Minimalismus und Yoga

Minimalismus und Yoga passen gut zusammen, auch wegen der Yamas und Niyamas

Die meisten von uns kennen es: Wer so richtig meditieren will, braucht Ruhe, Ordnung und Sauberkeit. Mit dem Minimalismus ist zumindest der zweite Punkt fast dauerhaft gegeben. Es gibt viele Gründe für einen Minimalismus auf allen Ebenen. Besonders wer sich mit den Yamas und Niyamas auseinandersetzt, hat dies bestimmt schon gemerkt. Es gibt also praktische und ethische Gründe, warum wir uns als Yogis mit dem Thema vertraut machen und die Grenzen kennenlernen sollten.

In den Geschichten aus der Bhagavad Gita gibt es nur wenige Yogis, die sich auf ihr Reichtum etwas einbilden. Man liest doch deutlich öfter von Bettelmönchen, Pilgernden und Armen, die die Erleuchtung auf ihrem Weg gefunden haben. Sie alle hatten wenig Sachen. Neben ihrer Bettelschale gab es manchmal noch die gute alte Jute Yogamatte und was auch immer ihnen an Nahrung geschenkt wurde.

Praktisch ist der Minimalismus

Ein Grund für den kargen Besitz der Yogis ist sicherlich ein praktischer. Sie wollen die Erleuchtung erfahren, die es nur in ihnen gibt. Dazu brauchen sie weder 5 neue T-Shirts, noch 7 paar Schuhe. Wenn wir runterbrechen, was wir wirklich zum Leben brauchen, dann ist es oft eine ganze Menge weniger, als wir grade haben. Klar, wir sind keine Mönche aus alten Zeiten, haben eventuell Kinder und Job, für die wir allein einen Computer, Handy, Kleidung, Einkommen, Essen etc. brauchen. Aber das Prinzip bleibt das gleiche. Wir besitzen oft viele Dinge doppelt, kaufen ein neues Kleidungsstück, weil es schöner ist oder bekommen etwas geschenkt, von dem wir uns nicht trennen wollen aus Höflichkeit. Richtig schenken und geschenkt zu bekommen ist ein schwieriges Thema, deshalb ist es oft leichter, mit dem eigenen Konsum anzufangen.

Einkaufen ist ein guter Anfang für Minimalismus. Wir könnnen unseren Konsum selbst reduzieren

Hat man ein Ziel, ist es gut auf dem Weg keinen Ablenkungen ausgesetzt zu sein. Die Spielekonsole, das neue Porzellane-Set und der neue Mantel machen uns die materielle Welt noch stärker bewusst. Je mehr wir haben, desto mehr konzentrieren wir uns auch darauf. Wir müssen die Sachen sauber halten, pflegen und reparieren. Das kostet Zeit und mentale Kapazität. Beim Meditieren kommen uns eventuell Gedanken wie “Ich muss das noch reparieren” oder “Wo habe ich das nur verloren?”. Dies sind Ablenkungen auf dem spirituellen Weg. Da wir glauben, dass es alles zu Maya, der Illusion, gehört, ist es nur logisch, keine materiellen Dinge anzuhäufen, die wir nicht brauchen.

Dieses Prinzip können wir noch weiter führen. Neue Dinge kaufen ist das eine, Altes weggeben das andere und geistiger Minimalismus steht auf einem ganz neuen Blatt. Gedanken, die uns aufhalten oder runterziehen, brauchen wir nicht. Es ist nicht leicht, aber sind wir uns dessen bewusst, dürfen wir uns gerne von ihnen verabschieden. Ein etwas kontroverses Thema sind alte Freunde, die man aus Gewohnheit in seiner Freundesliste auf Facebook hat. Mit wem möchtest du wirklich dein Leben teilen und wer ist eigentlich schon länger nicht mehr nah bei dir? Auch diesen Aspekt des Minimalismus unterstütz der Raja Yoga.

