Die 8 Stufen des Raja Yoga

Eine Schnecke überwindet ein Hindernis

In den Yoga Sutras von Patanjali, einer der wichtigsten Schriften für Yoga Übende, werden 8 Stufen beschrieben, um elegant die Launen deines Geistes zu meistern. Wir wollen sie hier mal an dieser Stelle die 8 Stufen des Raja Yoga nennen. Erfahre hier mehr zum Aufbau, den Zielen, dem Wesen der Gedanken und den Methoden des Yoga der Gedankenkraft.

Dieser Artikel ist der 1. Teil unserer Raja Yoga Serie. Gauri führt dabei durch die systematisch aufgebauten 8 Stufen des Raja Yogas: von den äußeren Ebenen des Seins Schritt für Schritt weiter nach Innen zu deinem innersten Kern, dem wahren Selbst.

Aufbau der 8 Stufen des Raja Yoga

Was ist Raja Yoga?

Raja Yoga, der Yoga der Beherrschung der Gedanken, dient dazu, den Geist gezielt zu formen, auf Positivität zu fokussieren und letztendlich die Selbsterkenntnis zu erreichen.

Die 8 Stufen des Raja Yoga nach Patanjali

In den Raja Yoga Sutras von Patanjali, einer der wichtigsten Schriften für Yoga Übende, werden 8 Stufen beschrieben. Diese 8 Stufen sind:

  1. Yamas (Ethische Anweisungen für den Umgang mit anderen)
  2. Niyamas (Ethische Regeln für den Umgang mit sich selbst)
  3. Asana (Körperstellung)
  4. Pranayama (Atemtechnik)
  5. Pratyahara (Lenkung der Sinne nach Innen)
  6. Dharana (Konzentration)
  7. Dhyana (Meditation)
  8. Samadhi (Selbsterkenntnis)

Ziele des Raja Yogas

Die 8 Stufen des Raja Yoga sind systematisch aufgebaut. Sie beginnen im Außen bei unseren sozialen Beziehungen und führen uns Schritt für Schritt weiter nach Innen zu unserem innersten Kern, dem wahren Selbst (unendliches, ewiges Bewusstsein, Brahman). Es werden alle Ebenen des menschlichen Seins berührt. Körper, Prana (Lebensenergie) und der Geist mit den Sinnen, Gefühlen, Emotionen, Intellekt, Unterbewusstsein und Ego.

Dies ist notwendig, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man in die Meditation fällt. Meditation ist die 7. Stufe und geschieht von selbst. Sie kann nicht willentlich herbeigeführt werden.

Das Loslassen der Gedanken ist ein Akt bar jedes Willens

Die ersten 6 Stufen des Raja Yoga sind mit Techniken verbunden, die wir aktiv ausführen. Sie sind mit Techniken verbunden, die wir aktiv ausführen und üben können. Die beiden letzten Stufen kommen wie der Schlaf. Es ist eine Gnade. Die übende Person kann lediglich gute Voraussetzungen dafür schaffen, hat aber tatsächlich keinen Einfluss darauf.

Wenn wir den zweiten Vers der Yoga Sutras übersetzen mit: „Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist“, kann dies leicht missverstanden werden. Man könnte glauben, dass wir willentlich unsere Gedanken zur Ruhe bringen könnten. So ist das jedoch nicht gemeint.

«Wir können unsere Gedanken nicht kontrollieren oder irgendwie manipulieren.»

Wer versucht seine Gedanken willentlich zur Ruhe zu bringen, zettelt einen Krieg an. Er kämpft mit seinen Gedanken und wird verlieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Selbst gar nichts tun kann. Die Instanz, die etwas tut, ist das Ego. Das bedeutet, wenn ich mit meinen Gedanken kämpfe und glaube, gegen sie gewinnen zu können, stärke ich mein Ego. Dies bringt mich weiter weg davon das Selbst zu erkennen. Also wie kann es gehen?

Ahimsa gegenüber dem Geist

Die erste Regel der Yamas ist ahimsa, was Nicht-Verletzen oder Gewaltlosigkeit bedeutet, und das gilt auch für den Umgang mit unserem Geist. Der Geist wird zu nichts gezwungen und auch nicht willentlich zur Ruhe gebracht. Wir lassen ihn zur Ruhe kommen – ganz von selbst!

Und dieses zur Ruhe kommen unterstützen wir, indem wir die Stufen von Patanjali arbeiten, systematisch, Stufe für Stufe. Wenn wir lange genug eine Stufe geübt haben, ergibt sich die nächste wie von selbst.

Der Yogaweg ist kein Kampf!

Der Yogaweg ist leicht und freudvoll und Patanjali hat uns ganz genau aufgeschrieben, wie es geht. Wir brauchen es nur zu tun. Die Yogawelt von heute ist sehr auf Asanas fixiert. Asanas halten den Körper gesund und fit und können sogar einige Krankheiten heilen. Sie vertiefen unser Körperbewusstsein, wirken reinigend, stärkend und harmonisierend. Aber sie bringen uns keine Selbsterkenntnis. Patanjali erinnert uns daran weiter zu gehen:

«Im Yoga geht es um viel mehr als einen gesunden und schönen Körper.»

Wenn wir uns das Ziel des Yoga – Selbsterkenntnis – vor Augen halten, wird klar, dass wir Asanas aus einem anderen Grund üben. Nämlich um die Wirbelsäule geschmeidig zu machen, damit die Kundalini-Energie aufsteigen kann. Und um stabil und bequem in der empfohlenen Position für die Meditation sitzen zu können: in Padmasana, dem Lotus. In dem Moment, in dem mir das klar ist, kann ich viel entspannter an die Asana Praxis heran gehen. Ist es jetzt noch wichtig im Handstand, oder im Skorpion zu stehen? Macht es einen Unterschied, ob ich mir die Füße um den Kopf wickeln kann oder nicht?

