannung, Flexibilität, einen offenen Geist und ein offenes Herz. Und das alles lässt sich in den Schmetterling Variationen wunderbar üben.

Der Schmetterling lohnt sich also ganz besonders, wenn einem die Welt allzu zu eng zu sein scheint oder zu unsicher, wenn man sich nach Leichtigkeit und Verwandlung sehnt oder einem tausend Ideen und nie gebaute Luftschlösser durch den Kopf flattern. Der Schmetterling öffnet nicht nur die Hüfte, sondern auch den Geist. Im Schmetterling werden die Gedanken ruhig und der Geist offen. Man kommt inneren Grenzen auf die Spur, und irgendwann auch der Leichtigkeit und Lebensfreude, die in jedem Wesen wohnt.

Wenn es soweit ist, bricht sie aus, wie von alleine. Dann verlassen wir einfach unseren Kokon und fliegen los, um die Welt mit unserer inneren Schönheit und Leichtigkeit zu befruchten, mit unserer Lebensfreude und Lebenskunst. Und dann laufen wir auch nicht mehr Gefahr, in ziellosem Leichtsinn zu leben anstatt in wissender Leichtigkeit.

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Dietlind Arndt lebt und arbeitet seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

2 Kommentare zu “Yoga im Sommer: Der Schmetterling

  1. Was für ein schöner Text. Ich danke dafür. Yoga trifft auf Poesie. Poesie, die in der Sprache liegt, Poesie, welche sich im Leben zeigt und durch Sprache ins Bewusstsein trifft. Poesie, welche in einer Asana gefühlt werden kann. Schön! Danke!

  2. Danke!
    Ich freue mich über diese klare Beschreibung.
    Werde bei meiner nächsten Asanapraxis daran denken, Leichtigkeit und Anmut, Schönheit und Lebendigkeit, Wachstum, Weisheit und Transformation der Seele.
    So, macht Yoga noch mehr Spaß!

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