Sattvic Lifestyle – Wie yogischer Verzicht das Leben verschönert und in die Freiheit führt (1)

Viele Yoginis und Yogis führen einen sattvigen, also einen möglichst reinen Lebensstil. Das bedeutet, dass sie auf einige Dinge, die für die meisten Menschen zum täglichen Leben gehören, verzichten.

So verzichten viele Yogis auf den Verzehr von Fleisch und Fisch oder ernähren sich komplett pflanzlich. Viele verzichten auf Alkohol und Zigaretten und lassen die Finger von jeder Form von Drogen.

Es gibt Yoga Praktizierende, die für eine bestimmte Zeit nicht sprechen und ganz bewusst schweigen. Wieder andere verzichten für eine Weile auf Partnerschaft und Sex, oder nehmen sich das sogar für den Rest ihres Lebens vor.

Ganz abgesehen davon, verzichten viele Yogis auf Zeit vor dem Fernseher, im Biergarten oder auf faule Tage im Bett, weil sie auf ihrer Yogamatte turnen, am Wochenende Seminare besuchen, Schriften studieren oder sich mit Rezitation, Ritualen oder Musik beschäftigen.

Für viele Menschen ist es unvorstellbar, auch nur eine Woche auf eine dieser Sachen zu verzichten und sie können sich noch viel weniger vorstellen, wie dadurch das Leben schöner werden soll.

Dieser Blog Artikel möchte das Rätsel aufklären. 🙂

Den Verzicht auf tierische Produkte möchte ich an dieser Stelle auslassen, um ihm im nächsten Blog Artikel ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da dieses Thema sehr umfangreich ist.

Alkohol, Zigaretten, Drogen

Warum verzichten Yogis auf Alkohol, Zigaretten und Drogen? Und warum gibt es weltbekannte Yogis oder sogar Yoga Meister, die rauchen oder Schnaps trinken?

Der Verzicht auf diese Substanzen hat zunächst einmal den ganz einfachen Grund, dass es gesünder ist, die Finger davon zu lassen. Je nachdem, welcher Substanz wir uns hingeben, sind Herz, Lunge, Verdauungssystem, Leber, Nieren und immer Gehirn und Nervensystem betroffen. Wer selbst ein oder zwei Tage nach dem Genuss von Alkohol mal versucht hat, einen Kopfstand zu machen, weiß wovon ich rede 😉

Drogen beeinflussen zudem unser Bewusstsein. Sie machen den Geist rajasig (unruhig und leidenschaftlich) oder tamasig (träge und ignorant), was es sehr schwer bis unmöglich macht, sich zu konzentrieren oder in den Zustand der Meditation zu kommen.

Der wichtigste Punkt ist aber die Tatsache, dass die meisten Menschen Drogen konsumieren, weil sie süchtig danach sind. Damit meine ich nicht, dass jeder, der am Wochenende ein Gläschen Wein trinkt, Alkoholiker ist.

Aber wenn das Gläschen Wein zwingend dazu gehört und der Abend gelaufen ist, wenn Du es nicht trinken kannst, liegt eine Form von Abhängigkeit vor. Das Gleiche gilt für die Zigarette, den Joint und jede andere Droge, die unter diesem Aspekt auch eine Tafel Schokolade, Kuchen, Party, Sex oder alles andere sein kann, ohne das Du glaubst, nicht leben zu können.

Jede Form von Abhängigkeit ist ein Verlust von Freiheit. Deswegen versuchen wir uns im Yoga aller unserer Abhängigkeiten bewusst zu werden und uns von ihnen zu befreien. Und das gelingt nur über Verzicht.

Wenn wir den Verzicht auf bestimmte Dinge unter diesem Aspekt betrachten, wird folgendes klar:

Nichts wird von Yogis von vorn herein als schlecht bewertet. Drogen haben bei adäquater Dosierung eine heilende Wirkung und können als Arzneimittel eingesetzt werden. Es ist unsere Abhängigkeit, die eine Substanz oder eine Handlung zur Droge macht und uns zwingt, ungesunde Mengen davon zu konsumieren.

Wenn jemand die Abhängigkeit überwunden hat, kann er alles aus Freiheit heraus tun und es jederzeit wieder sein lassen. Sei es einen Schnaps zu trinken, eine Tafel Schokolade zu essen oder Sex zu haben.

Yogis oder Yoga Meister, die lange Zeit auf diese Dinge verzichtet und ihre Abhängigkeit überwunden haben, können diese also aus Freiheit heraus konsumieren und wirklich genießen ohne sie zu brauchen.

Wer frei und ohne Abhängigkeit beispielsweise Schokolade isst, kann problemlos damit aufhören, wenn er merkt, dass es ihm nicht gut tut, er an Gewicht zunimmt oder Probleme mit der Verdauung bekommt. Wer abhängig ist, kann das nicht und futtert weiter.

Sprechen

„Sprechen, ist Silber – Schweigen ist Gold“ heißt es in einem bekannten Sprichwort. Eine andere Lebensweisheit besagt, dass wir, bevor wir etwas sagen, prüfen sollten, ob es wahr, notwendig und wohlwollend ist, was wir zu sagen haben. Die meisten Aussagen würden bei genauer Prüfung wahrscheinlich schon an den ersten beiden Punkten scheitern…

Wer für einen gewissen Zeitraum schweigen möchte, sucht sich dafür normalerweise einen geschützten Rahmen in einem Kloster oder Ashram, wo spezielle Schweige-Seminare und Retreats angeboten werden.

Wer schweigt, ist mit seinen Gedanken allein und diese können – weil das Ventil der Sprache fehlt – sehr laut werden. So wird uns schnell bewusst, was den ganzen Tag in unserem Kopf los ist. Es geht also zunächst darum, sich der eigenen Gedanken bewusster zu werden und diese mehr und mehr zur Ruhe zu bringen.

Ein weiterer Aspekt ist die Energie. Sprechen kostet unglaublich viel Energie. Eine Zeit lang zu schweigen ist demnach sehr erholsam und ein wahres Geschenk für jeden, der beruflich viel spricht, wie z.B. Yogalehrer, Lehrer, Verkäufer, Friseure, Menschen, die Kinder betreuen usw.

Durch Schweigen wird uns wieder bewusst, wie gut wir auch ohne Sprache kommunizieren können und wie überflüssig viele Worte sind. Ich erinnere mich an mein letztes Schweige-Retreat bei Yoga Vidya Westerwald:

Unsere Gruppe hatte eine Woche schweigend miteinander verbracht. Dennoch hatten alle das Gefühl, einander ganz gut kennengelernt zu haben und niemand spürte wirklich das Bedürfnis zu sprechen, als das Schweigen wieder aufgehoben war.

Und Sprechen kann auch eine Sucht sein. Ganz nach dem Motto: „Ich spreche, also bin ich.“ Wie oft sprechen wir, einfach nur um zu sprechen? Weil wir die Stille nicht aushalten oder weil wir Aufmerksamkeit haben wollen?

Unser Geist sendet einen Impuls und sofort fängt die Zunge an zu plappern. Du kannst es ja mal ausprobieren und einen kurzen Moment inne halten, um den Check zu machen:

Ist das, was ich zu sagen habe wahr, notwendig und wohlwollend? Warum möchte ich das jetzt sagen? Nützt es dem anderen? Oder nützt es nur mir? Was bezwecke ich damit?

Sai Baba sagt in seinem