Bitte versteht mich nicht falsch: Es ist total hilfreich die verschiedensten Asanas – auch den Handstand – zu üben. Alle Positionen haben wunderbare körperliche, energetische und geistige Wirkungen. Was ich meine ist, dass wir ganz entspannt an die Asana Praxis herangehen können. Dass wir einfach üben, um zu üben und dass wir wissen, dass es in jedem Fall gut ist, auch wenn wir ein Asana nicht „meistern“.

Om Shanti
Deine Gauri

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Mit Raja Yoga nimmst du die Zügel des Lebens in deine Hand. Gedanken bestimmen zu jeder Zeit, zu jedem Ort, wer wir sind und was wir für möglich halten. Du bist bereits ausgebildeter Yogalehrer in der Yoga Vidya Tradition? Erweitere hiermit dein Repertoire um psychologisches Wissen, Meditationstechniken und Methoden wie Visualisierungen, Affirmationen und intensiven Hatha Yoga:

Die Autorin Gauri ist eine regelmäßige Yoga Vidya Seminarleiterin und gibt jedes Jahr aufs neue Yoga Seminare – unter anderem zu Raja Yoga, intensiven Yoga Exakt und im Vinyasa Stil sowie Ayuryoga:

Die Stufen des Raja Yoga Serie

Die Autorin

Seminarleiterbild Gauri Daniela Reich 2021

Gauri Daniela Reich ist Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane Ernährungsberaterin sowie ausgebildet in Yoga Personal Training, Vinyasa Sequenzing, Thai Yoga Massage und Yin Yoga, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung (BSA), Fitnesstrainer B-Lizenz, Cardiofitness- und Entspannungstrainerin und Diplom Betriebswirtin (BA). „Yoga hat mein Leben von Grund auf verändert. Dank der ganzheitlichen Yogapraxis hat mein Leben heute einen Sinn. Ich bin zufriedener, gesünder, umgänglicher und habe erfüllendere Beziehungen. Dieses Glück steht allen Menschen zu und ich sehe es als meine selbstverständliche Pflicht, dieses Wissen mit anderen zu teilen.“ Seit Gauri 2011 ihren Yogaweg begann, widmet sie ihr Leben voll und ganz dem Yoga.

Bereits während ihrer 2-jährigen YogalehrerInnen Ausbildung fing Gauri zu unterrichten an und merkte sehr schnell, dass dies genau das ist, was sie machen möchte. Und so entschied sie sich, für mehrere Jahre im Yoga Ashram, ihre Unterrichtserfahrung und ihre eigene Praxis zu vertiefen. Dort unterrichtet sie mittlerweile als externe Seminarleiterin regelmäßig verschiedenste Themen: Von Einsteiger Seminaren bis zu Yogalehrer Weiterbildungen, von Bhakti bis Asana Intensiv und Rücken Yoga, von Vinyasa bis Yin Yoga.

Als selbstständige Yogalehrerin unterrichtet Gauri aber überall, wo Yoga gebraucht wird – egal ob Fitness, Büro oder Ashram – durch ihre Vielseitigkeit spielt es für Gauri keine Rolle. Auf ihrem Weg wurde Gauri besonders inspiriert von Sharat Arora (Himalayan Iyengar Yoga Center), Young Ho Kim (Inside Yoga), Gregor Maehle (8Limbs.com), Dr. Ronald Steiner (AYI) und zuletzt von der Meditationstechnik des Sahaja Yoga von Shri Mataji Nirmala Devi. 2017 veröffentlichte Gauri ihre beiden CDs „108 Surya Namaskaras“ und „Golden Connexion“. Ihr Unterricht zeichnet sich aus durch Vielseitigkeit, Leichtigkeit und freudige Begeisterung.

10 Kommentare zu “Die 8 Stufen des Raja Yoga

  1. Liebe Gauri, Dein Text inspiriert mich sehr. Über diesen direkten, immer verfügbaren Weg erreichst Du mich mit neuen, wertvollen Gedanken, die den Tag verändern. Danke!

  2. Silke Bachner

    Lie Gauri, danke schön für deine klaren verständnisvollen Worte. Ich freue mich darauf, mehr von dir zu hören. Lg Silke

  3. Liebe Gauri,

    herzlichen Dank für deinen Beitrag – er hilft mir, die Praxis zu vertiefen und enthält viele gute Forulierungen, um die Praxis im Sinne von „gib’s weiter“ anderen zu vermitteln/zu erklären. Danke, Danke, Om!!

  4. Johanna Schiebl

    Sehr verständnisvoll formuliert. ..
    Bin gespannt auf die nächsten Artikel.
    Namaste

  5. Wilhelm Schall

    Hallo Gauri,

    vielen Dank für den Text.
    Danke für die vielen Wichtigen Informationen.
    Herzlichen Dank für ALLES was ich während der Trainerausbildung von DIR lernen durfte!!!!!!!
    Für DICH nur das BESTE
    Lieber Gruss
    Wilhelm

  6. Petra Heyden

    Guten Morgen 🙏 Namast’e 🕉
    Danke für die ausführliche Erklärung
    Om Shanti

  7. Danke für diesen liebevollen, klaren Text.
    Namaste

  8. Danke für diesen liebevollen, klaren Text.
    Namaste

  9. Vielen lieben Dank für den wundervollen Beitrag komt genau zur richtigen Zeit. Ich bin schon auf die nächsten Berichte gespannt.

    Namaste

  10. Hallo
    Dies ist ein sehr lehrreicher Text
    in seinen einfachen Schritten gut erklärt.

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