Der integrale Yoga – Das lehren wir bei Yoga Vidya

Der Begriff Yoga kommt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt soviel wie „Verbindung“ oder „Einheit“. Unter Yoga verstehen können wir zwei Dinge: die Erfahrung und den Zustand der Einheit, sowie das praktische Übungssystem, um diese Einheit zu verwirklichen. Yoga ist also sowohl der Weg als auch das Ziel.

Der Weg ist jedoch nicht einer, sondern viele. Wir alle haben unseren eigenen individuellen Weg und müssen von dort beginnen, wo wir sind. Doch zum Glück müssen wir nicht alles neu erfinden. Vor uns sind viele bereits einen ähnlichen Weg gegangen, zum selben Ziel. An ihnen können wir uns orientieren.

Um Yoga zu erreichen, haben sich mit der Zeit verschiedene Wege herauskristallisiert, die besonders wirksam sind. Bei Yoga Vidya probieren wir, all diese Wege aufzuzeigen und so miteinander zu kombinieren, dass ein jeder den richtigen Weg für sich finden kann.

Tradition und Ursprung von Yoga Vidya

Diese Philosophie und der Ansatz, alle traditionellen Yogawege miteinander zu verbinden, geht auf unseren Guru Swami Sivananda zurück. Er stellte irgendwann fest, dass den Menschen mehr geholfen ist, wenn sie um alle Yogawege wissen und sich nicht stur auf nur einen konzentrieren. Yoga solle als etwas Ganzheitliches verstanden und nicht abgesondert vom Alltag praktiziert werden.

Diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere und verwirkliche.

– Swami Sivananda

Swami Sivananda lebte von 1887 bis 1963 und war einer der bedeutendsten spirituellen Lehrern des 20. Jahrhunderts. Er leitete einen großen Ashram in Rishikesh, Indien und teilte sein Wissen in über 200 Büchern mit der Welt. Seine Art zu lehren revolutionierte den Yoga weltweit.

Sukadev, Leiter von Yoga Vidya, lehrte bei einem Schüler von Swami Sivananda und verbrachte viele Jahre im Ausland. Heute lebt er im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg und lehrt den integralen Yoga, so wie es Swami Sivananda zu seiner Zeit getan hat.

Der integrale Yoga: Alle Yogawege vereint

Bei Yoga Vidya finden alle verschiedenen Bedürfnisse und Ansprüche ihren Platz. Egal ob du die Erleuchtung erreichen oder nur eine bessere Beziehung mit deinem Körper aufbauen möchtest, hier kannst du den passenden Weg für dich finden.

Der integrale Yoga besteht aus sechs Yogawegen, die traditionell immer getrennt voneinander praktiziert wurden. Wenn jemand einen Weg wählte, dann ging er nur diesen. Seit Swami Sivananda hat sich das geändert. Im integralen Yoga wird von allem ein bisschen praktiziert und dann entsprechend dem Charakter und der Fähigkeiten der Person bestimmte Bereiche vertieft.

Karma Yoga

Karma Yoga ist der Yoga des Handelns. Swami Sivananda sagte, Karma Yoga sei für den modernen Menschen der einfachste und praktikabelste Yogaweg. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir sowieso schon sehr viel tun und diesem Tun relativ leicht einen neuen Sinn geben können.

Beim Karma Yoga geht es darum, zu dienen und zu helfen. Oder: das zu tun, was getan werden muss. Es geht also gar nicht unbedingt darum, was eine bestimmte Person braucht, sondern generell darum, was das Leben in diesem Moment gerade fordert. Diesen Forderungen spontan und offen gegenüberzutreten ist Karma Yoga.

Das Schöne am Karma Yoga ist, dass wir es immer und überall üben können. Egal bei welcher Tätigkeit können wir uns fragen: Was ist meine Intention? Warum tue ich das? Welchen Nutzen erfülle ich damit? Und wenn uns die Antwort nicht gefällt, können wir entweder die Handlung selbst ändern, oder aber einen neuen Sinn in ihr finden.

Bhakti Yoga

Bhakti Yoga ist der Yoga der Hingabe. Ein Bhakti Yogi fühlt absolute Liebe zum Göttlichen und nur den Wunsch diesem Göttlichen zu dienen. Dazu sind weder besondere körperliche, noch besondere geistige Fähigkeiten notwendig.

An dieser Stelle zeigt sich auch, warum Bhakti Yoga eine sehr persönliche Angelegenheit ist: Für jeden bedeutet Gott etwas anderes. Für die Einen ist Gott etwas Großes und Mächtiges, andere sehen in Gott eher einen Freund, ein Prinzip oder eine Qualität wie die Liebe.

Bhakti Yoga zu praktizieren bedeutet sich dem ganz hinzugeben. So wird beim Bhakti Yoga gesungen, getanzt, Verehrungsrituale praktiziert und Gott in allem gesehen.

Jnana Yoga

Jnana Yoga ist der Yoga des Wissens. Beim Jnana Yoga geht es darum, durch genaue Untersuchung die Wahrheit über das eigene Selbst und die Welt herauszufinden. Manchmal wird Jnana Yoga auch als der Yogaweg des Intellekts bezeichnet, da das Lesen (oder Hören) der Schriften und ihr Studium anfangs ein wichtiger Teil davon ist.

Letztlich geht es beim Jnana Yoga jedoch viel um Selbstbeobachtung und -analyse. Die grundlegende Frage im Jnana Yoga ist: „Wer bin ich?“, und die grundlegende Prämisse: Was wir beobachten können, das können wir nicht sein. Es wird also genau untersucht, was wir nicht sind, aber irrtümlicherweise für uns gehalten haben. Gleichzeitig wird geschaut, welcher Aspekt unserer Erfahrungen immer gleich und unveränderlich ist.

