In einer Welt, die immer schneller, lauter und fordernder wird, suchen viele Menschen nach einer Möglichkeit, innerlich zur Ruhe zu kommen – und wirklich bei sich selbst anzukommen. Yoga Nidra, der „yogische Schlaf“, ist mehr als bloße Entspannung: Denn er führt uns in tiefe Bewusstseinsräume, in denen Heilung und Transformation geschehen können.
Mein Name ist Dr. Nalini und ich möchte dir erzählen, wie Yoga Nidra mein Leben verändert hat und wie es zugleich auch deins verändern kann. Als Psychologin, Yogalehrerin und spirituelle Praktizierende habe ich in über 45 Jahren viele Menschen begleitet – doch mein eigener Weg begann mit Schmerz und mit einer Begegnung, die alles veränderte.
Von Arthritis zur Berufung: wie alles begann
Ich war 28, als ich an schwerer Arthritis erkrankte. Ich hatte Zwillingssöhne – sie waren damals drei Jahre alt – und ich war körperlich wie seelisch am Limit. Es war eine schwere Zeit, denn ich fühlte mich erschöpft und zugleich für meine Familie verantwortlich. Jemand riet mir, in einen Ashram zu gehen. Zufälligerweise lebten wir damals in Munger, ganz in der Nähe der Bihar School of Yoga. Ich ging dorthin – nicht mit großen Erwartungen, sondern mit der Hoffnung, dass der Schmerz in meiner linken Hand etwas nachlassen möge.
Nach nur fünf Tagen fühlte ich mich verändert. Ich wurde leichter, heiterer und mein Blick auf das Leben öffnete sich. Ich hatte vorher in der Werbung gearbeitet, hatte einen Masterabschluss – doch jetzt eröffnete sich mir eine neue Welt. Swamiji, mein Lehrer, sagte mir: „Du musst Yogalehrerin werden.“ Und ich spürte: Ja, das ist mein Weg.
Menschen durch Yoga berühren
Ich erhielt Einzelunterricht – alles wurde mir direkt übermittelt, sodass ich sehr tief in die Praxis eintauchen konnte. Mein Herzensanliegen war von Anfang an: Menschen helfen, ihre Ängste und Spannungen loszulassen. Als ich später in Chennai zu unterrichten begann, war das Thema „Yoga bei Angst“ noch kaum bekannt. Trotzdem (oder gerade deshalb) kamen viele Menschen in meine Kurse. Und sie veränderten sich. Sie wurden freier, gelassener. Viele praktizierten Yoga Nidra – und ganz nebenbei gaben sie das Rauchen auf, verloren Gewicht oder fanden wieder Zugang zu sich selbst. Alles geschah ohne Druck, ohne Ziel – einfach, indem sie regelmäßig praktizierten.

Was ist Yoga Nidra wirklich?
Yoga Nidra ist ein Geschenk. Es ist eine strukturierte Praxis, die mit einem inneren Vorsatz beginnt – dem Sankalpa. Danach folgt die Rotation des Körperbewusstseins, die den Energiefluss anregt. Wichtig ist außerdem die Arbeit mit dem feinstofflichen Atem – dem Prana. Der Atem wird bewusst gezählt, gelenkt, gespürt.
„Der Zweck von Yoga Nidra ist, dass Menschen sich in sich selbst wohlfühlen.“
Die Praxis besteht aus:
- dem inneren Vorsatz (Sankalpa)
- der Rotation des Körperbewusstseins
- dem bewussten Atem und Zählen
- und der abschließenden Visualisierung.
Besonders wichtig sei die Arbeit mit dem feinstofflichen Atem, dem Prana. Denn so können sich Spannungen lösen und das Nervensystem beruhigen. In der Tiefe begegnen Übende oft inneren Bildern und Gefühlen, die bewusst losgelassen werden können.
Die Selbstermächtigung liegt in dir
Viele Menschen sagen mir nach der ersten Yoga-Nidra-Erfahrung: „Etwas hat sich in mir verschoben.“
Und ich glaube, das liegt daran, dass wir durch diese Praxis lernen, die Kontrolle über unser Innenleben wiederzuerlangen. Unsere Gedanken, unser Stress, unsere Ängste – sie dominieren uns nicht mehr. Wir können üben, zurückzukehren in unsere eigene Mitte.
Gerade in einer Zeit voller Ablenkung, Lärm und Unsicherheit ist das ein Schatz. Denn diese innere Verbindung – zur eigenen Essenz, zum Göttlichen in uns – ist es, was uns trägt.

Eine einfache Praxis, die ich selbst täglich anwende
Bevor ich etwas Wichtiges beginne, bitte ich um Segen – von der göttlichen Mutter, Prana Shakti.
Gerne teile ich mit dir eine kleine Visualisierungsübung, die du überall machen kannst – ob am Morgen, am Abend oder wenn du Angst spürst:
- Schließe die Augen. Spüre deinen natürlichen Atem.
- Zähle rückwärts von 27: 27 ein, 27 aus … , 26 ein, 26 aus …
- Werde dir dann des Raumes hinter deinem Stirnzentrum bewusst – dem Chidakash.
- Visualisiere dort eine große rote Lotosblüte auf rotem Wasser. Darauf sitzt die Göttin – wunderschön, mit goldenen Ornamenten, sechs Armen, drei Augen.
- Sie trägt Waffen und eine Girlande aus Schädeln – aber du hast keine Angst, denn sie beschützt dich.
- Verneige dich innerlich. Lass deine Stirn den Boden berühren. Sie nimmt dir deine Sorgen. Sie erwartet nur: Wahrheit, Aufrichtigkeit und Mitgefühl.
Diese einfache Übung schenkt mir täglich Kraft, Klarheit und Geborgenheit.
Mein Herzenswunsch für dich
Ich wünsche mir, dass jede:r diese Verbindung in sich entdeckt – nicht als Flucht, sondern als Anker. Yoga Nidra kann dich begleiten, trösten und erheben. Es braucht nicht viel: nur den Mut, dich hinzulegen, die Augen zu schließen und dich einzulassen.
Danke, dass du meine Geschichte gelesen hast.
Vielleicht beginnst du ja noch heute mit deiner ersten Yoga-Nidra-Reise. Ich verspreche dir: Es lohnt sich.
Die Autorin

Dr. Nalini Sahay ist Yoga Meisterin und Doktor der Psychologie. Auf diese Weise verbindet sie tiefes klassisches Yoga-Wissen mit den Erkenntnissen von westlicher Psychologie und Medizin. Zudem lernte sie Energietechniken in intensiven Kursen in der Tradition von Swami Sivananda und Swami Satyananda.
In ihrer Arbeit mit therapeutischem Yoga in Schulen und Krankenhäusern sowie in Sozialarbeit mit Aidskranken und Suchtkranken lernte sie, diese Techniken so zu modifizieren, dass sie jeder ohne Schwierigkeiten umsetzen kann.
Dr. Nalini Sahay hat selbst eine große Ausstrahlung und begeistert durch ihre klaren Anweisungen, ihren praktischen Idealismus und ihrer einfühlsamen Art. Jedes Jahr besucht sie die Yoga Vidya Ashrams und gibt dort eine Vielzahl von Seminaren und Ausbildungen.
Daneben produziert sie auch regelmäßig Blogposts zu den Themen Yoga, Ayurveda, Meditation, Tantra und Vedanta.
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