Mudras: Die Macht der Hände

Wenn du dich körperlich, geistig oder emotional unwohl fühlst, liegt es oft daran, dass Teile deiner Energie irgendwo feststecken und nicht ungehindert fließen können. Dann bist du unausgeglichen, durcheinander oder einfach energielos.

Die hier vorgestellten Mudras sind eine ganz einfache und altbewährte Möglichkeit, deine Energie dorthin zu leiten, wo sie gerade gebraucht wird und so Balance auf allen Ebenen deines Wesens zu erreichen.

Handstellungen zum Lenken von Energie (Prana)

Mudras (Sanskrit: mudrā; „Siegel“, auch „fröhlich“) sind Körperstellungen die dabei helfen, die Energien (Prana) im Körper zu umzuleiten. Neben den fünf von uns hier ausgewählten Handmudras gibt es viele weitere Mudras, auch für den Beckenboden, Brust, Bauch, Zunge, Hals und Augen.

Eine Mudra funktioniert wie ein Schalter, der den Fluss des Pranas zu einem Körperbereich verringert und zu einem anderen erhöht. Du kannst es dir wie eine Ampel vorstellen, die man so rot und grün schaltet, dass der Verkehr sich nicht staut und dorthin fährt, wo man ihn gerade benötigt. Ziel dabei ist, einen Ausgleich zwischen schwächeren und stärkeren Regionen im Energiekörper zu erreichen.

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Die „Straßen“ über die das Prana „fährt“ werden im Sanskrit Nadis genannt und sind nach der Hatha Yoga Pradipika 72.000 in der Zahl. Neben den drei Hauptleitbahnen, die entlang der Wirbelsäule liegen, sind sie quer über den Körper verteilt und verbinden jeden noch so kleinen Körperteil miteinander.

Da viele dieser Nadis in den Händen beginnen oder enden, sind die hier vorgestellten Mudras eine sehr wirksame Möglichkeit, die Energie im Körper auszugleichen und den natürlichen Kreislauf wieder herzustellen.

Die Finger und ihre Elemente

In der ayurvedischen Lehre und im traditionellen Yoga ist von fünf Elementen die Rede, die zusammen die Gesamtheit aller Materie ausmachen und sich auch in unserem Körper wiederfinden. Dabei wird jedem Finger ein Element zugeordnet: Der Daumen symbolisiert Feuer, der Zeigefinger Luft, der Mittelfinger Äther (Raum), der Ringfinger Erde und der kleine Finger Wasser.

Die Finger symbolisieren die Eigenschaft des jeweiligen Elements, da sie durch die Nadis mit den Körperregionen und Chakren verbunden sind, in denen sich eben diese Eigenschaften finden lassen. Der Daumen zum Beispiel ist mit dem Solarplexus verbunden, dem Chakra, das für Tatkraft und einen starken Willen steht. Es ist auch kein Zufall, dass der Daumen unser stärkster Finger ist.

Jede Mudra hat daher seine eigenen physischen, emotionalen und geistigen Vorteile – je nachdem, welche Finger (Elemente) man in den Vordergrund stellt und welche man eher abschwächt.

Wir haben für dich fünf einfache Mudras herausgesucht, die jedes Element ausgleichen und die du gut von Zuhause aus selbst ausprobieren kannst. Setze dich zum Üben in eine aufrechte Position, schließe deine Augen und probiere, die subtilen Veränderungen in deinem Körper zu spüren, die durch die jeweilige Mudra entstehen.

Agni Mudra (Feuer)

Agni MudraFür innere Stärke, Willenskraft, Mut, Ambition, Selbstbewusstsein, Verdauung und Muskeln.

Der Daumen ist dem Feuerelement zugeordnet und mit dem Solarplexuschakra (Manipūra) verbunden. Feuermudras stärken das körperliche Wohlempfinden, helfen der Verdauung, der Regeneration und dem Aufbau von Muskeln. Außerdem kannst du dich durch die Energie des Feuers und dem damit verbundenen Selbstbewusstsein leichter schwierigen Situationen stellen und neue Ziele angehen.

