Asanas der Yoga Vidya Grundreihe: Halasana – der Pflug

Wenn wir aus dem Schulterstand in Halasana – den Pflug – gleiten, bringen wir unsere Füße wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Vorbei ist der Höhenflug, jetzt wird es ernst, jetzt folgt harte Arbeit, das Pflügen, den Acker bestellen, den Boden bereiten für unser Lebenswerk. Wir brauchen Flexibilität in dieser Asana, weniger Kraft oder Gleichgewicht. Es hilft, wenn unsere Beine sich strecken können, die Kniesehen und rückwärtige Beinmuskulatur weich ist, dehnbar ist. Aber auch unser Rückgrat muss sich daran gewöhnen, gedehnt und gebeugt zu werden, besonders im Bereich des Nackens.

Die Kehle wird noch mehr gepresst und eingeschränkt als im Schulterstand, wo ist die Luft, die Weite, die Freiheit? Ackern, Pflügen, das strengt an, kann sogar weh tun. Aber wir sind auch ganz bei uns. Der Blick geht nach innen, der eigenen Lebensaufgabe zugewandt, unserem persönlichen Aufgabenberg, den wir beharrlich und mit Mut und Ausdauer bewältigen.

Mit geübten Beinen kommen wir besser voran, aber gleichzeitig haben nicht nur wir selbst das Gelingen der Arbeit in der Hand. Denn unsere Hände und Füße sind in der Pflugstellung in einer Position, die erahnen lässt, dass wir selbst gar nicht der Handelnde sind, dass wir selbst die Richtung des Pfluges nicht bestimmen können. Ja, die Asana lässt vermuten, dass es jemanden gibt, der unseren Körper wie einen Pflug durch den Lebensacker zieht, jemanden, der uns zum Werkzeug macht. Unser Blick geht nicht in die Weite, es gibt keinen Überblick. Eher demütig sehen wir immer nur einen kleinen Ausschnitt vor uns, vertrauen aber darauf, dass es immer weiter voran geht, dass wir uns Furche um Furche durcharbeiten, bis unser Feld bestellt ist.

In der Kategorie „Hatha Yoga“ findest du weitere Beiträge von Angelika Jüngst zu den verschiedenen Asanas der Yoga Vidya Grundreihe.

Über die Autorin:

Om Namah Shivaya!

Mein Name ist Angelika Jüngst, ich bin 1963 geboren und habe schon immer gern geschrieben. Mein Germanistikstudium habe ich allerdings schon nach einem Semester abgebrochen und lieber mein Diplom in Betriebspsychologie gemacht, dieses Studium erschien mir zum Bestreiten meines Lebensunterhalts besser geeignet. Berufserfahrungen sammeln konnte ich in den Bereichen Eigungsdiagnostik für Azubis, Organisations- und Personalentwicklung. Bis zur Geburt meines ersten Kindes habe ich einen Unternehmensberater, der vor allem als Coach bekannt ist, in einem Buchprojekt unterstützt. Klingt alles rund, aber die Sinnfrage stellte sich mir immer deutlicher, je mehr Ziele erreicht schienen. Nach Heirat, drei Kindern, vielen Sorgen um ihr Wohlergehen und gesundheitlichen Problemen kam ich 2009 endlich zum Yoga. Hier fand sich alles zusammen: Antworten auf meine Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Wesen des Menschen, eigene Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen, ein Gefühl von Angekommensein. Und es ergab sich eine für mich unglaublich befriedigende Tätigkeit: Anderen Menschen Yoga nahezubringen.

Die Anfrage, etwas über die Asanas der Yoga Vidya Grundreihe zu schreiben, hat mich gleich angesprochen.

Meine erste Erfahrung mit Yoga fand in einer Turnhalle statt. Die Bewegungen gingen dynamisch ineinander über und ich war als Anfängerin völlig überfordert. Angesagt wurden die Stellungen, aber nicht, wie ich sie am besten einnehme („und jetzt kommt ihr von der schleckenden Katze in den nach unten schauenden Hund“).
So saß ich mit Blick zur Leiterin oder den fortgeschrittenen Teilnehmerinnen schiefhalsig da und versuchte zeitverzögert die Stellungen zu imitieren. Aber selbst so machte mir Yoga Spaß. Als ich hörte, dass man bei Yoga Vidya Hatha Yoga mit genauer Anleitung und mit Hilfestellungen richtig erlernt, die Übungsreihe aus nur 12 Grundstellungen besteht und der Kursleiter selbst nicht mitpraktiziert, sondern ganz für seine Schüler da ist, wusste ich, dass ich bei Yoga Vidya richtig bin. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen fühlte ich meine Kraft, meine Beweglichkeit und meine Koordinationsfähigkeit wachsen – als früherer bekennender Sportmuffel ein Wunder.

Kein Wunder war, dass ich neugierig wurde. Wie kann das funktionieren? Was steckt dahinter? In den zwei Jahren der Yogalehrer-Ausbildung wurden zwar viele Fragen beantwortet, aber je intensiver ich mich mit Yoga beschäftige, desto mehr staune ich über die Vielschichtigkeit der Wirkungen.

Sicher habt ihr eigene Assoziationen, Erfahrungen, Einsichten oder gar Eingebungen gehabt, während ihr selbst die Yoga Vidya Grundreihe praktiziert oder unterrichtet. Ich verstehe meine Texte nur als Anregungen und hoffe, euch oder eure Schüler damit zu inspirieren.

Om Shanti!

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