Wer bin ich? Eine geführte Meditation

Wer bin ich?
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Wer bin ich? Das ist die bestimmt wichtigste und geheimnisvollste Frage der Welt. Auf der Suche nach einer Antwort hat die Vedanta Philosophie dafür nicht nur ein paar theoretische Antworten parat, sondern auch einen probaten praktischen Weg zur Selbsterfahrung.

Mit der Subjekt-Objekt Meditation kannst du deinen Körper beobachten und schulst dich in der Unterscheidung: Was kann ich beobachten? Und was davon bin ich? Mit begleiteter Subjekt-Objekt Meditation zum Üben, eingesprochen von Sukadev!

Wer bin ich? Eine uralte Frage

Quer durch alle Philosophien und Religionen zieht sich die Frage des Seins. “Wer bin ich?” – fragen sich die Menschen und suchen damit auf diese Weise ihren Platz im Universum. Denn wissen wir, wer wir sind, kennen wir auch unsere Aufgabe, unseren Daseinszweck.

Eine Antwort aus dem Vedanta

Yoga ist dabei eng verknüpft mit der indischen Philosophie des Vedanta. Deren Essenz kann kurz und gut anhand der 3 Sätze des Shankaracharya erläutert werden:

  1. Brahman ist wirklich
  2. Das Leben ist Schein
  3. Die Welt ist nichts, als Brahman allein

Brahman bezeichnet dabei die einzig wahre Realität hinter allen Dingen. Dabei wird die Auffassung vertreten, dass nichts wirklich getrennt voneinander existiert, sondern letztendlich alles zu der einen wahren Realität des Brahman gehört.

Die Welt selbst dagegen, wie wir sie wahrnehmen, ist eine Scheinwelt, eine Illusion. Wir nehmen diese äußere Scheinwelt, die Maya, als viele unterschiedliche Dinge wahr, wie den Körper, den Geist, Bäume, Flüsse, Häuser, andere Menschen. So kommt es uns vor, dass wir in unserem Körper getrennt von alldem existieren.

Ich bin reines Bewusstsein

Mithin ist diese Auffassung nach dem Vedanta eine Täuschung. Unser Körper und unser Geist ist, wie alles in seiner Essenz, Teil des Brahman, der allumfassenden Realität. Tief verschüttet, hinter unseren komplexen Empfindungen, Motivationen, Regungen und Gedanken existiert hingegen das wahre Selbst. Das, was wir sind, der Atman, ist reines Bewusstsein.

Dieser Atman ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Körper, dem Geist, oder einer Seele. Es ist einfach das reine Gewahrsein. Der Beobachter. Das Bewusstsein, das friedvoll im Zentrum unserer Existenz ruht.

Klingt erstmal abgefahren? Neben staubtrockener Theorie liefert das Vedanta genau überlieferte Techniken und Methoden, wie genau diese Erfahrung des reinen Bewusstseins gemacht werden kann. Die Seinsfrage wird dabei klassischerweise mit der Subjekt-Objekt Analyse ergründet.

Die Subjekt-Objekt Analyse aus dem Vedanta

Das Ziel der Subjekt-Objekt Analyse ist es, sich durch Beobachtung der Umwelt gewahr zu werden, dass man immer zwischen einem Subjekt und Objekt unterscheiden kann:

  • Subjekt ist dasjenige, das erfährt und wahrnimmt. Es ist unser Selbst.
  • das Objekt hingegen ist das, was erlebt wird.

Der Himmel, die Wolken, die Katze, oder ein Stein, Worte, Autos – es sind alles Objekte, die das Subjekt erfährt. Durch Beobachtung der Umwelt können wir demnach erkennen, was da ist, aber nicht zu uns gehört.

Körpergefühl und Identität

Normal gesunde Menschen haben meistens ein recht genaues Gefühl dazu, was sie als sich selbst empfinden. Dazu gehört für viele ihr Körpergefühl, ihr Geist oder ihre Seele. Spezieller vielleicht auch die jeweils einzigartige Persönlichkeit, unsere liebenswerten und anstrengenden Macken, unsere Tugenden, Angewohnheiten, das Temperament und unsere Launen.

Wie man sieht, umfasst unser Wahrnehmungsfeld für unser Selbst für gewöhnlich unser Körpergefühl und eine dazugehörige Identität. Vedanta geht hier einen Schritt weiter und fragt: Ist dieser Körper nicht nur ein weiteres Objekt? Sind unsere Gedanken und Gefühle nicht einfach nur weitere Sinneswahrnehmungen und damit Objekte, die sich zwar vertraut anfühlen, aber letztendlich auch nicht als das gelten können, was wir als unser Selbst (das, was wahrnimmt) definieren wollen?

Wer bin ich? Bin ich mehr als mein Körper?

Konsequent auf die Seinsfrage angewandt, können wir also die Subjekt-Objekt Analyse nutzen, um das, was wir bisher als unser Selbst wahrgenommen haben, aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten.

Sagen wir beispielsweise, wir sind stark mit bestimmten Attributen unseres Körpers identifiziert, wie etwa unsere langen und schlanken Beine. Dann können wir mithilfe der Subjekt-Objekt-Analyse diese zunächst wahrnehmen, ohne zu werten, sie einfach spüren. Indem wir uns anschließend gezielt bewusst machen, dass wir nicht unsere Beine sind, können wir uns sogleich mit der Frage beschäftigen: Wer nimmt die Beine wahr? Und von wo?

Der Prozess der Subjekt-Objekt-Analyse ist also der Prozess des Bewusstwerdens: Was kann beobachtet werden? Denn alles Beobachtbare bin ich nicht.

Warum ist das nützlich?

Nun zugegeben, nicht jeder strebt unbedingt danach, spirituell zu erwachen. Dennoch hat die Subjekt-Objekt Analyse auch für interessierte Laien ein paar unschlagbare Vorteile:

  • Body Positivity: Distanzierung von einer übersteigerten Identifikation mit dem Körper. Weniger perfekte Stellen, graue Haare, Falten und Speckrollen lassen sich so einfacher vergeben.
  • Den inneren Antreiber zum Schweigen bringen: Wir können beobachten, dass mäkelnde und fordernde Gedanken zwar da sind, dass sie jedoch kommen und gehen. So können wir sanfter mit uns umgehen und uns auch mal Ruhephasen erlauben. Eher gemütliche Menschen lernen hingegen, sich von ihrem inneren Erlauber zu distanzieren.
  • Innere Ruhe: Was für unsere Gedanken gilt, gilt auch für unsere Emotionen. Wut, Trauer, Ärger und Ekel, aber auch Obsession, Schadenfreude mögen in uns aufkommen, sie machen uns aber nicht aus.

Wer bin ich? Meditationstechnik