Yoga im Human Resource Management – Freier arbeiten

Stress

Einen Großteil unserer Lebenszeit verbringen wir mit Arbeit. Ich bin, also arbeite ich. Die tägliche Erfahrung von Deadlines, Informationsüberflutung und Perfektionismus stressen jedoch enorm. Zum Auftakt des Yoga Kongress 2021 stellt Dr. Nanni Schleicher dazu in ihrem Vortrag ihr Konzept von Yoga im Human Resource Management vor.

Dabei analysiert sie, inwiefern wir unsere Arbeitskultur mithilfe von Yoga verbessern können, damit wir unsere Arbeit möglichst entspannt, kreativ im Flow und konfliktfrei genießen können.

Stress und Arbeitskultur aus Blick des Human Resource Management

Was ist Stress?

Wer sich schon auf gemütliches Sitzen und zuhören eingestellt hatte, wurde am Anfang des Vortrages gleich eines besseren belehrt und durfte aufstehen zu einer Übung für bewusstes Stresserleben. Dazu sind wir alle aus dem Stand marschiert, dann gerannt bis zum geht nicht mehr, um anschließend im kompletten Stillstand bewusst in unseren Körper zu spüren.

Wie wir sehen gibt uns Stress erstmal was Gutes, nämlich genau dann Kraft und Energie, wenn wir sie für die Bewältigung von Herausforderungen brauchen. Stress ist somit erfahrbar ein Zustand, in dem sich Körper und Geist auf eine erhöhte Leistungsbereitsschaft einstellen.

Stress
Stress in der Arbeit kann ganz schön schlauchen

Ein individuelles Erlebnis

Stress ist dabei nicht einfach da, sondern immer in Beziehung zu unserer Umwelt und unserem Erleben zu betrachten. Erfolgt also ein Stressor, ist das Stresserleben abhängig von:

  • unserer Bewertung : Ist die Herausforderung anstrengend, bedrohlich, einfach?
  • Ressourcen: Werkzeuge zur Überwindung (Körper, Intelligenz, Gelassenheit)

Das schönste am ganzen Tag, das sind die Pausen!

Das Stresserleben ist außerdem eng verknüpft mit unserem Gehirn. Haben wir einen Stressor, wird daraufhin der Symphatikus im Gehirn aktiviert und setzt die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol in Gang. Bei der Entspannung hingegen wird der Parasymphatikus aktiviert und das System fährt runter. Wie in der Übung kann das eigene Stresserleben dann hin zur Entspannung bewusst durch Spüren und Atmung beobachtet werden.

Zum Stressmantra der Moderne ist leider die beklagenswerte Arbeitskultur vieler Arbeitsplätze geworden. Zu wenig Zeit, hohe Anforderungen an uns selbst und Termindruck machen uns zu überstressten Kaffee- und Zuckerjunkies, mit wenig Platz für Muße und Gemütlichkeit.

Was macht Stress mit Körper und Geist?

Ständiger Stress ist dabei keineswegs ein Zustand, den wir als normal hinnehmen sollten. Ist der Körper im ständigen Leistungsmodus, kann das nicht nur körperlich und geistig schlauchen, sondern ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen. Stressfolgen sind unter anderem:

  • Gedankenkreisen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • erhöhte Emotionalität, Überempfindlichkeit
  • Schmerzen
  • Erschöpfung
  • Nervosität
  • Krankheiten: Burnout, oder Depression

Wie wirkt sich Stress auf Unternehmensebene aus?

Ebenso wie wir persönlich Stress nicht zu einem Dauergast werden lassen sollten, wirken sich gestresste Mitarbeiter auch direkt auf ein Unternehmen aus. So beobachtet man regelmäßig:

  • verminderte Leistung der Mitarbeiter
  • höhere Krankenrate
  • geringere Identifikation
  • hohe Fluktuation
  • Steigende Kosten

Stressorenanalyse mit Human Resource Management und Yoga

Human Resources Management mit Yoga verknüpfen
Der moderne Arbeitsplatz kann zu einer großen Quelle für Stressoren werden

Die Lösung für ein Problem ist immer so gut, wie das Werkzeug, das wir dafür verwenden. Zur Analyse von Stressoren in unserer Arbeitskultur schlägt Dr. Schleicher deswegen die Nutzung der Kleshas aus dem Yoga vor. Kleshas definierte Patanjali in seiner berühmten Yoga-Schrift der Yoga Sutras, als die 5 Quellen von Leid.

Was sind nach dem Human Resource Management die häufigsten Stressoren am Arbeitsplatz?

Zunächst gilt es festzuhalten, was deine Stressoren überhaupt sind. Am häufigsten werden folgende Ursachen für Stress am Arbeitsplatz genannt:

  • Deadlines
  • Kritik
  • unklare Zuständigkeiten
  • hohes Pensum
  • Informationsüberflutung

Was sind deine persönlichen Stressquellen? Nimm dir eine ruhige Minute Zeit und schreibe dir alles aus der Seele, was dich auf der Arbeit belastet.

Stressorenanalyse mithilfe von Patanjalis Kleshas

Nach Patanjali sind die 5 Quellen von Leid:

  • Unwissenheit (Avidya): Irrtümer
  • Identifikation (Asmita): Ego, Gedanke, Gefühle, Glaubenssätze
  • Anziehung (Raga): Wünsche und Vergnügungen
  • Abneigung (Dvesa): Ablehnung, Schmerz, Leid, Vorurteile, Schuld
  • Angst (Abhinivesha): Ablehnung, Tod, Einsamkeit

Anwendung der Kleshas auf Stressoren

Mithilfe unserer Notizen und dem Klesha Analysetool, können wir uns nun unsere Stressoren einzeln vornehmen und aus der ganzheitlichen Yoga Perspektive betrachten.

