Atha atah Brahma-jijnasa – Nutze die Zeit!

Atha atah Brahma-jijnasa – Wisse JETZT um Brahman, das Absolute! Hier und jetzt – denn wo & wann sonst könnte das Universelle, das überall Seiende sein, wenn nicht in diesem Augenblick… und in diesem… und in diesem…? Gleich einem Fluss, der fließt und immer frisch ist, immer neu, und sich trotzdem im Fließen selbst als das Beständige inmitten aller Veränderung(en) erweist. Brahman, das Absolute – „Es ist näher als das Naheste und entfernter als das Entfernteste.“

Der Raum in einem Tonkrug und der Raum außerhalb des Tonkruges werden durch den Krug getrennt. Das Absolute ist dieser Trennung nicht unterworfen. Das Absolute ist alles, inmitten von allem. Das Absolute ist innerhalb des Kruges, außerhalb des Kruges und der Krug selbst. Und: Das Absolute ist nichts von alledem – denn es ist gleichfalls niemals das, was mit Definitionen (Worte, Gedanken) um-fasst werden könnte. Das Absolute ist frei – jenseits jeglicher ‚Beschaffenheit‘ und unberührt von Raum und Zeit.

Solcherart sind meine Gedanken, als ich heute morgen einen Spaziergang durch das ‚Silvaticum‘, ein botanisches Erholungsgebiet in Bad Meinberg, unternehme. Der Frühling ist in vollem Gange. Mutter Natur schießt pure Energie in alles, was lebt. Seit Februar bin ich bei Yoga Vidya Bad Meinberg als fester Sevaka tätig. Und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. Nicht immer – aber oft. Warum nicht immer? Wechselhaftigkeit ist ein Attribut des unbeständigen Geistes. Doch dazu ein andermal mehr. 

Bei Yoga Vidya habe ich nun täglich mit Yoga zu tun, und ich genieße es, all die wunderbaren Yogastunden erfahren zu dürfen. Yoga Vidya Bad Meinberg ist Europas größtes Yoga-Seminarhaus und zugleich ein Ashram, ein gemeinschaftlicher Ort für (unter anderem) Yoga-Praxis und Meditation. Eine Oase spirituellen Lebens. Nun bin ich hier – denn hier will ich sein, und ich darf schreiben über das, was mich bewegt.

Pant rhei - alles fließtWas mich bewegt? Das Leben bewegt, weil Leben Bewegung ist. Wie der Fluss. Und die Wolken. Und das ganze Schauspiel der Natur.

Mein Wecker läutete heute Morgen um 05:00 Uhr. Das habe ich mir freiwillig so eingerichtet. Denn so habe ich nach den üblichen Tätigkeiten im Bad bereits am Morgen viel Zeit für ein erfülltes (und nicht bloß gefülltes!) Leben. Ich beginne mit 20 Minuten Pranayama (Kapalabhati u. Wechselatmung). Dann meditiere ich 5 Minuten lang. 20 Minuten waren mir bisher zuviel, also sind 5 Minuten zur Zeit genau richtig, um entspannt zu bleiben und nicht 3/4 der Meditation qualvoll „abzusitzen“. Anschließend übe ich einige Male den Sonnengruß, sehr sanft und doch progressiv… so erlebe ich, wie sich mein Körper morgens bereits ‚öffnen‘ kann, gleich einer Blüte. Und mein Geist folgt dieser Öffnung. Oder umgekehrt. Vermutlich beides.

Nach dem Sonnengruß folgen weitere Übungen: Hatha YogaAsanas nach Wahl. Nicht viele, nicht sehr lange gehalten. Es ist eigentlich nur ein kurzes, stets wechselndes Aufwärm-Programm für den Tag, denn im Verlauf des Tages werde ich sowieso noch an einer geführten Yogastunde teilnehmen. Ein wahres Geschenk.

Nach Pranayama, Meditation und Hatha Yoga geht es entweder zur gemeinsamen Meditation mit anschließendem Satsang, oder ich habe eine weitere Stunde Zeit und nehme mir diese oftmals für einen Spaziergang im oben erwähnten Silvaticum. Und es ist eine wahre Freude, um 07:00 Uhr morgens mit der Natur auf Tuchfühlung zu gehen. Es bringt lebendige Frische in Körper & Geist. So wie mein Körper die Luft atmet, so atmet mein Geist den Frieden des neugeborenen Tages.

