16 – Überwinde Identifikationen durch Überwindung der Kleshas

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Kleshas sind die 5 leidverursachenden Verhaftungen. Der Yoga Meister Patanjali hat in seinem Werk Yoga Sutra die leidschaffenden Verhaftungen beschrieben, und Wege aufgezeigt, diese zu verhindern. In dieser 16. Folge des Gelassenheits-Podcasts zeigt dir Sukadev, wie du erkennen kannst, wie Ärger und Angst auf Identifikationen zurückzuführen ist. Die 5 Kleshas heißen: Avidya – Unwissenheit. Asmita – Identifikation. Raga – Mögen, Wunsch, Gier. Dwesha – Nichtmögen, Abneigung, Hass. Abhinivesha – Angst.

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Ich möchte heute nochmal etwas sprechen über Identifikationen als Ursache von Ärger, Gereiztheit und Ängsten und warum es so wichtig ist, über Identifikationen hinauszuwachsen, um ein gelasseneres Leben zu führen. Ich hatte bisher viel gesprochen über Jnana Yoga, über Vedanta und das Konzept der Identifikation. Und wie Identifikation zu Problemen führt, zu Ärger, zu Ängsten, zu Gereiztheit, wird im zweiten Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali beschrieben. Yoga Sutra ist ein alter Yoga-Text, über 2000 Jahre alt, Patanjali ist der Name des Meisters. In einem späteren Teil dieses Podcasts werde ich noch sehr viel mehr über Raja Yoga sprechen. Dort beschreibt Patanjali Identifikation und wie mal letztlich ins Leiden kommt, die so genannten fünf Kleshas. Klesha heißt leidverursachende Verhaftungen. Die fünf Kleshas heißen Avidya – Unwissenheit, Asmita – Identifikation, Raga – Mögen, Dwesha – Nicht-Mögen, AbhiniveshaAngst.

Avidya ist der erste Schritt. Avidya heißt Unwissenheit. Du hast vergessen, wer du wirklich bist. Ich bin zwar in dieser Podcast-Reihe immer noch dabei, dich durch die Frage zu führen „wer bin ich“ und mehr oder weniger will ich dir zeigen, dass vieles, womit du dich identifizierst, dass du das eben nicht bist. Aber letztlich läuft es darauf hinaus, du bist der Beobachter, du bist reines Bewusstsein, du bist Sat – reines Sein, Chid – reines Wissen, und Ananda – reine Freude. Du vergisst das, das ist Avidya. Du weißt nicht, wer du bist. Weil du nicht weißt, wer du bist, fängst du an, dich zu identifizieren, Asmita. Du identifizierst dich mit deinem Körper, du identifizierst dich mit deiner Psyche, du identifizierst dich mit deinem Prana, du identifizierst dich mit deinen Emotionen, du identifizierst dich mit dem Bild von deinen Fähigkeiten, du identifizierst dich mit Rollen usw. Sowie Identifikationen da sind, gibt es Mögen und Nicht-Mögen. Angenommen, du identifizierst dich mit deiner Rolle als Vereinsvorsitzender von einem Verein, dann magst du natürlich, dass andere dich dafür anerkennen, dass du Vereinsvorsitzender bist. Du magst nicht, wenn Leute abfällig über deinen Verein sprechen. Du magst, wenn dein Verein in der Zeitung erscheint und du magst nicht, wenn er in der Zeitung erscheint und nicht sehr positiv erscheint. Und so, indem du dich identifizierst mit deiner Rolle als Vereinsvorsitzender, kommt viel Mögen, kommt viel Nicht-Mögen. Und aus dem Mögen und Nicht-Mögen kommt natürlich geistige Unruhe, denn nicht immer geschieht das, was du magst. Manchem geschieht das, was du nicht magst. Und so kannst du dich wunderbar darüber ärgern, wenn Sachen geschehen, die du nicht magst bezüglich deines Vereins.

Genauso geht es aber noch weiter. Nicht nur magst du Dinge nicht und manche magst du nicht, sondern du hast noch dazu auch vorrausschauend Angst davor, dass etwas geschieht. Du kannst dich also schon dann ärgern und in Unruhe geraten, ohne dass etwas geschehen ist. Du kannst nämlich Angst davor haben, dass das, was irgendein Mitglied macht oder dass irgendwo auf einer Vereinsversammlung irgendein Journalist dabei ist, und dann hast du also Angst. Oder du hast Angst, wenn jetzt das, was jetzt gerade an Auseinandersetzungen in eurem Verein ist, an die Öffentlichkeit kommt usw. Oder du hast Angst davor, dass die Mitglieder nicht ihre Beiträge bezahlen. Oder du hast Angst davor, dass in der nächsten Mitgliederversammlung jemand in den Vorstand gewählt wird, den du nicht magst, oder dass du nicht genügend Stimmen bekommst usw. Also, sowie du dich identifizierst, große Menge an Schwierigkeiten.

