Wildkräuter Teil 2 – Superfood und Medizin am Wegesrand

In den Frühjahrs- und Sommermonaten kannst du ganz leicht in den Genuss von Wildkräutern, dem gesunden Superfood am Wegesrand, kommen.

In Teil 1 dieser Blog-Serie hast du schon etwas über Spitz- und Breitwegerich, Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn, Giersch und Gundermann erfahren können. Sie wachsen auf natürliche Art und Weise ganz von selbst, ohne, dass man sich darum kümmern muss.

Du kannst dich ganz einfach am prall gefüllten Gabentisch der Natur bedienen – und aus Wildpflanzen werden im Handumdrehen „Nutzpflanzen“, da die Kräuter dir auf vielfache Weise nützlich sein können. Viele oftmals als „Unkraut“ verpönten Pflanzen sind essbar und strotzen nur so vor Vitaminen und Mineralstoffen.

Was es beim Sammeln von Wildkräutern zu beachten gilt

Bevor ich dir heute weitere sehr häufig vorkommende Wildkräuter vorstelle, möchte ich auf ein paar Punkte eingehen, die es beim Kräuter sammeln zu beachten gilt.

Falls du die Wildkräuter nicht bereits im eigenen Garten findest, ist es gut dir einen Ort zu suchen, der weder gedüngt wird noch an einer viel befahrenen Straße oder an Bahnschienen liegt. Außerdem ist es von Vorteil, wenn deine Sammelstelle nicht allzu häufig von Hunden aufgesucht wird.

Die Gefahr durch den Fuchsbandwurm wird übrigens überbewertet. Die Anzahl der bekannten Neuerkrankungen ist verschwindend gering. Wer Angst vor dem Bandwurm hat, sollte übrigens auch angebautes Gemüse meiden, da Füchse bei ihren Streifzügen keinen Unterschied zwischen wilder Natur und Ackerland machen.

Die beste Zeit für die Kräuterernte ist der Vormittag, weil die Pflanzen hier in vollem Saft stehen und noch nicht durch die Sonne ausgetrocknet sind. Jedoch sollte der Tau bereits getrocknet sein.

Pflücke nur gesunde und saubere Pflanzen, die frei von Insekten sind.

Schaue, dass du von jeder Pflanze nur wenig Blätter nimmst, damit sie weiter leben kann. Am besten ist, wenn man nachher gar nicht sieht, wo du geerntet hast. Trenne die Blätter vorsichtig, am besten mit einem kleinen Messer ab, damit sie wieder nachwachsen können.

Auch wenn von vielen Wildpflanzen die Blüten essbar sind, ist es gut, diese den Bienen zu überlassen. In unserem Land finden die Bienen nur noch wenige Wiesen, die ungespritzt sind.

Am besten sammelst du die Kräuter in einem Küchensieb oder Stoffbeutel. Verwende keine Plastiktüte, da die Pflanzen darin schwitzen und sich schwarz verfärben könnten. Sammle und verzehre auf jeden Fall nur die Pflanzen, die du sicher und eindeutig identifizieren kannst. Im Zweifel lieber stehen lassen und nochmal in ein Buch schauen.

Frauenmantel

An seinen großen rundlichen Blättern, die mit einem feinen weichen „Fell“ bedeckt zu sein scheinen, lässt sich der Frauenmantel gut erkennen. Seine Blätter sind leicht gefaltet, so dass sich morgens gerne Tautropfen darin sammeln.

Die hellen jungen Blätter lassen sich wunderbar als Salat oder im Gemüse verwenden und können als Vorrat für den Winter leicht getrocknet werden.

In der Heilkunde wird Frauenmantel meistens als Tee verabreicht. Dafür werden die frischen Blätter mit kochendem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen gelassen. Der Tee hilft bei vielen Frauenleiden wie Menstruationsbeschwerden, PMS, Krämpfen oder Wechseljahresbeschwerden und soll schwache Kinder stark machen.

Äußerlich angewendet hilft der Tee bei Weißfluss und Geschwüren, Ekzemen und eitrigen Wunden. Ayurvedisch gesehen senkt Frauenmantel Pitta und Kapha Dosha und erhöht Vata.

Bilder vom Frauenmantel: 

Labkraut

Das Labkraut steht gerne zu großen Mengen auf Wiesen und Äckern. Es hat feine schmale längliche Blättchen, die sich leicht klebrig anfühlen.

Da das Labkraut für die Bauern und Gärtner ein hartnäckiges Unkraut ist, wird es oft mit harten Mitteln bekämpft. Das wäre sicher nicht der Fall, wenn sie um seine heilenden Wirkungen wüssten…

Labkraut wird – wie Frauenmantel – als Tee aus den frischen Blättern verabreicht. Dieser Tee reinigt die Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse und Milz sowie das Lymphdrüsensystem.

Außerdem soll der Tee gegen Kropf und Schilddrüsenerkrankungen helfen und sogar Zungenkrebs heilen. Äußerlich kann der Tee bei allen Hautkrankheiten, Wunden, Mitessern und schlaffer Gesichtshaut angewendet werden.

Aber abgesehen von seiner wertvollen Wirkung als Heilpflanze macht sich das Labkraut auch wunderbar als Salatgrundlage.

