YVS269 – Die 7 Yoga Vidya Unterrichtsprinzipien

Yoga Vidya Schulung
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Sivananda, Kundalini, Anusara – jeder Yoga Stil hat seine einzigartige Persönlichkeit. Wenn man danach fragt, was eigentlich den Yoga Vidya Stil ausmacht, so kann man diese Frage nicht beantworten, ohne auf die 7 Unterrichtsprinzipien von Yoga Vidya sprechen zu kommen.

Folge 269 des Yoga Vidya Schulung Podcast mit zusätzlichen Erläuterungen im Text.

Welche Unterrichtsprinzipien machen den Yoga Vidya Stil aus?

Die 7 Unterrichtsprinzipien sind der rote Faden für eine Yogastunde im Yoga Vidya Stil. Sie bestimmen Gestaltung, Schwerpunkt, Technik, Zielsetzung und Mindset des Kurses. Die 7 Prinzipien lauten:

  1. Aufbau auf der Yoga Vidya-Grundreihe
  2. Anpassung an Zielsetzung und Zielgruppe
  3. Asanas werden gehalten
  4. Entspannung, Atmung, Konzentration sind elementar
  5. Respekt vor der inneren Intelligenz der Teilnehmer
  6. Yogalehrer unterrichtet mit Stimme, Händen und Füßen, Prana und Liebe
  7. Spirituelles Mindset des Lehrers

Ein gut ausgebildeter Yogalehrer hat diese Prinzipien tief verinnerlicht und setzt sie entsprechend auch sorgfältig in seiner Stunde um.

1. Aufbau auf der Yoga Vidya-Grundreihe

Das erste der Unterrichtsprinzipien verweist auf den klassischen Ablauf einer Yogastunde im Yoga Vidya Stil. Diese Yoga-Sequenz wird teils “Grundreihe“, aber auch “Rishikesh-Reihe” genannt. Sie besteht aus Entspannungsübungen, Mantra-Singen bzw. Mantra-Rezitation, Atemübungen, verschiedenen vorbereitenden Übungen, Asanas und manchmal auch einer kurzen Meditation.

Klassische Yoga Vidya Grundreihe

  • Anfangsentspannung
  • 3x Om chanten, Mantra-Rezitation, 3x Om Shanti chanten
  • Pranayama (Atemübungen)
  • Sonnengruß
  • Bauchmuskelübungen
  • Asanas (12 Grundstellungen)
  • Tiefenentspannung
  • Meditation
  • 3x Mm chanten, Mantra-Rezitation, 3x Om Shanti chanten
  • Gruß an die Meister

Dabei ist die Abfolge so aufgebaut, dass Teilnehmer sowohl körperlich und geistig als auch spirituell optimal angesprochen werden. Genau das soll das erste Unterrichtsprinzip “Aufbau auf der Yoga Vidya Grundreihe” gewährleisten.

Körperliche Wirkungen

  • Kräftigung der Muskulatur
  • Zugewinn von Flexibilität

Geistige Wirkungen

  • Freude und Gelöstheit
  • Tiefe Entspannung
  • Reduktion von Ärger und Ängsten
  • Konzentration und Klarheit
  • Entwicklung von Eigenschaften: Loslassen, Selbstbewusstsein

Energetische Wirkungen

  • Nadis öffnen sich
  • Chakras werden aktiviert
  • Gefühl der Weite, der Transzendenz

2. Starke Anpassung an Zielsetzung und Zielgruppe

Yoga Vidya für alle! Das zweite Unterrichtsprinzip hat einen sehr inklusiven Anspruch. Ob Opa, Enkel, Mutter – je nach Geschlecht, oder auch Altersgruppe variieren die Bedürfnisse der Teilnehmer. Die hohe Anpassungsfähigkeit des Yoga Vidya Stils sorgt dafür, dass ganz einzigartige Stunden entstehen, je nachdem, welche Zielgruppe angesprochen werden soll.

Seitdem hat sich eine Vielzahl spezieller Abwandlungen von der klassischen Yoga Vidya Stunde gegeben, wie beispielsweise Kinderyoga, Business Yoga für Berufstätige, oder Rückenyoga für Menschen mit Rückenbeschwerden.

Als Yoga Vidya Yogalehrer weißt du um die Bedürfnisse und Motivation deiner Teilnehmer und kannst flexibel auf ihre Bedürfnisse reagieren. Während sich manche einfach nur körperlich fordern wollen, möchten andere Teilnehmer gezielt ausspannen und sich langsam und sanft bewegen. Und während es für die eine Gruppe sinnvoller ist, ganz ruhige und meditative Stunden anzubieten, brauchen andere Teilnehmer mehr Wärme und Leichtigkeit.