Die Agni Mudra ist eine sehr stärkende Feuermudra, die dir dabei hilft, in deiner Mitte anzukommen und dich vitaler zu fühlen. Auch bei einer Unausgeglichenheit im Pitta-Dosha ist die Agni Mudra sehr hilfreich.

So geht’s:

Öffne deine linke Hand und lege sie mit der Handfläche nach oben in deinen Schoß. Mit der rechten Hand formst du eine Faust, streckst den Daumen nach oben und legst sie anschließend in deine linke Hand hinein.

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Indem du den Daumen von den anderen Fingern davon streckst, befreist du das Feuer von den anderen Elementen und gibst ihm so die Möglichkeit, sich komplett zu entfalten. Dadurch wird auch das Feuer in dir intensiver spürbar und du entwickelst innere Stärke und einen kraftvollen Enthusiasmus.

Chin Mudra (Luft)

Chin Mudra

Für Freiheit, Freude, Mitgefühl, Liebe, Atmung und Kreislauf.

Das Element Luft wird dem Zeigefinger zugeordnet und steht in Verbindung mit dem Herzen. Das Herz ist das Kernstück im physischen Körper und stellt auch im energetischen Körper den Mittelpunkt dar: Es ist das Vierte von sieben Chakren und verbindet die höheren Aspekte des Göttlichen mit den tieferen Aspekten der Welt.

Luft ist beweglich, ungebunden und frei. Luftmudras stärken die Beziehung zu dir selbst und zu anderen. Du fühlst dich verbunden, als Teil eines großen Ganzen.

Die Chin Mudra ist die wahrscheinlich beliebteste Mudra für die Meditation. Chin steht für grenzenloses Bewusstsein, Wissen und Weisheit. Sie hilft dir dabei, dich mit deiner wahren Natur zu verbinden, ruhig, gelassen und friedvoll zu sein.

So geht’s:

Lege deine Hände mit den Handflächen nach oben auf deinen Knien oder Oberschenkeln ab. Forme mit den Daumen und den Zeigefingern einen Kreis, indem sich die Fingerspitzen sanft berühren. Mittelfinger, Ringfinger und kleinen Finger kannst du locker lassen oder für eine stärkere Aktivierung so strecken, wie es sich für dich gut anfühlt.

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Symbolisch steht die Chin Mudra für die Verschmelzung des individuellen Egos (Zeigefinger) mit dem göttlichen Bewusstsein (Daumen). Die anderen drei Finger stehen für die drei Gunas, die sich im Chin Mudra vom Selbst entfernen und als das erkannt werden können, was sie sind.

Mit den Handflächen nach unten wird das Chin Mudra zum Jnana Mudra. Dieses hat einen weniger aktivierenden Effekt, ist dafür eher beruhigend und nach innen-kehrend.

Kaleshwara Mudra (Äther)

Kaleshwara Mudra

Für Selbstausdruck, Kreativität, Kommunikation, Verständnis, Wahrheit, Kehle, Ohren und Mund.

Der Äther ist der Raum, in dem alle anderen Elemente existieren. Es ist das grundlegende und verbindende der fünf Elemente. Seine Eigenschaften symbolisiert der Mittelfinger, der mit dem Kehlchakra (Vishuddha) verbunden ist und zu wahrhaftigem und kreativem Selbstausdruck ermutigt. Worte, Gedanken und Taten sind im Einklang miteinander.

Die Kaleshwara Mudra hilft dir dabei, den Geist zu beruhigen und zwanghafte Gewohnheiten gehen zu lassen. Durch sie wird es dir leichter fallen, Vorurteile aufzugeben und offen an neue Ideen heranzutreten.

In der indischen Tradition ist die Zeit (Kala) ein Attribut des Raumes – und beide illusorischer Natur. Die Kalshwara Mudra kann dabei helfen, diese Natur zu verstehen und das zu erkennen, was wirklich echt ist, nämlich das Hier und Jetzt.

