Der Königsweg zur Gelassenheit, 102 Wer fest verankert ist in Ahimsa trifft auf keine Feindschaft

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Patanjali sagt im 2. Kapitel 35. Vers: Wer fest verankert ist in Ahimsa, trifft auf keine Feindschaft. Eine andere Übersetzung geht sogar so weit: Wenn Nichtverletzen fest begründet ist, wird Feindschaft in der Gegenwart des Yogis aufgegeben. Dafür gibt es mehrere Ebenen der Bedeutung. Über diese spricht Sukadev in dieser 102. Ausgabe des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast. Übe Einfühlungsvermögen, entwickle Liebe. Dann folgt Ahimsa – und du fühlst dich in Liebe geborgen, auch wenn es zwischendurch schwierig wird.

Podcast von und mit Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya.

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Wer fest verankert ist in Ahimsa – Nichtverletzen – trifft auf keine Feindschaft.
Ich möchte heute sprechen über den 35. Vers des 2. Kapitels des Yoga Sutra von Patanjali. Dort sagt Patanjali, wer fest verankert ist in Ahimsa, trifft auf keine Feindschaft. Eine andere Übersetung, nämlich die von Swami Vishnu-devananda, sagt sogar, wenn nichtverletzen fest begründet ist, wird Feindschaft in der Gegenwart des Yogis aufgegeben. Dieser Vers hat mehrere Ebenen der Bedeutung. Zum einen, wenn Menschen liebevoll und verständnisvoll mit anderen umgehen, verlieren die anderen Angst und werden selbst liebevoller und freundlicher. Wenn Du selbst in Dir Freundlichkeit und Verständnis entwickelst, wirst Du feststellen, Menschen werden auch liebevoller und freundlicher mit Dir umgehen. 2. Ebene. Wenn jemand liebevolles, gütiges in einen Raum kommt, verschwinden häufig Streitigkeiten von selbst. Manche Menschen haben eine solche Ausstrahlung der Güte, dass sie in anderen die Eigenschaften der Güte hervortreten lassen. 3. hundertprozentig stimmt das natürlich auch nicht, dass, wenn Du nur gütig und freundlich bist, alle um Dich jederzeit freundlich sind. Siehe Jesus. Er wurde ans Kreuz genagelt. Buddha gegenüber gab es mehrere Mordanschläge.

Und auch ein Yogameister unserer Zeit, Swami Sivananda ist auf viele äußere Gegner gestoßen und es gab sogar einen Mordanschlag gegen ihn, den er überlebt hat. Aber es gilt, diese großen Menschheitslehrer und Liebende haben nie das Verhalten anderer als Feindschaft interpretiert. Jesus sagte zwar, liebe Deine Feinde, aber er selbst hat in anderen keine Feinde gesehen. Sogar am Kreuz hat er gesagt, Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun. Swami Sivananda als Mensch unserer Zeit wurde irgendwann beinahe ermordet. Er saß in seiner Meditationshalle und dann kam jemand mit einer Axt und wollte ihn erschlagen. Sein Assistent, Swami Vishnudevananda, merkte das, denn der andere schlug einmal zu, aber Swami Sivananda hatte ausnahmsweise einen Turban auf und so wurde Swami Sivananda von diesem ersten Schlag nicht zu sehr verletzt. Bevor der andere das zweite Mal zuschlagen konnte, sprang Swami Vishnudevananda dem anderen in die Arme und rang ihn nieder. Swami Vishnudevananda war ein Hatha Yogi, also einer der den Yoga der Körperübungen praktiziert hat, auch über Schnelligkeit und Körperbeherrschung und Muskelkraft verfügte. Und so konnte er den anderen niederringen. Swami Sivanandas erste Worte waren, Vishnu Swami, mäßige Deinen Zorn. Die erste Sorge von Swami Sivananda war, dass der, der ihn beinahe umgebracht hatte, vielleicht zu hart angepackt würde und dass Swami Vishnu ihn vielleicht durch zu festes anpacken blaue Flecken machen würde. Später als die Polizei gerufen war und der andere ins Gefängnis gegangen ist, ging Swami Sivananda zu ihm ins Gefängnis und sagte ihm: Du konntest Deinen Wunsch nicht erfüllen. Soll ich die Axt holen, damit Du Deinen Wunsch erfüllen kannst? Willst Du mich noch erschlagen? Und ich glaube Swami Sivananda hätte sogar die Axt geholt. Der andere wurde durch die Einstellung von Swami Sivananda in den Grundfesten seiner Überzeugungen erschüttert. Er fing an zu zittern und zu weinen und fing an den Meister um Vergebung zu bitten und wurde dann sein Schüler.

Solche Fälle gibt es in Hülle und Fülle. Wie große Menschen denjenigen, die ihnen böse mitgespielt haben, sie auch physisch verletzt haben, wie sie ihnen gegenüber Liebe entwickelt haben. Mahatma Gandhi ist ein weiteres Beispiel. Martin Luther King ein weiteres, Nelson Mandela ein weiteres. Menschen die große Liebe zu anderen haben, sehen schließlich keine Feinde mehr. Sie sehen nur noch liebenswerte Menschen. Zwar – und das zeigt auch wieder das Beispiel von Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela setzen sie sich auch weiter ein für das Gute und sie kämpfen durchaus auch gegen das Unrecht. Wie Mahatma Gandhi gesagt hat: Hasse nicht die, die Unrecht tun, bemühe Dich das Unrecht abzustellen, aber liebe diejenigen, die dir Unrecht tun. Indem du Menschen liebst, die das Unrecht tun, dich aber gegen das wehrst, was Unrecht ist, dadurch kannst du die Gesellschaft verändern. Jetzt keine Angst. Vermutlich wird von dir nicht verlangt so heroisch zu sein wie ein Jesus oder ein Swami Sivananda oder ein Mahatma Gandhi, aber wenn du voller Mitgefühl und Verständnis bist, wirst du nie annehmen, dass jemand Dein Feind ist. Eventuell musst du ihn in die Schranken verweisen. Eventuell musst du dich durchsetzen, eventuell muss sogar ein Mensch ins Gefängnis um andere vor ihm zu schützen. Aber er ist deshalb nicht ein Feind. Du kannst ihn voller Verständnis lieben. Und du kannst sogar, wenn du Chef bist, wenn du Vater oder Mutter bist, etwas tun aus Liebe, was dem anderen unangenehm ist. Wenn die Mutter dem Kind verbietet, ab einer gewissen Uhrzeit fernzusehen oder mehr als eine bestimmte Anzahl von Stunden im Internet zu sein, dann mag das das Kind nicht mögen, aber die Mutter tut es aus Liebe. In diesem Sinne, tue das, was zu tun ist, aus Liebe. Tu es mit Einfühlsamkeit. Tu es mit Freundlichkeit.

Während der nächsten Tage überlege ganz besonders, wie kannst du das, was Du tust, mit mehr Mitgefühl und mehr Freundlichkeit tun? Und du kannst dir auch bewusst sein, Mitgefühl und Freundlichkeit kann auch heißen, dass du dich mal durchsetzt. Mitgefühl, Freundlichkeit und Liebe schließt nicht aus, dass du auch mal streng bist. Manchmal ist Strenge das größte Mitgefühl. In diesem Sinne überlege, was heißt das für dich selbst? Wenn du fest verankert bist in Ahimsa – Mitgefühl und nicht verletzen, dann triffst du auf keine Feindschaft. Oder anders ausgedrückt, gehe um mit dem Geist der Liebe und verstehe andere und dann tue das was nötig ist mit Demut, Mitgefühl, manchmal aber auch mit Konsequenz.

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