3. Asanas werden gehalten

Die Körperstellungen im Yoga, die Asanas, werden im klassischen Yoga ruhig gehalten. So bedeutet der Wortstamm “as” von asana wörtlich “sitzen”, also eine vornehmlich bewegungslose Tätigkeit. Deswegen lautet das dritte der Yoga Vidya Unterrichtsprinzipien: “Asanas werden gehalten”.

Im Yoga Vidya Stil werden die Asanas nicht dynamisch im Flow absolviert, sondern statisch und bewegungslos gehalten. Der Geist folgt dabei der Ruhe und Bewegungslosigkeit des Körpers. Dabei entsteht besonders schnell eine meditative Geisteshaltung und das Spüren wird genauer.

4. Entspannung, Atmung, Konzentration sind elementar

Um in der Yogastunde richtig in Stimmung zu kommen, ist Entspannung unabdingbar. Diese wird einerseits durch die Asanas erzeugt, das Spiel von Anspannung beim Halten und Entspannen bei einer Zwischenentspannung. Der kluge Yogalehrer beobachtet seine Gruppe genau und merkt, wie viel Pause und Entspannung vonnöten sind.

Andererseits ist es auch Aufgabe des Yogalehrers, eine Art entspannte Grundstimmung zu fördern. Anders als im Alltag oder in der Arbeitswelt soll Yoga kein Wettbewerb sein oder gar Leistungsdruck fördern. Sind Yoga Vidya Stunden deshalb lasch? Mitnichten! Der Yogalehrer schaut darauf, dass sich alle bemühen, aber eben in spielerisch-entspannter Atmosphäre.

Zum ruhigen Atem führen

Daneben achtet der Yogalehrer besonders auf die ruhige und vollständige Atmung im Yogaunterricht. In den Ansagen werden die Bewegungsabläufe deswegen immer mit einem Ein- oder Ausatmen begleitet. Und auch in den Asanas macht der Yogalehrer auf die Bewegung des Atems im Bauch oder in der Brust aufmerksam. Einem entspannten Atem folgt ein entspanntes Gemüt.

Konzentration und Klarheit erzeugen

Nicht zuletzt eignet sich der Atem wunderbar als Fokuspunkt. Um die Aufmerksamkeit des Teilnehmers gezielt auf einen Punkt zu bündeln, kann er sich einiger Konzentrationshilfen bedienen. Auf diese Weise wird eine Stimmung der Klarheit und Konzentration erzeugt. Nach Patanjali ist Dharana, die Konzentration, Grundvoraussetzung für die Meditation. Neben dem Atem können Yogalehrer die Achtsamkeit zusätzlich auf bestimmte Körperteile lenken und mit Visualisierungen arbeiten.

Entspannung, Atmung und Konzentration – all das greift ineinander, wie die Bewegung von Zahnrädern, die sich gegenseitig beeinflussen.

5. Respekt vor innerer Intelligenz der Teilnehmer

Während des Yogas ist der Lehrer gefragt, sich selbst zurückzustellen und sich ganz in seine Gruppe reinzufühlen. Dazu gehört auch die Einsicht, dass die gezeigte Technik oder die Ansage nicht allen Teilnehmern entsprechen kann. Alle Menschen sind unterschiedlich, anatomisch wie charakterlich. Diese Vielfalt gehört es zu berücksichtigen.

Deswegen entscheiden Teilnehmer auch selbst, ob und wie weit sie eine Asana machen wollen. Als Yogalehrer begleitest du jeden einzelnen von ihnen und kannst bei Bedarf sinnvolle Variationen für eine Asana oder Atemübung anbieten. Oftmals bietet es sich auch an, bestimmte Hilfsmittel wie Kissen oder Gurte bereitzustellen.

Während Anfänger zunächst noch klare und sichere Ansagen bedürfen, ist es das Ziel, mehr und mehr die Entwicklung des genauen Spürens bei den Teilnehmern zu fördern. Durch Konzentration und Achtsamkeit auf ihre inneren Bedürfnisse merken Teilnehmer dann ziemlich schnell, was ihnen guttut, und was nicht.

6. Yogalehrer unterrichtet mit Stimme, Händen und Füßen, Prana und Liebe

Wenn die Yoga Vidya Unterrichtsprinzipien dazu anhalten, mit Händen und Füßen zu unterrichten, ist damit keine ausladende Körpersprache oder sonstige Pantomime gemeint. Ob mit dem sanften Streichen einer Hand, oder dem Bein als Stütze, können Hilfestellungen gegeben, oder wahlweise auch sinnvolle Korrekturen eingeleitet werden.

