Neujahrsgrüße 2023 – Das Jahr der Nähe

Neujahr 2023 - Das Jahr der Nähe

Die Corona Pandemie ist de facto abgehakt, die Endemie erreicht, weitere Mutationssprünge nicht in Sicht. Nie habe ich mich so deutlich auf diesen frischen Wind der kommenden Zeit gefreut: auf das Jahr der Möglichkeiten, der Freiheiten. Von ganzem Herzen spüre ich aber: 2023 wird das Jahr der Nähe.

Nähe ist wie der Atem

Es gibt Dinge, ohne die wir nicht leben können: die Luft, die wir atmen, frisches Wasser, gesunde Nahrung. Alles körperliche Grundbedürfnisse, über die man kaum zu reden braucht, weil sie so unmittelbar, so selbstverständlich sind.

Ähnlich verhält es sich mit der Psyche. Auch sie braucht “Nahrung”, nicht nur um zu bestehen, sondern auch um zu wachsen. Der Wunsch nach Bindung ist einer dieser elementaren Bausteine unseres Geistes.

In die Verbindung gehen

Nach all den Jahren Pandemie durften wir so viel Alleinsein erfahren, oft darunter leiden, doch letztlich daran wachsen und uns anpassen. Ist es jetzt nicht an der Zeit, stärker denn je unser Herz aufzumachen?

Ähnlich wie die Pflanze ihren Blütenkelch verschließt, um noch Kraft zu sammeln, erblüht sie erst in ihrer vollen Größe, wenn sie sich dem Leben öffnet. Stark erklingt für das kommende Jahr das Gebot nach Nähe:

I. Bring mich mit anderen Menschen zusammen. Mein Urlaub mit meiner großen Familie war ganz klar mein Jahreshighlight. Körperliche Nähe lässt sich schlecht durch das Internet ersetzen. Gibt es vielleicht auch ein Familienmitglied – Oma, Opa, ja Verwandte, die du länger nicht mehr gesehen hast? Dann pack die Koffer und sei bei ihnen, begebe dich auf ein kleines Abenteuer und genieße diesen Tapetenwechsel.

II. Öffne meine Sinne für den Moment. Ist der Alltag allzu formelhaft, hol dich doch gerne mal für einige wertvolle Minuten aus dem Trott raus – und wenn es auch nur 10 Minuten sind, genieße diesen Plausch mit Kollegen, eine innige Umarmung mit einer Freundin, einen Kuss mit dem Liebsten. Die Achtsamkeit dafür wächst vor allem aus der Meditation.

III. Gib mir den Mut, mein dunkles Selbst zu offenbaren. Kannst du deinen eigenen Schatten erkennen, ihn auch annehmen, halten, auffangen? Innere-Kind-Arbeit offenbart uns unsere ureigensten Ängste und – Schreck lass nach – wie hart wir mit unseren Schwächen ins Gericht gehen. Höchste Eisenbahn also, endlich die Barrikaden abzubauen!

IV. Lass mich wissen, was Körper und Geist brauchen. Erst über die Praxis habe ich erkannt, wie sehr das bewusste Ausrichten im Hatha Yoga mein Körpergefühl geschult hat und damit meinen Blick dafür wie es mir (wirklich) geht und was ich überhaupt brauche.

V. Öffne mir den Zugang zu den Herzen anderer Menschen. Wenigfühler mögen die Stirn runzeln über so viel Nähebedürfnis. Emphatie lässt sich allerdings gezielt schulen – vielleicht ist dir bereits dazu die Metta Meditation zu Ohren gekommen, oder im Yoga Kontext Maitri Bhavana, die Meditation der Herzensgüte.

VI. Mach mir bewusst, dass ich dieses Leben gestalte. Jeder einzelne von uns kann eine Gesellschaft gestalten, die näher, freundlicher und wärmer ist. Sei du die Person, die den Freundeskreis zusammenbringt, sich gemeinnützig im Sportverein engagiert oder gute nachbarschaftliche Beziehungen pflegt.

VII. Lass mich erkennen, dass ich empfangen darf. Gerade die Warmherzigsten unter uns vergessen allzu oft sich selbst, verschenken sie doch so viel Liebe! Halte jetzt inne, und richte diese Energie auf dein ureigenes Selbst.

VIII. Öffne mir die Augen, für all die Wunder, die mich bereits umgeben. So viele Menschen, vielleicht dich eingeschlossen, die gesund sind, lebendig, voller Neugierde, Ideen und Lebenskraft. Wie wundervoll!

IX. Gib mir die Bereitschaft, alte Streitigkeiten beizulegen. Schauen wir in unser Innerstes, gibt es gewiss eine Person, die uns enttäuscht hat oder die wir selbst verletzt haben. Überlege, ob es nicht Zeit ist, einen Schritt zu tun, diesen Konflikt beizulegen.

X. Mache mich stark. Nähe erfordert so viel Mut. Viele Tränen hat es mich bisher gekostet, den dicken Panzer aus Selbstschutz herunterzufahren, um anderen Menschen näherzukommen. Der Weg durch die Tränen macht stark, wenn du dich in deinen Verletzlichkeit von Freunde, Familien und Herzensmenschen auffangen lässt, die deine Verletzlichkeit annehmen können.

Routinierten Yogis ist ja bereits bekannt: Yoga bedeutet Einheit, bedeutet Verbindung. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu hegen und zu kultivieren, im Inneren wie im Äußeren also gleich spirituelle Königsdisziplin.

Frohes Neues und alle Liebe der Welt! ❤️


Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennenlernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.

Von der Liebe – Khalil Gibran

12 Kommentare zu “Neujahrsgrüße 2023 – Das Jahr der Nähe

  1. Ein wundervoller Beitrag, der mir nahe geht und mich zur Nähe inspiriert. Danke!!

  2. Anonymous

    Es ist ein so wunderbarer Beitrag.
    Vielen Dank

  3. Daphne Schneider

    Danke! So gut ausgedrückt und ermutigend!

    • Lisa