Termindruck

Nehmen wir das Beispiel Termindruck, so sitzen wir möglicherweise dem Irrtum (Avidya) auf, unsere Arbeit immer möglichst pünktlich, genau und perfekt abliefern müssen. Grund dafür könnte eine starke Identifikation (Asmita) mit der eigenen wahrgenommenen Arbeitsleistung sein. Nur wenn wir einwandfrei funktionieren, habe wir Selbstwert. Dementsprechend mag und schätzt man an sich selbst die eigene Leistungsfähigkeit (Raga), schämt sich jedoch, wenn man nicht funktioniert (Dvesa). Das alles kann mit der Angst (Abhinivesha) verflochten sein, abgelehnt zu werden.

Informationsflut

Daneben kann uns auch die tägliche Informationsflut am Arbeitsplatz stressen. Haben wir die falsche Vorstellung (Avidya) immer erreichbar sein zu müssen, entsteht daraus der Irrtum, jeden Telefonanruf sofort beantworten zu müssen und E-Mails minütlich zu checken. Vielleicht liegt das in der Angst (Abhinivesha) begründet, etwas zu verpassen und dann dafür kritisiert zu werden (Dvesa). Es kann auch sein, dass wir gerne sehr viel Abwechslung im Arbeitsalltag haben (Raga), was allerdings auch dafür sorgen kann, das wir nichts wirklich konzentriert bearbeiten können.

Überwindung des Stresses nach Patanjali

Selbststudium
Selbststudium mithilfe Patanjalis Kleshas

Wie man sieht, kann man mithilfe der Kleshas eine Menge über sich selbst und seine Stressoren erfahren. Nach Patanjali ist ein solches Selbststudium der erste Schritt zur Überwindung von Leid. Dieses Kriya Yoga (Yoga der Handlung) umfasst insgesamt:

  1. Selbststudium, Selbstreflexion
  2. Disziplin, Askese
  3. Hingabe zu Gott

Wissen wir also dank der Kleshas über unsere Stressoren recht gut Bescheid, so liegt es an uns, im nächsten Schritt Disziplin an den Tag zu legen, also Dinge zu tun, die wir nicht mögen, um die Stressoren zu verringern.

Für Perfektionisten bedeutet das, bei Termindruck vielleicht mal fünfe gerade sein zu lassen, Aufgaben auch an andere abgeben zu können, oder gewisse Mindestanforderungen mit dem Chef zu vereinbaren. Im letzten Schritt zählt dann die Hingabe zu Gott, also das Vertrauen in unser Handeln zu legen und einfach die Dinge zu machen, die wir uns vorgenommen haben.

Human Resource Management und Yoga – Selbstoptimierung als Lösung?

Über stetige Selbstreflektion und Handeln können wir aktiv in unseren Arbeitsalltag eingreifen und vorhandene Stressoren minimieren, oder sogar beseitigen. Auf diese Weise nehmen wir unsere Gesundheit selbst in die Hand. Es ist jedoch auch Vorsicht geboten: Die eigene Gesundheitsoptimierung im Arbeitskontext ist nicht immer die Antwort, insbesondere wenn erhöhter Druck durch hohe Arbeitsbelastung, geringe Löhne, oder schlechte Arbeitsbedingungen bestehen.

In diesem Fall wäre es eher angeraten, Veränderungen auf Ebene des Unternehmens zu suchen. Beispiele dafür könnten ein ethischer Unternehmenskodex sein, ähnlich den Yamas und Niyamas, eine offene Kommunikationskultur, oder vom Unternehmen bereitgestellte Yogakurse.


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Seminare und Ausbildungen

Wenn dein Leben von negativen Glaubenssätzen und Gedankenmustern bestimmt wird, wenn es deiner Konzentration an Kraft mangelt, dann solltest du Raja Yoga praktizieren, einen der sechs Yogawege, den Königsweg, den Weg der Geistesbeherrschung. Nicht deine Gedanken sollten über dich herrschen, sondern du über sie:

Burnout – Ausgebranntsein – ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit erheblich reduzierter Leistungsfähigkeit. Doch sind Burnouts so individuell wie die Individuen selbst und die Ursachen liegen meist in der Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen. In unseren Häusern erfährst du eine optimale Atmosphäre, um Heilung zu erfahren und der gemeinsame Weg von Yoga und westlicher Psychologie führt dich zurück zu dir selbst und somit zu deiner dir innewohnenden Kraft:

Das uralte Wissen der Yogis wird mehr und mehr von den Erkenntnissen moderner Wissenschaft gestützt und bestätigt. Gerade in der aktuellen Zeit kann Yoga ein umfassendes Verständnis über wirkungsvolle Techniken vermitteln, die sowohl den Alltag erleichtern als auch die tiefgreifende Suche nach dem Sinn des Lebens. Der Yoga Kongress findet jährlich statt und wartet mit jeder Menge wissenschaftlicher Vorträge, spannender Workshops und Yogastunden zum Thema Yoga, Gesundheit und Wissenschaft auf:

Die Referentin

Nanni Schleicher

Dr. Nanni Schleicher ist Gründerin des KAH-Konzepts. Dieses bestärkt Anwender in einen positiven Umgang mit den Herausforderungen der heutigen Welt für ein gesundes und nachhaltiges (Arbeits-) Leben.

Hierbei wird das antike Wissen aus der Yogalehre mit modernen, interdisziplinären (Denk-) Ansätzen aus der Wissenschaft kombiniert, um leidverursachende Verhaltensmuster und Systeme aufzulösen.

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