Sattvic Lifestyle – Warum Vegan kein Verzicht und kein Dogmatismus ist

In den letzten beiden Artikeln zum Thema sattviger Lebensstil wurde betont, dass der bewusste Verzicht auf bestimmte Dinge keine Bewertung dieser Dinge darstellt (z.B. ist eine intime partnerschaftliche Beziehung nichts Schlechtes), sondern vielmehr der Bewusstwerdung von Abhängigkeiten dient.

Heute möchte ich auf das Thema Ernährung eingehen, bei der es etwas anders aussieht. Denn unsere Ernährungsweise hat nicht nur Einfluss auf unsere Gesundheit und unseren Geisteszustand, sondern sie beeinflusst auch Geschehnisse auf dem ganzen Planeten.

Die Entscheidung, was wir kaufen und was wir essen, hat weitreichende Konsequenzen. Deshalb sollten wir verantwortungsbewusst auswählen, für was wir unser Geld ausgeben.

Einteilung in tamasige, rajasige und sattvige Nahrungsmittel

Im integralen Yoga nach Swami Sivananda werden drei grundlegende Nahrungsmittelgruppen unterschieden: tamasige, rajasige und sattvige Nahrung.

Tamasige Nahrungsmittel vergiften den Körpern und machen unseren Geist träge und ignorant. Zu solchen Nahrungsmitteln gehören z.B. Fleisch, Fisch, Konserven, Tiefkühlkost, Speisen, die zu lange stehen oder zu oft aufgewärmt wurden, zu lang gekochte Speisen, Essig, Tabak, Drogen, Alkohol und Medikamente. Auch Zu-viel-Essen wirkt tamasig.

Rajasige Nahrungsmittel machen Körper und Geist unruhig und fachen Emotionen und Leidenschaften an. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Eier, Kaffee, scharfe Gewürze, weißer Zucker und Weißmehl. Hastiges Essen und das Essen von zu vielen verschiedenen Speisen auf einmal wirken ebenfalls rajasig.

Sattvige Nahrungsmittel versorgen den Körper mit allen Nährstoffen, die er braucht, sind gut bekömmlich, schmecken gut, geben Energie und machen den Geist klar und subtil. Die vier sattvigen Nahrungsmittelgruppen sind Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst.

Milchprodukte gehören nicht mehr dazu

Ursprünglich zählten als fünfte sattvige Nahrungsmittelgruppe noch Milchprodukte dazu. Dies ist in der heutigen Zeit aber leider ohne den Verstoß gegen die oberste ethische Regel nach Patanjali: ahimsa (Gewaltlosigkeit) nicht oder nur sehr schwer möglich.

Aus diesem Grund wird eine rein pflanzliche Ernährungsweise empfohlen. Und das nicht nur für Yoginis und Yogis.

Nach den Ergebnissen der China Study und vielen anderen Folgestudien ist die pflanzliche Ernährung mit einem möglichst hohen Anteil an Rohkost die gesündeste und vernünftigste Ernährungsform für den heutigen Menschen.

Hier die fünf wichtigsten Gründe für rein pflanzliche (vegane) Ernährung:

1. Gewaltlosigkeit und Mitgefühl

Es ist allgemein bekannt, dass 98% der Nutztiere in Deutschland unter unfassbar grausamen Bedingungen gehalten und geschlachtet werden, und dass die Milch- und Eierproduktion in direktem Zusammenhang mit der Fleischproduktion stehen.

Die Fleisch- und Milchindustrie sehen Tiere als Produkte und nicht als fühlende Lebewesen an und behandeln sie dementsprechend. Dies sollte gerade für Yoga-Praktizierende ein absolutes No-Go sein.

Es geht bei diesem Punkt nicht um Geschmack oder Gelüste. Es geht noch nicht einmal um gesundheitliche Fragen (auch wenn diese ebenfalls mit pflanzlicher Ernährung beantwortet werden können). Aus Sicht der Betroffenen – also der sogenannten Nutztiere – geht es um Leben und Tod.

Gewaltlosigkeit ist die erste ethische Regel (Yamas) im Yoga. Und auch in den zehn Geboten der Bibel heißt es: Du sollst nicht töten. Von Ausnahmen ist dort keine Rede. Jede Qual und jedes Leid, das einem Lebewesen auf diesem Planeten zugefügt wird, bedeutet Qual und Leid für alle.

Das ist das Gesetz von Karma. Wer das versteht, kann die grausamen Handlungen, mit denen sich Menschen an Tieren vergehen, nicht tolerieren, geschweige denn durch den Kauf von tierischen Produkten unterstützen.

2. Gesundheit

Wie weiter oben schon beschrieben, ist die aktuelle Studienlage eindeutig: Unsere wohlbekannten Zivilisationskrankheiten wie z.B. Adipositas, Diabetes Typ 2, Hypertonie, Arteriosklerose, alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Arthrose und sogar Krebs stehen in direktem Zusammenhang mit der Ernährungsweise.

Dabei stehen tierische Produkte ganz oben auf der Liste der Krankmacher. Der Tierhaltung entsprechend enthalten Fleisch- und Milchprodukte allerhand Medikamentenrückstände, Wachstumshormone, Antibiotika und Stresshormone.