Bilder vom Labkraut: 

Sauerampfer

Auf nährstoffeichen Wiesen, Lehm- oder Tonböden findet man den Sauerampfer, ein Wildgemüse, das etwas säuerlich schmeckt und an Zitrone erinnert. Der Sauerampfer enthält neben reichlich Vitamin C auch Carotin, Eisen, Gerbstoffe und Flavonoide.

Die freie Oxalsäure, die in den frischen Blättern enthalten ist, kann zur Schädigung der Niere führen, wenn sie über mehrere Monate regelmäßig zugeführt wird. Deswegen bitte nicht übertreiben. Durch Kochen und Abgießen des Kochwassers, kann die Säure entfernt werden.

Die Blätter des Sauerampfers machen sich super im Salat oder in Suppen und können vor sehr fettreichen Speisen die Verdauung in Schwung bringen.

Sauerampfer wirkt blutreinigend, harntreibend und stärkt das Immunsystem.

Bilder vom Sauerampfer: 

Melisse

Die Melisse ist eine aromatische Pflanze, deren Blätter süßlich frisch duften und sich leicht behaart anfühlen. Ihr Aroma ist am stärksten vor der Blütezeit. Sie schmeckt lecker in Salaten und Kräutermischungen, aber auch in Süßspeisen und als Kalt- oder Heißgetränk

Aber die Melisse kann noch mehr: Sie wirkt krampflösend und beruhigend und kann damit z.B. bei Magenbeschwerden, Einschlafstörungen und Depressionen helfen. Sie kann aber unter anderem auch bei Erkältungskrankheiten oder Kreislaufschwäche eingesetzt werden. Mit diesen Heilwirkungen wurde die Melisse 1988 Arzneipflanze des Jahres.

Die Melisse wirkt kühlend, reduziert Pitta und Kapha Dosha, ohne jedoch Vata zu erhöhen.

Bilder von Melisse:

Gänsefingerkraut

Die Blätter des Gänsefingerkrautes und der Pimpinelle ähneln sich sehr in Größe und Form und sind daher leicht zu verwechseln. Was jedoch nicht weiter tragisch ist, denn beide Pflanzen sind essbar.

Beim Gänsefingerkraut sind die Blättchen tiefer gefiedert und glänzen silbrig. An manchen Stellen, an denen viele dieser Pflanzen wachsen, sieht es wirklich so aus, als ob lauter winzige Gänseflügelchen über die Wiese verteilt sind.

Du kannst ihre Blätter in den Salat geben, in Kräutermischungen und in die Salatsoße, aber auch in Öl dünsten oder als Tee zubereiten.

Das Gänsefingerkraut wirkt krampflösend und kann daher als Mittel gegen Bauch- und Unterleibsschmerzen sowie bei Menstruationsbeschwerden und krampfartigen Durchfällen eingesetzt werden.

Bei Entzündungen in Mund oder am Zahnfleisch kannst du mit dem Tee aus dem Kraut gurgeln. Bei Reizmagen sollte jedoch kein Gänsefingerkraut verzehrt werden, da dies die Beschwerden verschlimmern kann.

Bilder vom Gänsefingerkraut: 

Pimpinelle / Kleiner Wiesenknopf

Die Blätter der Pimpinelle, die auch als kleiner Wiesenknopf bekannt ist, sind weniger stark eingezackt, als die des Gänsefingerkrautes und erscheinen eher dunkelgrün. Sie sind Bestandteil der berühmten Frankfurter Grünen Soße.

Die Pimpinelle macht sich jedoch nicht nur in Kräutermischungen gut, sondern auch als Salat, Limonade oder Tee und enthält unter anderem viel Vitamin C.

Das Kraut hilft gegen Durchfall, Weißfluss und innere Blutungen und wirkt entzündungshemmend.

Foto von der Pimpinelle [Bildquelle: Hanson59, Wikipedia DE]:

So, uns jetzt raus in die Natur! Viel Spaß beim Sammeln, Erforschen und Kosten!

Ein Artikel von Gauri Reich 

Alle Teile der Serie findest du hier: 

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Gauri Reich ist Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher und Diplom Betriebswirtin. Gauri praktiziert Yoga seit 2011.

Nach ihrer Yogalehrer Ausbildung lebte sie fast 2 Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Ihr Yogaunterricht basiert auf dem Yoga nach Swami Sivananda, der mal durch fließende Elemente aus dem Vinyasa, mal durch exate Ausrichtungsprinzipien aus dem Iyengar Yoga und mal durch ganz viel Bhakti und Mantras ergänzt wird.

» Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

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Quellen:

  • https://utopia.de/ratgeber/10-unkraeuter-die-man-essen-kann/
  • https://de.wikipedia.org/
  • Essbare Wildpflanzen, Steffen Guido Fleichhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger
  • Gesundheit aus der Apotheke Gottes, Maria Treben
  • Heilpflanzen und ihre Kräfte, Lingen
  • Heilkräuter – Geschenke Gottes für Deine Gesundheit, Verein Freunde der Heilkräuter A3822 Karlftein, Thaya
  • Ayurveda mit heimischen Pflanzen, Kersin Rosenberg, Dr. med. Kalyari Nagersheth, Dr. Andrea Küthe Albrecht

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