So geht’s:

Gebe beide Hände vor deinen Körper und bringe die Enden der sich gegenüberliegenden Finger zusammen. Beuge dann deine kleinen Finger, Ringfinger und Zeigefinger nach Innen in die Handfläche hinein, sodass sie sich weiterhin berühren. Die Mittelfinger und Daumen bleiben ausgestreckt und aneinandergedrückt. Die Daumen kannst du auf das Herz richten und die Ellbogen nach Außen geben.

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Durch die gestreckten Mittelfinger wird das Ätherelement verstärkt, während die Wirkung von Wasser, Erde und Luft durch die Beugung der anderen Finger reduziert wird. Die Ausrichtung der Daumen auf das Herz verleiht der Mudra mehr Kraft.

Vishnu Mudra (Erde)

Vishnu Mudra

Für Stabilität, Erdung, Sicherheit, Knochen und Immunsystem.

Das Element Erde symbolisiert einen stabilen und sicheren Stand, sowohl auf körperlicher als auch auf emotionaler und geistiger Ebene. Egal was passiert, du kannst gelassen bleiben und einen kühlen Kopf bewahren. Diese Eigenschaften finden wir im Wurzelchakra (Muladhara) wieder, dem Hauptchakra, das der Erde am nächsten ist.

Mudras die das Wurzelchakra stärken können dir vor allem in Lebenslagen helfen, in denen du dir zu viele Sorgen machst und dein Geist keine Ruhe findet. Auch bei einem stressigen oder unstrukturierten Alltag wirkt die Energie der Erde ausgleichend und bringt dich zurück auf den Boden.

Die Vishnu Mudra aktiviert alle drei unteren Chakren und gleicht so die Energie in deinem Körper aus. Durch sie fühlst du dich geerdet, sicher und mit neuer Kraft versorgt.

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Vishnu symbolisiert im Hinduismus den erhaltenden und beschützenden Aspekt Gottes, dessen Eigenschaften auch durch diese Mudra spürbar werden.

Die Vishnu Mudra findet vor allem bei der Wechselatmung (Anuloma Viloma) während des Pranayama Anwendung. Du kannst diese Mudra jedoch immer verwenden, wenn du dich unsicher fühlst und die Kraft der Erde benötigst.

So geht’s:

Lege deine Hände mit den Handflächen nach Oben auf deine Knie oder Oberschenkel. Praktiziere die Vishnu Mudra ausschließlich mit der rechten Hand, indem du Zeigefinger und Mittelfinger auf den Handballen gibst. Daumen, Ringfinger und der kleine Finger bleiben locker oder sanft ausgestreckt. Deine linke Hand kannst du in die Chin Mudra oder eine andere beliebige Mudra geben.

Indem du Daumen (Solarplexuschakra), Ringfinger (Wurzelchakra) und den kleinen Finger (Sakralchakra) ausgestreckt lässt, während Zeigefinger (Herzchakra) und Mittelfinger (Halschakra) gebeugt sind, wirkt vor allem die Energie der unteren drei Chakren und gleicht diese untereinander aus.

Wenn du die Vishnu Mudra mit Gesang erweitern willst, kannst du sie zusammen mit dem Vishnu Mantra „Om Namo Narayana“ praktizieren.

Varuna Mudra (Wasser)

Varuna Mudra

Für Loslassen, Anpassungsfähigkeit, Losgelöstheit, Wohlempfinden, Körperflüssigkeiten, Fortpflanzungs- und Harnsystem.

Wasser ist das universelle Symbol für Reinigung, Flexibilität und „im Flow sein“. Auch im Yoga steht es für diese Eigenschaften und wird mit dem Sakralchakra (Svadhisthana) in Verbindung gebracht, dieses wiederum mit dem kleinen Finger.

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Wassermudras können dir helfen, wenn du dich in einer Situation festgefahren hast und Veränderung brauchst. Das kann sich dadurch bemerkbar machen, dass dich nichts mehr begeistern zu scheint und du dich ständig ausgelaugt fühlst. Vielleicht fällt es dir schwer, etwas zu akzeptieren und von einer Erinnerung loszulassen. Auch dann kann die reinigende Eigenschaft des Wassers helfen, Anhaftungen gehen zu lassen und nach vorne zu schauen.

