Hatha Yoga – Yoga der Körperarbeit

Wenn die meisten Menschen von “Yoga” sprechen, denken sie in erster Linie an die verschiedenen Stellungen und Körperhaltungen wie “Kind” oder “Kopfstand”. Es gibt aber nicht nur einen Yogaweg, sondern mehrere. Und derjenige, zu welchem die sogenannten Asanas (Körperstellungen) gehören, nennt man Hatha Yoga.

Hatha Yoga selbst (Sanskrit: हठयोग, von hatha „Kraft, Hartnäckigkeit, Unterdrückung“) ist dabei die wahrscheinlich bekannteste Form des Yoga, ein körperorientierter Yogaweg. Bei dieser Form wird ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist durch Praktiken wie körperliche Übungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama) und Meditation angestrebt. Hatha Yogis sehen dabei den Körper als Tempel der Seele an und probieren ihn als solchen zu pflegen und möglichst lang am Leben zu erhalten.

Dieser Artikel ist der zweite Beitrag zu unserer Artikelserie über die 6 Yogawege.

Das ist Hatha Yoga: Tanz von Sonne und Mond

Das Wort Hatha besteht aus den Silben “Ha” und “Tha”. Die Silbe “Ha” bedeutet „Bemühung“, oder „Übung“, womit ausgedrückt wird, dass du selbst übst und dich selbst bemühst. “Ha” bedeutet aber auch Sonne und „Tha“ bedeutet Mond. Beim Hatha Yoga geht es also auch darum, diese beiden Grundenergien im Organismus zu aktivieren, miteinander zu harmonisieren und ganzheitliche Balance zu finden.

Die Sonnenenergie steht für Zentrierung, mehr Energie und Selbstvertrauen. Die Mondenergie hingegen symbolisiert Entspannung, Intuition und Feinfühligkeit. Hatha Yoga sorgt dafür, dass beide Energien im Menschen harmonisiert werden. Ha und Tha stehen auch für die zwei Arten von Übungen im Hatha Yoga. So gibt es aktive, fordernde Übungen, wie zum Beispiel den Sonnengruß, und es gibt entspannende, sanfte Übungen wie die Tiefenentspannung.

Im Allgemeinen sieht man im Hatha Yoga den Menschen als Ganzes. Seine Techniken richten sich nicht nur an den physischen Körper, sondern auch an alle Koshas, den Hüllen des menschlichen Körpers. Dazu gehören vor allen Dingen auch die Energiehülle (Pranamaya Kosha) – und die geistig-emotionale Hülle (Manomaya Kosha) unseres Körpers wird angesprochen.

Hatha Yoga – Ein Weg der Disziplin?

Hatha Yoga ist ein Weg der Anstrengung und der Bemühung. Er verlangt deine Praxis: man muss etwas tun. Und Hatha heißt auch hartnäckig, was heißt, man bleibt dabei. „Steter Tropfen höhlt den Stein“ – wenn du ständig mal was machst & dann wieder gar nichts machst, kommst du nicht unbedingt weiter. Der Hatha Weg fordert auf, hartnäckig unsere spirituelle Praktiken zu verfolgen.

Viele, die heute in Yogastunden gehen, sind anfangs weniger an der spirituellen Seite des Yoga interessiert. Regelmäßiges Üben der Yoga Praktiken führt jedoch oft zu einer inneren Öffnung, welche zu tiefen Erfahrungen & einem Interesse für Spiritualität führen kann.

Im Allgemeinen kann Hatha Yoga bereichern als:

  • Fitnesstraining
  • Krankheitsvorbeugung
  • Therapie und Heilmethode
  • Mittel zur Stressvorbeugung und Abbau von Stress
  • Mittel zur Erweckung von parapsychologischen Fähigkeiten & Siddhis
  • körperorientierte Psychotherapie
  • spirituelle Disziplin

Zudem kann jener Yoga Stil von der postoperativen Krankengymnastik bis hin zum Hochleistungssport sehr gut angepasst werden. Es können “neutrale” rein körperlich orientierte Übungen, oder spiritualisierte bzw. energetisch betonte Übungsreihen praktiziert werden.

Die 5 Praktiken des Hatha Yoga

Auszeichnen tut sich Hatha Yoga vor allen Dingen durch durch fünf Dinge:

  1. Körperstellungen (Asanas)
  2. Atemübungen (Pranayama)
  3. die Tiefenentspannung
  4. eine gesunde Ernährung
  5. und Meditation.

Mithilfe dieser Werkzeuge ist es möglich, Körper und Geist gesund und rein zu halten. Des Weiteren gehören Kriyas (Reinigungstechniken), Mudras und Bandhas (Verschlüsse) dazu. Auch die Techniken zur Energieerweckungen des Kundalini Yoga können als eine Unterart des Hatha Yoga betrachtet werden.

Asanas/Yogastellungen

Im Allgemeinen wird im Hatha Yoga mit dem Körper gearbeitet, insbesondere mit Stellungen (Asanas), die für mehrere Atemzüge gehalten werden. Damit wird nicht nur Kräftigung und Dehnung bewirkt, sondern die Asanas entwickeln auch ihre energetischen Wirkungen:

  • Durch das Halten der Stellungen wird der Körper gedehnt.
  • Verbesserung der Koordination gefördert und des Körpergefühls, alte Blockaden werden gelöst.
  • Durch das ruhige Halten einzelner Yoga Stellungen werden innere Selbstheilungskräfte aktiviert.
  • Asanas helfen zudem Prana zu erzeugen.
  • Sie bewirken eine Ruhe des Geistes in Verbindung mit Energie.
  • Dynamische Übungen, wie der Sonnengruß, aktivieren zudem das Herz-Kreislauf-System.

