Yogisch grüßen

In den ersten Wochen im Januar gibt es für gewöhnlich viele Neujahrsgrüße aus allen möglichen Richtungen. Aber schon Mitte des Monats sind die lieben Worte zum frohen neuen Jahr fast vergessen und es ist ein guter Zeitpunkt, um die eigenen Grußgewohnheiten yogisch (um) zu strukturieren. Da bietet sich der hier im Ashram bekannteste Gruß „Om Namah Shivaya“ gut an! Wir können ihn sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied verwenden. Was dahinter steckt und warum du ihn im Alltag einbinden solltest, erfährst du in diesem Blogartikel.

Wenn man im Ashram in Bad Meinberg durch die Gänge läuft, hört man oft den Gruß „Om Namah Shivaya“. Er setzt sich also zusammen aus drei einzelnen Wörtern bzw. Silben. „Om“ ist das nicht Beschreibbare, das Absolute oder auch das Unendliche, der Klang der Einheit. Es ist der Klang, aus dem im Hinduismus die Welt entstanden ist. Als wäre das nicht schon genug, steht „Om“ symbolisch für die Dreieinigkeit und wer es lang genug rezitiert, so die Upanishaden, findet die Erleuchtung. Also ein perfekter Einstieg für den Anfang eines Gesprächs. Das zweite Wort ist „Namah“ und bedeutet so viel wie Ehrerbietung. „Shiva“ ist nicht nur ein Gott, sondern bedeutet wörtlich übersetzt der Liebevolle, der Gütige.

Begrüßen wir also jemanden mit den Worten „Om Namah Shivaya“ sagen wir so etwas wie „Ehrerbietung an die Liebe oder die Güte“. Im Yoga und Vedanta glauben wir an das Menschenbild des Göttlichen in uns. Jeder Mensch ist in seinem Herzen gut und trägt einen göttlichen Kern. Bei diesem Gruß wenden wir uns genau an diesen Kern in unserem Gegenüber. Wir wollen uns mit diesem Teil verbinden. Ganz egal wie das Äußere scheinen mag, ob wir traurig, fröhlich, albern oder wütend sind, wir machen uns selbst und unserem Gegenüber bei der Begegnung bewusst, dass wir auch eine göttliche Seite haben.

Von Sanskrit bis Slang

Die Inder sind nicht die einzigen, die Gott in ihre Begrüßung mit einbinden. Früher war es auch in Deutschland gang und gäbe dem anderen ein freundliches „Grüß Gott“ entgegenzubringen. Im Englischen sieht es ganz ähnlich aus. Hier betont man die Gottverbundenheit am Ende eines Gesprächs. Das allseits bekannte „Good bye“ kommt von „God be with you“ (Gott möge mit dir sein). In verschiedenen Sprachen fangen wir also nicht nur mit dem Gruß an das Göttliche an, sondern hören auch damit auf. Ganz egal wie das Gespräch selbst verlaufen ist, wir gehen der Verabschiedung nach mit einem guten Gefühl.

Grüßen geht nicht nur in Hinblick auf Shiva als Gott, sondern auch mit anderen positiven Eigenschaften.

Auch wer nicht unbedingt Gott mit in diesen Gruß einbeziehen will, kann die Tradition aufrecht halten. Ein ehrliches und aus tiefstem Herzen kommendes „Ich wünsche dir einen schönen guten Tag“ kann der zwischenmenschlichen Beziehung eine andere Tiefe geben. Es sind doch immer wieder die Kleinigkeiten im Leben, die uns verbinden. Kleine Aufmerksamkeiten lassen uns den Tag oder in diesem Fall das Gespräch mit einem Lächeln beginnen und beenden.

In diesem Sinne,

Om Namah Shivaya

5 Kommentare zu “Yogisch grüßen

  1. Noch eine nette Ergänzung. Im Bayrischen gibt es nicht nur Grüß Gott sondern als Abschied auch „Pfiati“. Kommt von „(Gott) behüte Dich“.
    🙂

  2. Brunhilde Krieg

    „Yogisch grüßen“ ist eine wunderbare Einleitung für den Tag und ich werde versuchen ab heute diesen Satz jeden Tag zu benutzen. Er hilft uns, unsere Seele in dieser schweren Zeit zu stärken, das wir gut durch diese Zeit kommen. Ich bin froh, vor einiger Zeit diesen wunderbaren Newsletter aboniert zu haben. Es sind gute Themen die mich oft in meiner Lebenssituation weiter helfen.

    Ich werde auch heute noch etwas spenden, um weiterhin hieraus viel Trost zu finden.

    OM NAMAH SHIVAYA

    Ihre treue Leserin

  3. Desto mehr man von innen heraus strahlt und sanft lächelt, desto häufiger wird man gegrüßt😉

  4. Eichenmüller

    Gerade im Ashram in Bad Meinberg grüßen die wenigsten Sevekas oder Seminar Leiter!!!

    • Parashakti

      Dann musst du die Initiative ergreifen und nicht müde werden, weiter zu grüßen! Dein Gruß wird erwidert werden. Du darfst es nur nicht erwarten.

      Außerdem darf man nicht vergessen, dass sie im Job sind und nicht wie wir, als Aspiranten unterwegs und im Urlaubsmodus sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.