Die Stimme ist dein Instrument

In Hinblick auf die Stimme ist auch sie als ein wichtiges Instrument zu sehen, um mit den Teilnehmern in Kontakt zu kommen. Sprechrhythmus, Tonhöhe und Aussprache wirken wörtlich auf die Stimmung im Raum. Diese sollte immer entspannt sein, kann natürlich aber je nach Yogalehrer eher lebhaft-warm oder klar-meditativ ausfallen.

Das Prana zum Fließen bringen

Daneben braucht es noch Prana für den Yogaunterricht. Um Lebensenergie auszustrahlen, bedarf es dazu einer regelmäßigen eigenen Praxis des Yogalehrers. Gut aufgeladen, kann sich der Yogalehrer so voll auf die Stunde einlassen, dann geschieht das Unterrichten fast wie von alleine.

Nicht zuletzt kommt die Liebe des Yogalehrers in all seinem Schaffen zum Ausdruck. Spürst du diese Begeisterung und Hingabe für das Yoga und die Yogalehre, wird sich dieses Engagement in gut vorbereiteten Stunden und einer Haltung der Offenheit und Sympathie bemerkbar machen.

7. Mindset des Yogalehrers

Zu guter Letzt kommen die Yoga Vidya Unterrichtsprinzipen nochmal auf das Mindset des Yogalehrers zu sprechen. Dazu gehört zunächst eine innere Haltung der Demut. Als Yogalehrer weiß man: “Ich selbst bin auch Schüler. Ich bin in einem Austausch und lerne und wachse beständig mit meinen Kursteilnehmern”.

Liebe das, was du tust

Dazu gehört auch ein gewisse Hingabe, oder auch Liebe zu dem, was man tut, wie oben bereits angesprochen. Durch eine gute Yogastunde und seine authentische Präsenz, schafft der Yogalehrer so eine gute Grundvoraussetzung, damit die Schüler sich entspannt und aufgehoben fühlen können.

Manche verbinden diese Hingabe zum Yoga auch mit einem besonders starken Bhakti, also einer Hingabe zu Gott. Alles Schaffen, insofern es Gott gewidmet wird, kann so zu einer Art Gottesdienst werden. Dabei sieht sich der Yogalehrer weniger im Vordergrund seines Tuns, als ein Instrument des Göttlichen, das durch ihn wirkt und Gutes tut. Geld ist notwendig, sollte aber nicht die Hauptmotivation deines Unterrichts sein.

Lebe deine Lehre

Zu guter Letzt gilt der Grundsatz: “Teach what you practise, practise what you teach“. Soll heißen als Yogalehrer praktizieren wir selber auch genau das, was wir lehren. Erst durch die Erfahrung können wir ein gutes Gefühl dafür bekommen, wo die Reise für den Schüler hingehen soll. Eine tägliche eigene Yogapraxis gehört ebenso dazu, wie ein sattwiger Lebensstil.

Der Kompass des Yogalehrers

Neben dem Alltagsgeschäft treffen Yogalehrer immer wieder auf unerwartete Situationen, oder hat für sich ungeklärte Fragen. Da ist eine Teilnehmerin schwanger, ein anderer hat Probleme mit dem Rücken. Oder du fragst dich, ob du im Unterricht Musik abspielen sollst.

In solchen Situationen ist es sinnvoll, sich auf die 7 Unterrichtsprinzipen von Yoga Vidya zu besinnen. So entdeckst du die Quintessenz des Yoga Vidya Stils, bekommst Inspiration für deine Yogastunden und kannst Herausforderungen mit Weitsicht und Umsicht begegnen.


Dieser Podcast gehört zur Vortragsreihe „Yoga Vidya Schulung – Der ganzheitliche Yogaweg“ und ist Teil des zweiten Jahres der zweijährigen Yogalehrerausbildung.

Yogalehrer werden

Anderen beizubringen in Kontakt mit ihrem inneren Frieden zu kommen: Selbst Yoga zu unterrichten ist wahrscheinlich eine der größten Freuden, die es gibt. Die 4-Wochen-Intensiv Yogalehrer Ausbildung führt durch konzentrierte Übung zu einer tiefen inneren Erfahrung und öffnet den Zugang zur inneren Intuition. Die so erweckte Lebensenergie gibt dir die persönliche Ausstrahlung, die für einen Yogalehrer notwendig ist:

1 Kommentar zu “YVS269 – Die 7 Yoga Vidya Unterrichtsprinzipien

  1. Danke! Unterrichte seit 6 Jahren Yoga und bin dankbar für die Wiederholung, das Erinnern an die Prinzipien des Unterrichtens
    OM Shanti Shivani

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