Ich weiß: Dies ist eine Zeit, an die ich in Zukunft gerne zurückdenken werde. Das ist indirekt. Die direkte Bedeutung ist: Jetzt – genau in diesem Moment – bin ich glücklich!

Mittlerweile sitze ich im Büro und schreibe all dies auf, und ich habe bereits vor 08:00 Uhr morgens schon 3 Stunden pure Lebensqualität erfahren dürfen, anstatt 3x auf den Wecker zu hauen oder mich 4x im Bett herumzudrehen. Deswegen möchte ich darüber berichten, um dich dazu zu inspirieren, deinen täglichen Morgenstunden vielleicht mehr Aufmerksamkeit und „Leben“ zu schenken. Nutze die Zeit auch dafür, um dir zu geben, was du brauchst und was dir gut tut. Selbstverständlich kannst du deinen Alltag auch tagsüber oder Abends be-leben. Ich habe aber festgestellt, dass ein vitaler Start in den Tag eine wundervolle Basis ist, für alles, was kommt. Doch setze dich nicht unter Druck. Finde heraus, was DIR gut tut. Vielleicht sind es nur 5 Minuten, vielleicht 3 Stunden, die du dir am Tag für dein Wohlbefinden nimmst. Wohlbefinden meint in diesem Fall, dass du tatsächlich spürst und erfährst, dass deine Wurzeln dir mehr und mehr Halt geben und dass du lebendig bist und wächst. Ein göttliches Wesen, der Freiheit entsprungen und in Freiheit beheimatet. Verwurzelt, wachsend, fließend, strebend, sprudelnd, atmend, wehend, regnend, scheinend, seiend, … das Erleben Erlebende. Spüre das. Sei das. Du bist DAS!

Einstellungswechsel: „Mens sana in corpore sano“ – Ein gesunder Geist weilt in einem gesunden Körper. Der Körper rückt besonders ins Bewusstsein, wenn er nicht mehr zufriedenstellend funktioniert. Funktionieren ist die Funktion des Körpers. Er ist lediglich Instrument des Geistes – und selbst unser Geist ist nur Mittel zum Zweck. Das klingt zugegeben sehr nüchtern und abgeklärt. Deswegen: Das Leben erfährt sich selbst durch sich selbst – und unsere selektive Aufmerksamkeit, die relative Bewusstheit, wirkt dabei wie eine Taschenlampe im Dunkeln. Doch in Wirklichkeit ist alles erleuchtet – und wir sind eins mit dem Licht, denn wir sind DAS. Darin liegt die glücksverheißende Qualität spiritueller Selbsterkenntnis.

Dies alles fließt jetzt in mir. Ohne Anspruch auf ‚Echtheit‘. Ohne Anspruch auf richtig oder falsch, gut oder schlecht. Die Stille muss nicht laut werden, um jemanden von sich zu überzeugen. Stille ist still. Frieden ist friedlich. Du bist DAS! Ich bin DAS. Wir sind DAS. Soham!

Om Shanti.

Stille. Jenseits der Stille.

Om.

 

Impressionen des 7-Uhr Spaziergangs im Silvaticum, bei Yoga Vidya Bad Meinberg:

Blog-Artikel zu den Jahreszeiten: 

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4 Kommentare zu “Atha atah Brahma-jijnasa – Nutze die Zeit!

  1. Liebe Bettina,

    vielen Dank für deinen netten Kommentar.

    Viele Grüße
    Om Shanti

    Dirk

  2. Was für ein toller Beitrag, Dirk! Und die wunderschönen Fotos haben die morgendliche Stimmung eindrucksvoll festgehalten.
    Mir geht es auch so, dass ich morgens viel Zeit für mich benötige, in Stille. Ich mache dann, wonach mir gerade der Sinn steht: lesen, träumen, schreiben, Yoga. Egal, was der Tag noch bringt-ich habe mir dann schonmal etwas Gutes getan.

    Viele Grüße
    Bettina

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