Wie ich mit Yoga begonnen habe

Yoga hatte bisher keinen Platz in meinem Leben. Schließlich war das was für Alternative, hippe Hipster, Trendsetter, überspannte Latte-Machiatio-Mütter oder schlichtweg eine völlig überbewertete Modeerscheinung.

Doch irgendwie hat sich der Yoga seinen Weg gesucht und ist bei mir angekommen. Wie Wasser sucht sich Yoga seinen Weg und findet ihn.

Auf der Suche nach einer mir angenehmen Bewegungsform habe ich so einiges ausprobiert. Die guten Vorsätze waren da, die Möglichkeiten ebenfalls. Gewichte stemmen im Studio, schnaufend, schwitzend schnelle Bewegungsabfolgen zu lauter Musik absolvieren, traben, rennen und was der Fitnessmarkt alles hergab. Das Ergebnis war mehr oder weniger immer gleich. Ja das mach ich, ganz toll. Die freie Marktwirtschaft angekurbelt – eine vernünftige Ausstattung ist das A und O wie man weiß und still und heimlich nach spätestens vier Wochen.

Es war so ähnlich wie all die tollen Cremes die ich mir alle paar Jahre zum Geburtstag schenkte – ein gut gefüllter Schrank kann auch Freude machen.

Trotzdem, da musste es doch was geben. Bewegung bei der ich ins Schwitzen, aber nicht aus der Puste komme. Das Studio um die Ecke bot Body Ballance an. Eine Mischung aus TaiChi, Pilates und Yoga. Upps – da war es ja: Yoga! Ausprobieren schadet nix. Leggins, T-Shirt und warme Socken genügen.

Sich mit Yoga ent-wickeln

Die warmen Socken brauchte ich dann nur bei der abschließenden Entspannung, aber ansonsten kam ich ins Schwitzen. Keine Spur von Luftnot, dafür bemerkte ich an mir Muskeln, von denen ich nicht mal mehr wusste, dass ich sie besaß. Mein Interesse war geweckt. Ich blieb am Ball. Ein Jahr später rieb ich mir verwundert die Augen, ich war immer noch dabei, freute mich auf die Stunden. Noch besser: Es passierte etwas mit mir, es war nicht wirklich greifbar, aber irgendwas passierte da. Mike sprach immer wieder vom Yoga. Yoga nahm in den Stunden immer mehr Raum ein. Der Kaffeeröster unseres Vertrauens sprang auf den Yogazug auf und hatte eines Tages Matten, Klötze, Gurte und einiges mehr im Angebot. Nachdem ich so lange durchgehalten hatte, belohnte ich mich mit einer Grundausstattung für zu hause. DVD inklusive. Fortan übte ich auch zu hause. Der Yogavirus hatte mich erwischt. Da machste nix, außer neugierig nach mehr Informationen Ausschau halten.

Neugierig enthält das Wort Gier. Ich gierte nach Wissen, wollte tiefer in den Yoga einsteigen. Der im Studio angebotene Kurs sorgte nicht für Erleuchtung – vielmehr war mir sofort klar, wie ich Yoga nicht erleben möchte. Ja Yoga geht auch in unruhig, hektisch und unkoordiniert. Abgesehen davon, was nützte mir der beste Yogakurs, wenn ich wieder nur konsumierte. Das war mir zu wenig. Ich wollte mehr. Ich wollte wissen, warum, woher, wieso, was, wer, … und und und.

So bin ich zu Yoga Vidya gekommen. Das Angebot klang vielversprechend, der Tag der offenen Tür im Kölner Yogacenter überzeugte mich innerhalb von Minuten restlos. Es war eine Herzensentscheidung. Meinen Entschluss behielt ich erst mal für mich. Die Skeptiker, Klugscheißer, Besserwisser durften ihre Meinung für sich behalten. Interessierte mich nicht! Als ich es dann erzählte, kamen Warnungen vor einer sektenähnlichen Struktur, ich sollte vorsichtig sein. Erinnerungen an Osho der 1980er Jahre. Ja nee ist klar. Überhaupt, ich bei meiner Figur und ich kann das nicht. Yogis sind schlanke, bewegliche Menschen, die sich in jede Richtung verbiegen können. Ja dann wird es ja Zeit, dass ein Mensch mit mehr Körper den Schritt wagt.

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Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya

Ich freute mich auf den Beginn der Yogalehrerausbildung, selbst wenn die Eleganz, die Anmut und Perfektion bei mir mehr als zu wünschen übrig ließ und lässt. Vedamurti lehrt uns, dass es gut ist wie es ist, es geht um Zufriedenheit. Ich bin gut so wie ich bin, ich bin genau richtig. Und wenn der Kopfstand auf sich warten lässt, dann ist es auch gut. Und wenn der Kopfstand in diesem Leben auf sich warten lässt, dann ist es gut. Wichtig ist, ich praktiziere, ich bin bei mir.

Devaki ist einfach ein Sonnenstrahl.