Hinzu kommen gesättigte Fettsäuren und tierische Eiweiße, die zu Übersäuerung und Eiweißspeicherkrankheit führen, welche sich individuell beim Cholesterinspiegel und verschiedener entzündlicher Vorgänge (wie z.B. Arthrose) im Körper bemerkbar machen kann.

Natürlich wirken sich auch Zucker, Weißmehle und industriell verarbeitete Nahrung negativ auf die menschliche Gesundheit aus, auch wenn diese vegan sind. Vegan ist also auch nicht immer gleich gesund.

3. Umweltschutz

Das Wort Umweltschutz finde ich, ehrlich gesagt, etwas belustigend. Es erweckt den Anschein, wir Menschen wären von unserer Umwelt getrennt. Und wahrscheinlich ist das der Grund, warum viele Menschen so achtlos mit der Umwelt umgehen.

Wenn ihnen klar wäre, dass sie Teil dieser Umwelt, dieses Ökosystems sind und sie ohne es nicht existieren können, würde sich die Frage nach Umweltschutz gar nicht stellen.

Der Erde ist es wohl ziemlich egal, ob die Menschen saubere Luft zum Atmen, frisches Wasser zum Trinken und fruchtbaren Boden für die Landwirtschaft haben. Wenn der Mensch alles verschmutzt hat und ausgestorben ist, geht das Leben auf diesem Planeten weiter seinen Gang und irgendwann sind Luft, Meere, Flüsse, Seen und der Boden wieder sauber.

Nichtsdestotrotz sind Milch- und Fleischproduktion mit die größten Umweltverschmutzer unserer Zeit: 14,5% aller Treibhausgase werden durch die Nutztierhaltung verursacht. Riesige Regenwaldflächen werden für den Anbau von Viehfutter gerodet.

Die Viehhaltung verbraucht unglaublich viel Wasser: Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch z.B. werden 15.500 Liter Wasser benötigt. Außerdem verschmutzen die Exkremente der Tiere das Grundwasser, während über 800 Mio. Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Wer sich pflanzlich ernährt, leistet also einen großen Beitrag für die Umwelt und damit für den Fortbestand der Menschheit.

4. Mitgefühl mit anderen Menschen

Laut der UN leiden derzeit weltweit etwa 870 Mio. Menschen an Hunger. Das müsste nicht sein. Kalorien und Eiweiße aus tierischen Produkten nehmen einen verschwenderischen (und ungesunden) Umweg über die Tiere.

Nur etwa 10% der Nährstoffe, die vorher in pflanzlicher Form auf dem Feld standen, kommen über das Tier beim Menschen an. Zudem werden auf Ackerflächen mit Tierfutter meist Monokulturen angebaut, was den Boden nach einigen Anbauperioden unfruchtbar macht.

Monokulturen sind außerdem anfällig für Schädlinge. Somit werden auf diesen Feldern viele Pestizide und Düngemittel verteilt, was die Verunreinigung des Grundwassers und das Insektensterben begünstigt.

5. Es ist so lecker!

Und deshalb ist sattvige und vegane Ernährung kein Verzicht. Aus frischem Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Kräutern und Gewürzen lassen sich die tollsten Gerichte zaubern.

Bei der Umstellung Deiner Ernährung – die auch in kleinen Schritten erfolgen kann – bist Du eingeladen, viele neue Köstlichkeiten zu entdecken, die Dir bisher durch den Schleier der Gewohnheit verborgen blieben.

Frisches Essen ist so viel schmackhafter als totes, eingelegtes, haltbar gemachtes Füllmaterial. Es ist nahrhaft und gesund und Du tust Dir und der Welt etwas Gutes. Pflanzlich oder vegan ist kein Verzicht. Im ersten Moment ist es eine Umstellung, die zu Beginn ein gewisses Maß an Disziplin erfordert.

Vegan mit Köpfchen

Natürlich gibt es bei veganer Ernährung mehr zu beachten, als einfach nur Fleisch und Milch wegzulassen. Um die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sicher zu stellen, ist eine ausgewogene Ernährung nötig.

Deswegen ist es empfehlenswert, seine Ernährung auf vegan umzustellen und sich, sei es über Bücher, Internet oder Kurse, ausführlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Yoga Vidya bietet viele spannende Seminare und Ausbildungen zum Thema vegane Ernährung an, in denen nicht nur Theorie vermittelt, sondern auch lecker gegessen wird:

Infos zu diesen und weiteren Seminaren findest Du unter www.yoga-vidya.de/seminare/(…)/vegane-ernaehrung/

Vegan – aus Liebe zu allen Wesen!

Om Shanti

Ein Artikel von Gauri D. Reich

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

Quellen:

  • Yogalehrer/innen Handbuch, Yoga Vidya Verlag
  • Yoga Sutras von Patanjali für den Menschen von heute, Sukadev Bretz
  • Die Arthrose Lüge, Liebscher-Bracht
  • China Study, T. Colin Campell, Thomas M. Campell

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Seminare mit Gauri bei Yoga Vidya:

  • 26. – 28.10.2018 – Yogalehrer Weiterbildung: Neue Stellungen einführen
  • 16. – 18.11.2018 – Asanas anatomisch exakt
  • 23. – 25.11.2018 – Asana intensiv für Achtsamkeit, Geduld und Beweglichkeit
  • 14. – 16.12.2018 – Asana intensiv – Sonnengebete
  • 21. – 23.12.2018 – Asana intensiv – Hingabe an Gott

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

 

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