In den vedischen Geschichten ist Varuna der Beschützer des Wassers und König aller Wassertiere. Die Varuna Mudra hilft also dabei, alle flüssigen Körperelemente, vor allem Blut und Lymphe, zu reinigen und zu pflegen.

Sie ist ein abkühlendes Mudra, die gut für heiße Sommertage oder einen zu warmen Körper ist (bei Fieber, Ausschlag, …) und körperlicher Steifheit oder geistiger Unnachgiebigkeit entgegenwirken kann. Die Varuna Mudra symbolisiert auch das Zusammenbringen von Gegensätzen, um Extreme auszugleichen und den gesunden Mittelweg zu finden.

So geht’s:

Verbinde die Spitzen der Daumen und der kleinen Finger beider Hände miteinander. Lasse deine anderen Finger ausgestreckt, aber entspannt. Lege deine Hände nun auf den Handrücken ab und spüre in die Mudra hinein.

Indem du den Daumen mit dem kleinen Finger verbindest, stärkst du das Wasserelement und bringst somit Feuchtigkeit in deinen Körper. So kann alles besser fließen, körperlich und energetisch.

Wenn sich in deinem Körper viele Wassereinlagerungen befinden, solltest du die Varuna Mudra nicht praktizieren.

Die Veränderungen sind subtil, aber stark

Die Veränderungen, die durch Mudras in Körper und Geist entstehen, erscheinen am Anfang klein und sind nur subtil, vielleicht auch erst mal gar nicht direkt spürbar. Doch jede noch so kleine Körperstellung hat eine Auswirkung und symbolisiert eine bestimmte Eigenschaft, die nach und nach auch im Leben sichtbar wird.

Deine Hände sind dabei sehr mächtige Werkzeuge. Durch sie interagierst du mit der Welt. Sie können dir dabei helfen, deine Schwächen zu stärken und deine zu dominanten Eigenschaften auszugleichen. Sie können Harmonie in deinen Körper und in deinen Geist bringen.

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Einfach nur, indem du sie so hältst, dass es sich für dich gut anfühlt. Denn darum geht es beim Finden der richtigen Mudra für dich: Was fühlt sich richtig und natürlich an? Probiere es einfach mal aus. Und sei dir bewusst, dass je nach Situation ein anderes Mudra passend für dich sein kann.


Seminare über Mudras:


 

4 Kommentare zu “Mudras: Die Macht der Hände

  1. Hinteregger Franz

    Hallo,

    da mir demnächst eine Operation bevorsteht möchte ich fragen, welches Mudra bei der Genesung nach der Operation hilfreich sein könnte.

    Vielen Dank im Voraus und mit freundlichen Grüßen

    Franz Hinteregger

    • Valentin

      Lieber Franz,

      die im Artikel vorgestellte Angi Mudra ist eine sehr stärkende Mudra, die bei der körperlichen Regeneration helfen könnte. Auch die Vishnu Mudra könnte dabei helfen, nach der Operation das Immunsystem zu unterstützen und Stabilität zu finden. Grundsätzlich ist es jedoch wichtig zu schauen, was dir auf energetischer Ebene gerade fehlt und wie du das mit einer Mudra ausgleichen könntest. Das weißt du selbst am besten, bzw. wird es dir dein Körper sagen.

      Ich wünsche dir alles Gute.

      Om Shanti
      Valentin

  2. Monika Rapp

    Vielen Dank für diese nützliche Info. Noch eine Frage blribt: Wie lange soll ein Mudra gehalzen werden?
    Herzlich

    • Liebe Monika, deine Frage kann nicht so pauschal beantwortet werden. Generell wird empfohlen die Mudra täglich für 20 bis 30 Minuten zu halten. Aber natürlich entfalten diese auch bereits nach kürzerem Halten ihre Wirkung. Liebe Grüße und Om Shanti, Manisha

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