Mein Weg zum Veganismus – Vom Grillfleisch zur Biomöhre

Veganismus - Kühe können weinen

„Wann grillen wir endlich mal wieder?“ „Bitte mit extra Dönerfleisch!“ „Lass uns mal wieder zum Klosterhähnchen fahren!“. Das waren häufige Sätze von mir und meiner Familie in Kindheit und Jugendzeit. Schon zum Frühstück gab es manchmal Schinkenmettbrötchen mit Zwiebeln. Fisch liebte ich auch. Heute würde ich sagen, dass ich eine ganz versessene Fleischesserin war. Was hat mich dazu bewegt, diesen Weg zum Veganismus zu gehen?

Ein Beitrag von Satyadevi Bretz

Als ich vor circa 17 Jahren zu Yoga Vidya kam, war es bereits ein Herzensanliegen von mir, dazu beizutragen, die Welt zu einem etwas friedvolleren Ort zu machen und mich für alle Lebewesen einzusetzen.

So bin ich dankbar, dass ich in dieser Gemeinschaft die Möglichkeit dazu habe, dies auch in meinen Seminaren umzusetzen und meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem bewussteren und liebevolleren Umgang mit unseren Mitgeschöpfen und der Umwelt zu inspirieren.

Letztes Jahr bin ich 40 Jahre alt geworden. Seit circa 20 Jahren bin ich Vegetarierin und seit circa 16 Jahren Veganerin.

Mein Schritt zur Vegetarierin

Als Kind und bis ich zur jungen Frau wurde, habe ich mir nie Gedanken über gesunde Ernährung gemacht, geschweige denn, ob die Nahrung auf mein Wohlbefinden oder die Umwelt Einfluss haben könnte. Das änderte sich während meiner Ausbildung zur Massagetherapeutin und medizinischen Bademeisterin im Harz.

Mein erster Yogalehrer kam in mein Leben. Er lebte damals vor 20 Jahren schon vegan, was jenseits meiner Vorstellungskraft lag. Ich war aber neugierig und fragte ihn, warum er das tue. Er erklärte mir, dass die Tiere, die wir essen, ihr Leben lang eingesperrt sind und oft kein einziges Mal in ihrem Leben das Tageslicht sehen, bis sie qualvoll getötet und anschließend gegessen werden.

Veganismus - Kuhstall
Kühe können sogar weinen, wenn sie über einen Verlust trauern oder bedrückt sind.

Außerdem sei es für die Umwelt als Ganzes eher belastend. Was er damit meinte, fand ich dann nach längerem Forschen nach und nach heraus. Es entstand das Gefühl in mir, dass ich irgendetwas grundlegend verändern muss. Ich versuchte infolgedessen, nichts mehr mit Fleisch zu kaufen.

Manchmal entdeckte ich Fleischinhalte auf der Zutatenliste und musste dann schweren Herzens oft das Produkt meiner Begierde zurück ins Regal stellen. Das war sehr schwierig, aber ich begann zu verstehen, dass es der richtige Weg ist. Ich fragte mich: „Was kann ich tun, damit es mir besser gelingt, richtig zu handeln?“

Der Wahrheit ins Auge schauen

Ich entschied mich, einen Bauernhof mit Schweinen anzuschauen. Live und unverblümt. Schon nach einigen Tagen war es soweit: Eine Freundin erzählte mir, dass sie demnächst auf einen Bauernhof mit Schweinemast fährt, um etwas abzugeben. So schloss ich mich ihr an und wir fuhren zusammen dorthin.

Mit Erlaubnis der Bäuerin durfte ich alleine in den Schweinestall. Ich wollte bewusst alleine die Atmosphäre erleben und versuchen, mich in die Situation der Schweine hineinzufühlen.

Im Schweinestall wurden circa 20 Schweine auf sehr engem Raum, mit sehr wenig Tageslicht, gehalten. Ganz langsam näherte ich mich ihnen. Nie, nie werde ich den Moment vergessen, als mich ein Schwein tief mit seinen wunderschönen Augen und Wimpern anschaute.

Veganismus - Ein Blick sagt mehr aus tausend Worte 2
Auch bei Tieren sind die Augen der Spiegel zur Seele.

Die Augen erinnerten mich sofort an Menschenaugen. Ich war so berührt, dass mir die Tränen kamen. Circa 15 Minuten musste ich bitterlich weinen und wiederholte dabei laut: „Es tut mir ja so leid… Ich hatte keine Ahnung… Es tut mir ja so leid…“.

Nach diesem Erlebnis war mir klar: Ich werde Vegetarierin! Ich möchte nicht, dass ein Tier wegen mir so leidet. Dass die Umsetzung noch ein langer Weg sein würde und sogar den ganzheitlichen Veganismus erfordert, war mir bis dahin noch nicht bewusst.

Vom Vegetarismus zum Veganismus

Schritt für Schritt war mein Motto. Das Weglassen von Milchprodukten empfand ich als sehr herausfordernd. Ich liebte besonders Käse, Kakao, Milchreis und Kuchen. Hierfür gab es damals noch nicht sehr viele Alternativen.

Heutzutage kann man eigentlich nicht mehr sagen, dass man auf irgendwas verzichten muss. Viele Firmen stellen heute ihre Produkte sogar auf vegan um oder produzieren ihre neuen Produkte erst gar nicht mehr mit Milch oder Eiern (und es schmeckt genauso gut).

Wenn man sich mit dem Thema Vegetarismus beschäftigt, ist das Thema Veganismus nicht weit – jedenfalls in Verbindung mit Ethik, Umweltschutz und Gesundheit. Die meisten großen Tierschutzorganisationen, wie z.B PETA, beschäftigen sich u.a. mit der Massentierhaltung. Das war auch vor 20 Jahren schon so. Sie wollen aufdecken, was hinter den Wänden der Ställe oder in den Tiertransportern geschieht.

Ich wünsche mir einen friedvollen Umgang mit all unseren Lebewesen und unserer Umwelt.

Als ich mich mit dem Thema Veganismus beschäftigte, bzw. mit der Tierhaltung, bekam ich eine weitere Erkenntnis: Wenn man aus ethischen Gründen vegetarisch wird, sollte man gleich Veganer*in werden. Milchkühe, aber auch viele andere Nutztierarten, haben bei genauerem Hinsehen ein grausames Leben.

Milchkühe in der Landwirtschaft – Fakten

  • Normalerweise werden Kühe circa 20 Jahre alt. Milchkühe werden aber schon mit 5 Jahren getötet, da dann ihre Milchleistung weniger wird, und sie daher nicht mehr wirtschaftlich rentabel sind.
  • Die männlichen Kälber in der Milchindustrie werden gemästet und schon nach einem Jahr getötet. Weil sie heute kaum mehr rentabel sind, werden sie oft so stark vernachlässigt, dass sie einen grausamen Tod finden. Die Milchbauern bekommen für ein Kalb im Durchschnitt circa 7,89 Euro.
  • Jedes Jahr muss eine Kuh ein Kalb bekommen, damit sie fast durchgehend Milch „produziert“
  • Die hochgezüchtete Holstein-Schwarzbunt-Kuh erreicht 30 Liter(!!!) Milch pro Tag, eine nicht gezüchtete, freie Kuh circa 8 bis 9 Liter pro Tag.
  • Mutter und Kind werden gleich nach ihrer Geburt getrennt. Was das für beide bedeutet, kann sich jeder ausmalen. Sie „muhen“ tagelang kläglich nacheinander. Oft sind sie im selben Stall, können sich nicht sehen, aber hören, und sie