Ein weiteres Beispiel. Angenommen, du identifizierst dich ganz besonders mit deinem Körper. Du hast vergessen, dass du reine, unsterbliche Seele bist und dass dein Körper letztlich nicht du wirklich bist. Aber du hast es vergessen, Unwissenheit – Avidya. Asmita – du identifizierst dich jetzt mit deinem Körper. Wenn du dich mit deinem Körper identifizierst, dann magst du, dass dein Körper gesund ist, du magst, dass Leute anerkennend sprechen über deine Schönheit, deine Haare, dein Gesicht, deine Figur, dein Aussehen usw. Du magst es nicht, wenn Menschen abfällig über deine Frisur sprechen oder über dein Gewicht usw. Und du hast natürlich dann auch Ängste. Du hast Ängste, du siehst die erste Falte in deinem Gesicht, du hast Angst, dass bald Menschen denken, dass du nicht mehr so gut aussiehst. Du hast Ängste, du siehst irgendwo einen Schatten in deinen Augenlidern und denkst, es wird bald ganz schlimm. Du hast Ängste, dass dein Gewicht immer mehr zunehmen wird usw. Vielleicht hast du eine leichte Erkältung und identifizierst dich sehr stark mit deinem Körper, und dann hast du natürlich große Ängste, dass es nicht nur eine einfache Erkältung ist, sondern die echte Grippe und aus der echten Grippe könnte vielleicht noch eine Lungenentzündung kommen, wegen der Lungenentzündung können bleibende Schäden sein und dann wirst du anschließend nicht mehr richtig deine Pflichten erfüllen können usw. Also, kleine Identifikationen führen zu großen Problemen. Es geht ja noch weiter. Du hörst irgendjemanden niesen, du identifizierst dich mit deiner Gesundheit, denkst: „Oh, der niest, was wird passieren? Ich werde demnächst auch niesen. Und aus dem Niesen kann eine Erkältung kommen und ich hatte schon mal eine Nebenhöhlenentzündung. Dann werde ich wieder die Nebenhöhlenentzündung haben usw.“ Du ärgerst dich dann über diesen Menschen, dass der einfach so niest, ohne die Hand vor den Mund zu halten, oder dass er überhaupt in die Öffentlichkeit geht, wo er niest usw. Also, du siehst, eine kleine Identifikation führt zu großen Problemen. Aber du identifizierst dich nicht nur mit deinem Körper, sondern du identifizierst dich noch dazu mit dem Bild deines Körpers. Z.B., die meisten Menschen denken, dass sie zu dick sind. Sogar die, die ein Normalgewicht haben, die Mehrheit der Menschen, die ein Normalgewicht haben, denken, dass sie zu dick sind. Sogar ein Teil der Menschen – wenn ich eine Umfrage richtig gelesen habe – die Hälfte der Menschen, die untergewichtig sind, denken, dass sie zu dick sind. Man identifiziert sich mit seinem Bild von seinem Körper und will dann alles Mögliche tun, dass der Körper wieder abnimmt. Also, aus der Identifikation kommen viele Probleme.

Überlege jetzt und bis zum nächsten Podcast, wo sind deine besonderen Identifikationen, wie kommen aus diesen Identifikationen Raga, bestimmtes Mögen, Dwesha, Nicht-Mögen? Wie kommt aus Mögen und Nicht-Mögen Ärger und Ängste? Du kannst auch andersherum vorgehen. Das nächste Mal, wo du dich über etwas ärgerst, überlege, warum bist du ärgerlich geworden? Typischerweise hast du irgendwo ein Mögen und ein Nicht-Mögen gehabt. Typischerweise stammt das aus irgendeiner Identifikation. Typischerweise stammt das aus der Unwissenheit deiner wahren Natur. Patanjali sagt, du kannst die Kleshas überwinden, indem du sie zurückführst zu ihrem Ursprung. Also, auch wenn du z.B. Ängste hast, kannst du feststellen, die Ängste kommen aus vorrausschauendem Mögen und Nicht-Mögen und diese kommen aus der Identifikation. Nehmen wir z.B. die Möglichkeit, du hast Angst davor, einen öffentlichen Vortrag zu geben. Wie kommt das?

Die Angst, einen öffentlichen Vortrag zu geben, kommt typischerweise aus einer Identifikation. Du identifizierst dich z.B. mit einem bestimmten Ruf, den du hast, und du magst, dass dieser Ruf irgendwie bestätigt wird. Du magst nicht, dass Menschen diesen Ruf in Frage stellen. Und du hast jetzt Angst davor, dass du so redest, dass dein guter Ruf dadurch in Frage gestellt wird. Du kannst jetzt das zurückführen. Du kannst also sagen: „Ah, da ist Angst, da ist Lampenfieber, da ist ein bestimmtes Nicht-Mögen, da ist ein bestimmtes Mögen, da ist eine Identifikation mit einem bestimmten Bild, das ich habe von mir und hoffe, dass andere es von mir haben, und denke, dass das wichtig ist.“ Wenn du aber erkennst, „ich bin das unsterbliche Selbst, ich bin die unendliche Seele“, dann kannst du feststellen, deine Identifikation spielt nicht die große Rolle, dein Mögen und dein Nicht-Mögen spielen nicht die große Rolle. Was kann dir letztlich passieren, selbst wenn du dich blamierst? An deinem unsterblichen Selbst ändert sich nichts. So schaue also bis zum nächsten Mal, wo sind deine besonderen Identifikationen und wie sind Ärger und Ängste zurückführbar auf eine bestimmte Identifikation? Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Indem du das erkennst, kannst du schließlich zurückkehren zu deiner wahren Natur.

 

1 Kommentar zu “16 – Überwinde Identifikationen durch Überwindung der Kleshas

  1. Lieber Sukadev,

    herzlichen Dank für Deine wunderbare Podcasts und sehr schöne Erläuterung zu Kleshas.

    Es ist eine große Bereicherung für mich, Dich auf meinem Weg getroffen zu haben.

    Om
    Mira

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