Raja Yoga

Raja Yoga ist wörtlich übersetzt der königliche Yogaweg oder der Yogaweg der Herrschaft. Das liegt nicht daran, dass er den anderen Yogawegen überlegen ist, sondern da es tatsächlich darum geht: um Herrschaft. Herrschaft jedoch nicht über andere, sondern über uns selbst.

Das zentrale Thema des Raja Yoga ist die Kontrolle des Geistes: der Triebe, Lüste, Gewohnheiten und Gedanken. Diese sind es, die uns zum Handeln animieren und letztlich unser Leben prägen. Schaffen wir es, diese zu beherrschen, können wir unser wahres Potenzial neu entdecken.

Grundlegend für das Raja Yoga ist die Bereitschaft, alte Muster zu hinterfragen, aufzulösen und das eigene Leben entsprechend neu zu gestalten. Den Umgang mit uns selbst und den Umgang mit anderen zu verbessern ist der erste Schritt im Raja Yoga. Währenddessen arbeiten wir mit verschiedenen Meditationstechniken, um den Geist besser kennenzulernen und Kontrolle über ihn zu erlangen.

Hatha Yoga

Hatha Yoga ist die wahrscheinlichste bekannteste Form des Yoga: der körperorientierte Yoga. Hatha Yogis sehen den Körper als Tempel der Seele und probieren ihn als solchen zu pflegen und möglichst lang am Leben zu erhalten.

Hatha ist eine Zusammensetzung aus den Worten Sonne (ha) und Mond (tha). Beim Hatha Yoga geht es also auch darum, diese beiden Grundenergien miteinander zu harmonisieren und ganzheitliche Balance zu finden.

Auszeichnen tut sich der Hatha Yoga durch fünf Dinge: Körperstellungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Tiefenentspannung, richtige Ernährung und positives Denken. Mithilfe dieser Werkzeuge ist es möglich, Körper und Geist gesund und rein zu halten.

Kundalini Yoga

Der Kundalini Yoga ist der Yoga der Energie. Dabei geht es darum, die Energie im Körper wahrzunehmen, zu erhöhen und bewusst lenken zu können. Dafür greift das Kundalini Yoga auf viele der Techniken aus dem Hatha Yoga zu und erweitert diese mit weiteren Aspekten.

Zum Beispiel spielen beim Kundalini Yoga Klänge und Bilder eine wichtige Rolle. So werden während bestimmten Körperstellungen und Konzentrationsübungen Mantras wiederholt oder geometrische Formen visualisiert, um noch mehr Energie erwecken zu können.

Letztlich geht es beim Kundalini Yoga darum, das Bewusstsein zu erweitern und das göttliche Potenzial in uns zu erwecken. Dafür arbeiten wir mit den Chakren und den Energiebahnen, die diese miteinander verbinden.

Von allem ein bisschen?

Was heißt es nun, integral und ganzheitlich all diese Yogawege zu praktizieren?

In unseren Yoga Vidya Ashrams und Stadtcentern ist der Alltag so aufgebaut, dass wir von allen Yogawegen ein bisschen praktizieren. Praktisch heißt das, dass wir immer Yoga üben, egal was wir tun oder wo wir sind.

Sei es Bhakti Yoga beim Singen im Satsang, Hatha Yoga in den klassischen Yogastunden oder Karma Yoga im Büro oder in der Küche – wir können immer Yoga machen. Unsere Praxis ist nichts Getrenntes von unserem Alltag. Beides geht Hand in Hand. Das ist das Tolle am integralen Yoga: Es ist ein ganzheitliches System, das alle Aspekte des Lebens einschließt.


Wenn du mehr über die sechs Yogawege erfahren und den integralen Yoga einmal selbst miterleben möchtest, empfiehlt sich unser Einführungsseminar in Yoga und Meditation. Dieses findet jedes Wochenende in unseren Ashrams statt und gibt dir eine gute Orientierung für deinen eigenen Weg.

Yoga und Meditation Einführung in Bad Meinberg →

Yoga und Meditation Einführung an der Nordsee →

Yoga und Meditation Einführung im Westerwald →

Yoga und Meditation Einführung im Allgäu →

1 Kommentar zu “Der integrale Yoga – Das lehren wir bei Yoga Vidya

  1. Scheffel, Sylvia

    Mein Kommentar bezieht sich nicht auf obige Themen. Ich war zum 2.Mal bei Euch Auch wenn 2 x Tag für mich etwas zu anstrengend war, habe ich jedes Mal sehr profitiert und zum Glück auch zufällig von Inna – Yogalehrerin – gut Tipps für meine Atemprobleme erhalten , also die Übungen aus dem großen Yogabuch Teile 1 u. 2.
    Ich konnte ein total neues Zimmer einweihen – alles neu – u. mit der Hilfe eines netten
    Verwalters dann auch die Tür richtig absperren – nachts – u. eines weiteren Karma-Yoga aus Bern mein Bett richtig gestellt bekommen – was zuvor nicht der Fall war. So konnte ich die leckere Küche genießen u. die traumhafte Landschaft von Maria Rain. Es war alles sehr schön und ich möchte mich hierfür nochmals bedanken. Sicher komme ich gerne wieder nach dem Umbau im nächsten Sommer – dann bin ich 73 Jahre alt und hoffentlich gesund. Mein Respekt für all Ihre Bemühungen, trotz Corona diesen Aufenthalt so schön zu gestalten. Auch besonders herzliche Grüße an Inna, welche mir geholfen hat mit ihren Hinweisen.
    Sylvia

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