Das ist wirklich toll. In der Gruppe interessiert sich niemand dafür, was der Nachbar auf der Matte macht und selbst wenn, es wäre mir egal. Unsere Ausbildungsgruppe ist etwas ganz besonderes! Wenn ich donnerstags nach der Arbeit zum Unterricht ins Center stiefele, bin ich oft müde, der Tag war lang. Manchmal muss ich mich aufraffen, es wäre so einfach, es ausfallen zu lassen. Eine Entschuldigung lässt sich leicht finden – Arbeit, Termine, Familie. Aber nein! Wie von einem Magneten angezogen, liege ich Donnerstag für Donnerstag auf der Matte. Müde gehe ich hin, munter, wunderbar entspannt entschwebe ich dem Center. Es ist fantastisch.

Wenn ich Yoga praktiziere, dann bin ich ganz bei mir. Die Welt bleibt außen vor.

Das erste Intensivwochenende im Westerwald stand schneller als gedacht vor der Tür. Mir war mulmig. „Der spirituelle Weg.“ unter diesem Motto stand das Wochenende. Es war sehr spirituell und es brachte mich an meine Grenze. Jeder Satsang, jede Unterrichtsstunde, jede Yogastunde für sich genommen – wunderbar. Aber derartig gedrängt in kurzer Zeit. Gut möglich, dass die Erfahrungen meiner Kindheit und Jugend einen nicht unerheblichen Einfluss ausübten. Aufgewachsen im anderen Teil der Republik stehe ich großen Versammlungen, gemeinsamen Ritualen mehr als skeptisch gegenüber. Es stellte sich mir die Frage, ob ich das wirklich so leben kann und so leben will. Die gut gemeinten Sektenwarnungen begannen in meinem Kopf lauter zu rufen.

Vedamurti mit seiner ruhigen Art nahm mir meine Zweifel. Zweifel sind erlaubt, ich nehme das an, was für mich in Ordnung ist. Der Weg ist das Ziel, immer locker bleiben. Alles kann, nichts muss.

Und genau so ist es, alles kann. Das Kundalini-Wochenende habe ich leider verpasst, eine fette Bronchitis bereitete mir einige Freude. Aber wer weiß, wofür es gut war, im April fühlte ich mich für Kundalini noch nicht bereit.

Dafür war das Schweigewochenende mit Swami Divyananda eine Offenbarung. Nein ich bin nicht erleuchtet, nein ich schwebe auch nicht. Aber ich halte es sehr gut mit mir alleine aus. Es war wirklich entspannend mal nichts sagen zu müssen, nicht reagieren zu müssen, einfach nur beobachten. Schweigen bedeutet plötzlich, ich muss nicht mal eine Meinung haben. Genial. Zuhören. Schweigen. Beoachten. Schweigen. Am ersten Abend rasten die Gedanken in meinem Kopf. Sie schlugen Purzelbäume. Ganz schön viel los da oben. Dabei die bange Frage, wie soll ich das schaffen, 90 Minuten Meditation? Bewegungslos sitzen, atmen, Gedanken loslassen und einfach nur sein?

Erstaunlich: es funktionierte! Der Geist wurde ruhiger. Ich konnte loslassen. Der Alltag war weit weg. Die täglichen Probleme – noch weiter weg. Der Knoten im Kopf – weg.

Der Satsang am Samstag Abend, ne war das schön. Der Gesang berührte mein Herz. Es lässt sich schwer in Worte fassen. Ich konnte mich darauf einlassen, ich konnte mich fallen lassen. Es war ein bisschen wie ein Stück vom Himmel.

Yoga macht was mit dir. Ich selbst bin inzwischen viel ruhiger. Mein Blickwinkel ist ein anderer geworden. Abgesehen davon – mein Körper kann inzwischen Dinge, die ich nie für möglich gehalten habe. Der auf dem Rücken liegende Käfer macht sich.

Eines steht fest: Yoga macht was mit Dir.

Ich danke allen, die mich auf meinem Yoga-Weg begleiten. Das Abenteuer hat gerade erst angefangen.

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Ein Bericht einer Teilnehmerin des Seminars „Meditation Intensiv Schweigen“ im Westerwald Ashram (Yoga Vidya Seminarhaus Westerwald)

 

1 Kommentar zu “Wie ich mit Yoga begonnen habe

  1. Wunderbar, ein sehr leidenschaftlicher Bericht. Zum Glück ist meine Freundin Yoga-Lehrerin(Ausbildung bei Yoga Vidya) und ich habe schon einen Präventionskurs bei ihr mitgemacht. Gern würde ich mal nach Bad Meinberg kommen, bin aber gerade „out of work“ und die lieben Finanzen….Aber die äußerst positive Jyotimaya begleitet mich in diesem Prozess. Bin selbst ausgebildeter Übungsleiter für Breitensport und habe immer Yoga-Übungen in das Aufwärmtraining eingebaut.
    LOVE&PEACE, Om ShivaShankara

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