Raja Yoga für Minimalismus

Laut den Yamas und Niyamas gibt es bestimmte Dinge, auf die wir achten sollen im Umgang mit anderen. Das erste Yama heißt Ahimsa und bedeutet Gewaltlosigkeit. Das macht den Konsum schon deutlich schwieriger in unserer Zeit. Denn mit dieser Aufforderung sollen wir keinem anderen Wesen Schaden zufügen. Fairtradeprodukte und Selbstgemachtes kommt dem vermutlich ziemlich nahe. Wer als vollkommener Yogi leben möchte, schaut zwei Mal auf Verpackungen, Umweltverschmutzungen und Produktionsbedingungen für alle gekauften Sachen. Asteya, nicht stehlen, unterstütz diesen Ansatz als drittes Yama. Einige argumentieren beispielsweise, dass Billiglohnländer von großen Konzernen ausgebeutet werden. Ist das dann trotzdem in Ordnung, dort zu kaufen?

Kaffee gibt es auch als Fairtrade Variante

Das 5 Yama Aparigraha, Enthaltsamkeit, bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens, einschließlich dem Besitz, der vielen Worte und Bekanntschaften. Hier werden zu viele Worte beispielsweise als Verschwendung der Energie gesehen. Aparigraha lädt uns ein, genau zu überlegen, wofür wir unsere Energie einsetzten möchten. Es gibt also schon eine ganze Menge Gebote aus dem Raja Yoga, die uns darauf hinweisen, eher weniger zu konsumieren. Das, was wir kaufen, sollte dafür ganz bewusst geschehen.

Kaufen wir etwas mit Freude, weil wir wissen, dass es uns lange gute Dienste leisten wird, beziehen wir uns auf Santosha, die Zufriedenheit. Santosha meint, dass wir mit dem zufrieden sein sollen, was wir haben. Yoga heißt nicht Verzicht, sondern Bewusstsein. Es ist vollkommen okay, mal ein Eis zu essen, ein neues paar Schuhe zu kaufen oder in den Urlaub zu fahren. Aber alles in einem Rahmen von Ahimsa, Asteya und Saucha, der Reinheit. Zu viele Dinge können das Leben nämlich auch schnell unordentlich und überladen machen. Da ist Minimalismus eine tolle Möglichkeit zum gegensteuern.

Alles hat seine Grenzen

All diese Gründe gegen das Kaufen haben natürlich ihre Grenzen. Ja, wir brauchen eine Hose zum Yoga im Studio. Aber müssen es wirklich 4 Designerleggins sein? Es ist auch wichtig, ein schönes zu Hause zu haben, in dem wir uns wohlfühlen. Statt ständig neue Deko zu kaufen, könnten wir uns beispielsweise einmal richtig tolle Dinge anschaffen und uns dann an ihnen erfreuen. Minimalismus heißt eben auch so viel wie nötig. Und dieses nötig ist für jeden Menschen an einer anderen Stelle. Jemand mit einem Job in einer anderen Stadt hat es deutlich schwerer ohne Auto als der Bettelmönch um 1000 vor Christus.

Aussortieren kann hilfreich sein.

Yoga ist dafür da, um uns in Verbindung mit dem Höchsten zu bringen. Dazu gehört es, sorgenfrei meditieren zu können. Schau einfach, auf was du gut verzichten kannst und behalte den Rest. Du kannst nach und nach weiter Dinge verschenken oder weggeben wenn du merkst, dass du auch ohne sie gut klarkommst. Yoga ist ein Weg der Mitte. Er lädt dich ein, liebevoll auf alle Menschen, Dinge und Energien in deinem Leben zu schauen und ihnen gegenüber, sowie dir selbst, Achtsamkeit entwickeln zu lassen. Überlege dir gerne, wie viel du jetzt grade brauchst und fange damit an, die Sachen sein zu lassen oder wegzugeben, die du nicht vermissen wirst. Stück für Stück, Tag für Tag kannst du dein Leben etwas freier machen.

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