Pranayama/Atemübungen

Die Atmung ist ein Spiegel unserer körperlichen und geistigen Verfassung. Durch Pranayama, bewusste Atem-Techniken, dem Training und Steuerung des Atems, kann man die eigene Gemütsverfassung und den Geisteszustand wirkungsvoll in eine positive Schwingung bringen. Atemübungen wirken unter anderem:

  • reinigend auf die Nadis, Lösung von Blockaden der Chakras
  • Aktivieren und Harmonisieren des Pranas
  • fördern Ruhe und Konzentration -> gute Vorübungen für die Meditation
  • anregend für die Verdauung
  • stärken die Atemhilfsmuskulatur
  • Erhalt kosmischer Kräfte (Siddhis)
  • unterstützen die Schlangenkraft Kundalini-Shakti. 

Tiefenentspannung

Während der Tiefenentspannung, werden systematisch alle Teile des Körpers und des Geistes entspannt.

  • Dabei werden Stresshormone abgebaut und Glückshormone ausgeschüttet.
  • Der Kreislauf kommt zur Ruhe.
  • zudem werden Krankheiten wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Magenproblemen, Verdauungskrankheiten vorgebeugt
  • Es erfolgen außerdem geistige Klarheit und innere Ausgeglichenheit.
  • So regenerierst du dann Körper, Geist & Seele.

Gesunde Ernährung

Zum Hatha Yoga gehört auch eine gesunde und leicht verdauliche Ernährung. Dabei geht es vor allem darum, mit der Nahrungsaufnahme möglichst viel positive Energie und Kraft aufzunehmen.

  • Yogische Ernährung ist rein vegetarisch und besteht hauptsächlich aus frischen, unbehandelten Lebensmitteln. Deshalb sprechen wir von einer sattwigen Kost.
  • Das ist wichtig für eine bessere Gesundheit, für mehr Energie und für eine größere Klarheit des Geistes
  • Eine pflanzenbasierte und regionale Ernährung erweitert zudem das ökologische Bewusstsein.
  • Aus ethischer Hinsicht erfüllt es außerdem Ahimsa, Nichtverletzen durch Mitgefühl zu Tieren.

Meditation/Raja Yoga

Meditation hilft uns dabei, den Geist zur Ruhe zu bringen & gezielt in eine Richtung zu lenken, welche die Ereignisse in unserem Leben positiv nutzt.

  • Des Weiteren fördert sie die spirituelle Entwicklung & ermöglicht tieferen Zugang zur inneren Stimme, zur Stille und zur Öffnung für das Göttliche.
  • Zum Yoga gehört auch eine bewusste Steuerung des Denkens (auch Raja Yoga genannt)
  • Im Hatha Yoga lernt man durch Entspannung, Konzentration und positive Affirmationen, seinen Geist positiv zu stimulieren. Positive Gedanken erzeugen positive Schwingungen und schließlich glückliche, gesunde und freudige Lebenserfahrungen. 

Die Wirkungen des Hatha Yoga

Mehr als 2000 Studien – und es werden immer mehr – beweisen mittlerweile wieviel Gutes Yoga Praxis bewirken kann, Wer Hatha Yoga praktiziert hat also gute Chancen auf eine Verbesserung seines gesamten, persönlichen Wohlbefindens.

Einige der positiven physiologischen Wirkungen sind:

  • Reduktion von Stresssymptomen wie Aggression, Depression und Anspannung,
  • Verbesserung des Schlafes,
  • Beruhigung des Herzschlags bei Herzrhythmusstörungen
  • Weniger Entzündungen im Körper
  • Erhöhung der beruhigenden Gamma-Aminobuttersäure im Körper bei Depression und Angst Erkrankungen
  • Graue Zellen in den Hirnregionen für Gedächtnis, Lernen und Emotionskontrolle nehmen zu und altersbedingte Abnahme der frontalen Großhirnrinde fällt aus.

Daneben wirkt sich Yoga auch besonders förderlich auf Schmerzen/Schmerztherapie aus:

  • Verbesserung von Nackenschmerzen
  • Reduktion oder Absetzen von Schmerzmitteln bei Rückenschmerzen
  • Reduktion der Medikamente bei hohem Blutdruck

Schließlich punkten wir beim Yoga insbesondere bei mentaler Stärke:

  • Stärkere mentale Gesundheit in Belastungssituationen
  • Bessere körperliche und seelische Verfassung und weniger Erschöpfungszustände bei krebsbedingten Chemotherapien
  • Reduktion von Albträumen, Schlaflosigkeit, sozialem Rückzug und „Flashbacks“ bei posttraumatischen Belastungsstörungen

Hatha Yoga ist also nicht nur Körperarbeit, sondern hilft der Gesundheit des physischen Körpers auf verschiedenste Weisen und wird dir mehr Energie geben. Ebenso hilft Hatha Yoga bei der Heilung auf emotionaler Ebene sowie deine Gedanken zu Ruhe zu bringen & somit geistige Kräfte zu entfalten.

Die systematische Praxis impliziert auch höhere Stufen des Yoga zu erreichen, über K